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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Gynaikeion – Gypsophila

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Gynäceum'

knotenhöhle, an denen die Samenknospen sitzen, werden Samenleisten oder Placenta genannt, die Lage derselben ist bei den einzelnen Familien eine sehr verschiedene. Die Narben besitzen an ihrer Außenseite papillenartige Zellen, welche eine zuckerhaltige Flüssigkeit, die sog. Narbenflüssigkeit ausscheiden. In dieser Flüssigkeit treiben die Pollenkörner, die auf die Narbe gelangen, die Pollenschläuche, die durch den sog. Griffelkanal, den mit lockerm Zellgewebe ausgefüllten Innenraum des Griffels hindurch in die Fruchtknotenhöhle eindringen und hier die Befruchtung der Samenknospen bewirken können. (S. Befruchtung.) Der Bau des G., hauptsächlich die Zahlen- und Stellungsverhältnisse der vorhandenen Fruchtblätter, bez. Griffel, bilden für die systematische Gruppierung wichtige Unterscheidungsmerkmale, ebenso wie der Bau und die Zahlenverhältnisse des Andröceums (s. d.) und der übrigen Blütenteile.

Gynaikeion, s. Gynäceum.

Gynäkokrătie (grch.), Weiberregiment.

Gynäkolŏgie (grch.), die Lehre vom Weibe hin sichtlich seiner körperlichen Zustände und Funktionen, besonders seiner Krankheiten und deren diätetischer und ärztlicher Behandlung, bildet zwar einen wichtigen integrierenden Teil der mediz. Wissenschaft, mit dem jeder tüchtige Arzt hinlänglich vertraut sein soll, hat sich aber in den letzten Jahrzehnten allmählich zu einer besondern Specialität der Medizin entwickelt, insofern sich manche Ärzte, die sog. Frauenärzte, ausschließlich dem Studium und der Behandlung der Krankheiten der weiblichen Geschlechtsorgane widmen. (S. Frauenkrankheiten.) Um die Entwicklung der G. haben sich in Deutschland namentlich Jörg, Busch, Kiwisch, Scanzoni, Credé, Martin, Braun, Schröder, Veit, Hildebrand, Freund, Winckel, Schatz, B. Schultze, Ahlfeld, Leopold, Sänger u. a., in Frankreich Koeberlé und Péan, in England Hewitt, Thomas, Savage, Simpson, Spencer Wells und Lawson Tait, in Amerika Marion Sims verdient gemacht.

Gynäkologische Kliniken, Anstalten, in denen Frauen, welche mit Krankheiten der Geschlechtsorgane behaftet sind, zu Unterrichtszwecken unentgeltliche Aufnahme und Behandlung finden; gewöhnlich sind sie mit den geburtshilflichen Kliniken verbunden.

Gynäkoman (grch.), ein Weibertoller; Gynäkomănie, Weibertollheit.

Gynäkomórphisch (grch.), wie ein Weib gestaltet.

Gynäkonomen (grch.), polizeiliche Behörde im alten Athen, welche die Zucht der Frauen zu überwachen und gemeinschaftlich mit dem Areopag die Luxusgesetze zu handhaben hatte. Die G. wurden wahrscheinlich durch Demetrius Phalereus eingesetzt.

Gynándren, Ordnung aus der Gruppe der Monokotyledonen. Es gehört hierher nur die Familie der Orchideen (s. d.).

Gynándrus oder gynandrisch (grch., d. i. mannweibig) ist eine Blüte, in der die Staubgefäße mit dem Gynäceum zu einem Gynostemium (grch., d. h. Befruchtungssäule) verwachsen sind. Derartige Blüten besitzen z. B. die Orchideen und Aristolochiaceen.

Gynerĭum, Pflanzengattung aus der Familie der Gramineen (s. d.), deren bekannteste Art das Pampasgras oder Silbergras (G. argentum N. ab Es., s. Tafel: Gramineen IV, Fig. 3) im gemäßigten Südamerika ist. Dasselbe bildet enorme Büsche 2 m langer, schmaler, graulichgrüner, graziös ↔ zurückfallender Blätter, aus deren Mitte Halme von 2 bis 4 m Höhe sich erheben, geschmückt mit mächtigen, seidenartigen, silberweißen Rispen. Diese Grasart ist in ihrer vollen Entwicklung eine Zierde der Gärten, in denen sie stets einen freien Stand, gewöhnlich auf dem Rasenparterre erhält. Sie erfordert den ganzen Sommer hindurch reichliche Bewässerung und im Winter Schutz gegen Frost durch sorgfältige Umhüllung. Im Frühjahr erst entfernt man die während des Winters absterbenden Blätter.

Gynostemĭum, s. Gynandrus.

Gyoma (spr. djo-), Groß-Gemeinde und Hauptort des Stuhlbezirks G. (21705 E.) im ungar. Komitat Békés, an der vereinigten Körös und an den Linien Budapest-Arad und Großwardein-G. (111 km) der Ungar. Staatsbahnen, hat (1890) 10807 magyar. kath. E., Post und Telegraph. Das Gebiet umfaßt etwa 150 qkm, meist vortrefflichen Ackerboden; Getreide- und Obstbau, blühende Schaf- und Rinderzucht sowie ergiebiger Fischfang.

Gyöngyös (spr. djönndjösch), Stadt mit geordnetem Magistrat im ungar. Komitat Heves, am Fuße der Mátra und an der Nebenlinie Vámos-Györk-G. (13 km) der Ungar. Staatsbahnen, hat (1890) 16124 magyar. kath. E., darunter 408 Evangelische und 2209 Israeliten; in Garnison 3 Eskadrons des 12. ungar. Husarenregiments «Albert Eduard, Prinz von Wales», Post, Telegraph, ein kath. Kommunal-Obergymnasium, ein großes Franziskanerkloster, neue Reiterkaserne; Spiritusbrennerei, Dampfmühle, Ziegeleien, Getreidehandel, Acker-, Obst- und Weinbau, dessen Produkt als «Erlauer und Visontaer Rotwein» (ungar. Egribor, Visontaibor) in den Handel kommt. In der Nähe ein Alaun- und Eisenbad und am Fuße des Mátra der Kurort Mátrafüred.

Györ (spr. djör), ungar. Name von Raab (s. d.).

Gyp (spr. schip), Pseudonym der Schriftstellerin Gräfin Gabrielle de Martel de Janville (s. d.).

Gypaĕtus, s. Bartgeier.

Gypogerănus secretarĭus., s. Sekretär (Vogel).

Gyps, s. Gips.

Gyps, Gänsegeier, s. Geier.

Gypsophĭla L., Gipskraut, Pflanzengattung aus der Familie der Caryophyllaceen (s. d.) mit 50 Arten, größtenteils im mittlern Europa und im Mittelmeergebiete. Es sind einjährige oder ausdauernde Kräuter mit zahlreichen aber kleinen Blüten. Die in den Steppengegenden Ungarns und Westasiens einheimische G. paniculata L. wird ebenso wie G. elegans Bieb. (Taurien) häufig in Gärten gezogen wegen der reichen Dreiteilung der Äste und Ästchen bis in die haarfeinen Blütenstiele, wodurch ein mehrere Fuß im Durchmesser haltender Busch entsteht. Die kleinen, mit weißen Blümchen besetzten Rispen werden wegen ihrer außerordentlichen Leichtigkeit frisch oder getrocknet als lockerndes Material in der Bouquetbinderei verwendet. Die Pflanze gehört zu den sog. Steppenläufern, weil sie nach der Reife der Samen bei Trockenheit sich zu einem Busche zusammenballt, der, vom Winde losgerissen, auf weite Strecken herumgerollt wird, wobei die Samen ausfallen und so die weite Verbreitung der Pflanze ermöglichen. Von G. struthium L. (Südeuropa und Nordafrika) werden schon lange die Wurzeln statt der Seife gebraucht, ähnlich wie die von Saponaria officinalis L. (s. d.). Sie kommen in Scheiben geschnitten als span., levantin. und ägypt. Seifenwurz in den Handel.