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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Haarerzeugungstinktur
Zlknänlas). Ebenso wie bei den einzelligen H.
kann anch bei den mehrzelligen eine stern- oder
büschelartige Verzweigung stattfinden (Büschel-
Haare, Fig. 8). Zu den aus mehrern Zellrcihen zu-
sammengesetzten H. gehören eine große Anzahl der-
jenigen Gebilde, die man häufig als Borsten von
den H. unterscheidet. Dieselben besitzen eine größere
Steifheit, die in manchen Fällen durch Inkrusticrung
der Zellwände mit Kieselsäure oder Kalksalzen her-
vorgerufen wird. übrigens sind nicht alle Borsten
mehrzellig, sondern viele bestehen bloß aus einer
großen Zelle mit stark verdickten Wänden, wie die
Borsten der Voragincen (Fig. 6). Am Rande von
Pflanzenteilen, z. B. Blättern, stehende H. nennt
man Wimperhaare oder Wimpern, die eben-
falls als Drüsen ausgebildet sein können.
Die Schuppen (Fig. 7a von der Seite, d
von oben) und Zotten, die bei vielen Pflanzen
vorkommen und gewöhnlich der Epidermis dicht
anliegen, sind ebenfalls mehrzellig und bilden ge-
wöhnlich eine Zellfläche. Die stachelartigen Or-
gane sind aus zahlreichen, stark verdickten Zellen
zusammengesetzt; sie sind zum Teil jedenfalls
echte Trichome, d. h. sie gehen aus der Epidermis
hervor, in den meisten Fällen jedoch, wie bei den
Stacheln der Nose, beteiligt sich außer der Epider-
mis noch das unter dieser liegende Rindengewebe
an ihrer Bildung. Eigentümliches, sind die Brenn-
borsten oder Vrennhaare (Fig. 4), wie sie sich
bei einigen Urticacecn, zu denen die Brennessel ge-
hört, finden. Es sind meist konisch zulaufende große
Zellen, die auf einem Gewebepolstcr aussitzcn; an
der Spitze zeigen sie eine hakenförmige Krümmung,
und das äußerste Ende ist etwas angeschwollen; an
dieser Stelle ist die Membran stark verdickt und
außerdem noch infolge der Einlagerung von Kiesel-
säure sehr zerbrechlich. Stößt man an diese Spitze
an, so bricht das Köpfchen ab und der scharfe Zell-
saft, welcher Ameisensäure enthält, fließt heraus;
gelangt er dabei auf die Haut, fo wirkt er brennend
und blafenerzcugend.
Die V ert ei lun g der H. auf die einzelnen Organe
der Pflanzen ist sehr verschiedenartig; während bei
einigen die Blätter mit dichtem Filz überdeckt sind,
haben andere ganz kahle Blätter; dasselbe gilt anch
von den Stengeln, den Blüten, Früchten und Sa-
men; so sind z. B. die Samen der
Baumwollstaude mit dichtem Haar-
überzug verschen, ebenso die ^amen
mehrerer Asklcpiadeen, während bei
den meisten andern Pflanzen die Sa-
men vollständig kahl sind. Nur bei den
Wurzeln herrscht insofern Übereinstim-
mung, als hier in einer größern Ent-
fernung von der Spitze ein Kranz von
einzelligen unverzweigten H. is.Wurzel-
haare) auftritt, der für die Aufnahme
der Nährstoffe aus dem Boden von
großer Wichtigkeit ist (Fig. 9). Da
sämtliche H. nur Epidermisgebilde sind,
so können sie auch nur so lange be-
stehen, als an den betreffenden Pflan-
zenteilen die Epidermis erhalten bleibt.
Bei jeder Korkbildung, mit der eine
Zerstörung der Epidermis verbunden
ist, müssen deshalb auch die H. abge-
worfen werden. An oberirdischen Orga-
nen kommt es ziemlich selten vor, dah
nur eine Art von H. der Epidermis
aufsitzt; gewöhnlich sind mehrere For-
men vorhanden, die untereinander zer-
streut stehen.
Manche Pflanzensamilien sind durch
besondere Arten von H. charakterisiert,
wie z. V. zahlreiche Kruciferen durch
Sternhaare, die Malvaceen durch Vü-
schelhaare u. s. w.; in den meisten Fa-
milien aber wechselt die Behaarung
außerordentlich. Familien, bei denen
fast gar keine H. austreten, giebt es
nur wenige, z. B. die Nadelhölzer, die Schachtel-
halme und einige Wasserpflanzen.
Über die physiol. Bedeutung der H. läßt sich nicht
viel Sicheres angeben. In vielen Fällen bewirkt
eine starke Behaarung Herabsetzung der Wasserver-
dunstung; es sind deshalb sehr viele Pflanzen, die
an trocknen Standorten wachsen, mit einem Haar-
überzug versehen. Dah durch starte Behaarung
auch ein Schutz gegen niedrige Temperaturen und
häufigen Temperaturwechfel erzielt wird, ist jeden-
falls wahrscheinlich; doch giebt cs auch viele Pflan-
zen, die in den kältesten Regionen vorkommen und
nur einen sehr spärlichen Haarüberzug besitzen. Ein-
zelne Haarformen, wie Drüscnhaare, Vrennhaare"
haben sicherlich andere Funktionen; dasselbe gilt
auch von den stachelartigen Trichomen sowie von
den bei einigen windenden und kletternden Pflanzen,
z. V. beim Hopfen, vorkommenden sog. Klcttcr-
oder Klimm haaren (Fig. 10). Die letztern dienen
jedenfalls dazu, um das Winden bez. Klettern zu
erleichtern. - Vgl. A. Weiß, Die Pflanzenhaare
(in Karstens "Votan. Untersuchungen", Berl.18tt<).
Haarerzeugungstinktur von Kneifel, s. Ge-
heimmittel.
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