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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Gutta Sundek, Gutta Gettania, Gutta Taban
oder Salzwasser zusetzt, um die G. besser zur Ab-
scheidung zu bringen; die ausgeschiedene Masse
wird zusammengeknetet und an der Luft getrocknet.
In der Neuzeit ist die Gewinnung teilweise eine
rationellere geworden, indem man durch das Ver-
fahren des Anzapfens jahrelang von demfelben
Baume Ernten erzielt. Teils durch Zufälligkeiten,
teils aber auch wohl als Verfälschungsmittel kom-
men Nnreinigkeiten, als Sand, Erde, Baumrinde,
Holzteile u. s. w., in den Saft oder in die noch weiche
G. Die rohe G. des Handels bildet unregelmäßige
längliche Brote von 3 bis 4 kF oder Blöcke von
10 bis 12 kF Gewicht, außen rötlichbraun gefärbt,
auf der Schnittfläche heller, weißlich bis bräunlich;
sie fühlt sich fettig an und besitzt eigentümlichen Ge-
ruch. Bei gewöhnlicher Temperatur ist die G. zäh,
lederartig, läßt sich aber leicht schneiden, ist wenig
und immer nur in einer Richtung elastisch, während
sie beim Dehnen in der entgegengesetzten Richtung
zerreiht. Beim Erwärmen, am besten durch Ein-
tauchen in warmes Wasser, erweicht sie bei 48° 0.,
bei 55 - 60° erlangt sie einen hohen Grad von
Bildsamkeit und läßt sich zu allen möglichen Formen
pressen oder zu dünnsten Blättern auswalzen. Bei
der Temperatur des siedenden Wassers schmilzt sie
zu einer schmierenden, zu Fäden ausziehbaren
Masse, die bis etwa 150° unverändert bleibt, dann
aber unter Bildung eines öligen Destillationspro-
dukts zersetzt wird. G. ist unlöslich in Wasser,
Alkohol, Äther, fetten Ölen, sie widersteht der Ein-
wirkung der meisten Säuren, selbst der Flußsäure
und der Alkalien, nur von konzentriertester Schwe-
felsäure und Salpetersäure wird sie zerstört; leicht
löslich ist sie in Schwefelkohlenstoff und Chloro-
form, etwas fchwerer löslich in Benzin, Terpen-
tinöl, Petroleum; ein vorzügliches Lösungsmittel ist
das bei der trocknen Destillation der G. gewonnene
Öl. G. ist einer der schlechtesten Leiter der Elektrici-
tät und wird wegen dieser Eigenschaft mit günstig-
stem Erfolg zur Isolierung elektrischer Leitungen von
Kabeldrähten u. dgl. verwandt. Sie wird durch Rei-
ben negativ elektrisch. Beim Liegen an der Luft und
namentlich bei Einwirkung von Licht und Feuchtig-
keit wird sie allmählich brüchig, spröde, läßt sich pul-
vern und wird dann löslich in Alkohol und Äther.
Diese Umwandlung vollzieht sich langfam, von
außen nach innen fortschreitend, und gleichzeitig
damit wird sie dann beim Reiben positiv elektrisch.
Befreit man ein Stück teilweis veränderte G. auf
der einen Seite durch Wafchen mit Äther von dem
Nmwandlungsprodukt, so zeigt diefe Seite beim
Reiben negative Elektricität, während die andere
positiv elektrisch wird. Beim Erhitzen mit Schwefel
zeigt sie ein ähnliches Verhalten wie der Kautschuk
(s. d.), sie wird vulkanisiert, doch ist die Verbindung
keine so innige wie beim Kautschuk.
Nach den bisher ausgeführten Untersuchungen
scheint die G. ein Gemenge von drei Körpern zu
sein, die als Gutta, Alb an und Fluavil be-
zeichnet sind. Die Gutta, ein dem Kautschuk gleich
zusammengesetzter Körper (^Hio, bildet stets die
Hauptmasse, die beiden andern scheinen durch Oxy-
dation aus dieser hervorgegangen zu sein; auch
kommen verschiedene Farbstoffe in der G. vor. Die
beste und häufigste Handelssorte, die rote G. (Autta
^adlin mt;rft1i), stammt nach Trimen unzweifelhaft
von l80llui(IraZut,iHlIot)k.; eine hellere Sorte (6,m<i
'ladmi 8uti'n) stammt von einer Varietät; die weiße
G. (l^utta ^almn) von einer noch nicht genan be-
stimmten Dichopsisart, die nicht in der Ebcne, son-
dern 1800-2500 Fuß ü. d. M. wächst, während die
(sntta. snnäsk von einer ?g^6na. abstammt. Der
Wert beträgt je nach Qualität 3^-16 M. das Kilo-
gramm. Verpackung in Körben zu 100 kF.
Bei der Verarbeitung wird die G. auf mechan.
Wegs zunächst von den beigemengten Verunreini-
gungen befreit. Zu diefem Behuf wird sie in einer
Schneidmaschine zu dünnen Spänen zerteilt, die
unter kräftiger Bewegung in anfangs kaltem,
dann allmählich erwärmtem Wasser gewaschen und
weiter zerrissen werden, wobei sich Sand, Erde und
sonstiges abscheidet. Die so gereinigte Masse wird
in Knetmaschinen einer starken Bearbeitung unter-
zogen und dann in warmem, plastischem Zustand in
Formen gepreßt, in Röhren gezogen oder zu mehr
oder minder dicken Blättern ausgewalzt oder aus
gleiche Weise wie Kautschuk zum Vulkanisieren oder
Härten vorbereitet.
Unter dem Namen, gereinigte G. oder 6utta
perolig. äepni-ata kommt ein Produkt im Handel
vor, welches von Zahnärzten zum Ausfüllen hohler
Zähne, deren Beschaffenheit ein Plombieren nicht
mehr zuläßt, verwandt wird. Hur Darstellung wird
1 Teil G. in 20 Teilen Venzm durch warme Di-
gestion gelöst, der Flüssigkeit setzt man als Klär-
mittel gebrannten Gips oder gepulverten Thon zu,
durchschüttelt damit kräftig und läßt dann zum
Klären ruhig stehen. Die klare Flüssigkeit wird mit
einem Heber von dem Bodensatz getrennt und mit
ihrem doppelten Volum Alkohol von 90° 1r. ver-
mischt, wodurch reine Gutta gefällt wird, während
sonstige Materie und Farbstoffe gelöst bleiben. Der
von der Flüssigkeit getrennte Niederschlag wird mit
Alkohol gewaschen, darauf in siedendem Wasser zu-
sammengeknetet und bei mäßiger Wärme zu dünnen
Stangen ausgerollt. Die Stängelchen werden am
besten bis zum Gebrauch unter Wasser bewahrt, um
sie vor der Einwirkung der Luft zu schützen. Die
so gereinigte G. ist fast weih, mitunter durch Zu-
satz von Karmin rötlich gefärbt; in warmem Wafser
erweicht, hat sie den höchsten Grad von Plasticität.
G. findet die verschiedenste Verwendung und
wird entweder für sich oder zusammen mit Kautschuk
wegen ihrer Bildsamkeit und Zähigkeit zu allen
deutbaren Formen gepreßt; man macht davon
Schnüre, Röhren, Feuereimer, Schuhsohlen, Treib-
riemen für Maschinen, Instrumente für chirurg.
Gebrauch, ferner Messerhefte, Bilderrahmm u. s. w.
Wegen ihrer großen Vildsamkeit ist sie ein vorzüg-
liches Material zur Herstellung von Matrizen von
Holzschnitten, guillochierten Platten u. s. w., in wel-
chen diese galvanoplastisch vervielfältigt werden.
Die Hauptverwendung der G. ist aber die zum Iso-
lieren von elektrischen Leitungen.
Seit langer Zeit von den Eingeborenen Singa-
purs zu allerlei Gerätfchaften verarbeitet, ist G. seit
1843 durch den schott. Arzt W. Montgomerie und
gleichzeitig durch Ioze' d'Almeida in Europa be-
kannt geworden und bildet heute einen wichtigen
Handelsartikel. Englands Einfuhr betrug 1892:
85000 Ctr. im Werte von 860000 Pfd. St. Nieder-
ländisch-Ostindien sührte 1890 G. im Werte von über
4 l/<z Mill. Holland. Gulden aus. Die deutsche Ein-
fuhr von G. und Kautschuk betrug 1892: 46924
Doppelcentner im Werte von 28154000 M. -
Vgl. Hoffer, Kautschuk und G. (2. Aufl., Wien 1892).
i'I.'ba.Q, s. Guttapercha.