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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hadrianus - Hafen

Hadriānus, Publius Älius, röm. Kaiser (117-138 n. Chr.), geb. 24. Jan. 76 n. Chr. zu Rom, verlor im 10. Jahre seinen Vater, Älius Hadrianus Afer, der Senator zu Rom war und aus dem span. Municipium Italica stammte. Unter der Regierung seines Vetters Trajan, der sein Vormund gewesen und dessen Großnichte Sabine er 100 heiratete, verwaltete er die höhern Staatsämter. Er begleitete den Kaiser auf dessen dacischen Kriegszügen und wurde von ihm 117 als Statthalter Syriens zu Antiochia an der Spitze der asiat. Armee zurückgelassen. Diese rief ihn nach Trajans Tode, der ihn kurz vorher auf Betreiben der Kaiserin Plotina adoptiert hatte, zum Kaiser aus. Durch Abtretung der Eroberungen Trajans jenseit des Euphrat gewann er von den Parthern Frieden und begab sich 118 nach Rom, wo ihn der Senat anerkannt hatte, und wo er sich durch Freigebigkeit gegen das Volk und einen großartigen Erlaß vieler Millionen rückständiger Steuern in der Herrschaft befestigte. H. machte seit Ende April 120 bis Ende 126 eine berühmte Inspektionsreise beinahe durch das ganze Reich. Bei einer zweiten Reise vom April 129 bis Mai 134 in den Orient verlor er (30. Okt. 130) seinen Liebling Antinous (s. d.) in Ägypten. Der Aufstand der Juden (seit Anfang 132) unter Bar-Cochba wurde durch H.' Feldherrn, Gajus Julius Severus, 135 unterdrückt. Athen, für welches H. große Vorliebe zeigte, erweiterte er durch Anlage eines neuen Stadtteils im Südosten der Stadt und schmückte es durch Prachtbauten. Seine letzten Jahre verlebte H. in Rom und Tibur. Er starb 10. Juli 138 zu Bajä. Nicht aus Feigheit oder Trägheit war die Politik H.' eine friedliche, vielmehr weil er das Verderbliche einer Erweiterung des Reichs erkannte. Die Grenzen wurden namentlich im südwestl. Germanien durch den sog. Pfahlgraben und in Britannien, wo der sog. Piktenwall (s. Hadrianswall) 122-124 auf seinen Befehl entstand, befestigt, das Heerwesen verbessert. Die kaiserl. Rechtsprechung ward durch schärfere Ausbildung des Geheimen Rats des Fürsten (Consilium principis, s. Consilium), die Rechtspflege überhaupt durch die Zusammenstellung des Edictum perpetuum (s. Edictum) bestimmter geordnet, Italien vier Konsularen als kaiserl. Rechtspflegern untergeben, das Wohl der Provinzen auf jede mögliche Weise gefördert, endlich auch die großen Hof- und Reichsämter nicht mehr durch Freigelassene, sondern durch röm. Ritter besetzt. Gute Staatshaushaltung bot seiner für das Reich höchst wohlthätigen Regierung die Mittel zur Ausführung zahlreicher großer Bauten, von denen, nächst den athenischen, namentlich die Anlage mehrerer Städte, deren wichtigste Hadrianopolis in Thrazien, das Mausoleum, das er sich in Rom errichtete (die sog. Moles Hadriani, der Kern der jetzigen Engelsburg, s. d.), und die dahin führende Alische Brücke, sowie die große prachtvolle Villa zu Tibur (s. Hadrians Villa) zu erwähnen sind, wie auch die Straßenbauten über den korinth. Isthmus und die Wasserleitung von Stymphalos nach Korinth. H. war ein Freund der bildenden Künste, der Poesie und Beredsamkeit und versuchte sich selbst in allen diesen Gebieten. - Vgl. Gregorovius, Der Kaiser Hadrian. Gemälde der röm.-hellen. Welt zu seiner Zeit (3. Aufl., Stuttg. 1884); Dürr, Die Reisen des Kaisers Hadrian (Wien 1881); Plew, Quellenuntersuchungen zur Geschichte des Kaisers H. (Straßb. 1889); Hitzig, Die Stellung Kaiser Hadrians in der röm. Rechtsgeschichte (Zür. 1892). ↔

Hadrumētum oder Adrumetum, alte tyrische Kolonie in Afrika, südlich von Karthago am Mittelmeer gelegen, seit Trajan röm. Kolonie. Unter Justinian erhielt sie den Namen Sozusa, woraus das heutige Susa entstanden ist.

Hadschar (arab., "Stein"), der sog. Schwarze Stein, welcher an der südöstl. Ecke der Ka'aba zu Mekka eingemauert ist und bereits im Heidentum Gegenstand religiöser Verehrung war, die der Islam in eigenem Sinne umgedeutet hat. Man hat noch nicht feststellen können, ob der schwarze H. ein Meteorstein oder ein Stück alter Lava sei. Die Pilger drängen sich während des Umzugs um die Ka'aba heran, um den H. mit ihren Küssen zu bedecken.

Hâdschi, richtiger Hâddschi (arab.), heißt im Islam derjenige, der die religiöse Pflicht des Haddsch (s. d.) vollführt hat; ein solcher führt diesen Titel vor seinem eigentlichen Namen, z. B. H. Muhammed Efendi u. s. w. Auch bei orient. Christen ist der Titel vor dem Namen derjenigen gebräuchlich, welche eine Pilgerfahrt nach Jerusalem vollführt haben, z. B. H. Christo (Grieche), H. Ohanès (Armenier) u. s. w. Den Südslawen hat H. den häufigen patronymischen Familiennamen Hadschitsch (Pilgersohn) gegeben.

Hâdschi Chalfa, eigentlich Mustafa Ibn Abdallâh, bekannt als Kâtib Tschelebi, türk. Historiker, Geograph und Bibliograph, geb. um 1605 in Konstantinopel, war mehrere Jahre erster Sekretär des Sultans Murad IV. und starb 1658 in Konstantinopel. Sein Hauptwerk ist ein großes bibliogr. Lexikon: "Keschf ul-dsunûn", in arab. Sprache, in welchem er die Titel von mehr als 18 000 arab., pers. und türk. Büchern aufzählt und mit Notizen über den Inhalt der Werke und das Leben der Verfasser begleitet. Das Werk ist das hervorragendste Hilfsmittel für die Litteraturgeschichte des Islam. Auf Grund der in den Einleitungen zu den einzelnen Kapiteln gebotenen allgemeinen Übersichten der mohammed. Wissenschaften hat Hammer-Purgstall seine "Encyklopäd. Übersicht der Wissenschaften des Orients" (anonym, Lpz. 1804) bearbeitet. Eine vollständige Ausgabe des Textes mit lat. Übersetzung hat Flügel gegeben: "Lexicon bibliographicum et encyclopaedicum" (7 Bde., Lond. 1835-58). Eine Ausgabe des arab. Textes erschien in Bulak 1274 der Hidschra. Außerdem sind noch zu erwähnen seine chronol. Tabellen: "Takwimal-tawarikh" (Konstant. 1146 der Hidschra; italienisch von Rinaldo Carli, Vened.1697; lateinisch von Reiske, Lpz. 1766), seine Geographie: "Dschihân numâ" (Konstant. 1145 der Hidschra; lateinisch von Norberg, 2 Bde., Lund 1818), "Geschichte der Seekriege der Türken" (Konstant. 1141 der Hidschra; englisch von Mitchell, Lond. 1830).

Hadschi-Oglu-Basari, s. Pasardschik.

Hadschipur, ostind. Ort, s. Patna.

Hadubrand, Hildebrands Sohn, s. Hildebrandslied.

Hadwig, Herzogin von Schwaben, s. Hedwig.

Haerlebeke, s. Harlebeke.

Hafen, ein namentlich in Süddeutschland gebräuchlicher Ausdruck für Gefäß, Geschirr, Topf; daher Hafner soviel wie Töpfer; Glashafen, s. Glas (S. 39a).

Hafen (altengl. haven; frz. port; neuengl. port), ein Meeres- oder Seebecken, worin Schiffe, geschützt vor Seegang und Sturm, erbaut, ausgerüstet, beladen, gelöscht (d. h. entladen) und ausgebessert werden können. Die Haupterfordernisse eines H. sind folgende: er muß eine bequeme Ein- und Ausfahrt haben; in seinem Innern muß stets ruhiges

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 632.