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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hanau (Fürstin von) - Hancornia
einer Gedenktafel. Vor dem Friedhof steht ein Sand-
steinobelisk (1775), in der Nähe des Schlosses eine
Säule zur Erinnerung an die Einnahme der Stadt
1638. Ferner besitzt H. ein königl. Gymnasium, 160?
von dem Grafen von H., Philipp Ludwig II., als
hohe Landesschule gestiftet (Direktor Dr. Braun,
17 Lehrer, 8 Klassen, 185 Schüler), eine Realschule,
höhere Mädchenschule, Knaben- und Mädchenmittel-
schule, köuigl. Zeichenakademie, kaufmännische,
gewerbliche Fortbildungsschule und ein Theater;
ferner ein Waisenhaus, Landkrankenhaus, Hospital,
städtisches Schlachthaus, Wasserleitung, Kanalisa-
tion und Gasanstalt. DieWetterauische Gesellschaft
für Naturwissenschaften besitzt ansehnliche Samm-
lungen, ebenso der Geschichtsverein. Nächst Cassel
istH. die bedeutendste Stadt im Regierungsbezirk,
übertrifft aber in gewerblicher Hinsicht alle übrigen.
Hauptgegenstände der Fabrikthätigkeit sind Bijou-
terie-und Goldwaren (s.d.), Silberwaren, Tabak, Ci-
garrenformen, Etui-Arbeiten, Handschuhe, Teppiche,
Strumpfwaren, Papier; es bestehen 9 Diamant-
fchleifereien, 3 Platinschmelzen, 5 Brauereien, 1 große
Eisengießerei, 5 Maschinen- und 6 chem. Fabriken.
H. ist Sitz der 4. Sektion der süddeutschen Edcl-
und Unedelmetall - Verufsgenossenschaft.
In der Nähe der Stadt liegen das landgräfl.
Schloß Philipps ruhe und der Kurort Wil-
helms bad. Etwa 21cm entfernt die königl. Pulver-
fabrik, die größte Deutschlands.
Seit dem 13. Jahrh. war H., 1303 zur Stadt
erhoben, Wohnsitz der Herren von H., deren Stamm-
vater Reinhard Graf von H. (gest. 1280) mit Adel-
heid von Minzenberg (Münzenberg) einen Anteil
von Minzenberg sowie Babenhausen erheiratete.
1429 wurden sie Neichsgrafen. Durch Erbschaft ge-
langte im 15. Jahrh, die Herrfchaft Lichtenberg im
Elsaß an einen Angehörigen des Hauses; die neue
Linie nannte sich Hanau-Lichtenberg und die alte
Hanau-Münzenberg. Jene erlosch mit Johann Ernst
1642, und ihre Besitzungen fielen an die jüngere
Linie, deren Haupt 1696 in den Fürsteustand und
zum Direktor des wetterauischen Grafenkollegiums
erhoben wurde. Als auch diefe Linie 1736 mit
Johann Reinhard II. im Mannsstamme erlosch,
kam zufolge früherer Erbverträge Hanau-Münzcn-
berg an Hessen-Cassel, Hanau-Lichtenberg an Hessen-
Darmstadt. Unter der Regierung des Landgrafen
Wilhelm IX. wurde die Grafschaft 1785 mit Hessen-
Cassel vereinigt, 1803 durch Reichsbeschluß zum
Fü rstentum H. erhoben. Mit dem Kurfürstentum
Hessen nahmen 1806 die Franzosen auch H. in Be-
sitz, worauf es 1809 zum Großherzogtum Fraukfurt
geschlagen wurde, bis es 1813 wieder an Hessen-
Cassel kam. Seitdem bildete es nebst dem vormals
fuldaischen Amt Salmünster und den früher isen-
burgischen Amtern Virstcin, Wächtersbach, Meer-
holz und Langenselbold die kurhess. Provinz H.,
und seit 1866 einen Teil des preuß. Reg.-Bez. Casscl.
In den I. 1630 und 1636 wurde H. von den
Kaiserlichen belagert und 13. Juni 1636 durch den
Landgrafen Wilhelm V. von Hessen-Cassel entsetzt.
Berühmt ward es durch die Schlacht bei H. vom
30. Okt. 1813. Nachdem sich Bayern durch den Ver-
trag zu Ried, 8. Okt., mit Österreich verbündet hatte,
zog der nachmalige Feldmarschall Wrede 16. Okt.
an der Spitze eines 56 000 Mann starken bayr.-
österr. Heers nach Würzburg, um Napoleon, der
nach der Schlacht bei Leipzig mit 80000 Mann dem
Rhein zueilte, den Weg zu verlegen. Allein Würz-
burg, welches der franz. General Turreau mit
12 000 Mann besetzt hielt, hemmte Wredes Vor-
rücken. Dieser nahm nach einer Beschießung 26. Okt.
die Stadt ohne die Citadelle Marienberg ein und
! zog über Aschasseuburg, wo eiue württemb. Brigade
zu'ihm stieß, im ganzen jetzt noch 40 000 Mann stark,
nach H. Allein auch Napoleon hatte inzwischen die
Umgegend von H. erreicht. Am 28. Okt., wo die
Verbündeten H. besetzten, begann der Kampf. Am
29. Okt. griffen die franz. Kolonnen wiederholt ver-
geblich Wredcs Mitteltresfen an. Schließlich war-
' fen sich 30. Okt. Napoleons Reitergarden in drei
! Treffen gleichzeitig auf die Kavallerie und Infan-
^ terie der Verbündeten, während letztere durch die
Artilleriereserve beschossen wurde. Die Infanterie
geriet in Unordnung, die Kavallerie der Verbün-
! deten wich zurück, worauf auch die Infanterie auf
dem linten Flügel über die Kinzigbrücke nach H.
floh und die Stadt von den Franzosen mit Grana-
ten beworfen wurde. Die Truppen des Mittel-
treffens und des rechten Flügels zogen sich auf der
Afchaffenburger Straße zurück und nahmen wieder
Stellung. Am 31. Okt. früh räumten die Verbünde-
ten H., und die Franzofen rückten ein. - Vgl. Geogr.
Beschreibung der Grafschaft Hanau-Münzenberg
und Geschichte der ehemals regierenden Herren und
Grafen zu H. überhaupt (von I. B. Hundeshagen,
Hanau 1782); Dörr, Die Schlacht beiH. (Cass. 1851);
Die Schlacht bei H. am 30. und 31. Okt. 1813 (Hanau
1863); Lehmann, Urkundliche Geschichte der Graf-
fchaft Hanau-Lichtenberg (2 Bde., Mannh. 1862
-63); Rathgeber, Die Grafschaft Hanau-Lichten-
berg (Strahb. 1876); Wille, Die letzten Grafen von
Hanau-Lichtenberg (Hanau 1886); ders., H. im
Dreißigjährigen Kriege (ebd. 1886); Reimer, Ur-
kundenbuch zur Geschichte der Herren von H. und
der ehemaligen Provinz H., Bd. 1 (Lpz. 1891).
Hanau, Fürstin von, Gräsin von Schaum-
burg, morganatische Gemahlin des Kurfürsten Fried-
rich Wilhelm I. (s. d.) von Hessen. Geb. 18. Mai
1806 zu Bonn als Getrude Falkenstein und sehr
jung mit dem preuh. Lieutenant Lehmann ver-
heiratet, wurde sie auf Wunsch des damaligen Kur-
prinzen Friedrich Wilhelm von ihrem Gemahl ge-
schieden. Nach Übertritt vom Katholicismus zum
Protestantismus vermählte sie sich in morganati-
scher Ehe 30. Sept. 1831 mit dem Kurprinzen, der
sie 10. Okt. 1831 zur Gräfin von Schaumburg und
2. Juni 1853 zur Fürstin von H. erhob. Sie starb
als Witwe in der Nacht vom 9. zum 10. Juli 1882
zu Prag unter Hinterlassung von sechs Söhnen und
drei Töchtern.
Hanbutten, s. Hagebutten,
^"ne., hinter wissenschaftlichen Tiernamen Ab-
kürzung für Albany Hancock (fpr. hänn-), einen
engl. Naturforscher, namentlichKonchyliologen. Von
ihm unter vielem andern zusammen mitIoshua Alder
ein Prachtwerk über die Nacktschnecken der engl.
Meere: "^ inonoZi-Hpii ol tks VritiLii Knäidi-kwi-
! ci^te ^loiluLca" (Lond., "15^ Loeiet^", 1845 fg.).
> Ha.noorui2. ^omes, Pflanzengattung aus der
Familie der Apocynaceen (s. d.) mit nur einer Art,
der fog. Mangcnba, II. LpacioLI. <7omes, die in ver-
schiedenen Gegenden Brasiliens vorkommt. Es ist
ein kleiner Baum mit gegenständigen Blättern und
ansehnlichen wohlriechenden Blüten. Die beeren-
artigen Früchte, etwa Pfirsichgröße, werden sowohl
frisch als auch in Zucker eingemacht gegessen, auch
wird aus ihnen eine Art Wein bereitet. Wegen der