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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hamdaniden - Hameln
oder Teneriffa gehen. Monatlich gehen 8 Dampfer,
4 nach den Brasilhäfen, 4 nach dem Platastrom ab.
Das Aktienkapital besteht aus 3 750000 M. nebst
zwei Prioritätsanlcihen im Betrage von 1500000
und 4 Mill. M., während die Dampfer mehr als
den doppelten Wert haben.
Hamdaniden, Name eines arab. Fürstenae-
schlechts aus dem Stamme Taghlib, das in Haleb
und Mosul von 929 bis 978 regierte. Die Vor-
fahren der H. hatten zum Teil bedeutende Würden
am Hofe der abbäsidischen Chalifen bekleidet. Einer
derselben/Abd allah Abü'l-Haidscha ibn Hamdän,
der sich an einem Aufstand gegen den Chalifen
Muktadir beteiligt hatte, wurde 929 erfchlagen. Er
hinterließ zwei Sohne, Seif abdaula und Näßir al-
daula, welche der Chalif Al-Rädhi Billähi mit Pro-
vinzen feines Reichs, und zwar erstern mit Haleb,
letztern mit Moful belehnte. Trotz ihrer nominellen
Abhängigkeit von der Macht des Chalifats fpielten
fie allmählich die Rolle selbständiger Herrfcher, präg-
ten Münzen auf ihren Namenund führten selbständig
Kriege, namentlich gegen die Byzantiner. Als Seif
al-daula 967 starb, folgte ihm sein Sohn Sa'd al-
daula Abü'l Ma'äli. Des erstern Bruder, Näßir
al-daula, wurde 969 von seinem eigenen Sohne
'Uddat al-daula Abu Taghlib entthront und wahr-
scheinlich ermordet. Abu Taghlib bemächtigte sich
der Herrschaft, lebte aber in steter Fehde mit seinem
Vetter und konnte dem Andränge der Vüjiden keinen
kräftigen Widerstand leisten. 978 endet die Herr-
schaft der H.; Abu Taghlib wurde 979 enthauptet.
Die H. nehmen einen ehrenvollen Platz in der arab.
Litteraturgeschichte ein durch den Schutz und die
Förderung, welche einige von ihnen Dichtern und
Gelehrten angcdeihen ließen. An Seif al-daulas
Hofe lebte der Dichter Mutanabbi, seines Schutzes
erfreute sich der Philosoph Fürabi, ihm ist das große
Aghaniwerk gewidmet. - Quellen zur Geschichte
der H. hat Freytag (1819-20) zugänglich gemacht.
Hamdi Bey, Osman, türk. Staatsmann und
Gelehrter, geb. 1842 zu Konstantinopel, Sohn
Edhem Paschas, ging 1857 nach Paris und studierte
Rechtswissenschaft. 1868-70 war H. B. Gouver-
neur des Wilajets Bagdad, 1873 Delegierter der
Pforte auf der Weltallsstellung in Wien, hierauf
Generalsekretär im Ministerium des Auswärtigen,
dann Chef der Municipalität von Pera. Seit 1882
ist H. B. Direktor der kaiserl. Museen zu Stambul
und seit 1888 auch Beamter in der Staatsschulden-
verwaltung. H. B. ist auch ein tüchtiger Maler,
namentlich bekannt durch seine Darstellungen türt.
Interieurs. Besondere Verdienste erwarb er sich
durch die Begründung einer 1882 eröffneten türk.
Kunstschule t^c0i6ä68d6aux-3.i't8), die das Studiuin
der Malerei, Skulptur u. s. w., zum Teil im Wider-
spruch zu den religiösen Traditionen des Islam,
ermöglicht. Neben dem Tschinili-Kiosk im äußern
Hofe des "alten Serail" wurde unter seiner Leitung
1892 ein in griech. Stil ausgeführter Neubau
vollendet zur Aufnahme der aus der alten Nekropole
zu Sidon (Sa'ida) in Syrien ausgegrabenen Sar-
kophage. (S. Konstantinopel.) Er gab mit Th.
Reinach heraus "I^a, ^cropois ro)^i6 äß siäon"
(Par. 1892 - 93). Ein Zauptverdienst H. V.s be-
steht darin, daß er die Begünstigung der Wissen-
schaften und Künste durch den Sultan Abdul-Ha-
mid ll. zum Vorteil seiner Nation zu verwerten
versteht. Im neuen Museum wird unter seiner
Leitung eine Bibliothek und eine Ausstellung von
Gegenständen türk. Kunst sowie auch ein natur-
histor. Museum eröffnet.
Hameln. 1) Kreis im preuß. Reg.-Bez. Hanno-
ver, hat 575,3? <^m, (1890)52 031 (26 090 männl.,
25 941 weibl.) E., 2 Städte, 78 Landgemeinden und
12 Gutsbezirke. - 2) Kreisstadt im Kreis H., 40 kni
füdwestlich von Hannover, an
der Hamel und Weser, über die
eineKettenbrücke (238 m) führt,
und an den Linien Hannover-
Altenbeken und Goslar-Löhne
derPreuß.Staatsbahnen,Sitz
des Kreisamtes, eines Amts-
gerichts (Landgericht Han-
nover), einer Oberförsterei
und Reichsbanknebenstelle, bat
(1890) 13 675 E., darunter 1041 Katholiken und 240
Israeliten, in Garnison (555 Mann) das 3. Batail-
lon des 79. Infanterieregiments von Voigts-Rhetz,
Post erster Klasse mit Zweigstelle, Telegraph, vier
Kirchen, darunter das 1872 restaurierte Münster
mit alter Krypta, ein städtisches und königl. Gym-
nasium mit Realprogymnasium (Direktor Dr. Dör-
ries, 10 Gymnasialklassen mit 264 Schülern, 3 Real-
klassen mit 71 Schülern, 2 Vorklassen, 83 Schü-
ler), eine höhere Mädchenschule, eine Privatmäd-
chenschule, Stadtkrankenhaus und ein Bezirksge-
fängnis. Die besonders nach dem Siebenjährigen
Kriege angelegten Festungswerke wurden 1807 auf
Befehl Napoleons 1. geschleift. Einige Überreste
sind noch vorhanden, Teile der Ringmauer und
einige Warttürme, die in Verbindung mit einer
Reihe älterer Häuser der Stadt ihren mittelalter-
lichen Charakter bewahrt haben.
An Fabriken bestehen eine Zuckerrafsinerie, Papier-
fabrik, Spinnerei, Maschinen- und Lederfabriken,
4 Brennereien; ferner 3 Mühlen, 2 Brauereien,
Ziegeleien; städtisch^ Spar- und Leihkasse und ein
Kreditverein. Der Schiffsverkehr auf der Wefer ist
bedeutend und wird durch eine )872 vergrößerte
Schleufe und eine Gleisverbindung unterstützt.
Durch Dampfboote steht H. mit Carlshasen und
Münden in Verbindung.
H. verdankt dein Stift St. Bonifaz feinen Ur-
fprung. Karl d. Gr. übergab das Stift im Welt-
lichen dem Abt von Fnlda, im Geistlichen dem Bi-
fchof von Minden; die Grafen von Eberstein hatten
die Schutzvogtei. Bereits im N. Jahrh, war H.
als Stadt vorhanden, und später erscheint es als
Mitglied der Hansa; 1259 wurde die Stadt von
Fulda an den Bischof von Minden vertauft, und
als über diefcn Kauf eine heftige Fehde entstand, in
welcher durch die Schlacht bei (^edemünder (28. Juli
1259), zwischen Springe und Altenhagen, viele
Bürger das Leben verloren, kam sie an das Haus
Braunschweig. Die (^tadt ist kriegsgeschichtlich de-
kannt durch die Schlacht der Schweden gegen die
Kaiserlichen 1633 sowie durch verschiedene Kapitu-
lationen von 1757, 1803 und 1806.
An die Stadt knüpft sich auch die alte Sage vom
Rattenfänger von H., durch Goethe (1804),
Simrock (1831), Müller von Königswinter (1856),
Iul. Wolff (1875), Browning poetifch, als Sing-
spiel von C. P. Berger (Musik von Franz Gläser,
1837), als Oper von Friedrich Hofmann (Musik
von Nesiler, 1879), als Sinfonie von Geißler
u. a. bearbeitet. Am 26. Juni 1259 soll näm-
lich ein Zauberer mittels einer Pfeife alle Ratten
der Stadt und der Umgegend in die Weser geführt,