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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Gustav (Prinz von Wasa) - Gustav-Adolf-Verein
an dem von Rußland unterstützten Kontinental-
svstem (s. d.) Napoleons und die Verschließung der
Ostsee gegen die Engländer bis zum allgemeinen
Seefrieden verweigerte, so drangen die Nüssen 1808
mit 16000 Mann in Finland ein und eroberten
diese Provinz. Um sich für den Verlust Fiulauds zu
entschädigen, griff G. A. Norwegen an; doch von den
Dänen und Norwegern zurückgeschlagen, mußte die
schwed. Armee unter Armfelt sich über die Grenze
zurückziehen. Als sogar England ihn zu gemähigtcrn
Ansichten zu bringen suchte, war er nahe daran auch
mit diesem zu brechen. Dieser Starrsinn des Königs,
der Schweden ins Verderben zu stürzen drohte,
brachte endlich eine Verschwürung zur Reife, die die
Absetzung G. A.s bezweckte. Ein Teil der westlichen
gegen Norwegen bestimmten Armee setzte sich unter
dem General Grafen Adlersparre in Marsch gegen
Stockholm, wo sich unter den nächsten Umgebungen
des Königs die Häupter der Verschwörung befanden.
Auf die Nachricht von ihrer Annäherung befchloß der
.Nönig, nach dem südl. Schweden aufzubrechen, um
dort Truppen an sich zu ziehcu. Vor seiner Abreise
verlangte er von der Bank 2 Mill. Thlr. Als die
.^ommissarien diese Zahlung verweigerten und er
13. März zu gewaltsamer Wegnahme des Geldes
schreiten wollte, erschien General Adlerereutz, von
einigen Offizieren begleitet bei dem König, nahm
"lnn den Degen ab und machte ihn zum Gefangenen.
Schon am Nachmittag verkündete eine Proklamation
des .Herzogs Karl von Södermanland, daß er die
Regierung übernommen habe. Während feine Ge-
mahlin mit ihren Kindern zu Haga bleiben mußte,
wurde G. A. nach Drottningbolm und 24. März
nach Gripsholm gebracht. Von hier aus fandte er
29. März eine Entsagungsatte zu Gunsten seines
Lohnes. Die Reichvständc aber erklärten ihn und
seine Erben 10. Mai 1809 des Thrones für immer
verlustig und setzten ihm und seiner Familie auf
Antrag des ueugewählten Königs Karl XIII. ein
jährliches Einkommen von 66666 Thlrn. aus. 1824
wurden statt der Rente und zur Absindung für sonstige
Forderungen 721419 Thlr. an die Familie ausge-
zahlt. G. A. gilig 0. Dez. 1809 nach Deutschland,
von da nach der Schweiz, wo er zu Vasel unter dem
Namen eines Grafen von Gottorp lebte. Später
trennte er sich von seiner Gemahlin und seinen Kin-
dern, reiste ohne bestimmten Zweck umher, begab sich
1810 nach Petersburg und 18N nach London, ließ
sich 1812 von seiner Gemahlin scheiden und rüstete
sich 1815 in Vasel zu einer Reise nach Jerusalem,
kebrte jedoch aus Morea zurück. Dem Wiener
Kongreß lieft er im Nov. 1814 eine Erklärung über-
reichen, in der er die Rechte seines Sohnes auf den
fchwed. Thron in Anspruch uahm. Später nannte
er sich Oberst Gustavsson, wurde 1818 Bürger
in Bafel, lebte 1827-29 in Leipzig, ging dann nach
Holland, später nach Aachen, zuletzt uach St. Gallen.
Dort starb er 7. Febr. 1837. Zur Widerlegung einiger
Behauptungen des Artikels "(^uZtave ^äolplik"
in der "I^io^apliie ä68 contLin^orlniiZ" und in
Se'gurs "IliLtoire clo ^pol^ou ^t äo 1a Fi-anäo
^riiiüo" schrieb er das "Nöinoriiil du colou^i öu8t".f-
80w> (Lpz. 1829; deutsch, ebd. 1829), außerdem "Xou-
ve1i68 coli8iä6i'lNio!i3 8nr Ia Misi'ts illimitöe cl<? la
Pl0886" (auch deutsch, Aachen 1833), "I^MN'uöo du
13 ^Iai-8 1809" (auch deutsch, St. Gallen 1835).
G. A. hinterließ einen Sohn und drei Töchter. Die
älteste, Sophie Wilhelmine (gest. 7. Juli 1865), ver-
mählte sich 1819 mit dem Groftherzog Leopold von
Ärockhaus' Konvcrsations-Lexikon. 14. Aufl. VIII.
Baden, die jüngste, Cäcilie (gest. 27. Jan. 1844),
1831 mit dem Großherzog Paul Friedrich AiWijt
von Oldenburg. Der Sohn Gustav, geb. 9. Nov.
1799, österr. Feldmarschalllieutenant, führte seit
5. Mai 1829 den Titel eines Prinzen von Wasa
und starb zu Pillnitz 4. Aug. 1877. Er vermählte
sich 1830 mit Prinzessin Luise (gest. 19. Juli 1854),
Tochter des Großherzogs Karl Ludwig Friedrich
von Baden. Aus dieser Ehe ging eine Tochter, die
Prinzessin Carola (geb. 5. Aug. 1833), hervor, die
sich 1853 mit dem Kronprinzen (jetzigen König) Albert
von wachsen vermählte. Mdolf (s. d.).
Gustav, Prinz von Wasa, Sohn Gustavs IV.
Gustav Erich son, ^oyn des Königs Erich
XIV. (s. d.) voll Schweden.
Gustav W asa, f. Gustav I., König der Schweden.
Gustav-Adolf-Verein, genauer "Der evang.
Verein der Gustav-Adolf-<Htiftung", hat den Zweck,
hilfsbedürftige evang. Gemeinden, befonders in
tath. Ländern, zu unterstützen und für Erhaltung
von Predigern und Schulen bei denselben zu sorgen.
Die Entstehung des G. knüpft sich an die 200zährige
Erinnerungsfeier (1832) der Schlacht von Lützcn, in
der Gustav Adolf von Schweden gefallen war. Auf
Anregung C.G.L. Großmanns (s. d.) bildeten sich in
Leipzig, Dresden und andern sächs. Städten Vereine
zu brüderlicher Unterstützung bedrängter Glaubens-
genossen. Mit Hilfe von Haus- und Kirchenkolletten,
auch in Schweden, fammelte man einen Fond, dessen
Zinsen für notleidende evang. Gemeinden in Böh-
men, Ungarn, Bayern u. s. w. zur Verwendung
tamen. Hofprediger Zimmcrmann (s. d.) in Darm-
stadt erließ 31. Okt. 1841, unbekannt mit den Vor-
gängen in Sachfen, einen Aufruf an die prot. Welt
zur Hilfeleistung für die Glaubensbrüder in der
Diaspora (s. d.), der die Gründung zahlreicher Ver-
eine zur Folge hatte. 1842 verbanden sich diefe auf
einer Generalversammlung zu Leipzig mit der ältern
sächs. Organisation zu einem großen allgemeinen
Bund über ganz Deutschland, der seitdem eine wach-
send segensreiche Thätigkeit entfaltet hat. In Haupt-
(Landes- und Provinzia!-) und Zweigvereine ge-
gliedert, fammelt derselbe beträchtliche Summen, die
m planvoller Weise zur Verwendung kommen, in-
dem die Zweig- und Hauptvereine über ein Drittel
ihrer Einnahmen verfügen, zwei Drittel aber dem
Centralvorstand überweisen. Die Generalversamm-
lung zu Frankfurt a. M. 1843 bestellte einen Cen-
tralvorstand mit dem Sitz in Leipzig und beauftragte
Zimmermann mit der Herausgabe des Vereins-
organs "Bote des evang. Vereins der Gustav-Adolf-
Stiftung" (Darmstadt,'seit 1843). 1844 traten die
preuß. Vereine hinzu und die evang. Negenten
Deutschlands gewährten Unterstützung teils durch
eigenen Beitritt, teils durch Vergünstigungen. Nur
in Bayern war der Verein 1844-49 und in Österreich
bis 1860 verboten. Als durch das Protestanten-
patent auch in Österreich der G. gestattet war, wurde
1862 der österr. Hauptverein Wien aufgenommen.
Die Wirkfamkeit des G. erstreckt sich statuten-
mäßig auf luth., reform. und unierte, fowie folche
Gemeinden, die ihre Übereinstimmnng mit der evang.
Kirche fonft glaubhaft nachweisen. Diese Weithcrzig-
keit hat streng-konfessionelle Lutheraner bewogen,
sich fernzuhalten und einen engern Verein, den
"Lutherischen Gotteskasten" (s. Gotteskastcn) zu be-
gründen. Die Handhabung odiger Grenzbestim-
mungen gegenüber den Deutschkatholiken und freien
Gemeinden, vertreten durch Prediger Nupp (s. d.)
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