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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Großbritannische Eisenbahnen

die Annahme der einzelnen Paragraphen festgesetzt und alles bis dahin nicht durchberatene ohne Debatte zur Abstimmung gebracht wurde. Zum Gesetz wurde jedoch die heiß umstrittene Home-Rule-Bill dennoch zunächst noch nicht, da das Oberhaus 8. Sept. mit 419 gegen 41 Stimmen beschloß, sie nicht zur zweiten Lesung zuzulassen. Als Antwort darauf wurde von den Radikalen eine lebhafte Agitation auf Abschaffung oder Umgestaltung des Oberhauses ins Werk gesetzt, falls es bei seiner Opposition gegen das Home-Rule-Gesetz verharre und sich dem Volkswillen zu widersetzen wage.

Wie eine Demonstration gegen die geplante Reichsauflösung, wirkte auch die mit feierlichem Pomp 10. Mai in Scene gesetzte Eröffnung des Imperial Institute in London, das bestimmt ist, eine dauernde Ausstellung der Erzeugnisse aller Teile des brit. Weltreichs und zugleich eine Reichsuniversität zu umfassen. Inmitten des sonst so erbitterten Streites der Meinungen erregte der Untergang eines der größten engl. Kriegsschiffe, der erst 1887 erbauten Victoria, die 22. Juni in der Nähe von Tripoli an der Nordküste von Syrien mit 336 Mann, 21 Offizieren und dem Geschwaderchef, Viceadmiral Sir George Tryon, sank, allgemeinste Trauer und Teilnahme. Herbeigeführt wurde die Katastrophe durch den Zusammenstoß mit einem andern Kriegsschiff, dem Camperdown, und zwar, wie das sofort eingesetzte Kriegsgericht 27. Juli erkannte, infolge eines Befehls des Sir George Tryon, der das Signal zu einer Evolution gegeben hatte, für die es an Raum gebrach. Einigermaßen gesühnt wurde dies Vergehen des Höchstkommandierenden durch sein heldenmütiges Verhalten während der Katastrophe, die überall Bewunderung und Anerkennung hervorrief. Die Vermählung des voraussichtlichen Thronfolgers, Georgs, Herzogs von York, mit der Braut seines verstorbenen Bruders, der Prinzessin Marie von Teck, die 8. Juli 1893 stattfand, erregte allgemeine Befriedigung und Freude.

Litteratur zur Geschichte. Gardiner und Mullinger, Introduction to the study of Engl. History (Lond. 1881) führt in das Studium der engl. Geschichte ein. Die Quellenschriften zur engl. Geschichte werden in neuerer Zeit durch Einzelausgaben, besonders aber in großen Sammelwerken allgemein zugänglich gemacht. Die von der königl. Recordkommißion seit 1858 herausgegebenen "Rerum Britannicarum medii aevi scriptores" zählen bereits an 200 Bände; für das 16. und 17. Jahrh. ist das reichhaltige Akten- und Urkundenmaterial in den von verschiedenen Herausgebern für die einzelnen Perioden gesondert behandelten "Calendars of State Papers" enthalten. Unentbehrliche ältere Sammlungen sind: Rymer, Foedera, conventiones, literae et cuiuscunque generis acta publica etc. (10 Bde., Haag 1739-45); Wilkins, Concilia Magnae Britanniae et Hiberniae (4 Bde., Lond. 1737); Ellis, Original letters illustrative of English History (11 Bde. in 3 Serien, ebd. 1824-46). Außerdem bringen eine Reihe schätzenswerter Beiträge die Publikationen der English Historical Society (seit 1836) und der Camden Society (seit 1838).

Allgemeine Darstellungen. Eine kurze und übersichtliche Gesamtdarstellung bietet Green, Short history of the English People (Lond. 1874 u. ö.; deutsch, 2 Bde., Berl. 1889; erweitert als History of the English People, 4 Bde., Lond. 1877-81). Noch immer viel gelesen ist Hume, History of England (8 Bde., Lond. 1763 u. ö.; fortgesetzt von Smollet). Mit kath. Tendenz, sonst gut, ist Lingard, History of England (8 Bde., 1819-30; 6. Aufl., 10 Bde., 1854; deutsch, 15 Bde., Frankf. 1827-33); Macintosh, History of England (fortges. von Bell und Wallace, 10 Bde., Lond. 1830-38); Wendt, England, seine Geschichte, Verfassung und staatlichen Einrichtungen (Lpz. 1892).

Für einzelne größere Perioden sind die Litteraturangaben bei den einzelnen Königen und Königinnen zu vergleichen, außerdem Lappenberg, Pauli und Brosch, Geschichte von England, Bd. 1-7 (Hamb. und Gotha 1834-92), bis 1688 reichend, das beste Werk für das engl. Mittelalter; Froude, History of England from the fall of Wolsey to the defeat of the Spanish Armada (neue Ausg., 12 Bde., Lond. 1881); Busch, England unter den Tudors, Bd. 1 (Stuttg. 1892); Ranke, Engl. Geschichte vornehmlich im 17. Jahrh. (3. Aufl., 9 Bde., Lpz. 1877-79); daneben über die Revolutionszeit die Einzelwerke von Guizot (s. d.) und Gardiner (s. d.); Macaulay, History of England from the accession of James II. (5 Bde., Lond. 1848-61 u. ö.; deutsch von Bülau, 2. Aufl., 5 Bde., Lpz. 1860-61, und Beseler, 4. Aufl., 8 Bde., Braunschw. 1868); Graf Stanhope (Lord Mahon), History of England from the peace of Utrecht to the peace of Versailles 1713-83 (5. Aufl., 7 Bde., Lond. 1857; deutsch, 8 Bde., Braunschw. 1855); Lecky, History of England in the eighteenth century (8 Bde., 1878-90; deutsch, Bd. 1-4, Lpz. 1879-83); Spencer Walpole, History of England from the conclusion of the Great War in 1815 (5 Bde., 2. Aufl. 1880-86); Pauli, Geschichte Englands seit den Friedensschlüssen von 1814 und 1815 (3 Bde., Lpz. 1864-75); MacCarthy, A history of our own times from the accession of the Queen Victoria to the Berlin Congress (neue Ausg., 4 Bde., Lond. 1882). Empfehlenswert sind auch Paulis Essays in "Bilder aus Altengland" (2. Ausg., Gotha 1876), und desselben Aufsätze zur engl. Geschichte (Lpz. 1869; Neue Folge, hg. von Hartwig, ebd. 1883).

Großbritannische Eisenbahnen. Die Eisenbahnen Großbritanniens umfaßten 1. Jan. 1892 insgesamt 20191 Miles = 32490 km. Hiervon entfielen auf England 14156, auf Schottland 3172 und auf Irland 2863 Miles. Auf 100 qkm Flächenraum kamen 10,3 km, auf 10000 E. 8,6 km Eisenbahnen.

Die sämtlichen Eisenbahnen sind Privatbahnen. 1882 wurde dem engl. Unterhause ein Gesetzentwurf wegen der Verstaatlichung der irländ. Bahnen vorgelegt, er kam aber nicht zur Verabschiedung. Der größte Teil des Eisenbahnbesitzes ist durch Fusion (s. Eisenbahnfusion, Bd. 5, S. 871 a, Tabelle) nach und nach aus den Händen von Privatgesellschaften in die einiger großen Gesellschaften übergegangen. Die Spurweite war ursprünglich sehr verschieden, jetzt ist durchweg durch Umbau die Normalspur (1,435 m) hergestellt. Auf den letzten 350 km langen Strecken der Westbahn wurde die Weitspur (7 Fuß englisch = 2,135 m) 22. Mai 1892 beseitigt. Die Bahnen in Irland besitzen eine Spurweite von 5 Fuß 3 Zoll englisch = 1,6 m (s. Spurweite). Nebenbahnen (Light railways, s. d.) sind nur in Irland vorhanden. Nach dem Gesetz vom 30. Aug. 1889 können zur Erleichterung des Baues von Nebenbahnen Staatsunterstützungen in Kapital oder Rente gewährt werden.

Die Übersicht auf S. 458-459 giebt Aufschluß über Entwicklung, Einnahmen, Verkehr u. s. w. der G. E. von 1854 bis 1891: