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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Guayanastrom - Guayaquil
dmch ^.oudreau näher bekannt geworden. Danach
steigt das Land vom Ocean nnnnterbrochen bis zur
Wasserscheide des Tumuc-Humac-Gebirges an, die
höchsten Punkte der granitischen wasserscheidenden
Kette erreichen 800 in. Die Flüsse haben sämtlich
Wasserfalle. Das Klima ist im obern Teile warm,
22" im Mittel, aber gesund, die Nächte sind kühl,
die Luft infolge der Ostwinde rein. Ober-Guayana
ist ein Ackerland, mit gewaltiger.Humusschicht. Kakao
wächst dort wild, Mais, Reis, Baumwolle, Kaffee,
Tabak liefern gute Ernten. Mangel an Verkehrs-
wegen hat das Innere bisher gefchädigt. 1674 war
G. unter franz. Herrschaft gekommen, 1716 wurde
der Kaffee, 1730 der Kakao eingeführt. 1760 er-
zeugte die Kolonie viermal mehr Nuku, dreimal
mehr Kakao, zwölfmal mehr Baumwolle, zweimal
mehr Zucker als jetzt. Gründe für den Rückgang
waren die Vertreibung der Jesuiten, kostspielige
Expeditionen und die Aufhebung der Sklaverei
(1794); letztere wnrde 1802 wieder eingeführt, aber
1848 von neuein aufgehoben. Aller Ersatz durch
Kulis, Chinesen, Malaien half nichts. Die In-
dianer des Innern werden auf 20000 geschätzt;
1750 soll fast die zehnfache Zahl vorhanden gewesen
sein. 1851 und 1852 wurde Cayenne (s. d.) als De-
portationsort für Verbrecher bestimmt, 1854 das
erste Gold entdeckt, allein auch jetzt herrscht kein
Leben. Die Sterblichkeit ist groß, Arbeitskräfte und
Kapital fehlen. G. gilt für die wertloseste der franz.
Kolonien. Gold ist im W. vorhanden, ferner Silber,
Eisen und Kohle. Unabsehbare Savannen (3000
<ikm) ernähren jetzt nur 5000 Rinder, 5000 Schweine,
500 Ziegen, 300 Schafe. Die Einfuhr betrug (1889)
9,o, die Ausfuhr eigeuer Erzeugnisse 4,2 MUl. Frs.
Die Kolonie erfordert bedeutende Zuschüsse.
Geschichtliches. Die Küste von G. wurde zuerst
von Alonso de Hojeda in Begleitung des Amcrigo
Vespucci 1499 entdeckt, der sie unter 6° nördl. Br. traf
und von da an nordwärts verfolgte; 1500 ward sie
von Vicente I)anez Pindon von Süden her in ihrer
ganzen Länge befahren. Das Innere war jahr-
hundertelang das Land geogr. Mythen und poet.
Träume. Man verlegte hierher den fabelhaften See
Parima und ein wundcrreiches Eldorado (s. d.).
Erst in neuerer Zeit sind über G. zuverlässigere Be-
richte gegeben worden. Niederlassungen gründeten
an der Küste zuerst die Holländer 1580 am Flusse
Pomerun, 1596 am Essequibo, welche letztere bereits
1613 blühte, noch mehr seit Gründung der Hollän-
disch-Westindischen Compagnie 1621 durch Einfüh-
rung von Negersklaven. Seit 1626 ließen sich die
Holländer am Verbice nieder, von wo sie das Land
bis zum Corentyne untersuchten, und 1634 auf der
Infel Macouria zwischen Cayenne und Kourou. Auf
der Insel Cayenne hatten sich scholl 1626-33 Fran-
zosen, ziemlich gleichzeitig die Engländer am Flusse
Coma (jetztSurinam) niedergelassen undParamaribo
gegründet, welches sie aber bald verliehen; ebenso
gaben es auch die Franzosen auf, die es 1640 besetzt
hatten. Die Engländer nahmen 1652 Paramaribo
wieder in Besitz, und 1662 wurde die Kolonie unter
Karl II. erweitert. Seit 1657 hatten die Holländer
die Flußufer des Pomerun und Morocco bepflanzt
und die Städte Neuseeland und Middelburg ange-
legt. Essequibo nahmen die Engländer 1665 weg,
1667 aber traten sie im Frieden zu Breda Surinam
an Holland gegen dessen nordamerik. Kolonie Neu-
Amsterdam (den jetzigen Staat Neuyork) wieder ab.
Auch die franz. Kolonien hatten die Engländer 1654
weggenommen, mnßten sie aber 1664 räumen; eben-
dieselben wurden 1676 von den Holländern genom-
men, doch 1677 wieder abgetreten. Die Engländer
eroberten 1781 ganz Holländisch-Guayana, traten
es indessen 1783 wieder ab; 1796 nahmen sie es
abermals und gaben es im Frieden zu Amicns
zurück. Als wenige Monate darauf der Krieg von
neuem begann, bemächtigten sich die Engländer
nochmals des Holland. Teils, vereinigten 1812
Demerara und Essequibo zu einer Kolonie und be-
haupteten seitdem Demerara, Essequibo samt Ber-
bice durch einen Vertrag vom 1.1814. Das fran-
zösische G. war 12. Jan. 1809 von den Engländern
und Portugiesen erobert worden und blieb portu-
giesisch bis 1817, wo es wieder an Frankreich ab-
getreten wurde.
Litteratur. Raleigh/IIiocIi8c0V6i'^0ltIio i3.r^0,
i'icli anä I)6autitul ompii'6 ok ttuiaua. (Lond. 1596;
wiedergedruckt 1848, hg. von Schomburgk); Schom-
burgk, ^ lioscii^tion olVritißii (^uiana (ebd. 1840);
ders^, Reisen in Guiana und am Orinoco 1835-39
(Lpz. 1841); ders., Reisen in Vritish Guiana 1840
-44 (3 Bde., ebd. 1847 - 48); Webber, Kritik
HuluaiiH (Lond. 1873); Thurn, ^monz tne Inäian8
ol 6ua)'Hiin. (ebd. 1883); Prinz Roland Vonaparte,
1^63 baditHiit8 äs 8uiinam6 (Par.1884); Coudreau,
1,3. I^ranoe 6liuinoxiai6 (mit Atlas, ebd. 1887, und
in der "It.6vu6 äe (^ooFi'Hpliie", 1888, XXIII, 247);
Kappler, Surinam (Stuttg. 1887); Netscher, (-6-
8c1ii6ä6ni8 V9.N äo (üoloiliLII U886quil)0, I>6Ill6I'3.1^
011 Nerdics (Haag 1888); I. Rodway, IIi8t0i'7 s)k
Zi-iU8li Oniana (Georgetown 1891); Ioest, G! im
I. 1890 (in den "Verhandlungen der Gesellschaft
für Erdkunde", Verl. 1891).
Guayanastrom, der nördl. Arm des Aquato-
rialstroms, f. Atlantischer Ocean (Bd. 2, S. 39a).
Guayaquil (spr. -kihl), Golf von, die größte
Einbuchtung des Stillen Oceans an der Westküste
Südamerikas zwischen der Punta Parma und Sta.
Eleua. Die Insel Puna teilt zwei Eingänge ab,
den schmalen Kanal oel Morro und den brcitern
Kanal de Iambeli. Im N. greifen die Mündungs-
trichter der Flüsse tief in das Land ein.
Guayaquil (fpr. -kihl) oder Santiago de G.,
Haupthafen der südamerik. Republik Ecuador, liegt
in der Provinz Guayas an einer schmalen Einbuch-
tung des Golfs von G., unterhalb der Mündung
des Rio Daule, am Unterlauf des gleichnamigen
Flusses, in einer niedrigen Ebene an der Bahnlinie
G.-Sibambe, zerfällt in die enge Altstadt im N., meist
von der ä'rmern Volksklasse bewohnt, und die ausge-
dehnte Neustadt im S. Die meisten Häuser sind von
Holz oder Bambus. G. hat 45000 E., eine Kathe-
drale, sieben andere Kirchen, ein Colleg, eine technische
Schule und mehrere Krankenhäuser. Große Handels-
schiffe gelangen bis an die Stadt. Die unterhalb
gelegenen Schiffswerften (^8ti1i6i-o) gelten als die
besten an der Westküste Südamerikas. Der Hafen
ist gut. Haupterwerb ist der Handel, dessen be-
deutendere Geschäfte von fremden, besonders span.,
nordamerik., engl. und deutschen Handelshäusern
betrieben werden, während die Masse der Bevölke-
rung aus Indianern, Mulatten und Mestizen be-
steht. G. ist nicht nur der Stapelplatz für sämtliche
Ausfuhrprodukte von Ecuador, sondern auch für
einen Teil von Peru, welches durch Küstenfahrer
nnt ihm in vielfacher Verbindung steht. Dampf-
bootlinien unterhalten den regelmäßigen Verkehr
mit Panama und den Haupthäfen der Westküste