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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Gustav IV. Adolf (König von Schweden)
an das Volk in den Provinzen, rettete Gothenburg
vor den Angriffen der Dänen, worauf er sich durch
Englands und Preußens Vermittelung ganz von
diesem Feinde befreite. Auf dem im Febr. 1789 zu
<Hlockl)o!m eröffneten Reichstage wurden ihm trotz
des Widerstrcbens des Adels fast völlige Souveräni-
tät und das Recht verwilligt, ohne Einwilligung der
Stünde Krieg anzufangen. Jetzt fetzte er den Feldzug
gegen Rußland mit höchster Anstrengung fort. Zwar
siegten die Russen 1789 fast allenthalben zur See und
zu Lande: doch im folgenden Jahre brachte er durch die
Gefechte bei Kärnakoski (15. April) und Walkiala
(29. April) wie durch den Sieg seiner Schärenflotte
über die rufs. Flotte bei Fredrikshamn (15. Mai)
das Kriegsglück wieder auf feine Seite. Auch glich
er seinen Verlust, als er sich 3. Juli durch die feind-
liche Flotte fchlug, durch den blutigen Sieg seiner
Schärenflotte bei Svensksund (9. Juli) über den
Prinzen von Nassau glorreich wieder aus. Dieser
Sieg führte zum Frieden, der 14. Aug. 1790 zu
Werelä am Kymmeneflusse zwischen Rußland und
Schweden auf das Verbleiben des Besitzstandes vor
dem Kriege abgeschlossen wurde.
Inzwischen war die Französische Revolution aus-
gebrochen, und G. beschloß zum Schutze dss be-
drängten Ludwig XVI. und des monarchischen
Princips Schweden, Rußland, Preußen und Öster-
reich zu vereinigen und sich an die Spitze dieses
Bundes zu stellen. Zu diesem Zwecke ging er im
Frühjahr 1791 nach Aachen, um sich mit den franz.
Emigranten zu beraten, und schloß mit Katharina II.
einen Freundschaftsvertrag. Um seine Finanzen zu
ordnen, berief er einen Reichstag nach Gefle im Jan.
1792. Unterdessen hatte sich die Unzufriedenheit
mit G.s Regierung gesteigert, und mehrere Adlige,
darunter die Grafen Horn und Ribbing, die Frei-
herren Bjelke und Pechlin, der Oberstlieutenant
Liljehorn u. a. hatten sich zur Ermordung des Königs
verbunden. Nachdem bereits der Mord in Geste ver-
sucht worden, bot sich ein verabschiedeter Offizier,
Anckarström, der den König persönlich haßte, den
Verschworenen zum Werkzeug an. Eine Maskerade
zu Stockholm, in der Nacht vom 16. zum 17. März
1792, wurde zur Ausführung bestimmt. Obschon
der König vor dem Ball gewarnt wurde, ging er
doch dahin und wurde von Anckarström (s. d.) durch
einen Schuß in den Rücken tödlich verwundet. Nach-
dem er noch in den folgenden Tagen mit Geistes-
gegenwart die nötigsten Geschäfte geordnet, starb er
29. März 1792. G. war, gleich seinem Oheim Fried-
rich d. Gr., für das Französische eingenommen, aber
deshalb der schwed. Litteratur keineswegs abgeneigt,
sondern suchte dieselbe zu heben. Er selbst schrieb
in schwed. Sprache mehrere Elogen und Schauspiele
(deutsch von Eichel, Lpz. 1843), die hinsichtlich der
Sprachreinheit musterhaft sind, aber wenig Origi-
nelles haben. Eine "Oilioctiou ä68 ecritu politiciußZ,
litt6i-Äii-68 6t 6rHing.tilin68" wurde von Dechaur
(5 Bde., Par. 1803; deutsch im Auszuge von Rühs,
3 Bde., Verl. 1805 - 8) veranstaltet. G. hatte be-
fohlen, alle seine Papiere, in Kisten verschlossen, auf
der Universitätsbibliothek zu Upsala aufzubewahren,
wo sie erst nach 50 Jahren geöffnet werden follten.
Diese Eröffnung fand 29. März 1842 statt, und
Professor Geijer erhielt den Auftrag, die Papiere
zu bearbeiten. Er entledigte sich feiner Aufgabe in
dem Buch "KorninF Ou8t3.t' 111:8 efteriemu^cle ock
fLintio Ar 6t't6r K9.U8 döä öppnaäo pappkr" (3 Bde.,
Upsala 1843 - 45: deutsch von Creplin, 3 Bde.,
Hamb. 1843-46). - Vgl. D'Aguila, llistoirs äu
1-63Q6 ä6 6u8tav6 III (2 Bde., Par. 1815): Fryxell,
ttu8tak III. 00b 8t3.t8bvä.1lnw86Q 1772 (Bd. 42
der "L6r^tt6i86r ur 8v6Q8iiH H^toi-ißii", Stockh.
1873); Odhner, 8v6i-iß68 politi^a di8t0i-j3. uuä6i-
ttu8wf III. (Bd. 1, Stockh. 1885)', M^M, 6u5^l III.
t01'kä.1l3.nä6 tili tranig. I-6V0iutioU6ll (Lund 1887).
Den tragischen Tod G.s wählte Auber (Text von
Scribe) zum Gegenstand der Oper "G. oder der
Maskenball".
Gustav IV. Adolf, König von Schweden
(1792-1809), geb. I.Nov. 1778, wurde nach seines
Vaters Gustavs III. Tode 29. März 1792 zum
König ausgerufen. Während seiner Minderjährig-
keit führte sein Oheim und Vormund, der Herzog
Karl von Södermanland, der nachmalige König
Karl XIII. (s. d.), die Regierung, die G. A. dann
1. Nov. 1796 felbst übernahm. Der junge König
war rechtschaffen und fparfam, aber von beschränk-
tem Verstande, eigensinnig, hochmütig, schon früh
zur Hypochondrie geneigt und in fixen Ideen be-
fangen. Die ersten Jahre seiner Regierung ver-
flossen ziemlich glücklich, und man versprach sich viel
von dem jungen Könige, der zwar die alten Rat-
geber des Vaters zurückrief, aber keine Günstlinge
kannte. Seine erste Verlobung mit einer Prinzessin
von Mecklenburg wurde durch russ. Einfluß auf-
gehoben, weil die Kaiserin Katharina II. beabsichtigte,
ihn mit ihrer Enkelin Alexandra Paulowna zu ver-
mählen. G. A. begab sich daher 1796 nach Petersburg,
und schon war alles zur Vermählung vorbereitet,
als er sich weigerte, den Ehekontrakt zu unterzeichnen,
weil man in Bezug auf den Gottesdienst seiner
künftigen Gemahlin Punkte darin aufgenommen
hatte, die er nicht zugestehen wollte. Die Ver-
mählung kam daher nicht zu stände, und 31. Okt.
1797 heiratete er die Prinzessin Friedcrike von
Baden, die Schwägerin des Kaisers Alexander I.
von Rußland. Als die nord. Mächte über die Er-
neuerung des besonders gegen England gerichteten
Bündnisses der bewaffneten Neutralität unterhan-
delten, begab er sich 1800 zur Beschleunigung des
Abschlusses selbst nach Petersburg. Trotzdem gelang
es England das Bündnis zu zersprengen, und G. A.
blieb nichts anderes übrig, als dem Beispiele Ruß-
lands zu folgen und sich mit England zu versöhnen.
Im Juli 1803 reiste er nach Karlsruhe, und hier trat
eine völlige Umwandlung seiner Politik ein. Er, der
früher eine Annäherung an den Ersten Konsul gesucht
hatte, wurde von jetzt ab ein abgesagter Feind Frank-
reichs , wozu viel die gewaltsame Entführung und
Erschießung des Herzogs von Enghien beitrug, den
er vergebens durch Entsendung eines Adjutanten an
Napoleon zu retten suchte. Er äußerte offen seinen
Unwillen über jene Blutthat, und dies hatte den
völligen Bruch mit Frankreich und eine immer engere
Verbindung mit Großbritannien und Rußland zur
Folge, mit denen er 1805 förmliche Bündnisse ab-
schloß, nach denen Schweden mit 12000 Mann am
Kriege gegen Frankreich teilnehmen sollte. Er ver-
warf die von Napoleon kurz nach dem Frieden von
Tilsit gemachten Friedensvorschläge, hob 2. Juli
1807 den Waffenstillstand mit Frankreich auf und
schlug die von Ruhland und Preußen angebotene
Vermittelung aus. Durch diefe nutzlose Hartnäckig'
keit verlor er das schwed. Pommern und Rügen,
das von den Franzosen besetzt wurde, und stürzte
sein Volk in Krieg mit Rußland und Dänemark. Da
nämlich G. A. durchaus die Teilnahme Schwedevs