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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Gunnlöd - Günther (Graf von Schwarzburg, deutscher König)
sind, als durch die sich an ihn knüpfende Erzählung,
die Gunnlaugssaga. Diese schildert eingehend
G. O.s Leben, vor allem sein Liebesverhältnis zur
schönen Helga, das der Anlaß zu den Kämpfen mit
Hrafn ist. Der isländ. Urtext ist oft herausgegeben;
außer in den altnord. Lesebüchern von Möbius und
Wimmer, in den "Islendingasögur II", von Rygh
(Kristiania 1862), Thorkelsson (Reykjavik 1880)
und Mogk ("Altnord. Textbibliothek", Bd.1, Halle
1886). übersetzt wurde er von Kölbing (Heilbr.
l878) und Küchler (Bremen 1891); umgedichtet
neuisländisch von Vjarnarson Dalaskald ("Kimui-
cl,k (^unui^uFi Ormätim^i", 1878).
Gunnlöd, in der nordischen Mythologie eine
Riesenjungfrau, die Tochter des Suttuna,, des
Herren des Dichtermetes. Im Berge Hmtbjörg
bewacht G. den Dichtermet. Zu ihr kommt Odin
als Bölverk, schläft drei Nächte bei ihr und ent-
wendet ihr während dieser Zeit den Met, den er den
Äsen zuführt.
Gunny (engl., spr. gönni), soviel wie Jute (s. d.);
in der Mehrzahl Gunnies, s. Gunnibags.
Gunpolvder (engt., spr. gönnpaud'r), das
Schiehpulver, auch der Name einer Art grünen
Thees (s. d.).
Güns, ungar. K0526F, Stadt mit geordnetem
Magistrat, mit dem Titel Königl. Freistadt, im
ungar. Komitat Eisenburg (V^8), rechts an der
G. und an der von der Südbahn betriebenen
Lokalbahn Sleinamanger^G. (18 km), hat (1890)
7076 E. (3197 Deutsche, 140 Kroaten), darunter
5119 Katholiken, 1672 Evangelische und 259 Israe-
liten, Post, Telegraph, Sitz eines Stuhlrichteramtes,
Bezirksgerichts, Steueramtes, Schloß des Fürsten
Esterhazy,derin der Umgebung groheGüterhat,neue
katholische got. Kirche, ein Benediktinergymnasium,
Militär-Unterrealschule, Bürgerschule, Mädchen-
präparandie, zwei Sparkassen und zwei Klöster;
bedeutende Tuchweberei, Obst- und Weinbau. Bei
G. die Ruine Altenburg und der Geschriebene Stcin
(883 m). - Sultan Suleiman II. belagerte die Stadt
1532, mußte aber, nachdem 19 Stürme von dem
tapfern Kommandanten Niklas Juristisch zurück-
geschlagen waren, die Belagerung aufgeben.
Güntersberge, Stadt im Kreis Ballenstedt
des Herzogtums Anhalt, 14 km südlich voll Thale,
in 407 m Höhe, an der Selke, als deren Ursprung
der Güntersberger Teich gilt, und an der Nebew
linie Gernrode-Hasselfelde der Gernrodc-Harz
geroder Eisenbahn, hat (1890) 881 evang. E.,
Postagentur, Fernsprechverbindung und ein altes
Schloß, jetzt Rathaus. In der Nähe die Neste einer
alten Burg, Günthersburg genannt, mit Ringwall.
Guntersblum, Flecken im Kreis Oppenheim
der Hess. Provinz Nheinhessen, 6 km südlich von
Oppenheim, an der Linie Mainz-Worms der Hess.
Ludwigsbahn, hat (1890) mit demHofguteSchmitts-
hausen 2058 meist evang. E., Post, Telegraph,
2 schöne Kirchen, ein schönes Rathaus, ein gräfl.
Leiningensches Schloß mit Garten sowie Weinbau
und Kalksteinbrüche.
Gunterskale, Gunterscale (spr. gö'nnterskehl),
irrtümlich Donnskale (Donnscale) genannt,
ein Nechenstab, der namentlich in früherer Zeit
bei nautischen Rechnungen vielfach verwendet
wurde. Erfinder der G. war der engl. Prediger
Gunter, der in Hertfordshire von 1581 bis 1626
lebte. Später brachte der sonst unbekannte Donn
einige Veränderungen auf der Skala an, weshalb
die heute noch vorkommenden Stäbe die Bezeich-
nung: XaviFg,tiv6 8cai6 iinprovsä d^ L. vonn
tragen. Die G. ist ein 2 Fuß (engl.) langes Lineal,
von 2 Zoll (engl.) Breite, trägt außer Zollmaßstab
eine Anzahl von Teilungen, welche die trigonometr.
Funktionen und Logarithmen derselben sowie einige
besondern nautischen Zwecken dienende Funktionen
in bestimmten Verhältnissen enthalten. Erfunden
zur Zeit des Iakobsstabs (s. d.), hat die G. bis Ende
des 18. Jahrh, gute Dienste geleistet, heutzutage
aber ist sie, was Genauigkeit und Einfachheit betrifft,
längst durch verbesserte logarithmisch geteilte Rechen-
stäbe übertroffen. In der Nautik (s. d.) bedient man
sich jetzt fast ausschließlich logarithmischer Tabellen
bei den Rechnungen, da nur diese genügende Genauig-
keit geben können; die G. ist durch diese fast völlig
verdrängt. - Vgl. Ierrmann, Die G. (Hamb. 1888)^
Günther, identisch mit dem histor. Gundicar,
dem Könige der seit 406 am Mittelrhein, der Sage
nach um Worms, angesiedelten got. Burgunder,
die 437 durch einen im Dienst des rom. Feldherrn
Aetius stehenden Haufen Hunnen eine Niederlage
erlitten. Gundicar selbst fiel mit einem großen Teil
seines Volks. In der Nibelungensage ist die That
jener Hunnen auf Attila übertragen. Hier ist G.
der älteste der drei burgund. Könige, Bruder Kriem-
hilds und Gatte der Brünhild, welche Siegsried für
ihn erwirbt und bezwingt. An der Ermordung Sieg-
frieds durch Hagen mitschuldig, fällt er als Opfer
von Kriemhildens Rache am Hofe König Etzels, wo-
hin ihn und die Seinigen Kricmhild eingeladen hat:
den durch Dietrich von Bern gefangenen Bruder
enthauptet sie selbst im Kerker. Heldenhafter^ist der
Gunnar der nordischen Sage, der in dem <Hchlan-
genturm, in den ihn Atli (Etzel) warf, alles Getier
durch sein Harfenfpiel einschläferte bis auf eine
Natter, die ihn tötet. In der Walthersage (s. d.) ist
G. ein habgieriger, feiger Fürst, der den flüchtigen
Walther seiner schätze und seiner Braut berauben
will und im Kampfe ein Bein verliert.
Günther, Magister, Dichter, Geschichtschreiber
und Theolog um 1200. Er war längere Zeit Scho^
lastikus in einer Stadt Süddeutschlands, auch Lehrer
des Prinzen Konrad, des vierten Lohnes Kaiser
Friedrichs I., dem er 1186 ein lat. Heldengedicht
"30iim9.rin8" über den ersten Kreuzzug widmete.
Kaum sechs Monate später erschien sein "I^ui-inuL"
(von Liguria, d. i. Oberitalien), das schwungvollste
aller im Mittelalter in Deutschland entstandenen
lat. Epen. Es besingt im Anschluß an die "(^68tH
^riäkrici" Ottos von Freising und Rahewins, die
durch manche Züge aus der spätern Zeit ergänzt
werden, die Thaten Friedrichs I. in Italien und ist
dem alten Kaiser selbst und seinen sünf Söhnen in
einer historisch bedeutsamen Widmung zugeeignet.
Nach 1200 wurde G. Mönch in dem Oistercienser-
kloster Pairis im Elsaß. Dort verfaßte er nach den
Erzählungen seines Abtes Martin eine Geschichte
des sog. vierten Kreuzzugs, die "Üi8wri9. ^onätHn-
tinopolitluia", und einen theol. Traktat ("vs ora-
tioQ6) ioiiiuio et 6i66ino8iii3,"). - Vgl. A. Pannen-
borg, Der Verfasser des Ligurinus (Gott. 1883)'.
G.s von Pairis im Elsaß "Ligurinus", ein Epos
zum Ruhme Kaiser Rotbarts aus dem 12. Jahrh.,
deutsch von Th. Vulpinus (Straßb. 1889).
Günther, Graf vonSchwarz bürg, deut scher
König, geb. 1304, hatte sich in der Verwaltung sei-
nes kleinen Landes tüchtig gezeigt und sowohl dem
Kaiser Ludwig von Bayern als auch dem Erzbischof