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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Haarbalg - Haare (animalische)
verzwirnt, gelegentlich auch (so bei den Kugclgeflcch-
ten) verknotet, in ähnlicher Art wie die Vereinigung
langer Gespinstfädcn in der Spitzcnklöppelei erfolgt;
das untere Ende des Haargeflechts wird hierbei mit
einem Gewichtsstück belastet, während am obern Ende
die Verflechtung fortschreitet. Damit die Haare die
ihnen so gegebene Form sicher behalten, werden die
Geflechte zunächst durch Kochen in Wasser, Erkalten-
lassen und Trocknen an der Luft zugericbtet, indem
man die allen organischen Fasergebilden eigentüm-
liche Formbarkeit benutzt. Hiernach folgt die Ein-
fügung der Geflechtenden in paffend gestaltete, vom
Goldschmied gelieferte Hülfen aus Edelmetall, meist
unter Verwendung von Schellack; in einzelnen Fäl-
len (Fingerringe, Schmuckkreuzc) werden die Ge-
flechte in Vertiefungen einteiliger Goldfchmicde-
arbciten so versenkt, daß sie gegen Verschiebung
der Haare geschützt sind. ^
Haarbälg, s. Haare (animalische, ^. 6069.).
Haarbalgmilben ll^mo^ici^aL oder I>6i'MHt0-
^Ilili), eine Familie kleiner, durch Schmarotzertum
rückgebildeter Milben (s. d.) mit wurmartig verlän-
gertem, dicht quergeringcltem Hinterleib, im vordern
Körpcrteile mitvierPaar ganz kurzen,zwcigliedrigei^,
dicht beieinander stehenden Stummclfüßen. Man
kennt ein Geschlecht (I)6ino66x 8. ßimonea), das be-
sonders in den Talgdrüsen von Haustieren (Pferd,
Wiederkäuer, Hund, Katze), auch von Füchfen und
Fledermäusen lebt; eine Art ll^moäsx fclliculm-um
3/m.) findet sich in den Haarbälgcn des menschlichen
Antlitzes, wo sie die Mitesser (s. d.) mit hervorruft.
Haarballen bei Haustieren finden fich als
rundliche oder längliche Knäuel aus Haaren im
Magen und werden von den Tieren infolge Beleckens
ihres eigenen Haarkleides oder desjenigen anderer
Tiere erworben.
Haarbalsam von^chwarzlofe und vegetabi-
lischer H. von Marquardt, s. Geheimmittel.
Haarbeutel, ein gewöhnlich schwarzes Säck-
chen von ^cide oder anch Tafjet, das sich platt auf
den Oberteil des Rückens legte, die Nactenhaare
enthielt und noch mit seidenen Vändchen gebunden
und verziert war. Er schützte die Kleider vor dem
weihen Puder und verdrängte wohl deshalb unge-
fähr seit der Mitte des 18. Jahrh, neben dem Zopfe,
dessen Einführung namentlich König Friedrich Wil-
helm I. von Preußen sich angelegen sein ließ, die
große Staatsperücke, ging von Frankreich aus, wo
von 1710 ab das Militär diese Tracht annähn:
und für den Straßenanzug modifch machte. Erst
sehr allmählich gewann der H. Eingang in die ele-
ganten Salons. Zugleich verkürzte sich die wallende
Lockenmasse der Seitenflügel der Perücke zu einer
einzigen Lockenrolle über Stirn, Schläfen und Ohren,
zu der Vergette, die sich auch aus dem Eigenhaar
herstellen ließ und mit Massen von Pomade gefestigt
wurde. Die Französifche Revolution machte diefer
Mode ein Ende. ^E. 793a).
Haarblasemaschine, s. Filzfabrikatwn (Bd. 6,
Haarbufch, wird znm Paradeanzuge, von Offi-
zieren auch zur Gala, auf dem Helm und Tfchako
getragen. In der preuft. Armee haben außer den
Offizieren des Kriegsministeriums, Generalstabs
und der Adjutantur die Garde- und Grenadierregi-
menter, Jäger, Dragoner, Husaren, Ulanen sowie
die reitende Artillerie den H. Die Farbe desselben
ist weiß oder schwarz, für Spielleute rot. - Bei den
Hufaren hat der H. die Form eines ausrechtstehen-
den Stutzes, bei den Nlcmen steht er schräg ab. Die
Gardeküraffiere und Garde du Corps sowie die Leib-
gendarmerie tragen statt des H. auf dem Helm den
P a r a d e a d l e r.
Haar der Berenice (Oma V6i-6nic68), Stern-
bild des nördl. Himmels, besteht aus zahlreichen
Sternen, von denen keiner heller als vierter Größe
ist. An einer Stelle stehen die Sterne fo dicht, daß
sie dem freien Auge den Eindruck eines Stern-
hanfens machen. Der mit 42 (nach Flamsteeds Ka-
talog) bezeichnete Stern des Sternbildes ist ein sehr
enger Doppelstern, der nach O. Strnves Rechnung
eine der kürzesten Ilmlaufszeiten (25,7 Jahre) hat.
Den Namen hat das Sternbild durch den Astronomen
Konon von ^amos erhalten zu Ehren der Gemahlin
Verenice des ägypt. Königs Ptolemäus Euergetes.
(S. Verenicc III.). jHardt.
Haardt, Gebirge in der bayr. Nheinpfalz, f.
Haare (animalifche, l'üi), gefchmeidige, faden-
förmige Horngeoilde, welche in der äußern Haut
wurzeln und aus verhornenden Zellen der Oberhaut
oder Epidermis sich aufbauen. Sie bedecken bei den
Säugetieren die ganze Körperoberfläche mehr oder
minder dicht, lassen jedoch immer einige Körper-
stellen ganz frei, so Teile des Gesichts, die Fußballcn,
die Brustwarze, die Weichengegend, die Nute, bei
vielen Affen die Gefäßfchwielen, die Hohlhand und
die Fnßfohle, beim Menschen außer diesen beiden
letztern auch die Nückenfläche des zweiten und dritten
Fingergliedes.
Bei den Tieren sind die H. nach Größe und Gestalt
am ganzen Körper einander oft vollkommen gleich
oder doch sehr ähnlich, beim Menfchen dagegen immer
verschieden. Während die menschlichen Haupthaare
kurz oder lang, gerade oder gekräuselt, auf dem Quer-
fchnitt rund erscheinen, sind die H. des Bartes, der
Achselhöhlen, der linterbauchgegend (Schamhaare)
bandartig breit und kraus, auf dem Querfchnitt oval
oder dohncnförmig, die Varthaare länger als die der
übrigen genannten Kö'rpergegcnden, aber kürzer als
dasHaupthaar. DieH.derBrauen und 3öimpern sind
kurz, starr, gerade. Der übrige Körper ist mit einem
sehr zarten Flaum bedeckt (Wollhaar, I^nugo).
Beim Menschen kommen die verschiedenen Haar-
arten auf einer und derfelben Körperstelle nie ge-
mifcht vor; bei gewissen Tieren, die zum Teil
gefchätzte Pelze liefern, ist die Haut dicht mit Woll-
haarcn bedeckt, die von längern starren H. über-
ragt werden. Interessant ist es, daß die Kopf-
laus des Menfchen sich nie an andern H. als denen
des Kopfes findet, die Filzlaus hingegen niemals
an diesen vorkommt. Die Dichtigkeit der Behaa-
rung nnterliegt je nach den verschiedenen Körpcr-
stellen zahlreichen Schwankungen; so fand Withof
bei einem mäßig behaarten Manne auf ^4 Qua-
dratzoll (ungefähr 1,7 hcin) auf dem Scheitel 293,
am Vorderhaupt 211, am Kinn 39, am Vorderarm
23, auf der Vorderfläche des Schenkels nur 13 H.
Die H. stehen entweder einzeln oder in Gruppen zu
je zwei bis fünf und sind in regelmäßigen, gebogenen
minien angeordnet, welche auf beiden Körperhälften
symmetrisch verlaufen und als Haarströme oder
Haarwirbel bezeichnet werden.
Das Haar besteht, wie die Oberhaut (Epidermis),
die Nägel, Hörner, Federn, stacheln und ähnliche
sog. Epidermoidalgebilde (s. Körperbedeckung der
Tiere), einzig und allein aus fast faftlofen Zellen
von verfchiedener Gestalt und Anordnung. Den
mittlern Teil der H., die Achse derselben, nimmt
die Marksubstanz (f. umstehende Fig. 1, a)