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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hamburg
werden 80 durch alle steuerzahlenden Bürger, 40
durch die im städtischen Gebiete Grundeigentum
besitzenden Bürger und 40 durch die jetzigen und
frühern Mitglieder der Gerichte und Verwaltungs-
behörden gewählt. Die Wahl gilt für sechs Jahre'
alle drei Jahre wird die eine Hälfte der Bürgerschaft
erneuert. Der aus 20 Abgeordneten bestehende Vür-
gerausschuß ist befugt, in einzelnen Fällen Anträge
des Senats, namentlich Ausgaben für unvorher-
gesehene Fälle, zu genehmigen. Im allgemeinen
bernht jedoch die Gesetzgebung auf dem überein-
stimmenden Beschlusse des Senats und der Bür-
gerschaft. Für die Rechtspflege besteht seit Ein-
führung der Reichsjustizgesetze (1. Okt. 1879) ein
mit Bremen und Lübeck gemeinsames Oberlandes-
gericht zu H. (s. unten). Durch die Verfassung ist
eine strenge Verantwortlichkeit der Verwaltungs-
behörden gewährleistet. Jede Verwaltungsabtei-
lung (Deputation.) besteht aus ein bis drei Se-
natsmitgliedern und einer Anzahl von Bürgern
unter dem Vorsitz eines Senatsmitgliedes. Dies
gilt auch von der Finanzdeputation, die früher nur
aus Bürgern bestand. Die bürgerlichen Mitglieder
der Deputation bekleiden ihr Amt unentgeltlich und
dürfen die Wahl nicht ablehnen. Durch das religiöse
Bekenntnis wird der Genuß der bürgerlichen Rechte
in keiner Weise beschränkt. Das gesamte Schulwesen
wird durch die Oberschulbehörde geleitet, welche aus
Senats- und bürgerlichen Mitgliedern sowie aus
Schulmännern zusammengesetzt ist.
Zum Deutscheu Reichstag entsendet H. drei Ab-
geordnete (Molkeubuhr, Dietz, Metzger, sämtlich
Socialdemokraten). Nach einer 15. Juni 1867 mit
Prenhen abgeschlossenen Militärkonvention wurde
das frühere hamburgische Kontingent 1. Okt. 1867
aufgelöst, wogegen zwei preuß. Bataillone (s. unten)
des 9. Armeekorps Friedensgarnison der "Htadt wur-
den, um die Militärpflichtigen in sich aufzunehmen.
Das Wappen von H. stellt eine dreitürmige
silberne Burg in rotem Felde dar; das Wappenschild
wird von zwei
Löwen gehal-
ten und von
einemHelmmit
Fahnen und
Pfauenfedern
bedeckt.
Die Lan-
desfarben
sind Weiß und
Rot. Die frü-
here Handels-
flagge (rot mit
dendreiweißen
Maucrtürmen)
dient gegenwärtig nur noch als Nebenflagge.
Fiuauzeu. Der.hauptteil des Staatsver-
inögens besteht in den Hafenc'mrichtungen und
Gebäuden, doch ist auch der sonstige Grundbesitz
des Staates sehr bedeutend. Die Schulden er-
scheinen im Vergleich zur Einwohnerzahl sehr hoch,
da sie aber znm größten Teil auf produktive Bauten
verwandt sind, so bilden sie keine drückende Last.
DieVerschuldung betrug 1870:121,05,1880:139,89,
1884: 152,57 MM. M. und steigerte sich infolge der
umfangreichen, durch den Zollauschluß veranlaßten
Bauten auf 236,"i in: I. 1888 und 280,90 im
1.1892. Hiervon entfielen 111,9l Mill. M. anf
die seit 1878 eingeführte 3V2PW3. Staatsrente,
40 Mill. M. kamen auf 3proz. und ebensoviel auf
3^proz. Staatsanleihen, 11,n Mill. M. auf Prä-
mienanleihen und der Rest bestand aus temporären
Anleihen und ältern Schulden. Die Einnahmen
beliefen sich 1870 auf 16,06, 1880 auf 29,98,1885"
auf 38,34, 1890 auf 58,12 und sind für 1893 im
ordentlichen Etat auf 65,3?? Mill. M. veranschlagt.
Hierzu liefern Domänen und Regalien! 4,?85 Mill.M.
(darunter 2,048 Mill. M. aus Grundmieten und Mie-
ten von Gebäuden, 2,702 von der Stadtwasserkuust,
4,i8? von den Gas- und Elektricitätswerken, 1,i9ü
von den Quaianlagen, 1,370 Mill. M. von der Lot-
terie), ferner Steuern und Abgaben 37,385 Mill.M.
(10 Mill. M. Einkommensteuer, 11,159 Grundsteuer,
1,822 Stempelabgabe, 1,420 Tonnengeld, 2,000 Im-
mobilienabgabe, 4,100 vom Zollweseu, 4,831 Mill. M.
Anteil von dem Mehrertrag der Zölle)' ferner er-
gaben die Gebübren und fonstigen Einnahmen der
Behörden 8,928 Mill. M., wozu noch der Ausfall im
ordentlichen Etat mit4,279 Mill. M. kam. Die Aus -
gaben sind im gleichen Maße gewachsen, in ein-
zelnen Jahren überschritten sie die Einnahmen, meist
blieben sie aber beträchtlich hinter denselben zurück.
Es wurden verausgabt 1870: 16,0?, 1880: 30,59,
1885: 36,i8 und 1890: 51,05 Mill. M. Für 1893
sind die Ausgaben im ordentlichen Etat auf 65,377
Mill. M. veranfchlagt, davon kommen auf Senat
und Bürgerschaft 0,?62, Fiuanzverwaltung 15,156
(darunter 11,737 Mill. M. für Verzinsung und Amor-
tisatiou der Staatsschuld), ferner auf Haudel und
Gewerbe 1,449, auf öffentliche Bauten 11,403, anf
das Unterrichtswefen 6,343 Mill. M. (und zwar
4,49i Mill. M. für die Volksschulen im städtischen
Gebiete), ferner 2,902 auf Iustizweseu, 9,638 Mill. M.
auf Polizei und andere innere Angelegenheiten (dar-
unter 4,753 Mill. M. für die Polizeiverwaltung
allein), auf öffentliche Wohlthätigkeit 6,477, Zoll-
wesen 4,2?4, Neichshaushalt-Eta't 3,936 Mill.M.
Im außerordentlichen Etat beliefeu sich Einnahmen
wie Ausgaben auf 12,477 Mill. M., die zum größten
Teil auf das Bauwesen entfielen. Während die Be-
willigungen aus Anleihen bez. Überschüsse 1875
-79: 28,7 bez. 8,9 Mill. M. betragen hatten, stie-
gen sie in den nächsten süns Jahren auf 108,8 bez.
5,4 und erreichten in den folgenden fünf Jahren
1885-89: 51,i bez. 16,5 Mill.' M.
2) Die Stadt H., die größte der Haufestädte und
erste Handelsstadt Deutschlands, liegt 53° 33' nördl.
Br. und 9° 59' östl. L. von Greenwich, in einer höhe,
die von 1 in (Elbspiegel) bis zu 33 m ansteigt, zum
größten Teil am rechten Ufer des uördl. Arms der
bier geteilten Elbe, etwa 110 km von der Mün-
! dnng derselben in die Nordsee, von Berlin 285, von
Bremen 114, von Lübeck 63 km entfernt, und hat
eine Ausdehnung von 9,8 km (O. nach W.) und
10,5 km (S. nach N.) und 50,3 km Umfang. Von der
Gesamtfläche (7665 Iia) sind 1950 d". Gebände und
Hose, 760 I^n, Straßen, 1080 lia. Wasserfläche, 2151^
öffentlicheAnlagcnundBegräbnisplätzeund 38291i3.
gärtnerifch und landwirtschaftlich benutzt. Dermitt-
lere Luftdruck beträgt 760,8 mm, die mittlere Jahres-
^ temperatur 8,0° (^. (^ 32,<>" (^. Marimum, -19,8° c>.
Minimum), die mittlere Temperatur des Januar
- 0,4, des April 7,in, des Juli 17,3, des Oktober
8,9° <ü., die Niederschlägst)öhe 728 mm. (Hierzu ein
Plan: Hamburg-Altona mit Verzeichnis der
Straßen, Plätze und öffentlichen Gebäude.)
Bevölkerung. Die ortsanwesende Bevölke-
rung der Stadt mit Einschluß der Bewohner auf