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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Handelskunde - Handelsmarine
Hamburger Marktes mit unabsetzbaren Waren ver-
anlaßt war. Größere H. des 19. Jahrh, sind: die
engl. Krisis von 1815, durch Überschätzung der
Konsumtionsfähigkeit des Kontinents veranlaßt;
die engl. Krisis von 1825, der ein enormer Grün-
dungs- und Aktienschwindel voranging, sodah das
Kapital der errichteten und projektierten Gesell-
schaften sich auf über 372 Mill. Pfd. St. belief,
von denen nur 17600000 Pfd. l^t. wirklich ein-
gezahlt wurden. Weitere Krisen, die von Amerika
ausgingen und England in Mitleidenschaft zogen,
fallen in die I. 1837 und 1839. Eine abermalige
Erschütterung traf den engl. Markt namentlich in-
folge von Überspekulation mit Eisenbahnen 1847;
bei dieser Gelegenheit mußte die Peelsche Vank-
akte (s. Bankakte, Peelsche), die erst drei Jahre
vorher eigens zur Verhinderung von Krisen erlassen
worden war, wieder zeitweise suspendiert werden.
Eine weitverbreitete Handelstrisis war die von
1857, welche, von Amerika ausgehend, zunächst
Deutschland ergriff, insbesondere Hamburg em-
pfindlich traf und sich auch über England, Frank-
reich und Osterreich ausbreitete. 1866 kam wieder
eine Krisis in London zum Ausbruch, die zum drit-
tenmal eine Suspension der Bankatte nötig machte.
Die eigentümlichste Krisis der neuern Zeit ist die
von 1873, welche auf die deutsch - österr. Gründer-
periode von 1871 und 1872 folgte und, mit einer
amerik. Katastrophe zusammentreffend, in allen
Kulturländern eine lange dauernde wirtschaftliche
Stagnation herbeiführte. In Deutschland nament-
lich waren große Kapitalien in neue Gründungen
gesteckt worden, die niemals gedeihen konnten, weil
Fabriken und andere Anlagen zu übertriebenen
Preisen übernommen oder neue Anlagen unter den
ungünstigsten Bedingungen hergestellt wurden, wäh-
rend auf einen Fortbestand der unmittelbar nach
dem Kriege sehr hoch gesteigerten Preise nicht ge-
rechnet werden konnte. Die neu gegründeten Fabri-
ken, Hochöfen u.s. w. blieben aber nach der Krisis,
auch wenn sie keine Dividenden abwarfen, großen-
teils noch im Betrieb, und so entstand eine chronische
Überproduktion, welche die Heilung des Übels sehr
erschwerte. Seinen tiefsten Punkt erreichte der wirt-
schaftliche Niedergang 1878, und erst in der zweiten
Hälfte 1879 trat eine von Amerika und England
ausgehende Besserung ein. In Frankreich entwickelte
sich dann bald unter dem Einfluß der I^nion ^Lnei ^16
ein neuer Börsenschwindel, der 19. Jan. 1882 mit
einem großen, in seinen Wirkungen aber hauptsäch-
lich auf die Börsen von Paris und Lyon beschränk-
ten Krach endigte. lS.Bontoux.) Ende 1890 hätte
die Entwertung der argentin. Staatspapiere und
der Fall des Hauses Varing (s. d.) in London bei-
nahe zu einer Krisis in England geführt. - Vgl.
Wirth, Geschichte der H. l4. Aufl., Franks. 1890);
Oechelhäuser, Die wirtschaftliche Krisis (Berl. 1876);
Iuglar, 1)68 (^1868 oomuiereialOZ (2. Aufl., Par.
1889); Wasserab, Preise und Krisen (Stuttg. 1889);
Handwörterbuch der Staatswissenschaften, Bd. 4
(Jena 1892), S. 891 fg.
Handelskunde, s. Handelswissenschaften.
Handelslehranstalten, s. Handelsschulen.
Handelsmakler, s. Makler.
Handelsmarine oder Handelsflotte, im
Gegensatz zur Kriegsmarine die Gesamtheit der
Schiffe einer Nation, welche zur Vermittelung des
Personen- und Warenverkehrs zu Wasser bestimmt
sind. In der weitesten Wortbedeutung zählt man
darunter die Seeschiffe und die Fluß- und Binnen-
fahrzeuge, in einer engern nur die Seeschiffe, über
die Einteilung der Seeschiffe nach Triebkraft, Bauart,
Verwendung u.s.w. s. Schiff. Zur Sicherstellung der
Nationalität der Eigentums- und sonstigen Rechts-
Verhältnisse hat sich in allen Kulturstaaten das Be-
dürfnis herausgestellt, dieselben in ein amtliches
Schiffsregister (s. d.) einzutragen.
Da für die Ausdehnung und Lebhaftigkeit der
Handelsverbindnngen und infolgedessen für die
Wohlhabenheit und Macht eines Staates vorwiegend
der Umfang der Seehandelsflotte ins Gewicht fällt,
derjenige der Vinnenfahrzeuge dagegen nur von
untergeordneter Bedeutung ist, so kann auch für die
Vergleichung der Handelsmacht verschiedener See-
staaten nur die Statistik der Seeschiffahrt das
Material liefern. Leider sind nun für eine solche Ge-
genüberstellung die Angaben überZahl und Größe der
Seeschiffe in den einzelnen Ländern wenig geeignet.
Einmal nämlich werden in die Schiffsregister viel-
fach Fluhschiffe eingetragen. Auch das abweichende
Verfahren der verschiedenen Staaten bei der Er-
mittelung des Tonnengehalts der Schisse bietet
Schwierigkeiten, welche allerdings mit der allgemei-
nen Annahme des engl. (Moorsomschen) Vcrme^
sungssystems mehr und mehr schwinden. Ein großes
Hindernis aber besteht dadurch, daß die untere
Größengrenze sehr verschieden ist. In England
werden die Fluß- und Küstenschiffe mit weniger
als 15 t Tragfähigkeit und die Fischerbarken unter
30 t nicht eingetragen; in Deutschland werden
zu den Seeschiffen nur die gerechnet, welche einen
Bruttoraumgehalt von 50 cdm oder 17,65 Negister-
tons aufweisen; in Norwegen und Dänemark da-
gegen werden alle Fahrzeuge bis herab zu 4 t mit'
gezählt, und Frankreich geht fogar bis 2 t herab.
Auch in Osterreich und in den Vereinigten Staaten
werden die ganz kleinen Fahrzeuge mitgerechnet.
Man darf behaupten, daß die Tragfähigkeit dei
enrop. Seehandelsflotte, welche zu Beginn der sieb-
ziger Jahre sich insgesamt auf etwa 15 Mill. t belies,
gegenwärtig (1893) auf das Doppelte gestiegen ist.
Zur Veranschaulichung der Entwicklung diene die
folgende Zusammenstellung der Zahl. und des Ton-
nengehalts (1000 t) der Segel- und Dampfschiffe
für die hauptsächlichen Seehandelsstaaten der Welt.
Staaten
Jahre
Deutsches Reich . . . . ^
Großbritannien u. Irland ^
Frankreich.......<
Norwegen . . ... . . !
Schweden.......!
Dänemark.......!
Osteneich Ungarn - )
Italien........^
Europäisches Rnhland , !
Niederlande ......!
Belgien , . . . . .'. , ^
Vereinigte Staaten !
1871
1892
1871
1892
1871
1892
1871
1892
1871
1890
1875
1891
1886
1892
1836
1891
1877
1889
1871
1891
1871
1891
1872
1892
Segelschiffe
Zahl 1000 t
4 372
2 698
23189
13 823
14 929
13 890
6 875
6 798
3 003
2 484
2 822
3 054
2052
177?
7111
6 442
3 048
2 969
1457
500
55
8
27 361
17991
900
704
45.78
2972
921
426
990
1500
319
349
196
182
211
119
829
634
263
259
365
12?
19
2
3326
2691
Dampfschiff?
Zahl 1000 t
147
941
3178
7720
457
1l57
118
735
368
742
135
322
143
181
225
290
248
339
51
1,8
12
47
3753
6392
82
764
1113
5307
151
522
14
238
31
120
33
118
94
102
140
209
70
93
26
135
8
71
1112
2074