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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Guadet - Guadiana (Fluß)
das eigentliche G., bedeckt 946,3, die östliche oder
Grande-Terre 656,3 ^km. Beide sind getrennt
durch den Salzstuß (la Riviere Salse), einen schiff-
bar^ nur 60-200 in breiten und 9,6 km langen
Meeresarm. Durch die Mitte der westl. Insel zieht
sich von S. nach N. eine bewaldete, 1000 m hohe
vulkanische Gebirgskette, auf deren Rücken im S.
sich der Doppelgipfel der Grande-Soufriere (1676 m)
erhebt, ein stets rauchender, noch thätiger (z.B. 1797
und 1879) Vulkan; Seitenverzweigungen der Kette
erfüllen die ganze Infel mit Ausnahme des Nord-
ostens. Der Grund der Grande-Soufriöre besteht
aus Dolerit, der Gipfel aus bimssteinartigem
Trachyt. Grande-Terre dagegen ist stach, waldlos
und daher nicht so wasserreich wie die westl. Insel.
Der Viehstand betrug (1887) 7306 Pferde, 19578
Stück Rindvieh, 9819 Schafe und 18365 Schweine.
Angebaut wird vor allem Zuckerrohr, dessen Er-
trag nach Aufhebung der Sklaverei gesunken, mit
Einführung ind. Kuli wieder steigt und 1888:
65,5i Mill. k^ Zucker betrug; ferner Kaffee, Kakao,
Vanille, Gewürze, Maniok, Bananen, Reis und
Mais. Wichtiger sind Baumwolle, Gummi und
Tabak. Fast ein Fünftel ist noch mit Wald bedeckt.
Die Bevölkerung beträgt (1889) 142 294 Seelen,
d. i. 89 auf 1 hkm. G. bildet mit den naheliegen-
den kleinen Infeln Desirade (s. d.), Iles 'des
Samtes und Petite-Terre (17,6 ykili, 1624 E.),
Marie-Galante, Samt Bartheiemy (s. d.) und
einem Teile von Samt Martin (1. d.) ein Gouverne-
ment von insgefamt 1870 ykin und 165899 E.
Die Kolonie wird regiert durch einen Gouverneur,
einen Staatsrat von 6 und einen Kolonialrat von
30 Mitgliedern, zerfällt in die drei Arrondissements
Basse-Terre> Pointe-ä-Pitre und Marie-Galante,
ebenfo in drei erzpriesterliche Sprengel mit 39 Kirch-
spielen. G. hat 1 Senator und 2 Deputierte als
Vertreter in Paris. Die Einfuhr erreichte 1889
einen Wert von 24,7, die Ausfuhr einheimischer
Erzeugnisse 25,8 Mill. Frs. 1175 Schisse liefen in
den Häfen ein und aus. Hauptstadt ist Vasse-Terre
(s. d.), Haupthandclsplatz Pointe-ä-Pitre (s. d.).
Die dritte Stadt, Port du Moule auf der Ostküste
von Grande-Terre, hat mit den Vororten 10000 E.
- G. wurde 4. Nov. 1493 von Columbus entdeckt
und 1635 von 550 Franzosen im Auftrage der franz.
Compagnie der amerik. Infeln in Besitz genommen.
Die Kolonie blühte bald auf und hatte 1700 bereits
10 875 E. Die Angriffe der Engländer auf die Insel
1691 und 1705 schlugen fehl; im Mai 1759 wurde
sie zwar nach tapferer Gegenwehr genommen, 1763
aber Zurückgegeben. Am 12. April 1782 erfocht
zwischen G., Marie-Galante, den Iles des Samtes
und Dominica der engl. Admiral Rodney einen
berühmten Seesieg über die franz. Flotte unter dem
Grasen de Grasse. Während der Revolutionskriege
wurde G. mehrfach von den Engländern erobert
(1794,Ian. 1810,1815). Seit 1816 blieb es dauernd
in franz. Händen. Das Erdbeben vom 8. Jan.
1843 richtete furchtbare Verwüstungen auf G. an.
Am 16. Mai 1851 verursachten Erdstöße ebenfalls
große Zerstörungen. - Vgl. Pardon, 1^3. 6. äe-
Mi8 3Ä, äkcouvsrtß ^ugs^n'a, nl)8^0ur8 (Par. 1881);
Vouinais, (^. pd^LiHus, Politikus, 6O0uoiniHii6
(ebd. 1882).
Guadet (spr. güadeh), Marguerite Elie, einer
der Führer der Girondisten, wurde 20. Juli 1758
zu St. Emilion bei Bordeaux geboren. Beim Aus-
bruch der Revolution lebte er als Advokat zu Bor-
deaux, wurde Sept. 1791 in die Legislative Ver-
sammlung gewählt, schloß sich den Girondisten an
und erregte bald durch sein feuriges Rednertalent
Aufsehen. Die Anklagen, welche die Gironde
10. März 1792 gegen das Ministerium Delessart
erhob, und die zu dessen Sturz fthiten, wurden
durch G. nachdrücklichst unterstützt. Er sehlte auch bei
keinem der Angriffe, die im Mai und Juni auf die
royalistisch Gesinnten gemacht wurden. Dann kam
der Aufstand des 10. Aug., wo G. einige Stunden
der Versammlung präsidierte, der Eintritt Dan-
tons in das Ministerium und die Septembermorde,
welche die Wahlen zum Konvent im Sinne der
Bergpartei sicherten. G. ward wiedergewählt und
begann nun im Verein mit seinen Parteigenossen
den Kampf gegen Nobespierre. Im Prozeß des
Königs stimmte er für den Tod, aber Aufschub der
Hinrichtung. Nachdem G. Dantons Werbungen
um ein Bündnis abgewiesen hatte, mußte er selbst
sich mit seiner Partei gegen den Berg verteidigen.
Schon 15. April 1793 forderten 25 Sektionen der
Bürgerschaft die Ausstoßung G.s und 21 anderer
Deputierter. Vergebens beantragte G. die Ver-
legung der Kammer nach Versailles; der Ausstand
vom 31. Mai unterwarf den Konvent dem Willen
Robespierres und stürzte die Gironde. G. entfloh
nach dem Depart. Calvados, von da nach St.
Emilion, wo er 15. Juni 1794 ergriffen wurde.
Bereits 16. Juni fiel sem Haupt in Bordeaux unter
der Guillotine. - Vgl. Joseph G., 1^63 6ii-cmäin8,
i6ur vi6 pi'iv66, leur vi6 Mdii^ue, Ikur proscrip-
tion 6t Ikur inort (2 Bde., Par. 1861).
Guadiana (arab. Wadi Ana), der Anas der
Griechen und Römer, einer der fünf Hauptstüsse
Spaniens. Nach gewöhnlicher Annahme liegt sein
Quellgebiet in der Mancha (s. d.), 33 km nordwest-
lich von Alcaraz auf dem Campo de Montiel, in
einer Reihe von 15 kleinen Sumpffeen, deren Ab-
fluß der obere G. (G. alto) ist. Derselbe verliert
sich in der sumpfigen Ebene von Tomelloso nord-
östlich von Villarta, wo auch das Wasser des nord-
wärts vorbei stießenden Zancara im Sommer zeit-
weise versiegt. Etwa 35 km südwestlich von hier
zwischen Villarta und Daimiel speisen mächtige
Quellen (LosOjosdel G., die Augen des G.) einen
Bach, den G. bajo (untern G.), welcher nach viel
gewundenem westl. Laufe den Zancara erreicht, der
nun den Namen G. annimmt. Die Annahme, daß
die Wasser des G. alto hier wieder zu Tage treten,
ist falsch, vielmehr bildet den Oberlauf des G. der
240 km lange Zancara. Dieser entspringt im
WSW. von Cuenca, fließt bis zur Aufnahme des
Rus oberhalb Provencio nach S., dann nach SW.,
empfängt rechts den Osa, dann bei Las Labores den
längern Giguela, dessen Quellen westlich von denen
des Zancara liegen. Vci vielen Windungen herrscht
im ganzen westl. Richtung vor. Der Fluh tritt dann
in die Provinz Badajoz und flieht unterhalb des
Knies bei Aijon nach WSW. bis zur Stadt Bada-
joz. Geringes Gefalle, meist flache Ufer, Seichtig-
keit und Sandbänke zeichnen den Mittellauf aus.
Auf feinem Unterlauf (125 km) von Badajoz bis
Ayamonte und Villareal durchschneidet der G. in
vielen scharfen Windungen mit vorherrschend südl.
Richtung die Schiefer der Sierra Morena. Das
Bett ist hier durch meist steile Ufer einqeengt, das
Gefalle anfehnlich. Von Badajoz bis ostwärts von
Monfaraz und dann wieder von Pomaräo an bis
zum Ocean bildet der G. die Grenze gegen Portugal;