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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Grünstein - Grusinische Heerstraße
Grünstein oder Grünporphyr, früher üblich
gewesene Benennung für grüngefärbte Eruptiv-
gesteine, die in der Regel als Lager in die silurisch-
devonischen Sedimentärschichten' eingeschaltet sind
und jetzt als Diabas (s. d.) und Diorit (s. d.) be-
zeichnet und auseinander gehalten werden.
Grünten, Vorgipfel des Bregenzerwaldes in den
Allgäuer Alpen, 4 kin östlich von Immenstadt im
bayr. Reg.-Bez. Schwaben, auf der Wasserscheide
zwischen Iller und Wertach. Der G. liegt vereinzelt,
besteht aus Kalkstein der Kreideformation und bil-
det eine etwa 4 km lange, begraste Kette mit dem
Hochwart (1698 m) und dem Übelhorn (1733 m).
Beide werden nieist von Sonthofen aus häusig be-
stiegen. Die Aussicht umsaßt den Alpenkranz von
der Zugspitze bis zum Sentis und die Hochebene
vom Bodensee bis zum Peißenberg.
Grunzochse, s. Jack.
Grupp (frz. ßroup; ital. Fruppo), ein aus
Münzen bestehendes Geldpaket. Die Bezeichnung
G. ist auch in der deutschen Schweiz üblich.
Gruppe, in der parlamentarischen Sprache Be-
zeichnung für kleinere Parteibildungen, welche nicht
Mitglieder genug haben, um sich als Fraktion (s. d.)
zu konstituieren.
Gruppe, Teil eines Zuges Infanterie im Gefecht.
Gruppe (franz. croupe; ital. stoppe), das Kreuz
der Pferde und Lasttiere (s. Kruppe).
Gruppe, OttoFriedr., Philosoph, Altertums-
forscher und Dichter, geb. 15. April 1804 zu Danzig,
studierte seit 1825 in Berlin. Da ihm wegen Oppo-
sition gegen die herrschende Hegelschc Philosophie
die Docentenlaufbahn zunächst verschlossen blieb,
widmete er sich litterar. Thätigkeit, zunächst als Mit-
arbeiter der "Preuß. Staatszeitung", deren Feuille-
ton er seit 1835 selbständig redigierte. 1842 wurde
G. ins Kultusministerium berufen und 1844 außer-
ord. Professor in der philos. Famltät zu Berlin. Er
starb 7. Jan. 1876 daselbst. Gegen Hegel sind gerich-
tet G.s Schriften: "Antäus" (Berl. 1831), "Wende-
punkt der Philosophie im 19. Jahrh." lebd. 1834)
und "Gegenwart und Zukunft der Philosophie in
Deutschland" (ebd. 1855). In der Untersuchung "über
die Fragmente des Archytas" (ebd. 1840) erklärt er
alle auf uns gekommenen Reste dieses Denkers für
unecht. Ferner schrieb er "Die kosmischen Systeme
der Griechen" (ebd. 1851), "Ariadne. Die tragische
Kunst der Griechen" (ebd. 1834), "Die röm. Elegie"
(2 Bde., Lpz. 1838), "nber die Theogonie des Hestod"
(Berl. 1841) und "Minos" (Lpz. 1859), das wie
seine Fortsetzung "Aacus" (Berl. 1872) die Inter-
polationen in den röm. Dichtern, insbesondere bei
Horaz, Virgil und Ovid behandelt. Als Dichter be-
kundete G. Talent für die epische Poesie. Außer
"Gedichten" (Berl. 1835) veröffentlichte er an größern
Dichtungen: "Königin Bertha" (ebd. 1848), "Theu-
delinde" (ebd. 1849), die Trilogie "Kaiser Karl" (ebd.
1852), "Firdusi" (Stuttg. 1856), "Ruth, Tobias,
Sulamith" (Berl. 1857; 2. Aufl. 1859), und "Vater-
ländische Gedichte" (Neuruppin 1866; Neue Folge
1867; neue Ausg. 1883). Als Dramatiker lieferte
er die Trauerspiele "Otto von Wittelsbach" (Berl.
1861) und "Dcmetrius" (ebd. 1861), eine Ausfüh-
rung der Schillerschen Fragmente. G. gab 1850-
55 einen "Deutschen Musenalmanach" heraus und
veröffentlichte noch die Sammelwerke "Der deutsche
Dichtcrwald" (3 Vde., Verl. 1849) und "Sagen und
Geschichten des deutschen Volks aus dem Munde
seiner Dichter" (ebd. 1854); ferner "Leben und Werke
deutscher Dichter" (5 Bde., Lpz. 1864-70; 2. Aufl.
1872), "Reinhold Lenz, Leben und Werke" (Bcrl.
1861) und "Deutsche ttbersetzerkunst" (Hannov. 1859).
Gruppe, ein Wassergraben zur Begünstigung
der Anschwemmung in neugedildetem Vorlande
oder zur Entwässerung in moorigen Strecken.
Gruppenführer, Führer einer Schützengruppe,
entweder ein Unteroffizier oder auch ein Gefreiter
oder selbst Gemeiner, der die Bewegungen und das
Feuer der Gruppe leitet.
Gruppeschießen, beim Einschiehen das auf das
Gabelschießen ss. d.) folgende Verfahren. Es wird
auf der mutmaßlichen Entfernung eine größere Zahl
von Schüssen abgegeben; aus dem Verhältnis der
vor das Ziel fallenden Schüsse zu den dahinter
fallenden ersieht man nach den Gesetzen der Wahr-
scheinlichkeit, ob man richtig eingeschossen ist, oder
ob man die Richtung des Geschützes noch weiter ver-
ändern muß.
Vruppo (ital.), als Handelsausdruck, s. Grupp.
- In der Musik ist 6. die ital. Bezeichnung für den
Doppelschlag (s. d.). Von neuern Komponisten ver-
wendet Richard Wagner, namentlich an stellen
von höchstem Gefühlsausdruck, diese Verzierung
mit großer Vorliebe.
Grus, Anhäufungen von etwa erbsengroßen,
meist scharfeckigen Gesteinsstücken, die durch begin-
nende Verwitterung, also Auflockerung und Zer-
fall der Felsmassen entstehen (z. B. Granitgrus,
Porphyrgrus).
Qrus, Gattung der Neihervögel, s. Kraniche.
Grufcha, Anton Joseph, Erzbischof von Wien,
geb. 3. Nov. 1820 in Wien als Sohn eincs Hand-
werkers, absolvierte daselbst das Gymnasium und
seine theol. Studien und erhielt 1843 die Priester-
weihe. Nachdem er 1843-46 Kooperator in Pil-
lichsdorf und 1846-51 an der St. Leopoldskirche
in Wien gewesen war, wurde er zum Religions-
professor an der Theresianischen Akademie und
1855 zum Domprediger an der Stephanskirche er-
nannt. 1858 wurde er Geheimkämmerer des Pap-
stes, 1863 Professor der Pastoraltheologie an der
Wiener Universität, 1871 Domherr an der Ste-
phanskirche, 1878 apostolischer Feldvikar der Armee.
In demselben Jahre erfolgte seine Erhebung zum
Bischof in pkrtidn8 von Karrhä und nach dem Tode
Ganglbauers 1890 zum Erzbischof von Wien. Als
solcher hat er Sitz und Stimme im österr. Herren-
hause und im niederösterr. Landtage. Von den
Predigten G.s erschienen mehrere im'Drnck, außer-
dem schrieb er verschiedene Artikel für kath. Zeit-
schriften und das Freiburger "Kirchenlerikon" und
aab ein "Handbuch der kath. Religionslehre für
höhere Lehranstalten" (Wien 1851) heraus.
Gruschewskaja, Flecken im Bezirk Tscherkassk
des russ. Gebietes der Donischen Kosaken, 39 Icm
nördlich von Nowo-Tscherkassk, rechts der Tuslowa
und an der Linie Koflow-Rostow der Eisenbahn
Koslow-Woronesch-Rostow, hat (1885) 3073 E. und
ist berühmt durch seine Anthracit-Lager (Produktion
1887: 21,6 Mill. Pud).
Grusien, s. Georgien.
Grusinische Heerstraße, die Poststraßc von
Wladikawkas über den Rücken des Kaukasus nach
Tiflis. Sie ist 213 km lang, führt am Terek aus-
wärts durch den Darjalpaß, am Kasbek vorüber,
erreicht bei Krestowskaja Gora die größte Hohe
(2432 m), geht abwärts im Thale der Aragwa über
Gndaur Mleti, Duschet, Mzchet, endlich rechts der