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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Halle

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Halle (an der Saale)

Halle an der Saale, früher H. in Sachsen (Halae Saxonum) oder H. im Magdeburgischen genannt, Stadt und Stadtkreis (24,90 qkm) im preuß. Reg.-Bez. Merseburg, liegt 51° 30' nördl. Br. und 11° 58' östl. Länge von Greenwich, in 91 m Höhe (Saalespiegel 80 m), am rechten Ufer der Saale, die westlich der Stadt zahlreiche mit Teilen der Stadt oder Wald, besonders aber mit Wiesen besetzte Inseln bildet und deren Ufer unterhalb der Stadt zwischen den Dörfern Cröllwitz und Giebichenstein schöne Felspartien (Porphyr) zeigen und mit Anlagen geschmückt sind. Der mittlere Luftdruck beträgt (1889) 753 mm, die mittlere Jahrestemperatur 8,8° C. (+31,5 Maximum, -15,8 Minimum), die Niederschlagsmenge 502 mm. (Hierzu ein Stadtplan mit Verzeichnis der Straßen und öffentlichen Gebäude.)


Textfigur:

Bevölkerung. In der ersten Hälfte des 19. Jahrh. bewegte sich die Einwohnerzahl zwischen 20 und 30 000; erst im 5. Jahrzehnt beginnt ein allmähliches, ein- oder zweimal durch Epidemien unterbrochenes Anwachsen der Bevölkerung, welches seit 1871 infolge der Entwicklung der Eisenbahnen sich fortschreitend gesteigert hat. H. hatte 1871: 52 620, 1880: 71 484, 1885: 81 949, 1890: 101 401 (50 628 männl., 50 773 weibl.) E., d. i. eine Zunahme 1885-90 von 19 452 Personen (23,74 Proz.) oder durchschnittlich jährlich 3884 Personen. In Garnison (1254 Mann) liegen das 1. und 3. Bataillon des 36. Füsilierregiments. Dem Religionsbekenntnis nach waren 95 494 Evangelische, 4576 Katholiken, 198 andere Christen, 78 Dissidenten, 919 Israeliten und 136 andern Bekenntnisses; der Staatsangehörigkeit nach 100 866 Deutsche, 270 Österreicher, 22 Ungarn, 16 Holländer, 10 Dänen, 54 Russen und 163 andere und ohne Angabe. 1890 gab es 4687 Wohnhäuser (101 unbewohnte) mit 20 383 Familienhaushaltungen, 1750 (498 männl., 1252 weibl.) einzeln lebenden Personen und 91 Anstalten (1254 Insassen). Geboren waren in H. 42 072, im übrigen Preußen 49 237, im übrigen Deutschen Reiche 9239, im Auslande 846. Die Zahl der Geburten betrug 1892: 4111, (117 Totgeburten), der Sterbefälle 2391, der Eheschließungen 869, der Zugezogenen 21 815, der Abgezogenen 18 987. Rechnet man zu der Einwohnerzahl von (1890) 101 401 noch diejenige der mit der Stadt in engster Interessengemeinschaft stehenden Ortschaften Giebichenstein (14 487 E.), Trotha (3505), Cröllwitz (2161), Irrenanstalt Nietleben (980), Cementfabrik (8), Gutsgehöft Gimritz mit Peißnitz (120), Böllberg (364), Wörmlitz (913), Hallesche Firmen in Büschdorf (47) und Diemitz (977), so ergiebt sich für das wirtschaftliche Weichbild von Groß-Halle insgesamt eine Einwohnerzahl (1890) von 124 963.

Anlage. Die Stadt, welche aus der eigentlichen Stadt mit fünf Vorstädten und den beiden, erst 1817 mit ihr vereinigten Amtsstädten Glaucha und Neumarkt erwuchs, hat in den alten Stadtteilen meist winklige und enge Straßen; doch hat sich ihr Äußeres in neuester Zeit durch Regulierung der Straßen, namentlich infolge der Abtragung der mittelalterlichen Befestigungen und durch die Anlage neuer Stadtteile im Norden und Süden bedeutend ↔ verschönert. Im Norden stößt das Weichbild der Stadt mit dem von Giebichenstein (s. d.), dessen Einverleibung geplant ist, dicht zusammen.

Gebäude und Denkmäler. Besonders zeichnet sich aus die got. Marienkirche durch ihre vier Türme und die eigentümlich schöne Bauart im Innern, 1529-54 vom Erzbischof Kardinal Albrecht von Magdeburg und Mainz aufgeführt; die Ulrichskirche, die 1339 als Kirche des Servitenklosters erbaut wurde und 1531 ihren jetzigen Namen erhielt; die Moritzkirche (12. Jahrh.); der 1520-23 vom Kardinal Albrecht erbaute (reform.) Dom; sonst sind hervorzuheben: der sog. Rote Turm (15. Jahrh.) mit einem sehr alten steinernen Rolandsbilde, das altertümliche, 1883 renovierte Rathaus, das Wagegebäude und das schöne 1892 - 93 erbaute Ratskellergebäude, sämtlich am Markte, ferner die 1484-1513 erbaute Moritzburg am Paradeplatze, früher Citadelle und Residenz der Erzbischöfe und Administratoren von Magdeburg, seit dem Dreißigjährigen Kriege Ruine, das Militärlazarett, die Freimaurerloge zu den drei Degen, das neue Physikalische Institut der Universität mit großartigen Sammlungen, die Franckeschen Stiftungen (s. d.) mit dem 1829 errichteten ehernen Standbild des Gründers, die Universität (1834) mit Fresken von Spangenberg im Treppenhaus, die vier Fakultäten und berühmte Professoren darstellend, daneben das neue archäol. Museum (nach Plänen von Hagemann, 1891 eingeweiht), das 1884-86 von H. Seeling-Berlin erbaute Stadttheater, das Gebäude der preuß. Lebensversicherung in Barockstil, die Oberpostdirektion, das Landgericht, im NW. das Diakonissenhaus, das Martinsstift, im NO. das Stadtgymnasium, die neue Universitätsbibliothek (1880), der stattliche Neubau des Oberbergamtes, die neuerrichtete Loge zu den fünf Türmen am Salzquell und im O. die ausgedehnten Backstein-Neubauten der Universitätskliniken (chirurgische, medizinische, gynäkologische, Nerven- und Irren-, Augen- und Ohrenkliniken, Anatomie, das pathol. und das physiol. Institut) inmitten schöner Gartenanlagen. Auf dem Markte erhebt sich das Standbild (1859) des in H. geborenen Händel, gegenüber ein got. Brunnendenkmal (Kriegerdenkmal von H. Stier, mit Landsknecht auf der Spitze, von F. Schaper).

Verwaltung. Die Stadt wird verwaltet (1893) von einem Oberbürgermeister (Staude, seit 1882, 12 000 M.), Bürgermeister (Dr. Schmidt, 8000 M.), 15 Magistratsmitgliedern (7 besoldet) und 54 Stadtverordneten. Die Berufsfeuerwehr besteht aus einem Branddirektor, 2 Feldwebeln und 30 Feuerwehrleuten und hat 1 Dampf- und 5 andere Spritzen mit 6 Pferden und 112 Feuermelder (42 km Leitung); die Freiwillige Feuerwehr zählt 70 Mann. Das städtische Wasserwerk (seit 1868 im Betrieb) hat ein Rohrnetz von 91,12 km und lieferte (1891) 3 653 344 cbm Wasser. Die beiden städtischen Gasanstalten gaben (1892) 4 820 418,54 cbm Gas ab für 1850 Konsumenten (1907 Gasmesser, 2192 öffentliche und 29 658 Privatflammen, 68 Gasmotoren mit 277 Pferdestärken). Zahlreiche Privatgebäude sowie die Bahnhofsanlagen haben elektrische Beleuchtung. Auf dem städtischen Schlacht- und Viehhofe wurden vom 9. Jan. bis 31. März 1893 aufgetrieben 445 Stück Rindvieh, 2116 Schweine, 447 Kälber und 1551 Hammel; geschlachtet wurden 1681 Stück Rindvieh, 5313 Schweine, 3828 Kälber, 3376 Hammel und 163 Pferde.

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 679.