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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Grumbachsche Händel; Grumbkow; Grummet; Grumo Appŭla; Grumös; Grün

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Grumbachsche Händel - Grün (Farbe)

zu Würzburg von einer Rotte Unbekannter angefallen und getötet. Dies Ereignis veranlaßte die sog. Grumbachschen Händel. G. hatte diesen Anschlag eingeleitet, obgleich es vielleicht nicht in seiner Absicht lag, den Bischof töten zu lassen, da es ihm, wie er behauptete, darum zu thun war, denselben in seine Gewalt zu bringen. Während der neue Bischof, Friedrich von Wiersberg, einen für die Urheber des Attentats gefährlichen Prozeß einleitete, arbeitete G. an kühnen und weitgreifenden polit. Plänen. Er trat mit dem Adel verschiedener Kreise, besonders aber mit dem fränkischen, in Verbindung und suchte diesen für den Gedanken zu gewinnen, die Herrschaft der großen Territorialherren im Reiche zu brechen und mit den Waffen in der Hand die Reichsunmittelbarkeit der ganzen Ritterschaft wiederherzustellen. Zunächst suchte sich G. durch eine kühne That in den Besitz seiner Güter zu setzen und das Zutrauen des Adels zu erwecken. Er versammelte mit den markgräfl. Edelleuten Ernst von Mandelslohe und Wilhelm von Stein einen Haufen von 800 Reitern und 500 Mann Fußvolk, überfiel mit dieser Schar 4. Okt. 1563 die Stadt Würzburg und erzwang, da der Bischof geflüchtet war, von dem Domkapitel einen Vertrag, in welchem er und seine Genossen ihre eingezogenen Güter zurückerhielten und außerdem durch bedeutende Geldsummen entschädigt wurden. Der Bischof bestätigte zwar nach seiner Rückkehr den Vertrag, trat aber, als der Kaiser jetzt ein Achtsmandat gegen G. erließ (13. Okt. 1563), von dem Vertrag wieder zurück. Um so fester schloß sich nun G. an Johann Friedrich an. Er zog mit seinem Anhange Ende 1564 nach Gotha und verstrickte hier in Verbindung mit dem Kanzler Christian Brück den Herzog völlig in die Umwälzungspläne. Im Einverständnis mit dem franz. Hofe, von dem G. schon 1558 den Titel eines Reiterobersten der Krone Frankreich erhalten, machten beide dem Herzog zur Wiedererlangung der Kurwürde Hoffnung. Hierdurch brachten sie Kurfürst August, der schon längst solche Anschläge seitens G.s und des Ernestinischen Nachbarn fürchtete, vollends auf. Unter Kursachsens Einfluß verhängte Maximilian Ⅱ. die Reichsacht über G. und Johann Friedrich und beauftragte Kurfürst August mit der Ausführung. Letzterer rückte noch Weihnachten 1566 vor Gotha und nahm die Stadt nach einer harten Belagerung 13. April 1567 durch Kapitulation mit den Bürgern ein, die sich des Regiments bemächtigt und in einem Aufstand den G.schen Anhang gefangen genommen hatten. Während man den gefangenen Herzog nach Wien abführte, wurden G. und der Kanzler Brück nach einem Urteil des Kurfürsten 18. April lebendig gevierteilt, die übrigen.Hauptteilnehmer aber enthauptet. – Vgl. Ortloff, Geschichte der G.schen Händel (4 Bde., Jena 1868‒70).

Grumbachsche Händel, s. Grumbach.

Grumbkow, Friedr. Wilh. von, preuß. Staatsmann und Generalfeldmarschall, ein Sohn des brandenb. Generalkriegskommissars Joachim Ernst von G., geb. 4. Okt. 1678 zu Berlin, trat jung in brandenb. Dienste, nahm an den Kriegen gegen Frankreich teil und brachte es hier bereits bis zum Generalmajor. König Friedrich Wilhelm Ⅰ., der ihm sein unbedingtes Vertrauen schenkte, ernannte ihn zum Mitglied des Geh. Staatsrats, zum Geh. Etats- und Kriegsminister und zum Generalkriegskommissar. Als solcher trat G. an die Spitze der preuß. Militärverwaltung sowie des Steuerwesens und entfaltete auf beiden Gebieten Hand in Hand mit dem König eine großartige Reformthätigkeit, die sich einerseits auf eine möglichste Vermehrung des Heers und die Vervollkommnung der bald als musterhaft geltenden preuß. Armeeverwaltung, andererseits auf Hebung der Steuerkraft des Landes richtete. Das Kontributions- und Accisewesen, das Zunft- und Kommerzienwesen, die für Preußen so wichtige innere Kolonisation, die Verwaltung der Städte wurden durch G., stets in Übereinstimmung mit dem König und zum Teil nach dessen Vorschlägen, mannigfach verbessert. Bei Errichtung des Generaldirektoriums (1723) wurde G. Minister des ersten Departements, darauf 1737 Generalfeldmarschall. Auch auf polit. Gebiete bemühte sich G. im Verein mit dem österr. Gesandten Grafen Seckendorff, der ihn durch reiche Geschenke gewonnen hatte, den König in das Fahrwasser der kaiserl. Politik hinüberzuziehen und, trotz allen Undankes des Wiener Hofes, ihn hier festzuhalten, sodaß ihm eine Hauptschuld an der unglücklichen auswärtigen Politik Preußens unter Friedrich Wilhelm Ⅰ. beizumessen ist. In Österreichs Interesse mißbrauchte er das Vertrauen des Königs, um die Vermählung des Kronprinzen mit einer engl. Prinzessin zu hintertreiben; die Kluft, die zwischen Vater und Sohn sich aufgethan hatte, wurde durch G.s Einfluß noch erweitert. In spätern Jahren jedoch, nachdem der Kronprinz mit G. Frieden geschlossen hatte, war dieser ehrlich und mit Erfolg bemüht, die Versöhnung mit dem Vater anzubahnen und zu befördern. G. starb 18. März 1739 zu Berlin.

Grummet (süddeutsch Öhmd), im engern Sinne bei Wiesen, welche zweimal gemäht werden, im Gegensatz zum Heu (d.h. dem getrockneten ersten Schnitt) der ebenfalls in den trocknen Zustand übergeführte zweite Schnitt, der in der Regel Anfang September vorgenommen wird. Im weitern Sinne bezeichnet man mit G. den getrockneten zweiten Schnitt aller Futtergewächse, des Klees, der Luzerne, der Esparsette u. s. w. Der Ertrag des G. ist in der Regel ein geringerer als derjenige des Heues, variiert jedoch je nach den Boden- und Witterungsverhältnissen nicht unerheblich, von 500 bis 2500 kg pro Hektar; im Mittel rechnet man 1500 kg. Das G. ist meist etwas reicher an Nährstoffen als das Heu; es enthält im Mittel 85 Proz. Trockensubstanz, darin 12 Proz. Protein, 3 Proz. Fett, 42 Proz. stickstofffreie Extraktstoffe, 22 Proz. Rohfaser und 6 Proz. Asche. Unter Berücksichtigung der Verdaulichkeit der einzelnen Nährstoffe stellt sich der Gehalt an verdaulichen Nährstoffen auf 7 Proz. Protein, 1,5. Proz. Fett und 42 Proz. stickstofffreie Stoffe.

Grumo Appŭla, Stadt im Kreis Altamura der ital. Provinz Bari, 22 km in WSW. von Bari, an der Linie Bari-Tarent des Adriatischen Netzes, hat (1881) 9303 E., Ackerbau, Handel mit Wein, Öl und Getreide.

Grumös (vom lat. grumus, Häufchen, Klumpen), geronnen, klumpig; Grumescénz, das Gerinnen.

Grün, im Spektrum (s. d.) die zwischen Gelb und Blau liegende Farbe (s. Farbenlehre). Die zum Malen und Anstreichen dienenden grünen Farben werden teils aus Blau und Gelb gemischt (wie z. B. der grüne Zinnober aus Berlinerblau und Chromgelb) teils sind sie Stoffe von selbständig grüner Farbe, wie Berggrün, Grünerde (Veroneser G.), Chromgrün, Schweinfurter G., grünes Ultra-^[folgende Seite]