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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Grote - Grotefend
grisses der Willensfreiheit" (1889), "Was ist Meta-
physik" (1890), "Die Lebensaufgaben der Psycholo-
gie" (1890), "Hauptmomente iu der Entwicklung der
neuen Philosophie" (1891), "Grundlage der Moral"
(1892). Auch veröffentlichte er einige philos. Ab-
handlungen in franz. Sprache: "^ouvciie ciH33i>
Kation äes 8entiinont8" (1878), "1^ cau3NÜt6 6t
1a. conäei-vatioii äo I'^nkr^io" (1890). Außerdem
entwickelt G. eine rege Thätigkeit als Vorsitzender
der Psychologischen Gesellschaft in Moskau und als
Redacteur der ersten russ. mit viel Sachkunde gelei-
teten philos. Zeitschrist "Vopi-o^ iilogotn" ("Pro-
bleme der Philosophie"), die seit 1889 erscheint und
einen klaren Einblick in die gegenwärtige philos. Be-
wegung Rußlands gewährt.
Grote (spr. groht), George, engl. Historiker,
geb. 17.Nov.1794zuClayhillbeiBeckenham inKent,
stammte aus einer deutschen Familie und wurde in
der Charterhouse - Schule erzogen. 1821 veröffent-
lichte er eine anonyme Flugschrift gegeu Sir James
Mackintoshs "N383^ on MriiHinLlttln-)' rkkorin".
In der Folge schrieb er ein kleines Werk "0n tk6
e336nti^3 ok piiriiamontai'^ rekorm", nahm als
einer der Stimmführer der radikalen Partei eifrigen
Anteil an der polit. Bewegung von 1830 und 1831
und wurde Dez. 1832 für London ins Parlament
gewählt, wo er sich besonders die Einführung des
Ballots (s. d.), wenngleich vergeblich, zur Aufgabe
stellte. 1841 legte er sein Mandat nieder, um sich
ganz der Ausarbeitung seiner "IIi3t0i-)' ok (^i-L6c6"
(12 Bde., Lond. 1840-56; 5. Aufl., 10 Bde., 1888;
deutsch von Meißner und Höpfner, 6 Bde., Lpz.
1850-57; 2. Aufl., Berl. 1883) zu widmen, die
er bereits 1823 begonnen hatte. Dieses Werk ver-
bindet gründliche Gelehrsamkeit mit praktischem
Blick und freisinnigem Urteil. Hierauf wendete G.
sich vorzugsweise dem Studium der griech. Philo-
sophie zu und schrieb, zugleich als Ergänzung zur
"Geschichte Griechenlands": "?l5tto and tii6 otiier
compHnion3 ok 8oclHt68" (3 Bde., Lond. 1864;
5. Aufl. 1888). 1869 besorgte er gemeinsam mit
John Stuart Mill eine neue Ausgabe von James
Mills "^Niil^8i8 Ot' tiiL p1i6N01!16NÄ 0k Ui0 WlINÄN
mwä". Große Verdienste erwarb er sich als Beför-
derer einer von religiöfen Rücksichten unabhängigen
höhern Erziehung und Bildung, wozu feine Wahl
zum Vicetanzler der Londoner Universität und zum
Präsidenten des Hniv6i'8itv ^oiie^e in London ihm
die wirksamste Veranlassung bot. Das von Glad-
stone ihm gemachte Anerbieten der Erhebung zur
Pcerswürde lehnte er ab. Er starb 18. Iuni1871
in London und wurde in der Wcstminsterabtei be-
graben. Nach seinem Tode erschienen seine hinter-
lassenen Werke, hg. von A. Vain und G. C. Robert-
son: "^!'i3totl6" (2 Bde., Lond. 1872; 2. Aufl. 1879),
"Ilie ininm- N0r1(8 ok O." (ebd. 1873), "^iaFni6iit8
cm etliic^I 8udjoct8" (ebd. 1876) und "30V0ii I6tt6i'3
concoininF tQ6 p0iitic3 0 k 8^vit^0i1^nä ponäinF
t1i6 0ntI)i'L<i1( 0k t1i6 civil >v5lr in 1847" (ebd.
1876). Sein Leben beschrieb seine Frau, Harri et
G., in "'I1i6 pLi'80ua1 liko ok l^. (^." (Lond. 1873;
deutsch, Lpz. 1874). Letztere, geb. 1. Juli 1792 in
^outhampton, war seit 1820 mit G. verheiratet.
Außer dem genannten Werke veröffentlichte sie noch
"^. inoinoir ok tlio Ukü 0k ^Vi'^ 3c1i6il0i'" (2. Aufl.,
Lond. 1860) und "^'ollected ^^013 in ^1036 lind
voi-30" (ebd. 1862). Sie starb 27. Dez. 1878 in
Shiere bei Guildford. - Vgl. Lady Eastlake, ^Ii3.
Grotc, Hermann, Numismaüler und Heraldiker,
geb. 28. Dez. 1802 zu Hannover, studierte in Göt-
tingcn Jura und wurde dann Konservator des königl.
Münzkabinetts in Hannover; 1851 gab er diese
Stelle auf und lebt seitdem als Privatmann zu
Hannover. G. ist bedeutend als Kenner der mittel-
alterlichen Numismatik, hervorragend auf dem Ge-
biete der Heraldik und der Gcldlehre. Er gründete
mebrere numismatische Zeitschriften, wie die "Blät-
ter für Münzkunde" (4 Bde., Lpz. 1834-44), die
"Münzstudien" (9 Bde., ebd. 1855-77), den "Numis-
matischen Anzeiger" (2 Bde., Hannov. 1868-69)und
redigierte 1875-81 die von Gersdorf begründeten
"Blätter für Münzfreunde". Unter seinen heraldi-
schen Arbeiten ist die "Geschichte des königlich preuß.
Wappens" (Lpz. 1861) und die "Geschichte der welfi-
schen Stammwappen" (ebd. 1862) hervorzuheben.
Grotefend, Georg Friedr., Philolog und Alter-
tumsforscher, geb. 9. Juni 1775 zu Münden, widmete
sich zu Göttingen philol. Studien, wurde 1797
Kollaborator an der Stadtschule daselbst, 1803 Pro-
rektor, dann Konrektor am Gymnasium zu Frank-
furt a. M., 1821 Direktor des Lyceums in Hannover.
1849 in den Ruhestand versetzt, starb er 15. Dez.
1853 in Hannover. Er veröffentlichte "Anfangs-
gründe der deutfchen Prosodic" (Gieß. 1815) und
die gänzliche Umarbeitung der Wenckschen größern
"Lat. Grammatik" (2 Bde., Franks. 1823-24).
Vorzüglich aber begründete er seinen Ruf durch
die Erfolge, welche seine 1802 oegonnenen Ver-
suche in der Entzifferung der persepolitanischeu
Keilschriften erlangten. Später veröffentlichte er
"Neue Beiträge zur Erläuterung der perfepolitani-
schen Keilschrift" (Hannov. 1837), denen eine Reihe
von Abhandlungen über babylon. und afsyr. Keil-
inschriften folgten; ferner Unterfuchungen über alt-
italische Sprachen und Geographie: "Nuäimentn
üuZuae uindi'icae" (8 Hefte, Hannov. 1835-38),
"NuäimontÄ liu^uiro 03^3.6" (ebd. 1839) und "Zur
Geographie und Geschichte von Altitalien" (5 Hefte,
ebd.'1840-42). Auch machte G. zuerst in der
Vorrede zu Wagcnfelds Auszuge aus Sanchunia-
thons (s. d.) "Urgefchichtc der Phönizier" (Hannov.
1836) auf diesen litterar. Betrug aufmerksam.
Friedrich August G., Verwandter des vorigen,
geb. 12. Dez. 1798 zu Ilefeld, studierte zu Göttingen,
wurde 1821 Lehrer am Pädagogium zu Ilefeld,
1831 Direktor des Gymnasiums zu Göttingen, wo
er 1835 auch eine außerord. Professur an der Uni-
versität erhielt, aber schon 28. Febr. 1836 starb,
^eine Hauptwerke sind "Ausführliche Grammatik
der lat. Sprache" (2 Bde., Hannov. 1829-30) und
"Lat. Schulgrammatik" (2. Aufl., von G. T. A.
Krüger, 2 Bde., ebd. 1842), sodann die "Grund'
züge einer neuen Satztheorie" (ebd. 1827).
Karl Ludwig G., Sohn von Georg Friedrich
G., geb. 22. Dez. 1807 zu Frankfurt a. M., studierte
Philologie zu Göttingen, wurde 1833 Lehrer am
Lyceum zu Hannover, 1853 erster Archivsekretär
am königl. Archiv ebendaselbst. Zugleich erhielt er
die Leitung des Münzkabinetts und wurde 1868
Etaatsarchivar. Er starb 27. Okt. 1874 zuHannover.
Von G.s Schriften sind zu nennen: "Die Münzen
der griech.,parth.und indoscyth. Könige vonBaktrielt
und den Ländern am Indus" (Hannov. 1839), "Im-
"Die Stempel der röm. Augenärzte" (ebd. 1867).
Außerdem hat G. eine Reihe von Monographien
über niedersächs. Lokalgeschichte veröffentlicht.