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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Gußstahl - Gustav II. Adolf (König von Schweden)
feinen Genrebildern sind hervorzuheben: Kriegs'
Nachrichten, Kirchgängerin (1870), Beim Kunst-
qelehrten (1874), Erzählung des heimgekehrten
Reservisten, Verlorenes Glück, Willkommen, Die
Venuswäscherin (1878), Die beiden Alten (1880),
Austernmädchen (1882), Die Dorfparzen (1891).
In neuester Zeit ist G. fast ausschließlich als Por-
trätmaler thätig.
Gutzftahl, s. Eisenerzeugung (Bd. 5, S. 930 d).
Gutzwaren, metallene, durch Gießen (s. d.) her-
bestellte Gegenstände. (S. Eisengußwaren, Messing-
guhwaren, Zinkgußwaren, Zinngußwaren, Kunst-
guß, Hartguß, Schwenkguß, Temperguß.)
Gustafsson, Oberst, s. Gustav IV. Adolf, König
von Schweden.
Gustav I., König von Schweden (1523-60),
bekannt unter dem Namen Gustav Wasa, geb.
12. Mai 1496 zu Lindholmen in Upland, hieß ur-
sprünglich Gustav Eriksson und war der älteste Sohn
des Reichsrats Erik Johansson, der väterlicherseits
aus dem Hause Wasa, mütterlicherseits aus dem
Zause Sture abstammte, zwei Familien, die in der
Geschichte Schwedens eine hervorragende Rolle ge-
spielt hatten. Er erhielt eine sorgfältige Erziehung
und besuchte seit 1507 die Schule zu Upsala. Nach
der Rückkehr von dort nahm ihn Sten Sture der
Jüngere 1514 an seinen Hof und ließ ihn durch den
frühern Bischof von Linköping, Hemming Gadd,
weiter ausbilden. G. nahm an dem Siege bei
Brännkyrka nahe Stockholm, welchen Sten Sture
1518 über die dän. Truppen unter Christian II. er-
focht, rühmlichen Anteil. Als er bei den darauf-
folgenden Verhandlungen nebst fünf andern vor-
nehmen Schweden als Geisel auf die feindliche Flotte
vor Stockholm geschickt wurde, ließ Christian ihn
und seine Gefährten als Gefangene nach Dänemark
abführen. Von hier entfloh G. im Herbst 1519 in
Vauernkleidern nach Flensburg, trat dort bei jütländ.
Ochsenhändlern in Dienst und kam mit diesen nach
Lübeck, dessen Rat seine Reise nach Schweden be-
förderte. Hier landete G. (Mai 1520) auf der Land-
zunge Stensö, unweit Kalmar, das damals von den
Dänen zur See blockiert wurde. Vergebens suchte
er die Stadt zu weiterm Widerstände zu bewegen;
sie ergab sich, und G. wandte sich nun nach Smäland
und von da nach Dalekarlien, wo er, von Christians
"Holdaten verfolgt, verschiedene Verstecke aufsuchen
muhte. Wiederholt hatte G. die Dalekarlier zum
Aufstand gegen die Dänen aufgefordert; erst als
dic Kunde von dem Stockholmer Blutbad und das
Gerücht von einer neuen Steuer, mit der Christian
die Bauern belegen wollte, eintraf, wählten diefe G.
zu ihrem Anführer. Dalarne war bald in seinen
Händen, und nachdem ein Haufe von 6000 Mann,
die der Erzbischof Trolle den Dalbauern entgegen-
sührte, von diesen geschlagen und zerstreut worden,
brach G. aus Dalekarlien hervor, nahm Westeras,
dann Npsala ein und rückte gegen Stockholm, ohne
dies jedoch erobern zu können. Inzwischen wurde er
auf einem nach Wadstena in Ostgotland ausge-
schriebenen Herrentage 24. Aug. 1521 zum Reichs-
verweser und Oberhauptmann des Königreichs
Schweden ernannt. Im Besitz dieser gesetzlichen
Macht begann er nunmehr die Landesregierung ein-
zurichten und seine Kriegsmacht zu vermehren. Zu-
gleich rückte er aufs neue vor Stockholm und fchloß
es eng ein. Obgleich sein Lager durch die Ausfälle
der Dänen zerstört wurde, gelang es ihm dennoch
mit Hilfe von zehn Schiffen, die Lübeck ihm sendete,
sich der Städte Kalmar und Stockholm im Juni und
Juli 1523 zu bemeistern. Noch vor der Einnahme
Stockholms berief er aber zu Pfingsten 1523 die
schwed. Stände zu einem Reichstage nach Strengnäs,
wo er 6. Juni zum König erwählt und die Kalmarische
Nnion für immer aufgehoben wurde. Bald nach der
Einnahme von Stockholm eroberte er auch Finland,
wodurch er in den Besitz des ganzen schwed. Reichs
gelangte. Auf den Rat seines Kanzlers Lars Anderson
(Laurentius Andrea) sahte er den Plan, die Refor-
mation, die er durch einen Schüler Luthers, Olaus
Petri, einen geborenen Schweden, kennen gelernt
hatte, in Schweden einzuführen. Doch betrieb er
diesen Plan nicht mit Hast, sondern allmählich. Vor
allem lag ihm am Herzen, die weltliche Macht der
Kirche zu brechen. Dies geschah auf dem Reichstage
zu Westeras (1527). Seit dieser Zett ging auch das
Reformationswerk rascher vorwärts. Kraft der Be-
schlüsse zu Westeräs zog er den größten Teil der
Kirchen- und Klostergüter ein, legte den Geistlichen
Steuern auf und bestimmte selbst die Einkünfte
derselben. Die vielfachen Verschwörungen, die sich
infolge seiner energischen Regierungsweise gegen ihn
erhoben, wurden durch seine Wachsamkeit entdeckt
und durch Klugheit und Macht vereitelt. Nm sich
von der drückenden Handelsherrschaft der Hansa zu
befreien, kämpfte er vier Jahre lang erfolgreich mit
Lübeck und schloß Handelsverträge mit den Nieder-
landen und Frankreich. Auf einem neuen Reichstage
zu Westeras (1544) erfolgte die Erbvereinigung
zwifcken ihm und den Ständen, zufolge deren Schwe-
den ein Wahlreich zu sein aufhörte und G.s ältestem
Sohn Erich als Thronfolger gehuldigt wurde. Sei-
nen Söhnen zweiter Ehe, Johann (s. Johann III.),
Magnus (gest. 1595) und Karl (s. Karl IX.), gab
er jedoch in seinem Testament Lehnsfürstentümer,
wo sie, doch ohne Souveränität, regieren sollten. Zur
Behauptung Finlands führte G. 1555-57 einen
glücklichen Krieg mit Rußland. Er starb 29. Sept.
1560. Für die Entwicklung Schwedens hat er Großes
gewirkt. G. war dreimal verheiratet: 1) mit Katha-
rina von Sachsen-Lauenburg (gest. 1535), 2) mit
Margarete Leijonhufvud (gest. 1551), 3) mit Katha-
rina Stenbock (gest. 1621). - Vgl. Archenbolz, Ge-
schichte G. Wasas, Königs von Schweden (2 Bde.,
Tüb. 1801); Fryrell, Leben und Thaten G.s I. Wasa
ldeutsch von Ekendahl, Neust. a. d. 0.1831). Am
geistreichsten hat Geijer in seiner Geschichte Schwe-
dens (3 Bde., Örebro 1832-36; deutsch, 3 Bde.,
Hamb.1832-36) G. Wasa behandelt. Für die innere
Geschichte vgl. Forssell, 3v6riß68 ini-6 diZtoria t'i-Z.n
6n8tHf I. (2 Bde., Stockh. 1869 - 75): Watson,
'1'li^ 3^6cli3d Involution uiiäer (LU8t3.vl.i8 Wa8k
^ono. 1889).
Gustav II. Adolf, König von Schweden
(1611-32), geb. 9. (19.) Dez. 1594, war ein Sohn
Karls IX. und der Prinzessin Christina von Holstein,
sowie ein Enkel Gustavs I. Mit vorzüglichen An-
lagen ausgestattet, empfing er die sorgfältigste Er-
ziehung und begleitete schon als Knabe seinen Vater
auf Reisen und Feldzügen. Nach des Vaters Tode
1611 wurde er, obschon erst 17 I. alt, durch die
Stände für mündig erklärt und übernahm sogleich
selbst die Regierung. Zugleich erkannte er sehr bald
in Axel Orenstjerna, dem jüngsten unter den dama-
ligen Reichsräten, den großen Staatsmann und
ernannte ihn zum Reichskanzler. Unter den drei
Kriegen, die ihm der Vater als Erbschaft hinterlassen
hatte, suchte er den mit Dänemark, der im Mittel-