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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Handzirkel - Hänel (Gust. Friedr.)
tenden Künstlern herrühren, ein besonderes kunst-
geschichtliches Interesse, indem sie die ursprüngliche
Absicht des Künstlers noch frei von spätern Ver-
änderungen darstellen und so über das allmähliche
Werden des Kunstwerkes Aufschluß geben. Oft wurde
z. B. in der Blütezeit der ital. Malerei aus Bequem-
lichkeit nicht nach dem ausgeführten Gemälde, son-
dern nach der Handzeichnung in Kupfer gestocyen,
was bei der Untersuchung über die Geschichte man-
ches Bildes von Wichtigkeit ist. Für einzelne Künst-
ler hatten die H. auch eine rechtliche Bedeutung, in-
dem sie damit beweisen konnten, welche Bilder von
ihnen herstammten; so bei Claude Lorrain, Turner
u. a. Die H. berühmter Künstler wurden von jeher
eifrig gesammelt und in neuerer Zeit auch in Museen
aufgestellt; im Louvre zu Paris und in den Uffizien
zu Florenz füllen sie eine Neihe von Sälen. Wichtig
sind in dieser Beziehung auch die Hosbibliothek und
die Albertina in Wien sowie die Sammlungen in
London, Berlin, Frankfurt a. M.
Handzirkel, f. Zirkel.
Hanefiten, die Anhänger einer der vier Schul-
richtungen im Islam (die übrigen sind die Mali-
kiten, Schaffiten und Hanbaliten), welche man als
die orthodoxen Schulen (irrtümlich "Sekten") zu
bezeichnen pflegt. Sie erhielten ihren Namen nach
ihrem Stifter Äbü Hanifa und bilden die von der
überwiegenden Mehrheit der Mohammedaner (auch
von den Türken) befolgte herrschende Richtung im
Islam. Die Meinungsverschiedenheiten zwischen
den vier orthodoxen Richtungen beziehen sich nicht
auf die Glaubenslehren des Islam, sondern auf
die Details der Gefetzübung und Gesetzanwendung
(s. Fikh), sowie auf Einzelheiten des Ritus. - Vgl.
Goldziher, Die Zahiriten, ihr Lehrfystem und ihre
Geschichte (Lpz. 1884).
Hanega, span. Hohl- und Feldmaß, s. Fanega.
Hanel, Iaromir Joh., Rechtshistoriker, geb.
9. April 1847 zu Trebitsch in Mähren, habilitierte
sich 1870 an der Prager Universität, wurde 1874
ord. Professor der Rechtsgeschichte zu Agram, kehrte
jedoch 1881 als ord. Professor des deutschen Rechts
und der osterr. Rechtsgeschichte an die Prager Uni-
versität zurück. Er schrieb: "Über den Einfluß des
deutschen Rechts in Böhmen und Mähren" (1874),
"Über Begriff und Umfang der österr. Rechtsge-
schichte" (1880), "Deutsche Reichs- und Rechtsge-
schichte" (czechisch, Bd. 1-3, Prag 1886 fg.), "über
Begriff, Aufgabe und Darstellung der österr. Rechts-
geschichte" (in Grünhuts "Zeitschrift für das Privat-
und öffentliche Recht der Gegenwart", Bd. 20,1893),
außerdem zahlreiche Abhandlungen für die Zeit-
schrift "?rä.viiik" und die Abhandlungen der süd-
slaw. Akademie der Wissenschaften. Auch veröffent-
lichte er "ZtatutH 6t 16A68 civitati8 6t in8u1a6 Onr-
5ula6 1214-1558" (Agram 1876) und "ätawta. 6t
16F63 civitatig 8Mati" (ebd. 1878).
Hänel, Albert, Nechtslehrer und Parlamen-
tarier, geb. 10. Juni 1833 in Leipzig, Sohn des
1833 verstorbenen Professors der Medizin Albert
Friedrich H. (Bruder von Gust. Friedr. H.) und
Stieffohn von Heinr. Laube, studierte in Wien, Leip-
zig und Heidelberg die Rechte und Staatswissen-
schaftcn, habilitierte sich 1857 in Leipzig und folgte
1860 einem Rufe als Professor nach Königsberg,
1863 nach Kiel. H. war in Königsberg ein thätigem
Mitglied des Nationalvereins und der Deutschen
Fortschrittspartei und wurde in Kiel, wo er 1864 ent-
schieden für die Trennung Schleswig-Holsteins von
Dänemark eintrat, Christian IX. den Eid verwei-
gerte und Herzog Friedrich seme Dienste widmete,
einer der Führer der schlesw.-holstein. Landespartei,
1866 der liberalen Partei. Seit 1867 gehörte H.
dem Reichstag (bis 1893) und dem preuß. Abge-
ordnctenhause (bis 1887) an. In der Fortschritts-
partei, zu deren Führern er zählte, suchte er nament-
lich die Fühlung mit den benachbarten liberale/l
Gruppen zu bewahren. Seinen Bemühungen vor-
nehmlich gelang 1884 die Verschmelzung mit den
sog. Secessionisten zu der "Deutschfreisinnigen
Partei". Auch in feiner Provinz war er stets be-
müht, die Einigkeit unter den Liberalen aufrecht zu
erhalten. Im Abgeordnetenhause war H. einige
Zeit erster, im Reichstage, wo er den Wahlkreis
Kiel-Rendsburg vertrat, zweiter Viceprä'sident. Bei
der Spaltung der Deutschfreisinnigen Partei 1893
schloß er sich der Freisinnigen Vereinigung an, unter-
lag aber bei den Reichstagswahlen vom 15. Juni
dem socialdemokratischen Gegenkandidaten. Von
H.s wissenfchaftlichen und publizistischen Arbeiten
sind zu erwähnen: "Das Beweissystem des Sach-
senspiegels" (Lpz. 1858), "D6ci8i0ii68 conLuium
(^"8wi'i6N3ium" (ebd. 1862), "Die Garantie der
Großmächte für Schleswig" (ebd. 1864), "Das
Recht der Erstgeburt in Schleswig-Holstein" (Kiel
1864), "Zur Frage der stehenden Gefalle in Schles-
wig-Holstein" (mlt W. Selig, 3Tle., ebd. 1870-73),
"Studien zum deutschen Staatsrecht" (2 Bde., Lpz.
1873-88), "Das Kaisertum" (Kiel 1892), "Deut-
sches Staatsrecht", wovon bisher Bd. 1: "Die
Grundlagen des Deutschen Staates und die Reichs-
gewalt" (Lpz. 1892), erschienen ist.
Haenel, Eduard, Buchdrucker, geb. 2. April 1804
in Magdeburg, übernahm 1824 die väterliche Vuch-
druckerei (gegründet 1731) daselbst, und bemühte
sich, den Buchdruck mit der Lithographie konkurrenz-
fähig zu machen. Er führte 1828 den Congreve-
druck (s. d.) in Deutschland ein, errichtete 1830 eine
Schriftgießerei und Stereotypie und lieh 1844 die
ersten Typengiehmafchinen aus Amerika kommen.
Nach einem Brande des Geschäfts (1838) siedelte er
nach Berlin über. H.s Gießerei versorgte einen
großen Teil Deutschlands mit zierlichen Schriften,
Einfassungen und besonders mit Polytypen (s. d.),
und seine Bunt- und Golddrucke, die von ihm her-
gestellten Wertpapiere wurden Muster der Nach-
ahmung und begründeten den modernen Accidenz-
satz. Nach H.s Tode (16. Aug. 1856 in Berlin) ging
die Berliner Buchdruckerei und Schriftgießerei an
Wilhelm Gronau über und ist 1893 im Besitz
von dessen Witwe, Agnes Gronau, und Alex.
Iürst. Sie hat 10 Pressen, 54 Gieß-, 17 Hilfs-
maschinen, 100 Perfonen.
Die Magdeburger Vuchdruckerei wurde von des
vorigen Bruder, Albert H., unter der Firma
"Haenelfche Hofbuchdruckerei" fortgeführt, ist seit
1882 im Besitz der Söhne des letztern, Eduard
und Robert H., und hat 10 Pressen, 12 Hilfs-
maschincn, 35 Personen.
Hänel, Gust. Friedr., Jurist, geb. 5. Okt. 1792
zu Leipzig, studierte daselbst und in Göttingen,
wurde 1821 außerord. Professor in Leipzig und
unternahm dann eine wissenschaftliche Reife zur
Durchforschung der Bibliotheken Italiens, Frank-
reichs, Spaniens, Englands und der Niederlande.
Seit 1838 wirkte H. als ord. Professor für das Fach
der jurist. Litteratur und Quellenkunde an der Uni-
versität zu Leipzig, wo er 18. Okt. 1873 starb. H.