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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Haare (animalische)
Fig. 1. Längsschnitt duich
ein schwarzes Haar des
Menschen, l^omal ver-
größert.
ein, die aus locker, aber eng aneinander gereihten,
eckigen und rundlichen, mit Flüssigkeit oder Luft-
bläschen erfüllten Zellen besteht. Die Marksub-
stanz ist umgeben von einem Mantel aus lang-
gestreckten, spindelförmigen, fest untereinander ver-
bundenen Zellen, welche die Rinden- oder Faser-
sub stanz, die Hauptmasse des Haars (Fig. 1,d)
ausmachen, und diese ist wieder bedeckt von sich
dachziegelförmig deckenden,
breiten, dünnen, schuppen-
förmigen Zellen,demO ber-
baut chcn (Fig. 1, c und
Fig.2,6). InderNindensub-
stanz findet sich derFarbstoff
abgelagert, der die Farbe
der H. bedingt; teils durch-
tränkt er aufgelöst gleich-
mäßig die einzelnen Zollen,
teils findet er sich in der
Form von kleinen körnigen
Farbekörperchen im Innern
der Rindenzellen abgela-
gert. Dieses körnige Pig-
ment zeigt alle Wechsel von
Hellgelb durch Rot und
Braun bis Schwarz; der
gelöste Farbstoff fehlt in
weiften H. gänzlich, ist in
hellblonden spärlich, am
reichlichsten in dunkelblon-
den und roten sowie in
dunkeln H. vorhanden. Das Haar selbst wurzelt im
Haarboden, in der mittlern Schicht oder sog. Leder-
haut der äußern Haut
(s. d.). Der über die
Haut vorstehende Teil
des Haars mit einer ver-
dünnten Spitze heißt der
Schaft (Fig. 2,6); die
Wurzel (Fig. 2, c) des
Haars dagegen sitzt im
sog. Haarbalg oder
Haarsäckchen (t'ollicn-
w8 pi1i,Fig.2,l) mit seiner
doppelhäutigen äußern
Schicht (Fig. 2, F und K)
in grübchenförmigenVer-
tiefungen der Haut, die
mit Epidermis ausge-
kleidet sind, welche die-
selbe anatom. Beschaffen-
heit hat wie das Ober-
häutchen und sich direkt
in dieses fortsetzt. Beim
Ausziehen des Haars
bleibt dieses saftige dicke
Obcrhäutchen auf der
gleichfalls dicken Haar-
wurzel (Haarzwiebel,
Haarknopf, Fig. 2, d>
Fig. 2. Längsschnitt durch Haar sitzen UNd läßt sich als
"'^H^ma^zera^^'^"" seines Häutchen von ihr
abziehen. Das untere
Ende der Haarwurzel sitzt in organischer Verbin-
dung auf einem birnenförmigen Hautwärzchen
(Haarpapille, Haarkeim, Mg. 2, a), das in
den Boden des Haarbalgs hineinragt und, wie die
Wärzchen auch der übrigen Haut, eine oder mehrere
Kapillarschlingen (aber keine Nerven) enthält, die
das Haar ernähren. Seitlich in das Haarsäckchen
münden Hauttalgdrüsen (Fig. 2, i), welche das Haar
während seines Wachstums einfetten und ihren
Inhalt über das Haarsäckchen ergießen, wo er dann
mit den Haarschäften in Berührung kommt. Außer-
dem ist die Wand des die Oberhaut schief durch-
bohrenden Haarsäckchens mit glatten oder sog. or-
ganischen Muskeln versehen, welche bei ihrer Kon-
traktion das Haar aufrichten, sträuben, ein Zustand,
der unter dem Einflüsse des Entsetzens unwillkür-
lich, niemals aber willkürlich hervorgebracht wird.
Auch in der Kälte ziehen sich die kreisförmig um die
Haarbälge gelagerten Muskelfäserchen zusammen,
drängen die benachbarten Talgdrüsen gegen die
Hautoberfläche und bilden die sog. Gänsehaut (s. d.).
Das Wachstum der H. erfolgt nur an der
Wurzel, in der Weife, daß hier ein flüssiger Bil-
dungsstoff aus dem Blute abgeschieden wird, in
welchem sich Zellen bilden, die nach oben allmäh-
lich zu Markzcllen, Rindenfasern und Oberhaut-
schüppchen werden und den schon fertigen Schaft
immer mehr nach außen schieben. T)as Wachstum
ist ein beschränktes; wenn das Haar eine gewisse
Länge erreicht hat, wird es nickt mehr länger.
Wird es aber abgeschnitten, so wäckst es fortwäh-
rend, und man hat berechnet, daß die angeschnitte-
nen Stücke eines Haars zusammen eine Länge von
mehr als 6 m erreichen können. Sobald das Haar
seine bestimmte Länge erreicht hat, so fällt es aus,
weil die Papille die Schwere des Haars nicht mehr
tragen kann, und es entwickelt sich an seiner Stelle
ein neues Haar aus der alten Papille. Dieser natur-
gemäße Haarwechsel findet beim Menschen fort-
während und unmerklich, bei den meisten Tieren
nur zu gewissen Perioden statt. (S. Mauser.)
Ist dagegen das Ausfallen der H. durch krankhafte
Vorgänge bedingt, so wachsen die Z. häusig nickt
wieder oder an Stelle der dicken H. werden nur
zarte und dünne Wollhaare gebildet. (S. Haar-
schwund.) Schon Monate vor der Geburt ist der
Körper des Menschen mit H. bedeckt, die bei dem
neugeborenen Kinde häusig ziemlich lang und dicht
stehen; häusig sind auch die Kopfhaare der Neu-
geborenen dunkel. Diese Wollhaare sowie die Kopf-
haare fallen aber bald aus und werden durch andere
ersetzt. Die H. der Achselgegend, Scham- und Bart-
haare wachsen erst mit dem Eintritt der Geschlechts-
reife. Mit zunehmendem Alter werden die H. häufig
dunkler, im Greisenalter weih. Die Ernährung des
Haars ist eine sehr geringe; sie beschränkt sich auf
eine Durchfeuchtung des Haars mit Fett und andern
Flüssigkeiten, welche von der Wurzel aus vorzugs-
weise in die Marksubstanz vordringen und dem Haar
Farbe und Geschmeidigkeit erhalten. Der haupt-
sächliche chem. Bestandteil der H. ist Hornsubstanz,
aus welcher die Zellen bestehen. Wesentliche Be-
standteile sind außerdem verschiedene Farbstoffe,
denen die Z. ihre Farbe verdanken, die aber wenig
bekannt sind. Am besten kennt man noch das Pig-
ment der schwarzen H., das mit andern schwarzen
Farbstoffen des Tierkörpers (z. B. dem aus der
Aderhaut des Auges), dem Melanin, identisch zu
sein scheint. Die Farbe der weihen H. rührt von
einem Mangel an Farbstoff her.
Dichtes Haar beschränkt die Wärmeausgabe des
Körpers, weil sich zwischen den H. Luft in feiner
Verteilung hält, die, als schlechter Wärmeleiter,
nur langsam Wärme aufnimmt und wegen der
vielen Hindernisse, die sie im Haar findet, langsamer