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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Haarmücken - Haarschwund

seite Haare, und aus den äußern Gehörgängen pflegen dicke Haarquasten herauszuhängen. Gewöhnlich sind mit dieser Mißbildung eigentümliche Unregelmäßigkeiten in der Bildung der Zähne verbunden. Die Hypertrichose kommt sehr selten vor und ist in einigen Fällen durch mehrere Generationen beobachtet worden. Sie tritt aber nicht immer von Geburt an auf, sondern entwickelte sich bisweilen erst monate- oder selbst jahrelang nach der Geburt. Die bekanntesten H. sind die Mexikanerin Julia Pastrana, die Siamesin Krao, die russ. "Hundemenschen" Andrian und Fedor Jestichejew, der Laotse Shwe-Maong mit seiner Familie und die nach dem Schloß Ambras benannte haarige Familie.

Haarmücken (Bibionidae), durch ihre plumpe Gestalt den Fliegen ähnliche Mücken mit großen breiten Flügeln, kräftigem Bruststück und walzigem Hinterleib. Die Geschlechter sind in der Färbung und Kopfform oft sehr verschieden. Die H. zeigen sich sehr zeitig im Frühjahr, ihre Larven leben meist in der Erde von faulenden Pflanzenstoffen oder Wurzeln. Hierher gehört die Gartenhaarmücke (s. d.).

Haarnadeln, die zum Festhalten der Haarflechten dienenden gabelförmig gestalteten Nadeln; sie werden durch Handarbeit oder mittels einfacher Maschinen aus Stahl- oder Eisendraht hergestellt, der in Stücke geschnitten, an beiden Enden mit stumpfen Spitzen versehen und in der Mitte gebogen wird. Eine Verbesserung sind die H. aus doppelt zusammengedrehtem Draht, die durch ihre schraubenartigen Windungen fester im Haar stecken.

Haaröle, durch irgend einen Riechstoff, meistens durch ätherische Öle, parfümierte fette Öle, die dem menschlichen Haar Glanz und Weichheit verleihen sollen. Es können zu diesem Zwecke nur gut gereinigte raffinierte Öle (Mandelöl, Behenöl, Olivenöl) benutzt werden, die nicht trocknen und keine Neigung zum Ranzigwerden besitzen. Durch Digestion mit Alkannawurzel giebt man den H. eine rote Farbe.

Haarpapille, Haarpflege, Haarpilze, s. Haare (animalische).

Haarpomade, s. Pomade. - H. von Anna Czillag, s. Geheimmittel.

Haarrauch, soviel wie Höhenrauch (s. d.).

Haarröhrchenwirkung, s. Kapillarität.

Haarsäckchen, s. Haare (animalische, S.606 a).

Haarsalz oder Halotrichit, ein Mineral, dessen haar- und nadelförmige Krystalle zu seidenglänzenden weißen, gelblichen oder grünlichen Krusten, Trümern, traubigen und nierenförmigen Aggregaten von faseriger oder schuppiger Struktur verbunden sind. Es bildet sich da, wo Schwefelsäure auf Thonerde wirkt, insbesondere im Braunkohlengebirge (Kolosoruk in Böhmen, Friesdorf bei Bonn, Freienwalde), auch im Steinkohlengebirge (Potschappel) sowie in der Nähe von Solfataren und im Bereich vulkanischer Gesteine (Vulkan von Pasto, Insel Milo, Königsberg in Ungarn). Äußerlich könnte man das leicht in Wasser lösliche Salz mit Federalaun verwechseln, allein es besteht nur aus schwefelsaurer Thonerde mit Wasser, Al2S3O12 + 18 H2O, entsprechend der Zusammensetzung aus 15,4 Thonerde, 36,0 Schwefelsäure und 48,6 Wasser. - Als H. bezeichnet man häufig auch den Federalaun (s. d.), mitunter auch das Bittersalz (s. d.).

Haarschabe oder Pelzmotte, s. Motten.

Haarschlechtigkeit bei Pferden, s. Dampf (in der Tierheilkunde).

Haarschwund (Alopekie, Defluvium pilorum), das krankhafte Ausfallen der Haare, befällt am häufigsten das Haupthaar, seltener das Barthaar, die Augenbrauen und die übrigen behaarten Körperstellen, tritt entweder akut nach gewissen schweren Konstitutionskrankheiten (Typhus, Pocken, Gesichtsrose, Syphilis u. a.) auf, in welchem Falle gewöhnlich nach der Beseitigung der betreffenden Grundkrankheit auch das Ausfallen der Haare nachläßt und ein mehr oder minder kräftiger Haarwuchs sich wieder einstellt, oder ist von Anbeginn an ein chronisches, in seinen ersten Anfängen meist unmerkliches und über Jahre und Jahrzehnte sich erstreckendes Leiden, wobei nach und nach das neugebildete Haar immer dünner und spärlicher wird und schließlich eine bald umschriebene, bald ausgedehnte Kahlheit (Kahlköpfigkeit oder Glatze, Calvities) entsteht. In dieser Form ist der chronische H. eine sehr häufige Teilerscheinung des Greisenalters (sog. Altershaarschwund), tritt aber auch vielfach bei jüngern Individuen, insbesondere jüngern Männern auf (vorzeitiger H.). Man unterscheidet von alters her verschiedene Formen der Kahlheit: die Phalacrosis (Kahlheit des Vorderkopfes), die Opisthophalacrosis (Kahlheit des Hinterhauptes), die Ophiasis (quer über den Scheitel verlaufender haarloser Streifen), die Hemiphalacrosis (halbseitige Kahlheit), die Alopecia areata, (rundliche kahle Platte), die Anaphalantiasis (Verlust der Augenbrauen), die Madesis oder Madarosis (das Dünnerwerden des Haupthaars). Der Ursachen des frühzeitigen H. giebt es gar viele, insbesondere vermögen alle erschöpfenden Säfteverluste, geschlechtliche Ausschweifungen, anhaltende geistige Anstrengungen, schwere und drückende Sorgen und Gemütsaffekte, chronischer Magenkatarrh und anhaltender nervöser Kopfschmerz vorzeitigen Haarverlust herbeizuführen. Häufig liegt der Krankheit eine ausgesprochene erbliche Anlage zu Grunde, in andern Fällen ein örtliches Hautleiden der Kopfschwarte, welches in einer krankhaft vermehrten Absonderung von Hauttalg besteht und mit einer Absetzung zahlloser feiner weißer, trockner Schuppen einhergeht. (S. Schuppen.) In wiederum andern Fällen liegen der vorzeitigen Kahlköpfigkeit parasitäre Haarpilze zu Grunde. (S. Haare, S. 607 b.)

Die Behandlung des vorzeitigen H. muß vor allen Dingen in einer sorgsamen und schonenden Haarpflege (s. Haare, S. 607 a) bestehen, wobei jedoch alle stark reizenden Einwirkungen, namentlich kalte Douchen und zu häufige Seifenwaschungen von dem Haarboden fern zu halten sind. Für das erste Stadium des chronischen H., in welchem das ausfallende Haar noch nicht verdünnt, sondern nur kürzer als normal erscheint, empfiehlt Pincus als beste Heilmethode folgendes einfache Verfahren. 2-4 g doppeltkohlensaures Natrium werden in 180 g (12 Eßlöffeln) destillierten Wassers aufgelöst und dann an zwei oder drei aufeinander folgenden Tagen der Woche ein bis zwei Eßlöffel mit einem kleinen Schwamm sorgfältig zwei bis fünf Minuten lang in den Haarboden des Vorder- und Mittelkopfs eingerieben: am dritten oder vierten Tag wird die Kopfhaut mäßig mit einem milden Öl eingeölt und an den folgenden Tagen in der gewohnten Weise frisiert. Ist die Kopfhaut sehr spröde oder die Schuppenbildung sehr reichlich, so setze man der angegebenen Mischung einen Eßlöffel voll reines Glycerin hinzu. Das Verfahren wird 5 bis 12 bis 18 Monate hindurch in der beschriebenen Weise angewendet, bis die vorgenommene Zählung