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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Guerrini - Guffens
Guerrmi, Olindo, ital. Dichter, bekannter un-
ter dem Pseudonym Lorenzo Stecchetti, geb.
4. Okt. 1845 in ForN, studierte die Rechte und ist
Bibliothekar in Bologna. Er veröffentlichte eine um-
fangreiche "Vita äi öiulio Ooce" (Bologna 1879).
Großes Aufsehen erregte das Buch "?08tuma. Oan-
X0ni6r6 äi I^0r6ii20 8t6ccli6tti, eäito a cura. cleZii
amici" (Bologna 1877; 8. Aufl. 1882), eine Samm-
lung formvollendeter Gedichte, in denen ein derber
Realismus mit Rücksichtslosigkeit des Denkens und
Empfindens, sowie mit echt Poet. Zügen eigen-
tümlich vermischt ist. Durch dieses Wert wurde G.
Hauptvertreter der modernen Schule des Realis-
mus od,"r "Verismus" in Italien, wenigstens auf
dem Gebiete der Lyrik. Als Nachträge erschienen:
"?0i6inicN" (Bologna 1878) und "^ova poieniicH"
lebd. 1879; 9. Aufl. 1890), mit Erörterungen über
den Standpunkt des Dichters und seine Stellung
zum Realismus und Idealismus. Ferner schrieb
er eine Reihe kleinerer gelehrter Arbeiten und be-
sorgte Ausgaben älterer Schriftsteller. - Vgl. Viva-
relli, I^olLii^o 8t6ccu6tti) 0 il verismo ueiia, lette-
Illwi-H 6 Q6i1'9,rt6 (Flor. 1879).
<^e^.<?., hinter lat. Pflanzennamen Abkürzung
für den Botaniker L. B. Guersent (spr. gersang),
geb. 1776, gest. 1848 als Arzt Zu Paris.
Guesclin, Vertrand du, s. Duguesclin.
Guettöe (spr. getteh), Abbe' Äimö Francois,
später Wladimir, franz. Geistlicher, geb. 1. 'Dez.
1816 in Vlois, war lange Zeit kath. Pfarrer in
St. Denis-sur-Loire und wurde 1851 Geistlicher
am Hospital St. Louis in Paris. Sein Werk
"lli8toir6 äs I'^liss äe ^i-ance" (12 Bde., Par.
1847-56) brachte ihn in den Verdacht des Ianse-
nismus. Er muhte 1856 seine Stellung aufgeben,
rrat 1862 zur russischen orthodoxen Kirche über
und wurde 1864 von der geistlichen Akademie in
Moskau zum Doktor der Theologie ernannt. Er
starb 1892 in Paris. Außer dem genannten Werk
schrieb G.: "Hi3toii-6 ä68 ^o8uit63" (3 Bde., 1858
-61), "I^I. ?3Mut6 8eIii8MHtisiii6)) (1863), "Nx-
s)08itioii ä6 1a äocti'ino äs 1'^<;Ii86 oi'tlioäoxs"
(1866; 2. Aufl., Vrüss. 1886), "80^61111-8 ä'un
^rötrs romain äevLiiu ^)i'6ti'6 artlioäoxo" (1890),
eine Schrift gegen Renan (1864) u. a. Auch redi-
gierte er den "()d86rvHt6ui' catlioliHne" (Par. 1855
-66) und die orthodoxe Revue "I^IInion ctii-s-
ti6nn6" (ebd. 1859-92).
Guevara (spr. gew-), Antonio de, span. Schrift-
steller, gehörte dem Franziskanerorden an, war
Hofprediger und Chrouist Karls V., zu dessen Reise-
begleitern er gehörte, und starb 10. Sept. 1545 als
Bychof von Mondonedo. Seine didaktisch-rheto-
rischen Werke erfreuten sich eines großen Erfolgs
bei den Zeitgenossen, so vor allem der "Narco ^ui-6-
lio ouii Lii-tüoxdo^rincip^" (Valladolid 1529 u.ö.),
eine Art Roman in der Form einer Autobiographie
Marc Aurels, die der Verfasser anfänglich für echt
ausgab, jedoch schon 1-539 als eigene Erfindung be-
zeichnete. Die "Fürstenuhr" ward bald in alle europ.
sprachen übersetzt. Ahnliche moralische Tendenzen
verfolgen "Ilna äec^äa äs I03 ^68^103", "^vi80 äo
1)i'ivaä08)), "N6N08i)i'6ci0 äe I". C01 t6" und zuineist
auch seine "Ni)i8to1a8 fanii1i3.i'68", sämtlich 1539
u. d.T. "0di'Ä3" in Valladolid erschienen. Hochtra-
bende Beredsamkeit, überladene Gelehrsamkeit und
pedantischer Witz machen all diese Schriften heute
ungenießbar, auch die Briefe, welchen die Zeit den
Ebrentitel der "Goldenen" verlieh; ihre Bedeutung
liegt in der Wirkung auf die damalige Welt. Außer-
dem sind von G. erhalten: "Ilniidro äs I08 iuveiitoi-eg
äei mai^ai-" (in den "0di-a8" 1539) und zwei religiöse
Traktate, "Nont6 (^Ivat-io" (1542) und "Oratorio
do 1-611^10803" (1542). Die Briefe stehen in Bd. 13
der "Lid1i0t6(H äs autor^ 68i)afi0i68".
Guevara (spr. gew-), Luis Velez de, spanischer
dramat. Dichter aus der Schule des Lopc de Vega,
geb. 1570 zu Ecija in Andalusien, gest. 10. Nov. 1644
in Madrid, wird gegen 1600 als erfolgreicher Vüh-
nenschriftsteller genannt, befand sich damals am
Hof im Dienst des Grafen von Saldana. Später
war er ein begünstigtes Mitglied des litterar. Cir-
tels Philipps'IV. und königl. Ujier (Thürhüter).
Von feinen mehr als 400 Stücken sind gegen 70 er-
halten, sehr zerstreut, eine Sammlung soll 1730 in
Sevilla begonnen worden sein, eine Madrider von
1832 enthält nur zwei Komödien, sechs stehen in
Bd. 45 der "Lidliotsca äe auwi-68 68M1I0I68". Kei-
nes derselben gehört zu den ersten, aber viele zählenzu
den guten der span. Bühne. Gut geführte Handlung,
richtige Haltung der Charaktere und gesunde Sprache
sind fast immer anzuerkennen. Hervorzuheben sind
die aus der Nationalgeschichte, wie "3i ei ckv^iio
V08 Kaii N1U6I-t0", "Nä3 P68K 61 l6^ ^U6 la 8HQ^r6",
und das bekannteste "Ileinai' (168PU68 äs molir",
die Geschichte der Ines de Castro. Außerhalb Spa-
niens beruht G.s Ruhm wesentlich auf seinem "via-
dio c^u6i0", einer sehr unterhaltenden und lebens-
vollen Satire (1. Ausg., Madr. 1641; von den
vielen Wiederabdrücken ist etwas weniger fehlerhaft
der von Ferrer beforgte, Par. 1828; neuer, nicht
desser der in der "IMIioteca cle autoi'68 63pHsi0i63",
Bd. 33). Lesage hat durch seine Bearbeitung "1.6
diadie doitsux" (Par. 1707 u. ö.) dieses Werk und
seinen Namen in ganz Europa berühmt gemacht; die
Fortsetzung, die er dazu schrieb, erreicht aber bei wei-
tem nicht das Wert des Spaniers. Außerdem ver-
faßte G. ein "I^ioFio äei ^ui-HniLiiw äe ^elipe IV.^>
(Madr. 1608).
Guffens (fpr. chu-), Godfried, belg. Maler,
geb. 22. Juli 1823 zu Hasselt, war auf der Akademie
zu Antwerpen Schüler von N. de Keyfer. Er ging
hierauf nach Italien, wo er besonders Michelangelo
und Raffael studierte, und von dort nach Deutsch-
land, wo er sich nach Cornelius, Overbeck, Schnorr
und Kaulbach bildete. Gemeinschaftlich mit Jan
Swerts (gest. 1879), seinem Studiengenossen, schuf
er dann in Notre-Dame zu St. Nicolas bei Ant-
werpen im Stile der Münchener Meister die lieben
Leiden der Maria (1855-70), ferner den Kreuzweg
in der Ignatiuskapelle des Iesuitenkollegiums zu
Antwerpen. Das Hauptwerk beider Künstler ist
jedoch die Ausmalung der St. Georgskirche daselbst
mit Scenen aus dem Leben Christi (1859 - 71).
Im großen Schöffensaal des Rathauses zu Ipern
stellte G. den Einzug Philipps des Kühnen 1383
(1869) dar und im Schöffenfaal des Rathauses zu
Kortrijk den Aufbruch des Grafen Valduin von
Flandern zum Kreuzzug 1202 (1873-75). Dann
malte G. die Taufkapelle in der St. Quintinskirche
zu Hasselt (1875) und den Chor der St. Iosephs-
tirche in Löwen (1881) sowie den Ehrensaal des
Hotel de Schild in Antwerpen. Von seinen sonstigen
Ölgemälden sind zu nennen: Episode aus der Zer-
störung von Pompeji, Der Araber und sein Weib,
Lucretia unter den röm. Frauen, Rouget de Lisle
zum erstenmal die Marseillaise singend, Rückkehr
von der Grablegung Christi (1871; Rudolphinum