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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Grundzahl - Gruner (Justus von)
wirtschaftlichen Bodens in allen europ. Kulturlän-
dern auf eine Höhe gestiegen, welche die schlimmsten
Aolgen hatte, als die Getreidepreise seit den siebziger
Jahren bedeutend heruntergingen. Denn die neuen
Erwerber sind meistens durch die stehen bleibenden
großen Quoten der Kaufsumme von vornherein stark
verschuldet und vermögen nun vielfach kaum die
Zinsen der Restschuld zu erschwingen. Dieselbe Über-
bürdung mit Schulden entsteht natürlich, wenn von
mehrern Erben eines Gutsbesitzers einer das ganze
Gut zum Verkehrswert übernimmt. Man hat dem
Umsichgreifen dieser Gewohnheit neuerdings durch
die Erbgesetzgebung vorzubeugen gesucht, indem
diese u. a. die Veranschlagung des Gutes zum realen
Ertrags-, anstatt zum Verkehrswert vorschreibt
(s. .höftrecht). Die städtischen Grundstücke sind nicht
selten Gegenstand wilder Spekulation und förm-
licher Agiotage und erlangen unter Umständen ganz
maßlose Monopolwerte. ^Potenz.
Grundzahl, soviel wie Kardinalzahl; s. auch
Grundzinsen, auf einem Grundstück lastende
feste Geldabgaben, meistens aus dem gutshcrr-
lichen Verbände herrührend. Naturalabgaben dieser
Art nennt man gewöhnlich Gülten. Die G.
unterliegen der Gesetzgebung über die Ablösung.
(S. Reallasten.)
Grüneberg, Herm. Iul., Industrieller, geb.
11. April 1827 in Stettin, war anfangs Pharma-
ceut und studierte dann in Berlin und Paris Natur-
wissenschaften. Ein von ihm erfundenes Verfahren
der Bleiweißfabrikation wurde von den Amerika-
nern weiter ausgebildet und kam nach 10 Iabren
als sogenanntes amerik. Verfahren nach Deutschland
zurück. 1858 gründete er mit dem Kaufmann I.
Vorster in Kalk bei Deutz eine chcm. Fabrik (Firma:
Vorster H Grüneberg), zu der 1861 in Staßfurt
eine Fabrik zur Gewinnung von Rohmaterialien,
namentlich Chlorkalium, errichtet wurde. Letztere
wurde dann zu Pottafche verarbeitet und auch an
Stelle der Schlempekohle zur Umsetzung des Chile-
salpeters in der Kalker Fabrik benutzt. G. erfand
das Verfahren der Darstellung von schwefelsaurem
Kalium durch Doppelzersctzung zwischen Chlorka-
lium und schwefelsaurem Magnesium. Er führte
ferner die Fabrikation von Pottasche aus Kalium-
sulfat, dem Produkt der Stasifurter Abraumsalze,
mit Zugrundelegung des Leblaneschen Sodabil-
dungsprozesscs in die Praris ein. Ebenso trug er
dazu bei, der rationellen Verwertung der Abfall-
salze als Düngmittel in der Landwirtschaft Ein-
gang zu verschaffen. Dies veranlaßte auch die Dar-
stellung anderer künstlicher Düngemittel, besonders
von SuperPhosphaten, in den Kalker Werken, den
Betrieb von Phosphoritgruben an der Lahn und
die Darstellung von schwefelsaurem Ammonium
aus Gaswasser (Grünebergscher Apparat).
1891 wurde ein neues zu Thiede bei Vraunschweig
errichtetes Kaliwerk von G. eingerichtet und in Be-
trieb gesetzt. G. ist Vorsitzender der Berufsgenossen-
sckaft für die chem. Industrie, Sektion Rheinland
und Westfalen, fowie Vertreter der chem. Industrie
im rhein. Eisenbahnrat.
Grüne Berge, f. Green-Mountains.
Grünebergscher Apparat, s. Grüneberg,
Grüne Farben, s. Grün. ")erm. Iul.
Grüneifenerz oder Kraurit, ein Mineral, das
aus phosphorsaurem Eisenoxyd mit etwa 8-9 Proz.
Waffer besteht. Das G. bildet traubige oder nieren-
ftxm^^ Aggregate mit radialfaserigem Gesüge, die
gewöhnlich auf Brauneisenstein aufsitzen und als
Umbildungen aus demselben angesehen werden.
Die Farbe ist schmutzig- und dunkellauchgrün bis
schwärzlichgrün und wird durch Zersetzung braun
und gelb. Da die Anwesenheit von Vhosphorsäure
jeden Eisenstein für die technische Benutzung ver-
schlechtert, so ist natürlich auch das G. von den
Bergleuten nicht gern gesehen.
Grüne Mandeln, s. Pistazien.
Grünenplan, Dorf im Kreis Holzminden des
Herzogtums Braunschweig, 5 km im NW. von Del-
ligsen^ in 178 m Höhe, hat (1890) 1975 E., Post-
agentur, Fernsprechverbindung, Fabrik künstlicher
Mineralwasser, eine Glashütte mit Fabrikation
von Spiegeln, optischen und Uhrgläsern, sowie be-
deutende Canarienvogelzucht.
Grünenwald, Jakob, Maler, geb. 30. Sept.
1821 in Vünzwangen, war seit 1840 Schüler der
Stuttgarter Kunstschule unter Dietrich und Nehcr,
siedelte 1855 nach München über und wurde 1877
Professor an der Kunstschule in Stuttgart. Anfangs
schuf er einige Kirchenbilder: Christus Kranke hei-
lend (1850), Kreuzigung Christi; später malte er fast
nur noch Genrebilder: Schwäbisches Brautpaar bei
der Großmutter (1861), Hagelschwg bei der Ernte
(1862; Museum in Stuttgart), Schäfers Heimkehr
(Stich von P. Varfus). Auch führte er 1868 im Bay-
rischen Nationalmuseum in München zwei Fresko-
bilder aus: Niedermetzelung der bayr. Bauern bei
Aidenbach und die Schlacht bei Sendling 1705.
Grüner, Iustus von, preuß. Staatsmann, geb.
28. Febr. 1777 zu Osnabrück, studierte in Halle
und Göttingen die Rechtswissenschaften, kehrte dann
nach Osnabrück zurück und gab mehrere das Straf-
recht und die öffentliche Sicherheitspstege behan-
delnde Schriften heraus. 1802 trat er in den preuß.
Staatsdienst, wurde Kammcrrat in Franken, kam
dann nach Berlin und 1805 als Direktor der
Kriegs- und Domänenkammer nach Posen. Der
unglückliche Krieg machte 1806 seiner dortigen
Thätigkeit ein Ende; er ging nach Ostpreußen, wo
er in persönliche Berührung mit Stein und Harden-
berg kam, die bald seine große Befähigung erkann-
ten. G. wurde 1809 zum Polizeipräsidenten von
Berlin ernannt und 1811 als Geh. Etaatsrat an
die Spitze der gesamten höhern Polizei gestellt. Die
ihm cigentümlicke Mischung von geschäftlicher Ge-
wandtheit und Schlauheit und leidenschaftlichem
Patriotismus machten ihn zu einem gefährlichen
Gegner der franz. Umtriebe, aber auch für die
reaktionären Elemente am Hofe zu einer verdächti-
gen Persönlichkeit. Als Preußen im März 1812
gezwungen war, sich mit Frankreich gegen Ruhland
zu verbünden, nahm G. seinen Abschied und ging
nach Prag zum Freiherrn von Stein, der dort sich
mit dem Plan einer im Rücken der franz. Armee zu
organisierenden deutschen Volkserhebung beschäf-
tigte und G., nachdem er sich selbst nach Rußland be-
geben hatte, mit der Ausführung diefes Gedankens
beauftragte. Der franz. Regierung war jedoch dieser
Plan nicht geheim geblieben, und um sich zu decken,
veranlaßte das preuß. Kabinett selbst die österr.
Regierung dazu, G. verhaften zu lassen; er wurde
nach der Festung Peterwardein gebracht, von wo er
erst im Herbst 1813 entlassen wurde. G. erhielt
Nov. 1813 die Verwaltung des Großherzogtums
Berg und vertauschte sie im Febr. 1814 mit dem
Generalgouvernement des Mittelrheins. Nach dem
ersten Pariser Frieden kehlte er nach Verg Zurück