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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hagenbeck - Hagestolz
der Physik betreffenden Arbeiten wurden hauptsäck-
lich in den "Annalen der Physik und Chemie" von
Wiedemann und Poggendorff, in den "Verhand-
lungen der Bafeler Naturforfch enden Gesellschaft",
den "^.rcliiv68 äeg Zcienceg p1i^8iciu63 äs (36Q6V6",
Exners "Repertorium" u. a. veröffentlicht. Ferner
verfaßte H. mehrere Schriften über Proportional-
vertretung, die sich hauptsächlich auf die Einführung
diefes Wahlverfahrens für die Schweiz und den
Kanton Bafel-Stadt beziehen.
Hagenbeck, Karl, Tierhändler, geb. 10. Juni
1844 zu Hamburg, übernahm 1866 das Gefchäft
feines Vaters, eines Fifch- und Tierhändlers, das
sick unter feiner Leitung bald zu einem der blühend-
sten auf dem Gebiete des Tierhandels entwickelte.
1875 erhielt er eine Herde Renntiere, begleitet von
einigen lappländ. Wärtern mit ibren einheimischen
Geräten u. s. w., und diese Sendung brachte ihn
auf den glücklichen Gedanker der ethnogr. Schau-
stellungen, in denen er verschiedene Völkerschaften
mit allen ihren häuslichen Einrichtungen, Haustie-
ren u. s. w. dem Publikum vorführte. 1886 bereiste
er Nordamerika, richtete dann einen Circus nach
amerik. Muster ein und besuchte 1893 mit über 1000
Tieren, darunter 80 dressierte Raubtiere, die Welt-
ausstellung in Chicago. - Vgl. Leutemann, Lebens-
beschreibung des Tierhändlers Karl H.chamb. 1888).
Hageugebirge, Bergstock der Salzburger Alpen
(s. Ostalpen), zwischen dem Königssee und der
Salzach, ein steiler, wenig gegliederter Kalkstock mit
welliger Hochfläche. Die höchsten Erhebungen finden
stck am Süd- und Ostrande, wo nördlich vom Blühn-
bacbthale das Große Teufelshorn (2361 m), das
Nauchcck (2391 m), der Große Tannthalerkopf
(2274 m), das Hochgschirr (2261 m) und der Riffel-
topf (2253), und in der nordöstl. Verlängerung der
Tristkopf (2107 m) aufragen. Das H. ist besonders
reich an Gemsen.
Hagenhufen, Wald Hufen, f. Dorffystem.
NaFSnia. ad^ssinioa. IsMci., soviel wie
Lr^ei-a aiMkImintica IQ/i., s. Lra^i-H und Kusfo-
blumen.
Hagenow, Stadt im Domanialamt Hagenow-
Lübtheen (16560 E.) des Großherzogtums Mecklen-
burg-Schwerin, 28 km im SW. von Schwerin, am
Flühchen Schmaar und an den Linien Wittenberge-
Hamdurg der Preuß. Staatsbahnen und H.-Schwe-
rin (28,3 km) der Mecklenb. Friedrich Franz-Eisen-
dahn (Bahnhof 3 km von der ^tadt), Sitz eines
Amtsgerichts (Landgericht Schwerin), hat (1890)
3856 meist evang. E., darunter 19 Israeliten; Post
zweiter Klasse mit Zweigstelle, Telegraph, got. Kirche,
Bürgerschule, städtische Sparkasse, Vorschußverein;
Klinkerfabrik, Dampfmolkerei, Dampfmehl- und
-Schneidemühlen und Ziegeleien.
Hager, Hans Herm. Iul., pharmaceutischer
Schriftsteller, geb. 3. Jan. 1816 zu Berlin, widmete
sich dcr Pharmacie und war 1842-59 Besitzer der
Stadtapothcke zu Frauftadt, siedelte hierauf nach
Berlin über, um neben andern schriftstellerischen
Arbeiten die "Pharmaceutische Centralhalle" heraus-
zugeben. 1871 zog er nach Pulvermühle bei Fürsten-
berg a. d. O., und 1881 ging er nach Frankfurt
u.d.O. Erfchried: "Wetterund Witterung" (Glog.
1845), "Anleitung zur Fabrikation künstlicher Mine-
ralwässer" (2. Aufl., Bresl. 1870), "Technik der phar-
maceutischen Rezeptur" (5. Aufl.,Verl. 1890), "Na-
niiais pQÄi-inHcsuticuin" (Bd. 1, 6. Aufl., Lpz. 1891;
Bd. 2, 3. Aufl. 1876), "Untersuchungen, ein Hand-
buch dcr Untersuchung, Prüfung und Wertbestim-
mung aller Handelswaren" (2. Aufl., 2 Bde., Lpz.
1883-88), "Erster Unterricht des Pharmaceuten"
(Bd. 1, 4. Aufl.; Bd. 2, 3. Aufl., Verl. 1885), "Das
Mikroskop und seine Anwendung" (7. Aufl., ebd.
1886), "Handbuch der pharmaceutischen Praxis"
(neue Ausg., 5. Abdr., nebst Ergänzungsband, ebd.
1886), "Kommentar zu den Pharmakopöen Nord-
deutschlands" (2 Bde., Lissa 1855-56), "Kommen-
tar zur 7. Auflage der kkarinaeovoeI. UoruLäica."
(ebd. 1865), "Kommentar zurkdarmacoposH (^er-
mknicH" (2 Bde., Verl. 1873), "Kommentar zur^dar-
macopoea. 061'manica. Nä. II" (2 Bde., ebd. 1883),
"Kommentar mm Arzneibuch für das Deutfche
Reich, 3. Ausg." (mit Fifcher und Hartwich, 2 Bde.,
ebd. 1890 - 92) u. s. w. Auch veröffentlichte er
ein "Lateinisch-deutsches Wörterbuch zu den Phar-
makopöen" (Lissa 1863) und gab außer der "Phar-
maceutischen Centralhalle" noch die "Industrie-
blätter" (im Verein mit E. Iacobsen) und den "Phar-
maceutischen Kalender" heraus. Die Bekämpfung
des Geheimmittelunwefens hat sich H. besonders zur
Aufgabe gemacht. Er hat viele Hunderte von Ge-
heimmitteln unterfucht und in den "Industrieblät-
tern" die Resultate der chem. Analysen der Öffent-
lichkeit übergeben.
Hagerstown (fpr. hegerstaun), Hauptstadt
des County Washington im nordamerik. Staate
Maryland, 96 km nordwestlich von Baltimore, am
Antietam Creek, in wohl angebauter Gegend, Kreu-
zungspunkt mehrerer Bahnen, hat (1890) 10118 E.,
lebhaften Handel, Fabriken von Pofamentierwaren
und ein College für Frauen. Nach der Schlacht
bei Gettysburg verfchanzte und hielt General Lee
sich hier drei Tage.
Hagestolz heißt in der Rechtssprache ein Mann,
welcher aus eigenem Willen über die Iugendjahre
hinaus unverheiratet bleibt, obfchon er nicht durch
körperliches oder bürgerliches Unvermögen gehin-
dert ist, eine Ehe zu schließen. Das Wort ist ent-
stellt aus dem ältern "Hagestalt", eigentlich der Be-
sitzer (got. Lt^läHn, besitzen) eines Hages, d. h. einer
Einfriedigung, daher im Gegensatz zu dem ältesten
Sohn, dem Hofbesitzer, der jüngere Sohn, der mit
einem kleinen Grundstücke abgefunden wurde und
fomit keinen eigenen Haushalt gründen konnte,
woraus sich schon in alter Zeit die jetzige Bedeu-
tung entwickelte. Die Griechen fuchten das Hei-
raten durch Strafen zu erzwingen; Lykurg belegte
fogar die H. mit enteyrenden Strafen. In Rom
wurde von den H. (ca^iides) zum Besten des
Staates eine besondere Steuer erhoben (aes uxo-
rium), bereits mehrere hundert Jahre v. Chr. Unter
Kaiser Augustus erging die I^ex ^uiia. 6t ?Äpi".
?0ppÄ6H wenige Jahre v. Chr., welche insbeson-
dere den H. erhebliche Nachteile androhte, joweit es
sich um den Erwerb aus letztwilligen Verfügungen
handelte, falls sie mit dem Erblasser nicht oder über
den sechsten Grad hinaus verwandt waren. Die
Erbschaft siel zunächst an solche Mitberufene, welche
Kinder hatten l^ii3 liderm-um), in Ermangelung
solcher an den Fiskus. Konstantin d. Gr. hob diese
Beschränkungen auf.
In Deutfchland kommt ebenfalls ein sog. Hage-
stolzenrech t vor. Dasselbe fand sich in Vraun-
schweig (1730 aufgehoben), in Teilen von Hannover,
Württemberg und der Pfalz. Es gmg dahin, daß
dem Landesherrn oder Gutsyerrn Anfprüche zuge-
billigt wurden auf gewisse Vermögensstücke oder