Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

564
Günther (Ant.) - Günther (Joh. Heinr. Friedr.)
f1887 -88). 1864 gründete er die Jahresschrift
"Hecolä ok ^ooloFie^i I^it6r9.tui'6", deren erste
7 Bände er selbst herausgab. Er ist auch einer der
Herausgeber der "^iiuaiL anä N^^ine ok ^3.-
Günther, Ant., kath. Philosoph und Theolog,
geb. 17. Nov. 1783 zu Lindenau in Böhmen, studierte
in Prag Philosophie und Jurisprudenz, später auf
der Akademie zu Raab in Ungarn Theologie, er-
hielt 1820 die Priesterweihe und trat 1822 im galiz.
Kloster Starawies in den Jesuitenorden, verließ ihn
aber nach zweijährigem Noviziat wieder. Seitdem
lebte er in Wien, bis 1848 als Censor der philos.
und jurist. Bücher, dann als Privatmann. Als
1853 durch die Indexkongregation seine Schriften
auf den Index gesetzt wurden, unterwarf sich G.
der kirchlichen Autorität. Er starb 24. Febr. 1863.
Als philos. Theolog bemühte sich G., die Überein-
stimmung von Glauben und Wissen zu erweisen,
oder eine Philosophie zu schaffen, die den modernen
Pantheismus überwinde und die kath. Dogmatik
selbständig begründe. Er will den herrschenden Pan-
theismus ersetzen durch einen Dualismus, der auf
Grund einer tiefern Fassung des Schöpfungsbegriffs
die Vermischung von Gott und Welt unmöglich macht.
Die Welt ist die durchaus freie Setzung Gottes, die
Objektivierung seines Weltgedankens. In ihr sind
Natur und Geist die beiden entgegengesetzten Prin-
cipien, als deren Synthese der Mensch erscheint. Die
aphoristische Form seiner Schriften erschwerte sehr die
Verbreitung seiner Gedanken: trotzdem sammelte sich
bald eine Schar begeisterter Schüler um ihn. Von
seinen Werken mit meist wunderlichen Titeln sind zu
nennen: "Vorschule zur spekulativen Theologie des
Christentums" (Wien 1828; 2. Aufl. 1848), '"Pere-
grins Gastmahl" (ebd. 1830), "Süd- und Nord-
lichter am Horizonte spekulativer Theologie" (ebd.
1832), "Thomas a Scrupulis. Zur Transfigura-
tion der Persönlichkeits-Pantheismen der neuesten
Zeit" (ebd. 1835), "Die Iuste-Milieus in der deut-
schen Philosophie gegenwärtiger Zeit" (ebd. 1838),
"Euristheus und Herakles" (ebd. 1843). Mit Pabst
(gest. 1838) gab er heraus die "Ianusköpfe für Phi-
losophie und Theologie" (ebd. 1834) und mit Veith
das philos. Jahrbuch "Lydia" (ebd. 1849-54). An
dem zwischen Möhler und Baur geführten Streite
über das Verhältnis von Katholicismus und Pro-
testantismus beteiligte sich G. mit der Schrift "Der
letzte Symboliker" (Wien 1834). Aus seinem Nach-
laß veröffentlichte Knoodt: "Anti-Savarefe" (ebd.
IssZ),' seine "Gesammelten Schriften" erschienen
in Wien (neue Ausgabe, 9 Bde., 1882). - Vgl.
Clemens, Die Abweichung der Güntherschen Spe-
kulation von der kath. Kirchenlehre (Köln 1853);
Knoodt, Ant. G. (Wien 1881)-. Flegel, Ant. G.s
Dualismus von Geist und Natur (Bresl. 1880).
Günther, Gustav Biedermann, Chirurg, geb.
22. Febr. 1801 zu Schandau, studierte in Leipzig,
wurde 1837 Professor der Chirurgie in Kiel und
1841 in Leipzig; er starb 8. Sept. l866. G. ge-
hörte zu den besten Lehrern der Chirurgie. Seine
Schriften betreffen besonders die Operationslehre
und die chirurg. Pathologie; die bedeutendsten sind:
"Chirurg. Anatomie" (Bd. 3 u. d. T. "Diechirurg.
Muskell'chrc>>,Hamb. 1840), "Der hoheSteinfchnitt"
(ebd. 1851), "Die Lchre von den blutigen Opera-
tionen am menschlichen Körper" (7 Abteil., ebd.
1853-66), "Über den Bau des menschlichen Fußes
und dessen zweckmäßigste Bekleidung" (ebd. 1863).
Günther, Joh. Christian, Dichter, geb. 8. April
1695 (nach G. selbst 1698) in Striegau (Niederschle-
sien), zeichnete sich auf der Schule zuSchweidnitz durch
sein poet. Talent aus, bezog 1715 die Universität
Witteuberg, um nach dem Willen seines Vaters, der
Arzt war, Medizin zu studieren. Er ergab sich jedoch
bald einem wüsten Leben, geriet in Schulden und
zerfiel für immer mit seinem harten Vater. 1717
wandte er sich nach Leipzig und fand dort an Professor
Mencke, der als Philander von der Linde selbst dich-
tete, einen Beschützer, gab Hoffnungen auf Besserung
seines Lebenswandels und verfaßte in diefer Periode
sein an prachtvollen Einzelheiten reiches Gedicht auf
den Passarowiczer Frieden, das ihn schnell bekannt
machte, ohne seine äußere Lage zu verbessern. Mencke
suchte ihm 1719 am Dresdener Hofe eine Stellung
zu verschaffen, aber Intriguen von Neidern, auch
eigene Schuld G.s vereitelten den Plan. Die letzten
Jahre feines Lebens irrte G. heimatlos umher, fristete
sein Dasein von Gelegenheitsdichtungen und von
den Wohlthaten seiner Freunde. Vergeblich suchte er
mehrmals sich aufzuraffen und feinen Vater zu ver-
söhuen. Er starb 15. März 1723 zu Jena. Schon
1738 widmete ihm der Lexikograph Steinbach eine
viel angefochtene Biographie. Auch G.s Lieder und
Oden sind nicht frei von dem Bombast und steifen
Pomp, von dem Frechen und Lüsternen, das der
Dichtung der zweiten schles. Schule anhaftete; ja, an
häßlichen Cynismen hat er mehr geleistet, als durch
die Zeit entschuldigt wird. Aber eine, nicht selten
volkstümliche Kraft der Sprache, eine lebendige Vor-
stellungskraft, vor allem eine ursprüngliche, leiden-
schaftliche Gefühlswahrheit, die alle innern Erleb-
nisse getreulich dem Verse anvertraute, erhebt ihn
hoch über seine Zeitgenossen: seine Leonorenlieder
finden erst bei Goethe wieder ihresgleichen. G.
ist der früheste Lyriker in modernem Sinne, seine
Dichtung Gelegenheitspoesie im Goetheschen Sinne.
Seine Gedichte wurden nach seinem Tode gesammelt
(4Bde.,Vresl. 1724-35; 6. Aufl. 1764); neue Aus-
gaben besorgten Tittmann in den "Deutschen Dich-
tern des 17. Jahrh." (Lpz. 1874), Litzmann in Reclams
"Universalbibliothek" und Fulda in Kürschners
"Deutscher Nationallitteratur" (Etuttg. 1883). -
Vgl. Noquette, Leben und Dichten G.s (Stuttg.
1860); Kalbeck, Neue Beiträge zur Biographie G.s
(Lpz. 1879); B. Litzmann, Zur Biographie und
Charakteristik I. C. G.s (in "Im Neuen Reich",
1879, II, S. 517-531); ders., Zur Textkritik und
Biographie G.s (Franks, a. M. 1880).
Günther, Joh. Heinr. Friedr., Tierarzt, geb.
6. Dez. 1794 zu Kelbra bei Nordhausen, studierte
in Jena und Berlin Medizin und Tierheilkunde.
Nachdem er den Feldzug von 1815 als freiwilliger
Jäger mitgemacht, setzte er bis 1818 in Hannover
das Studium der Tierheilkunde fort, praktizierte
hierauf in seinem Heimatsorte und wurde 1820 Leh-
rer an der ehemaligen Tierarzneischule zu Hannover,
1830 Vicedirektor, 1847 wirklicher Direktor dieser An-
stalt. Er starb 19. Nov. 1858. Seine Hauptschriften
sind: eine Abhandlung über das Eingeben von Trän-
ken bei Tieren und daraus folgenden Fremdkörper-
Pneumonien (im "Hannov. Magazin", 1829), Ab-
handlungen über Eiterknoten in den Lungen (in
Äusts "Magazin für die gefamte Heilkunde", Verl.
1835) und den Pfciferdampf der Pferde (in der
"Zeitschrift für die gesamte Tierheilkunde", hg. von
Nebel und Vix, Gießen 1834), "Lehrbuch der prak-
tischen Vetermärgeburtshilfe" (Hannov. 1830), "Die