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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Gyulai (Paul) - Haag (in Bayern)
Grafenstand erhoben, dessen Mitglieder vielfach ein-
flußreiche Stellungen im österr. Staats-, insbeson-
dere im Militärdienste belleidet haben und dessen
letzter Sproß 1886 starb.
Graf Ignaz G., österr. Feldzcugmeister, geb.
II. Sept. 1763 zu Hermannstadt, trat 1781 als
Kadett in die österr. Infanterie, zeichnete sich 1790
als Oberstlieutenant und Freilorpskommandant bei
der Erstürmung von Cetin aus und besonders 1793
-96 im Franzosischen Nevolutionslriege bei der
Erstürmung der Weißenburger Linien, von Kaisers-
lautern, Memmingen und vor Kehl. 1797 kämpfte
er bei Ostrach und Stockach, 1800 führte er nach
der Schlacht bei Hohenlinden die Nachhut, 1805
schloß er als Feldmarfchalllieutenant den Prehbur-
ger Frieden ab und wurde danach zum Vanus von
Kroatien ernannt. 1809 befehligte er das 9. Armee-
korps und 1813 bei Dresden den linken Flügel der
Verbündeten, kämpfte ferner in demselben Jahre bei
Leipzig und 1814 bei Brienne sowie bei La Ferte-
sur-Aube, wo er ein franz. Korps schlug. G. über-
nahm 1815 das Generalkommando in Österreich,
1823 das in Böhmen, 1829 sodann wieder das in
Osterreich, wurde 1830 Präsident des Hofkriegsrates
und starb 11. Nov. 1831 zu Wien.
Graf Franz G., österr. Feldzcugmeister, Sohn
des vorigen, geb. 1. Sept. 1798 zu Pest, trat jung
in österr. Militärdienst und durchlief schnell die
untern Ossiziersgrade. Als Feldmarschalllieutenant
und Militärkommandant von Trieft erhielt er 1848
durch seine Geistesgegenwart und Thatkraft dem
Kaiser einen Teil der Flotte, indem er nach dem
Ausbruch der Revolution in Italien sofort auf eigene
Verantwortung das Marinekommando übernahm,
organisierte eine Flottille von Nuderkanonenbooten
und verteidigte mit diesen ^treitmitteln und einer
sehr geringen Truppenzahl die Küste gegen die ital.
Flotte. 1849 wurde G. Kriegsminister, 1850 Kom-
mandant des 5. Armeekorps in Italien und 1857,
nachdem Graf Radetzky in den Ruhestand getreten
war, Oberbefehlshaber im Lombardisch-Venetiani-
fchcn Königreich. Im Italienischen Kriege von 1859
erhielt er den Oberbefehl über die österr. Armee,
legte aber das Kommando nach der Schlacht von
Magenta 1859 nieder, trat in den Ruhestand und
starb 21. Sept. 1868 zu Wien. Sein Name und
Vermögen ging auf den von ihm adoptierten Ge-
neral von Edelsheim (s. d.) über.
Gyulai (spr. dju-), Paul, ungar. Dichter und
Kritiker, geb. 1826 in Klausenburg, wo er seine
jurist. und evang.-theol. Studien absolvierte, wirkte
später als Professor am Gymnasium zu Klausen-
burg, dann als Journalist in Pest, bis er 1875 zum
Professor der ungar. Litteraturgeschichte an der
Universität zu Budapest ernannt wurde. G. ist seit
1858 Mitglied, seit 1870 Klassensekretär der Aka-
demie, seit 1860 Mitglied, seit 1881 Präsident der
Kisfaludy-Gesellschaft. G.s "Gedichte" (1882) sind
durch Tiefe des Gefühls und geschmackvolle Form
ausgezeichnet; seine Novellen ("Vkxlatok 63 k6i>6k",
d. h. "Skizzen und Bilder", 2 Bde., Pest 1867)
zeichnen sich durch Feinheit der psychol. Charakteristik
und musterhafte Darstellung aus. Davon erschienen
deutsch: "Der letzte Herr eines alten Edelhofs" und
"Ein alter Schauspieler" in Reclams "Nmversal-
bibliothek". Noch bedeutender ist G. als Litterar-
historiker und Kritiker, ^eine Hauptwerke sind: "Das
Leben Vörösmartys" (2. Aufl., Budapest 1879),
"Denkreden" (ebd. 1879), "Joh. Katona und seine
Tragödie Vknicdan" (2. Aufl., ebd. 1883). Außer-
dem veröffentlichte er zahlreiche Studien und Kritiken
(besonders auch über seinen Schwager Alex. Petösi)
in Zeitschriften, namentlich in der von ihm redigierten
"Luäap68ti 826inl6" ("Vudapester Revue"). G. hat
auch die Werke Vörösmartys und Emerich Madächs
in kritischen Ausgaben ediert und im Auftrage der
Kisfaludy-Gesellschaft mit Lad. Arany die'beste
Sammlung ungar. Volksdichtungen herausgegeben.
H.
"Al der achte Buchstabe unseres Alphabets, ent-
spricht in seiner ältesten Form dem phöniz. ^Q6r-.
zwei senkrechte Striche, verbunden durch zwei oder
drei wagrechte; dem gleicht die älteste Form des
griech. Nta. ^, dann H. Diese hielt sich teils als 6,
teils als Hauchlaut; ferner wurde die rechte Hälfte
-^ 8pii-itu8 leidig, die linke s- 3piritu8 a^er. Auch
die ital. Stämme haben das H in verschiedenen For-
men herübergenommen; aus H entstand später Ii,
s. Schrift. - II bedeutet im ältern Zahlensystem
der Griechen H (kekawn) --- 100, in dem iüngevn
dagegen H^ ^ 8. Das von den Römern gebrauch:e
H3 enthält kein H, sondern ist eine durchstrichene
II (2) mit Andeutung der Hälfte (86mi8) also ^ 2'/.2-
Der Laut des H wird von der Lautphysiologie als
tonlose Kehlkopfspirans oder auch als tonloser
Vokal bestimmt (s. Laut).
Als Abkürzungszeichen stehen II und k in
röm. Inschriften, Handfchriften u. s. w. für Haäria-
NN8) kkdet) IiI.61-68, doino, don68tu8) Iiora u. s. w.'.
als altröm. Zahlzeichen für 200; auf Kurrent-
rechnungen für Haben (Guthaben, foviel wie l^i-eäit,
s. d.); bei Zeitbestimmungen für Kora (z. B. 8^ 3l/
^ 8 Uhr 30 Min.). In der Chemie ist II (H^äru-
36nwiu) die Abkürzung für Wasserstoff. In der
Mineralogie bedeutet H oder H die Härte. Auf
deutschen Reichsmünzen bezeichnet H den Münzort
Darmstadt, auf ältern österreichischen Günzburg,
auf ältern französischen La Rochelle, H mit einer
Krone darüber, daß sie unter Heinrich III. oder IV.
geprägt sind. Bei botan. Namen ist ^l die Bezeich-
nung für Humboldt (Alexander von).
In der Musik ist II (ital. und frz. 8i; engl. N)
die Bezeichnung für den siebenten Ton der Oäui--
Tonleiter. (S/Ton und Tonarten.) II wird durch
eine Saite von ^5 der Länge der Saite (natürlich
von gleicher Stärke, Dichtigkeit und Spannung)
erzeugt, welche den Grundton 0 giebt, steht also zu
0 im Schwingungsverhältnis 15: 8, giebt mithin
von (' die große Septime, von ^ die reine Quinte.
von t^ die große Terz.
ka., Abkürzung für Hektar.
Haag, Marktflecken im Bezirksamt Wasserburg
j des bayr. Reg.-Bez. Oberbayern, Sitz eines Amts-
! gerichts (Landgericht München), hat (1890) 1085>
! meist kath. E., Postexpedition, Telegraph, eine Auf-