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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hammerklavier – Hammerstein (Geschlecht)

Hammerklavier, s. Pianoforte.

Hämmerlein, s. Thomas a Kempis.

Hammerleßgewehr, s. Jagdgewehre.

Hammermaschine, eine namentlich bei größern Schraubenschiffsmaschinen angewendete Bauart, die darin besteht, daß die vertikalen Cylinder auf seitlichen Ständern oder zweiseitigen sog. A-Ständern befestigt sind, die auf der die Lager für die Kurbelwelle enthaltenden Grundplatte stehen. Der Aufbau dieser Maschinen hat Ähnlichkeit mit dem der Dampfhämmer, bei denen der Dampfcylinder auch von dem Ständer getragen wird, daher die Benennung. Diese Bauart findet auch bei stationären Maschinen, insbesondere solchen für den Betrieb von Dynamomaschinen oft Anwendung. (S. Tafel: Dampfmaschinen IV, Fig. 3, sowie Tafel: Dampfschiff II, Fig. 1.)

Hammermuschel (Malleus), eine zur Familie der Vogelmuscheln (s. d.) gehörige Muschel mit schmaler verlängerter Schale, die vorn neben dem Schloß jederseits in einen langen schmalen Fortsatz ausgezogen ist. Eine Art (Malleus vulgaris Lam.) ist schwarzbraun, eine andere (Malleus albus Chemnitz) ist weiß. Beide bewohnen den Indischen Ocean und standen früher bei den Sammlern hoch im Preis.

Hammerpochwerk, s. Pochwerk.

Hammer-Purgstall, Jos., Freiherr von, Orientalist, geb. 9. Juni 1774 zu Graz in Steiermark, erhielt seine Bildung seit 1788 in Wien in der orient. Akademie. Nachdem er an der Herausgabe von Meninskis arab.-pers.-türk. Lexikon teilgenommen, wurde er 1796 Sekretär im Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten. Er kam 1799 als sog. Sprachknabe nach Konstantinopel zu dem Internuntius Baron Herbert, der ihn später nach Ägypten sendete, und machte als Dolmetscher und Sekretär den Feldzug unter Hutchinson, Sidney Smith und Jussuf Pascha gegen Menou mit. Im April 1802 nach Wien zurückgekehrt, ging er im August wieder als Legationssekretär nach Konstantinopel und 1806 als Konsularagent in die Moldau. Seit 1807 in Wien angestellt, wurde er 1811 zum Wirkl. Rat und Hofdolmetscher und 1817 zum kaiserl. Hofrat befördert, auch 1835, nachdem er die in Steiermark gelegenen Güter der Gräfin von Purgstall bei dem Aussterben dieses Geschlechts ererbt hatte, unter dem Namen Hammer-Purgstall in den Freiherrenstand erhoben. 1847 wurde H. zum Präsidenten der neubegründeten Akademie erwählt, legte aber die Stelle 1849 nieder. Noch fortwährend als Hofrat im außerordentlichen Dienst beim Ministerium des Äußern thätig, starb er 23. Nov. 1856 zu Wien. Seine Bedeutung liegt darin, daß er durch seine litterarhistor. Arbeiten und durch zahlreiche Übersetzungen orient. Dichtungen weitern Kreisen den arab.-pers.-türk. Orient näher gebracht hat. Auch Goethe bekennt («Westöstlicher Diwan»), ihm viel schuldig zu sein. H. schrieb u. a.: «Die Staatsverfassung und Staatsverwaltung des Osmanischen Reichs» (2 Bde., Wien 1814), «Umblick auf einer Reise von Konstantinopel nach Brussa» (Pest 1818), «Constantinopolis und der Bosporus» (2 Bde., ebd. 1821), «Geschichte des Osmanischen Reichs» (10 Bde., ebd. 1827–34; 2. Aufl. in 4 Bdn., 1835–36), «Geschichte der Assassinen» (Stuttg. und Tüb 1818), «Gemäldesaal moslem. Herrscher» (6 Bde., Darmst. 1837–39), «Geschichte der Goldenen Horde im Kiptschak» (Pest 1840), «Geschichte der Ilchane» (2 Bde., Darmst. 1813), "Geschichte der Chane der ↔ Krim» (Wien 1856); dann auf dem Gebiete der Litteraturgeschichte: «Geschichte der schönen Redekünste Persiens» (Wien 1818), «Geschichte der osman. Dichtkunst» (4 Bde., Pest 1836–38), «Litteraturgeschichte der Araber» (Bd. 1–7, Wien 1850–57). Unter den zahlreichen, freilich nur mit großer Vorsicht zu benutzenden Veröffentlichungen orient. Texte sind nennenswert Faslis «Gül und Bülbül» (Lpz. und Pest 1834), Samachscharis «Goldene Halsbänder» (Wien 1835), Mahmud Schebisteris «Rosenflur des Geheimnisses» (Pest 1838), «Der Falknerklee» (ebd. 1840), das Geschichtswerk des Persers Wassaw, Bd. 1 (Wien 1856) u.s.w. Aus dem Persischen übersetzte er den «Diwan des Hafiz» (Tüb. 1812), aus dem Arabischen den Lyriker «Motanebbi» (1824) und aus dem Türkischen die lyrischen Gedichte des «Baki» (1825). Von H. ist auch die Dichtung «Memnons Dreiklang» (Wien 1823) sowie die «Zeitwarte des Gebets» (ebd. 1844), ein Gebetbuch in arab. und deutscher Sprache. Die «Betrachtungen des Marc Aurel» übersetzte er ins Persische (ebd. 1831). Auch begründete er die Zeitschrift «Fundgruben des Orients» (6 Bde., ebd. 1810–19). – Vgl. Schlottmann, Joseph von H. (Zür. 1857).

Hammerschlag, s. Glühspan.

Hammerschlagsrecht, auch Leiterrecht (frz. tour d‘échelle, vom Code civil abgeschafft), nennt man die einem Grundbesitzer zustehende Befugnis, behufs der Aufführung oder Ausbesserung eines Gebäudes, einer Mauer, eines Zauns u. dgl. das Grundstück des Nachbars zu betreten. Es ist nur partikularrechtlich anerkannt.

Hammershus, ehemals eine feste Burg, unweit der nordwestl. Spitze der dän. Insel Bornholm, liegt jetzt in großartigen Trümmern. Im Mittelalter stritten die Erzbischöfe von Lund mit den dän. Königen um den Besitz; mehrmals diente sie auch als Staatsgefängnis.

Hammersmith, früher ein Dorf, jetzt Vorstadt Londons, in der Grafschaft Middlesex, am Nordufer der Themse, im WSW. vom Hydepark gelegen, hat als Parlamentsborough (1891) 97237 E. H. war berühmt durch seine Blumen- und Gemüsegärten.

Hammerstein, Stadt im Kreis Schlochau des preuß. Reg.-Bez. Marienwerder, 28 km westlich von Schlochau, an der Zahne und der Nebenlinie Runow-Neustettin-Konitz der Preuß. Staatsbahnen, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Konitz), hat (1890) 2986 E., darunter 277 Evangelische und 139 Israeliten, Post, im Sommer mit Zweigstelle auf dem Schießplatz, Telegraph, eine Dampfsägemühle und bedeutende Viehmärkte. Dabei die Oberförsterei H., früher Rittergut Schloß-Hammerstein. H. war früher ein Hammerwerk und hieß Hammerstern.

Hammerstein, ein in Hannover, Mecklenburg-Schwerin, Osterreich u.s.w. angesessenes Geschlecht, das seinen Stammbaum auf einen um 1395 gestorbenen Arnold von H. zurückführt. – Graf Otto von H., Graf der Wetterau, genannt nach seiner Burg auf einem Felsen am Rhein, Andernach gegenüber, war vermählt mit Irmingard, die ihm noch innerhalb der verbotenen Grade verwandt war. Kaiser Heinrich II. forderte die Trennung der Ehe, und da sich Otto weder durch Acht noch durch Exkommunikation zwingen ließ, eroberte der Kaiser 1020 die Burg nach langer Belagerung. 1023 entsagte Otto seiner Gattin und erhielt die Burg zurück. Irmingard blieb fest, pilgerte nach Rom und fand bei Benedikt VIII. günstige Aufnahme. Unter Kaiser

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 723.