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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Haarfärbemittel; Haarfarn; Haarförmig; Haarfrost; Haargefäße; Haargewebe; Haargras; Haarhüte; Haarhygrometer

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Haarfärbemittel - Haarhygrometer

Haarfärbemittel, Substanzen, durch deren Anwendung dem menschlichen oder tierischen Haar auf künstlichem Wege eine andere als die ihm eigentümliche Färbung erteilt wird. Viele dieser Mittel sind parfümierte Lösungen von Bleisalzen (wie namentlich der Haarbalsam von Marquardt, s. unter Geheimmittel, Bd. 7, S. 672 b), vor welchen zu warnen ist, da dieselben bei längerm Gebrauch auf die Gesundheit höchst schädlich einwirken und meist chronische Bleivergiftung (s. d.) zur Folge haben. Weniger schädlich sind Lösungen von Höllenstein (salpetersaurem Silber); doch wirken sehr konzentrierte Lösungen nachteilig auf das Haar ein. Reine Höllensteinlösung giebt einen unnatürlichen roten, bisweilen ins Grünliche schillernden Farbenton, gleichzeitige Anwendung von Schwefelleber (Schwefelkalium) ein zu intensives Schwarz. Besser wirkt gleichzeitige Anwendung von Höllenstein und Pyrogallussäure. Dieses unter dem Namen Krinochrom bekannte H. besteht aus zwei verschiedenen Flüssigkeiten: die erstere ist eine Auflösung von 10 Teilen Pyrogallussäure in 500 Teilen rektifiziertem Holzessig und 500 Teilen Alkohol; die zweite eine Auflösung von 30 Teilen Höllenstein in 900 Teilen destilliertem Wasser und so viel Salmiakgeist, bis der anfänglich entstehende Niederschlag wieder gelöst ist. Nach Entfettung des Haars durch Seifenwasser, dem etwas Salmiakgeist beigemischt ist, trägt man die erste Lösung mit einem Schwamm, dann, noch vor dem Eintrocknen der ersten, die zweite mit einer Bürste auf, tritt bis zum Eintrocknen womöglich in hellen Sonnenschein, wäscht darauf mit Wasser, nachher mit einer schwachen Lösung von unterschwefligsaurem Natrium aus und spült schließlich mit Wasser nach. Dieses H. färbt dunkelschwarzbraun; eine verdünntere Höllensteinlösung giebt hellere Töne. Unschädlich als H. ist Walnußextrakt und der humussaure Ammoniak. Eine rötlichblonde Färbung dunkler Haare erzielt man durch Waschen mit einer schwachen Lösung von Wasserstoffsuperoxyd, welche zur Zeit der Kaiserin Eugenie als Eau de Jouvence, Auricome oder Golden hair water u hohen Preisen in den Handel gebracht wurde. - Vgl. Hirzel, Toilettenchemie (3. Aufl., Lpz. 1874).

Haarfarn, Farngattung aus der Familie der Polypodiaceen, s. Adiantum.

Haarförmig nennt man ein Mineral, das bei großer Dünne eine übermäßige Erstreckung nach einer Richtung gewonnen hat und sich dabei in isolierter Lage befindet. Eine solche Form kann auch durch parallele lineare Aneinanderreihung zahlreicher kleinster gleichgestalteter Kryställchen hervorgehen. Haarförmige Gebilde, die vielfach gekräuselt und gewunden, auch knäuelartig zusammengedreht sind, kommen z. B. bei dem gediegenen Silber und Gold, bei dem Millerit, der Kupferblüte, dem Antimonit, dem Asbest und Byssolith vor. Bei den gediegenen Metallen geht diese Ausbildung in das Drahtförmige über.

Haarfrost, soviel wie Rauhfrost (s. d.).

Haargefäße oder Kapillargefäße (Kapillaren, Vasa capillaria), die feinsten, nur mit dem Mikroskop erkennbaren Blutgefäße, welche den Übergang von den Arterien (Schlagadern) zu den Venen (Blutadern) bilden. Sie besitzen bloß eine einfache, äußerst zarte, durchsichtige Wand und haben in den verschiedenen Körpergegenden einen Durchmesser von nur 0,005 bis 0,02 mm, sodaß zwei bis acht nebeneinander erst die Dicke eines Haars ausmachen und die feinsten gerade noch einem Blutkörperchen den Durchgang gestatten. Unter dem Mikroskop betrachtet, erscheint die Wand der H. aus zarten, platten, kernhaltigen Zellen zusammengefügt, die als die direkte Fortsetzung des die Arterien und Venen auskleidenden Zellenhäutchens, des sog. Gefäßendothels, zu betrachten sind. In den H. erlangt das Strombett des Blutes, das durch die fortwährende Teilung der Arterien immer weiter geworden, seine größte Ausbreitung. Deshalb sowie wegen der durch die Engigkeit der H. bedingten Reibung verliert sich die Blutwelle, welche mit jedem Pulsschlage vom Herzen durch die Arterien fortschreitet, in denselben, sodaß man den Puls in den Venen nicht mehr fühlt. Die H. selbst stehen untereinander durch zahlreiche Verbindungszweige in der innigsten Verbindung und bilden so ein dichtes Gefäßnetz, das alle Gewebsteile umgiebt. Letztere werden hierdurch aufs reichlichste mit Blut versorgt und mit diesem in langdauernden Verkehr gesetzt. Nur sehr wenige Gewebe, wie die Haare, Nägel, Knorpel und die Linse, besitzen keine H. Durch die dünnen Wände der H. werden infolge des hohen Druckes, unter welchem das Blut steht, beständig Blutbestandteile ausgepreßt, die dann die Gewebsteile umspülen und ernähren. Der Überschuß des ausgetretenen Blutes und die Gewebstrümmer gehen entweder (durch Endosmose) in den Blutstrom zurück oder fließen durch die feinsten Lymphgefäße, die sog. Lymphkapillaren, wieder ab. Auf diesem Stoffaustausch im Kapillarbezirk beruht der Übergang des hellroten arteriellen Blutes in das dunkelrote venöse. Weiterhin spielen die H. auch bei der Entzündung eine Rolle, indem unter gewissen Bedingungen die weißen oder farblosen Blutkörperchen die Wandung der H. durchbohren und außerhalb der Gefäße als sog. Eiterkörperchen erscheinen. (S. Eiter, Entzündung.)

Haargewebe, s. Roßhaargewebe.

Haargras, Pflanzenart, s. Elymus.

Haarhüte, s. Filzfabrikation (Bd. 6, S. 792 b).

Haarhygrometer, ein Hygrometer (s. d.), das auf der Eigenschaft gut entfetteter Haare beruht, in relativ feuchter Luft Wasserdampf aufzusaugen, denselben in relativ trockner Luft aber abzugeben. Dabei tritt eine Veränderung in der Länge des Haars ein. Um demnach ein Instrument zu erhalten, das die "relative Feuchtigkeit" (s. Feuchtigkeit) zu bestimmen gestattet, muß man die Längenänderung des Haars meßbar einrichten. Hierzu giebt es verschiedene Systeme, von denen hier nur die von Gay-Lussac, Klinkerfues (Bifilar-Haarhygrometer) und Koppe genannt werden mögen. Das Koppesche H. (s. vorstehende Figur) bietet den Vorteil, daß das für gewöhnlich durch die Feder d gespannte Haar a beim Transport

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