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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hamburg
fachen, eines Amtsgerichts, einer Reichsbankhaupt-
stelle (Gesamtumsatz 1892: 12294,192 Mill. M.,
darunter Lombardverkehr 48,?86, Wechselverkehr
1000,318, Anweisungsverkehr 3,908, Giroverkehr
N I6s,959, Verkehr mit Reichs-und andern Staats-
kassen 82,219 Mill. M.), einer Oberpostdirektion
für die Gebiete der Freien und Hansestädte H. und
Lübeck, für Teile der preuß. Reg.-Bez. Lüneburg
und Stade und für den südöstl. Teil der Provinz
Schleswig-Holstein, einschließlich des Kreises Her-
zogtum Lauenburg sowie für die oldenburg. En-
klave Stockelsdorf und für Helgoland, mit 2314 km
oberirdischen Telegraphenlinien (21680 km Leitun-
gen, einschließlich 14465 km Stadtfernsprechan-
lagen) und 219 Verkehrsanstalten, ferner des Be-
kleidungsamtes des 9. Armeekorps und zahlreicher
Konsulate von europ. und überseeischen Staaten.
Unterrichts- und Bildungswesen. Die
Gelehrtenschule des Johannenms ist unter Leitung
Vugenhagens als fünfklassige Lateinschnle im Do-
minikanerkloster St. Johannis eingerichtet und
24. Mai 1529 eingeweiht (Direktor Dr. Schulteß,
32 Lehrer, 18 Klassen, 500 Schüler). 1612 wurden
ein akademisches Gymnasium und 1803 bei der Re-
organisation Realklassen angefügt, ans denen später
das Realgymnasinm (Direktor Dr. Friedländer,
38 Lehrer, 18 Klassen mit 53 l. Schülern, 6 Vorschnl-
klassen mit 249 Schülern) gebildet wurde; ferner be-
stehen das Wilhelmgymnasium, 1881 gegründet (Di-
rektor Wegehaupt, 29 Lehrer, 18 Klassen, 490 Schü-
ler), 4 Realschulen, 4 Höhcrc Stiftungsfchulen (Real-
schule der reform. Gemeinde, Stiftungsschule von
1819, Talmud Tora, Paulinum in Horn), 5 höhere
Privatknabenschnlen, 5 höhere und mittlere Mäd-
chenschulen, 65 höhere Privatmädchenschulen, ein
Lehrerinnenseminar und höhere Mädchenschule des
Klosters St. Johannis, ein Lehrerseminar mit
Präparandenanstalt und Seminarknabenschule, ein
LehrerinnenselninarmitSeminarlnädchenschule,eine
staatliche Allgemeine Gewerbeschule, verbunden mit
Bauhandwerkerschule, eine Gcwerbeschnlc für Mäd-
chen, ein Konservatorinm für Musik, Tanbstummen-
anstalt und Blindenanstalt von 1830; endlich eine
staatlicheNavigationsschule im Seemannshause und
die private Seemannsschule auf Waltershof. Im
städtischen Gebiete bestanden (1892) 93 Volksschulen
mit 66 690 Schulkindern.
Sammlungen. Die Stadtbibliothek enthält
500000 Bände und Dissertationen und etwa 5000
Handschriften. Die Handelskammer hat eine bedeu-
tende Kommerzbibliothek (100000 Bände), beson-
ders reich an Werken über Volkswirtschaft, Geo-
graphie, Statistik und Geschichte. Das neue Natur-
historische Museum am Steinthor birgt reiche natur-
geschichtliche Sammlungen und die Sammlung vor-
geschichtlicher Altertümer; ferner bestehen das Mu-
seum für Völkerkunde, das Votanische Museum mit
Laboratorium für Warenkunde, der Botanische
Garten, das Physik, und das chem. Staatslabora-
torium, das Hygieinische Institut, die Sammluug
hamburgischer Altertümer und die Sternwarte.
Den ersten Platz unter den Kunstinstituten
nimmt die Kunsthalle am Wall ein (1863 - 68 er-
baut, 1884-86 erweitert) mit einer Sammlung von
ältern Meistcrn, besonders Niederländern, ferner
der deutschen und engl. (Schwabe-Stiftung) schule.
Andere wertvolle Gemäldesammlungen befinden sich
imVesitz von Privatpersonen. Eine außerordentlich
reichhaltige Sammlung kunstgewerblicher Gegen-
stände ist in dem 1877 errichteten Museum für
Kunst und Gewerbe vereinigt.
Von den sechs Theatern gehören das Stadt-
theater und das Thaliatheater zu den ersten Büh-
nen Deutschlands: die Vereinigten Stadttheater zu
H. und Altona (Aktiengesellschaft, mit 2000 bez.
1050 Zuschauerplätzen) sind verpachtet an Pollini;
das Thaliatheater (1600 Plätze) und das Carl-
Schultze-Theater (1500 Plätze) sind gleichfalls ver-
pachtet. Berühmt sind die Bülow-Konzerte im Kon-
ventgarten. In H. erscheinen u. a. sechs polit.Zei-
tungen, darunter "Hamburger Nachrichten" (s. d.),
"Hamburgischcr Correspondent" (s. d.), "Hambur-
gische Börsenhalle" (s. d.), "Hamburger Fremden-
dlatt", das socialdemokratische "Hamburger Echo".
Vereiuswesen und Kassen. Von wissen-
schaftlichen Vereinen sind zu nennen: die Geo-
graphische Gesellschaft als die größte (700 Mit-
glieder), die Mathematische Gesellschaft (1690 ge-
gründet) als die älteste und der Verein für Kunst
und Wissenschaft; ferner der Architekten- und In-
genieurvcrein, der Verein für öffentliche Gesund-
heitspflege, der Gewerbeverein, der Kunstgewerde-
verein, der Kunstverein, der Journalisten- und
Schriststellcrverein, der Verein für Hamburgische
Geschickte, der Verein Hamburgischer Staatsbeam-
ten (1600 Mitglieder), der Nautische Verein, der
Verein sür innere Mission (1848 von Wichern ge-
gründet), zahlreiche Vürgervereine (die sich mit kom-
munalen Angelegenheiten befassen), der Verein für
Handlungscommis (1.858) mit 40000 Mitgliedern;
er vermittelt kostenfrei Stellen für Mitglieder und
besitzt eine Kranken- und Begräbnis- sowie eine
Pensionskafse; ferner bestehen zwei Sparkassen mit
105 Mill. M. Einlagen, Vorschuß-, Kranken-, Unter-
stützungs-, Pensions- und Sterbekassen, endlich sechs
Freimaurerlogen (Große Loge von H., Provinzial-
loge von Niedersachsen, Loge Globus und die Logen
des eklektischen Bundes).
Wohlthätigkcitsanstalten. Das alte allge-
meine Krankenhaus in St. Georg (1823) und das
neue in Eppendorf (1890) für 1360 Kranke sind
staatlich, während das Vercinshospital, Marien-
trankenhaus, Freimaurerkrantenhaus, israel. Krau-
kcnhaus, Bethesda, Kinderkrankenhaus aus Privat-
mitteln errichtet sind. Das Secmannshaus ist zur
Unterkunft für Seeleute bestimmt und hat ein vom
Staate unterhaltenes Krankenhaus. In Barmbeck
liegt die 1861-64 errichtete und später erweiterte
IrrenanstaltFriedrichsberg, in Langenhorn (nördlich
von H.) die 1893 eröffnete landwirtschaftliche Kolo-
nie für Geisteskranke; ferner gehören hierher die
Entbindungsanstalt, das Werk- und Armenhaus,
das Waisenhaus; eine staatliche Beihilfe erhalten
die Taubstummen- und die Blindenanstalt. Von
den zahlreichen privaten Stiftungen ist die größte
das Schröder-Stift, 1852 vom Freiherrn von Schrö-
der errichtet und später erweitert, mit 200 Frei-
wohnungen für Männer und Frauen, die anßerdem
eine jährliche Beihilfe von je 120 M. erhalten. Er-
wähnenswert sind endlich das Rauhe Haus (s. d.) in
Horn, die Alsterdorfer Anstalten für schwache und
blödsinnige Kinder, errichtet und geleitet von Pastor
Sengelmann und die neun Volkskaffeehallcn.
Industrie. Durch den Anschluß an das Zoll-
gebiet und die Beibehaltung eines Freihafengebie-
tes, in welchem die Errichtung gewerblicher An-
lagen gestattet ist, hat sich die Industrie außeror-
dentlich entwickelt; am meisten gewachsen sind na-