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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Gußgerechtigkeit - Gussow
ten Art lassen sich nur für einen einzigen Guß be-
nutzen und müssen für jeden Guß besonders her-
gestellt werden; trotzdem kommen sie beim Gießen
der Metalle, zumal des Eisens, Stahls und der
verschiedenen Kupferlegierungen (Bronze, Messing
u. a.), häusiger zur Anwendung als die zuerst ge-
nannten starren Materialien. Gegenstände, welche
beim Abkühlen dem Gesetze der Husammenziehung
nicht folgen können, ohne die G. m Mitleidenschaft
zu ziehen, lassen sich in starren, z. B. metallenen,
G. überhaupt nicht ohne die Gefahr des Reihens
gießen, sofern ihre Schwindung (s. d.) einigermaßen
beträchtlich ist. Ein gegossener Ring z.V. würde sich in
emermetallenenGußform um den eingeschlossenen in-
nern Teil zusammenpressen: eine aus Sand oder ähn-
lichem Material gefertigte Guhform dagegen giebt
beim Zusammenziehen des heißen Abgusses nach.
Fernerhin kommt in Betracht, daß in allen Fällen, wo
nur wenige gleiche Abgüsse gefertigt werden sollen,
die Herstellung der G. aus den genannten bildsamen
Materialien billiger zu sein pflegt', nur beim Eisen-
guß ist oft der Umstand entscheidend, daß durch die
raschere Abkühlung, welche das eingegossene Metall
in metallenen G. erfährt, die Eigenschaften des Ab
gusses wesentliche Änderungen erfahren. Gußeisen
wird durch plötzliche Abkühlung hart und spröde', und
wenn man in gewissen Fällen hiervon Anwendung
macht, um sog. Hartguß (s. d.) zu erzeugen, so würde
doch diese künstlich erzeugte Härte die Verwendbar-
keit sehr zahlreicher Gußwaren beeinträchtigen.
Gußgerechtigkeit, Traufrecht s86i-vitu8 tt,i
iliwi8), das mit dem Besitz eines Grundstücks verbun
dene Recht, das vom Dach abstießende Negenwasjer
auf das benachbarte Grundstück in einen Strahl zu-
sammengefaßt (z. B. durch Dachrinnen) abfallen zu
lassen. Dieses Recht gehört zu den Gebäudeservituten.
Gutzgewölbe, s. Gußmauerwerl.
Gußhaut, die mattere oxydierte Oberfläche ge-
gossener Metallgegenstände, welche beim Ciselieren
(s. d.) entfernt wird, um den Glanz des Metalls
zum Vorfchein zu bringen. Sie widersteht den Wit
terungseinfiüssen besser als das ciselierte Metall,
wird daher auch vielfach absichtlich erhalten.
Gußmauerwerk, das schon den Römern be-
kannt gewesene und zu Mauern und Gewölben von
ihnen verwendete Mauerwerk, welches nicht aus
einzelnen in Verband und Mörtel gelegten Stei-
nen, sondern aus einem Grobmörtel (Beton, s. d.)
durch schichtenweises Eingießen oder Einstampfen
in hölzerne oder eiserne Formkästen hergestellt wird.
He nach der Verwendung von Lehm oder Kalk mit
<^and, Cement mit Sand oder Asche, unterscheidet
man Lehmpift-, Kalksandpift-, Cementpisi!- oder
Kontretmauerwerk, während durch Anwendung
von Etaubkalk und Asche der Aschenstampf- oder
Cendrinbau entsteht. Zum Lehmpise'mauer-
werk kann jede fette Erdart verwendet werden
außer magerm Sand, fettem Thon, Dünger- und
Humusboden. Die Masse wird in Lagen (Schich-
ten) von 10 bis 30 cm Höhe zwischen Kästen oder
Holzwänden eingestampft, welche, zangenartig ver-
bunden, leicht nach Erhärten der Masse beseitigt
werden können. Weit übergreifende Dächer und
vorzügliche Isolierung von unten fchützen folche
Mauern vor den Witterungseinflüssen und der auf-
steigenden Erdfeuchtigkeit. Vorteilhaft verkleidet
man dieselben mit Dachpappe, welche an beim Ein-
stampfen eingelegten Dübeln befestigt wird. Zu
Kalkpise' verwendet man fowohl gewöhnlichen
Fettkalk als auch hydraulischen Kalk. Dieser wird
mit Sand oder Kieselsteinen vermengt in einem
Mischungsverhältnis von 1:8 bis 1:12, d. h. auf
1 Teil Kalk rechnet man 8-12 Teile Sand. Eine
besondere Art der Kalksandpiftbauten^ilden die nach
dem Rabitz-Patent (s. d.) hergestellten Wände und
Decken. Das Cementpise'- oder Betonmauer-
werk (auch Konkret genannt) wird hergestellt durch
Mischung von Portlandcement, Sand, Kies, Kalk
und Steinschlag aus Ziegelbrocken oder Bruchstein
(Granit) als Hackung in folgenden üblichen Mi-
schungsverhältnissen: 1 Teil Portlandcement, 0,60
Teile Sand, 0,?o Teile Kies, 0,80 Teile Kalk, 1 Teil
Steinschlag -^ 2 Teile Beton. 1 Teil Portland-
cement, 2 Teile Sand, 2,5 Teile Steinschlag --
3,2 Teile Beton. 1 Teil Portlandcement, 2 Teile
Sand, 4 Teile Kies ^ 4,4 Teile Beton. 1 Teil
Portlandcement, 3 Teile Sand, 6 Teile Kies ^
6," Teile Beton. 1 Teil Portlandcement, 4 Teile
Sand, 8 Teile Kies --- 8,5 Teile Beton. 1 Teil
Portlandcement, 4-6 Teile Kiessand, 4-8 Teile
Kies ^ 4,5-9 Teile Beton. Für feuersichere
Zwischendecken, zwischen I-Trägern gestampft,
empfehlen sich folgende Mischungsverhältnisse:
1 Teil Cement, 5-6 Teile Sand mit Kies unter-
mischt, oder l Teil Cement, 2 Teile Sand,
4-6 Teile Steinschlag.
Unter die Cementstampfbauten ist auch alles G.
zu rechnen, welches nach dem Monier-System (s. d.)
ausgeführt ist. Nicht nur ganze Mauertörper lassen
sich durch Cementbeton herstellen, sondern durch
Stampfen und Pressen desselben in eisernen mit
entsprechenden Profilen versehenen Formkästen sind
in neuerer Zeit auch Quader, Treppenstufen, Podest-
platten, Fenster-und Thürumrahmungen, Gesimse,
Gefäße, Ornamente gefertigt worden, welche den
Sandstein ersetzen sollen, wodurch sich eine ganz
neue Industrie gebildet hat. Die hierzu verwendete
Masse, welche aus Portlandcement, reinen, ge-
sprengten Granitstücken und gewaschenem Kiesel-
sande besteht, ist sogar politurfähig und wird als
solche zu Wandverkleidung als Marmorimitation
und zu Fußbodenplatten verwendet. Eine besondere
Art des Cementmauerwerts ist der sog.Schlacken-
beton, welcher dann angewendet wird, wenn die
Masse möglichst porös und leicht sein soll. Er be-
steht aus Cement und Kohlenschlacken, Holzkohle,
auch Bimsstein. Der Aschenstampfdau oder
Cendrinbau wird hergestellt durch eine Misänmg
von 5 Teilen Asche und 1 Teil Staublalk.
Gußmörtel, s. Beton.
Gußnaht, Grat, in der Gießerei eine infolge
der Zusammensetzung der Form aus einzelnen Tei-
len auf der Oberfläche des Gußstücks entstehende
linicnartige Erhöhung, welche durch nachfolgende
Bearbeitung (Putzen, s. d.) entfernt wird.
Guffone, Botaniker, s. 6^-6.
Gllsfow, Karl, Maler, geb. 25. Febr. 1843 zu
Havelberg, besuchte die Kunstschule zu Weimar, wo
er sich an A. von Ramberg, später an Pauwels an-
schloß. Nachdem er Italien besucht, wurde er 1870
Professor an der Kunstschule in Weimar, 1874 Pro-
fessor an der Akademie in Karlsruhe, 1875 an der
m Berlin. 1880 erhielt er für seine Leistungen auf
der Berliner Ausstellung die große Goldene Me-
daille; in demselben Jahre gab er seine Lehrthätig-
keit an der Akademie auf und eröffnete eine Privat-
schule. Seit 1883 ist er Mitglied dor Berliner Aka-
demie , 1892 siedelte er nach München über. Von