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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Guibert (Jacques Antoine Hippolyte, Graf von) - Guichard
sich als Schüler Anfelms von Canterbury erweist,
bewegen sich auf fast allen Gebieten der Theologie
und wurden gesammelt von d'Achery (Par. 1651).
Guibert (fpr. gibähr), Jacques Antoine Hippo-
lyte, Graf von, franz. General und Militärschrift-
steller, geb. 12. Nov. 1743 zu Montauban, begleitete
seinen Vater, der während des Siebenjährigen
Krieges Stabschef bei der in Deutschland befind-
lichen franz. Armee war, nach Deutschland und
wurde bald als Kapitän angestellt. 1767 nahm G.
an dem Feldzuge auf Corfica teil, bereiste dann
Deutschland, wurde 1781 zumVrigadegeneral, 1788
zum Maröchal-deCamp ernannt und 1786 in die
Französische Akademie aufgenommen. Als kurz vor
dem Ausbruche der Revolution das Ministerium
Vrienne das franz. Heer reformieren wollte, übte
G. entscheidenden Einfluß auf die Veränderungen
im Heerwesen und sprach sich schon für den Ge-
danken der allgemeinen Wehrpflicht aus. G. starb
6. Mai 1790 zu Paris. Er war ein sehr vielfeitiger
Schriftsteller und verfaßte geschichtliche Abhand-
lungen, Trauerspiele, Reifebefchrcibungcn, einen
"I^ioFLtt auf Friedrich d. Gr., namentlich aber mili-
tär. Schriften. Von diesen sind zu nennen: "^333.1
8<w6i'lü äo tactihus" (2 Bde., Lond. 1770,1772;
neue Aufl., Par. 1804; deutsch, 2 Bde., Drcsd.
1774), "D6l6ll36 äu 8)'8töin6 äe Zueri'6 inoä6lN6"
(2 Bde., Neuchätel 1779), "Os 1a lorce pudü^n
sPar. 1790), "Hi3toir6 ä6 lg. c0N8titntion inili-
tini-6 cle IVaucL" (unvollendet, in den von seiner
Witwe herausgegebenen "d^uvi-68 miIitaii-68",
5 Bde., Par. 1803). - Vgl. De la Barre Duparcq,
I>oi'ti-ait8 mililair68 (3 Bde., Par. 1853-61).
Guibray (spr. gibräh), Vorstadt von Falaise
(s. d.).
Guicciardini (spr. -itschar-), Francesco, ital.
Geschichtschreiber, geb. 6. Mai 1483 zu Florenz, aus
angesehener Familie, studierte die Rechte zu Florenz,
Ferrara und Padua und erwarb sich bald bedeuten-
den Ruf, fodaß er 1505 in feiner Vaterstadt eine
Professur der Rechte erhielt und 1512 als Gesandter
der Republik an den Hof Ferdinands von Aragonien
gefchickt wurde. Später trat er in den Dienst Leos X.,
ward 1516 Gouverneur von Modena, dann auch
von Reggio und verteidigte 1521 Parma gegen die
Franzosen. Clemens VII. machte ihn 1523 zum
Präsidenten der Romagna, und 1527 war er Be-
fehlshaber der florentin. und päpstl. Truppen gegen
Karl V. Mit der Vertreibung der Medici aus
Florenz verlor er feine hohe Stellung, ward nach
Unterwerfung der Stadt von Clemens VII. 1530
in die Kommission zu deren Regierung berufen, aber
schon 1531 als Gouverneur nach Bologna gesandt.
Nach Clemens' Tode (1534) kam er wieder nach
Florenz und gehörte zu den Beratern Herzog Alexan-
ders. Nach dessen Ermordung war er 1537 einer
von denen, die Cosimo erhoben, ^eine Hoffnung
durch Einsetzung eines Senats die absolute Gewalt
des Fürsten einzuschränken, mißglückte, und er selbst
verlor allen Einfluß. Seitdem lebte er bis zum Tode
(Mai 1540) meist in seiner Villa zu Arcetri bei
Florenz, beschäftigt mit seinem bedeutendsten Werke,
der "3wriH ä'iwiia". Es ist die erste Geschichte des
gesamten Italiens, von 1492 bis 1534 reichend.
Sie beruht auf sorgfältigster Forschung und giebt
das vollendetste Bild der Zeit; G.s Meisterschaft be-
steht namentlich in der Charakteristik der Personen
und der Analyse der polit. Lage, weniger in unbe-
dingt sachlicbcr Zuverlässigkeit. Die Verschlingung
der mannigfaltigen Ereignisse und der schwerfällige
Stil beeinträchtigen den Eindruck oft stark. Die
ersten 16 Bücher seiner Geschichte erschienen 1561,
die letzten 4, die er nicht ganz vollendet hatte, 1564.
Die beste Ausgabe besorgte Rosini (10 Bde., Pisa
1819; neueste Ausg., 4 Bde., Mail. 1875). Eine
Fortsetzung (1536 - 74) lieferte der Florentiner
I. B. Ädriani (gest. 1579), "I8toi'ia äs' 31101 tempi"
(Flor. 1583) und in neuerer Zeit Carlo Votta in
der "Geschichte Italiens von 1535 bis zur Fran-
zösischen Revolution". Von höchstem Interesse sind
seine von G. Canestrini illustrierten und von den
Grafen P. und L. Guicciardini herausgegebenen
"0p6r6 ineäite" (10 Bde., Flor. 1857-67), die eine
Kritik von Machiavellis "Betrachtungen über Li-
vius' Römische Geschichte", eine unvollendete span-
nende Geschichte der florentin. Republik, mehrere
polit.Traktate über storentin.Verfassung u.a., seine
Gesandtschaftsberichte aus Spanien und die übrigen
amtlichen Papiere nebst Aufzeichnungen über das
eigene Leben und feine Familie und die "Nicoräi
Politici 6 civili" (Betrachtungen eines durch kein
Vorurteil und keine Rücksichten gehinderten Welt-
mannes) enthalten. - Vgl. Rosini, sa^io 3u1 l3.
(Pisa 1819 u. ö.); Benoist, (^. di3t0ri6Q 6t Iionmw
ä'^tat iw1i6n (Par. 1862); Gioda, ?. (-. 6 16 3ii6
0p6r6 (Bologna 1880); Ranke, Zur Kritik neuerer
Geschichtschreiber (2. Aufl., in "Sämtliche Werke",
Bd. 33 u. 34, Lpz. 1874).
<3?/"t;H., hinter den wissenschaftlichen Namen
von Tieren, besonders Fischen, Abkürzung für
Adolphe Guichni er (spr. gischmeh), einen franz.
Forscher.
Guichard (spr. gischahr), Karl Theophilus, be-
kannter unter dem Namen Quintus Icilius,
Militärschriftsteller, geb. 1724 zu Magdeburg, stu-
dierte Theologie und Philologie, trat jedoch 1747
als Fähnrich in Holland. Militärdienste, in denen
er 1751 zum .hauptmann aufstieg. Bald darauf
nahm er den Abschied, ging 1754 nach England und
widmete sich dort gelehrten Studien. 1757 erschien
sein Werk "N6ilioii-63 militaii 63 8ur 168 61-603 6t 168
N,0in9.in8" (2 Bde., Haag und Lyon 1757-60), das
die Aufmerksamkeit Friedrichs d. Gr. auf den Ver-
fasser lenkte. G. wurde in die Umgebung des Königs
berufen und Anfang 1758 in das Gefolge aus-
genommen. Anläßlich eines Gesprächs über die
Kriegskunst der Römer (der König hatte in dem Ge-
fpräch den Namen eines in der Schlacht bei Pharsa-
lus beteiligten Centurio irrtümlich Quintus Icilius
statt Quintus Cäcilius angegeben und war darüber
mit G. in einen Wortstreit geraten) legte ihm Fried-
rich statt der erbetenen Erneuerung seines alten
elsäss. Adels den Namen Quintus Icilius bei. Im
Mai 1759 trat "Major Quintus" an die Spitze
eines Freibataillons, das er allmählich bis zur
Stärke eines Regiments von drei Bataillonen ver-
mehrte, und errichtete auf Befehl des Königs 1760
noch sieben andere Freibataillone. G. war 1761
und 1762 bei der Armee des Prinzen Heinrich von
Preußen. Nach dem Frieden wurde G.s Freiregiment
am Tage des Einmarsches in Berlin aufgelöst; G.
blieb jedoch im Gefolge des Königs in Potsdam,
wurde 1765 zum Oberstlieutenant und 1773 in An-
erkennung seiner Schrift "N6in0ii-63 ei-iti^n^ er
Iii8tolihU68 8iir pIu8i6ui-3 point8 ä'auti(iuit63 inili-
tair68" (4 Bde., Verl. 1773), das Cäsars Feldzüge
in Spanien behandelt, zum Obersten befördert. G.
starb 13. Mai 1775 zu Potsdam. Nach Beendigung