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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Halikarnassos - Hall (Stadt)
ihm folgte sein Sohn Charles Lindley Wood,
geb. 7. Juni 1839, als zweiter Viscount von H.
Halikarnaffos (Halikarnassus, Halikar-
uasos), griech. Stadt an der Südwestküste von
Karten, an der Stelle des jetzigen Budrun gelegen.
H. gehörte in ältern Zeiten zu dem Vunde der sechs
dor. Städte im südl. Kleinasien (der dor. Herapolis,
s. Doris). Um die Zeit der Perserkriege stand es zu-
gleich mit den Inseln Kos, Nisyros und Kalymna
unter der Herrschast der Artemisia (s. d.). Um 450
wurde es Mitglied der großen, unter der Hegemonie
Athens stehenden Bundesgenossenschaft. Die eigent-
liche Blütezeit von H. aber ist die Negierung des
Fürsten Mausolus, Hekatomnus' Sohn, der die Stadt
durch zahlreiche Bauwerke verschönerte und zu seiner
Residenz machte. Nach dem Tode des Mausolus 352
v. Chr. lieh dessen Witwe und Schwester Artemisia
(s. d.) in der Stadt selbst ein großartiges Grab-
denkmal, das Mausoleion (s. Mausoleum), für ihn
errichten. Durch Alexander d. Gr. erobert und zum
größten Teil zerstört (334v.Chr.), wurde die Stadt
zwar wiederhergestellt, gelangte aber nie wieder zu
der frühern Blüte. - Vgl. Newton, ^ KiLtor^ ok
(1i8C0V6r!68 Ht H3.iic3.rQg.88U8) Oniäu8 3.QÄ Vrau-
Hiäas (2 Bde., Lond. 1862); ders., ^r3.v6i8 anä
äi8C0V6ri68 in tk6 I.6V5mt (2 Bde., ebd. 1865).
Na.1iotiaa.e, Na.1iöti8, s. Seeohren.
H2.1i32.rooiä2.o, s. Schwämme.
Halifaurier oder Halidrakonten ("Meer-
drachen"), Bezeichnung, unter welche man die sehr
verschiedenen Gruppen meerbewohnender Tiere der
Urwelt aus der Verwandtschaft der heutigen aus-
schließlich das Land bewohnenden Eidechsen zu-
sammengefaßt hat. Zu ihnen gehörten die Notho-
sa urier der Trias, ähnlich dem Plesiosaurus (s. d.),
aber mit teilweise schildkrötenartigen Knochen und
zum Gehen noch geeigneten Füßen; ferner die Ich-
thyopterygier (s. Iclit1^033.uiu8) und Sauroptery-
gier (s. Plesiosaurus) des Jura, sowie die Mosa-
saurier (s. d. und ?1acoän8, Ninpeäi^ und Ano-
modonten) der Kreide.
"klitkoriuln X^a^, ein großes Tertiärtier
aus der Gruppe der Sirenen (s. d.), von welchen:
mehrere Skelette bei Mainz u. s. w. ausgegraben
wurden. Die rudimentäre hintere Extremität ist
bei II. einzig auf ein fingerlanges, an einem Ende
spitz auslaufendes Stiftchen als Schenkelknochen
Halitsch, s. Halicz. Deduziert.
Na.1itn8 (lat.), .hauch, Dunst; II. kknguinis,
Vlutdunst, der von frischem Blut ausgehende Dunst
von eigentümlichem Geruch; halitös, dunstig,
vom Hauche herrührend.
Halkolögie, die Lehre von den Geschwüren, s.
Halkyöne, s. Alkyone. sGeschwür.
Hall. 1) Oberamt im württemb. Iagstkreis, hat
335,87 <i^ui, (1890) 29 548 (14453 männl., 15095
weibl.) E., 3 Städte und 25 Landgemeinden. -
2)H., auch Schwäbisch-Hall, Oberamtsstadt im
Oberamt H., 75 lim im NO. von Stuttgart, in
einem tiefen Thale zu beiden Seiten des Kocher, an
den Linien Crailsheim-Heilbronn (Kocherbahn) und
Stuttgart-H. (80,4 Wn) der Württemb. Staatsbah-
nen, altertümlich und eng gebaut, ist Sitz des Ober-
amtes, eines Landgerichts (Oberlandesgericht Stutt-
gart) mit 7 Amtsgerichten (Crailsheim, Gaildorf,
H., Langenburg, Künzelsau, Mergcntheim, Ohrin-
gen) und Amtsgerichts und hat (1890) 9000 (4342
männl., 4658 weibl.) E., darunter 630 Katholiken
und 177 Israelitcn, Post, Telegraph, 5 Kirchen,
darunter die got. Haupt- oder Michaeliskirche (1427
-1525) auf einer Terrasse mit Freitreppe, mit Altar-
werk (Grablegung) von Lohkorn, die Katharinen-
kirche (14. Jahrh.) mit schö-
nem Hochaltar und die kath.
Kirche (1885), ein stattliches
Rathaus (1735), paritätisches
Gymnasium, seit1877(Rektor
vr.John, 17 Lehrer, 10 Klas-
sen, 195 Schüler), eine Real-
anstalt,höhereMädchenschule,
ein reiches Hospital, Landes-
gefängnis, eine Saline und
ein Solbad mit einer 1878 erbauten Badeanstalt. Die
Sole wird aus dem 8 kia entfernten Steinfalzberg-
werk Wilhelmsglück hergeleitet. Die Bevölkerung be-
treibt Viehzucht, Fabriken, Handel und Kleingewerbe.
Oberhalb der Vorstadt Unter - Limburg liegt die
Stammburg der Grafen von Limpurg als Ruine.
4 km südlich von H. in Steinbach die Benediktiner-
abtei Komburg (s. d.), jetzt Sitz des Bezirkskom-
mandos und des Ehren-Invalidenkorps. - H. ist
durch seine angeblich schon von den Römern be-
nutzten Salzquellen groß geworden. Es wird ur-
kundlich 887 erwähnt, gehörte im 11. Jahrh, zum Bis-
tum Regensburg, wurde dann eine hohenstaufische
Municipalstadt und machte sich zur Zeit des Inter-
regnums unabhängig. Es blieb Freie Reichsstadt
mit demokratischer Verfassung, bis es 1802 mit
seinem Gebiete (330 ^m mit 20875 E.) an Würt-
temberg kam. Die Reformation wurde bereits 1522
durch Berufung von Johann Brenz eingeführt. Am
11. Febr. 1610 wurde hier die 1608 zu Auhaufen
(s. d.) geschlossene prot. Union erneuert.
HM. 1) Stadt in der österr. Bezirkshauptmann-
schaft Innsbruck in Tirol, 10 km östlich von Inns-
bruck, in 559 in Höhe, am Inn, der hier schiffbar
wird, an der Linie Kufstein-Innsbruck (Brenner-
bahn) der Osterr. Südbahn und der Lokalbahn Inns-
bruck-H., Sitz eines Bezirksgerichts (355,66 gi^n,
23 Gemeinden, 25 Ortschaften, 16314 deutsche kath.
E.), des Berg-Revieramtes für Tirol und Vorarlberg
und einer Berg- und Salinenverwaltung, ist alter-
tümlich gebaut und hat (1890) 5763 E., darunter
92 Italiener, in Garnifon ein Bataillon des 14. ober-
österr. Infanterieregiments "Ludwig, Großherzog
von Hessen", eine Pfarrkirche (1271) mit prächtiger
Vorhalle (15. Jahrh.) von fchwarzen Quadern, der
Waldaufifchen Reliquienkapelle, einem Altarblatt
von einem Schüler Rubens', dem Denkmal des Ti-
roler Freiheitskämpfers Speckbacher und der Kopie
eines Christus von Albrecht Dürer; ein Gym-
nasium, eine Filiale der Staatsgewerbeschule in
Innsbruck, ein Franziskanerkloster, ein Kloster der
Tertiarerinnen, eins der Salesianerinnen mit einem
Erziehungsinstitut, ein Pfründnerhaus, ein Taub-
stummeninstitut und eine Landesirrenanstalt. Von
der alten Münzstätte (später Schloß Haaseck) ist
noch der Münzturm erhalten. Die Industrie er-
streckt sich auf Filzhut-, Beinknopf-, Feuerspritzen-,
Papier-, Tuch-, Kaffeesurrogatfabrikation, Garn-
zwirnerei, Kunstmühle, Salzsiederei (Pfannhaus).
Nördlich liegt im Hallthale 1450 in hoch das
Salzbergwerk, dessen Salz in Wasser gelöst und in
hölzernen Rinnen nach dem Salzwerk in H. 10 km
weit zum Sieden geleitet wird. H. ist unter allen
Salzbergen der ärmste (30-35 Proz.). Die Salz-
erzeugung ist uralt und stammt schon aus vorröm.
Zeit. Sie betrug (1891) 6670 t Siede- und 865 t