Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

786
Hanim - Hankel
Durch niedere Höhenzüge wird das H. geschieden in
ein kleines westl. Becken, das Tarimbecken (s.d.),und
ein größeres östliches, die Wüste Scha-mo oder Gobi
(s. d"). S. Centralasien und die Physikalische
Karte von Asien (Bd. 1, S. 979). - Vgl. von
Richthofen, China, Bd. 1 (Berl. 1877).
HanimoderChanymistimTürkischendieDame.
Das Wort wird häufig als Chan mit dem Possessiv-
suffix der ersten Person aufgefaßt, also: mein Chan,
oder da ein grammatisches Geschlecht fehlt: meine
Chanym, wie das frz. inonsiLur einfach zu Herr
geworden ist. Nichtiger ist indessen, in ihm eine alte
Femininalform anzunehmen, wie auch ds^um, die
Herrin, das Femininum zu dLF ist.
Hänisch, Karl Eduard von, preuß. General der
Kavallerie, geb. 4. Jan. 1829 zu Ratibor, trat 1847
beim 2. Ulanenregiment ein. Nachdem H. 1863 zum
Rittmeister befördert war, wurde er 1866 zum Ad-
jutanten der 10. Division ernannt und machte als
solcher den Feldzug gegen Osterreich mit; nach dessen
Beendigung als Adjutant zum 5. Armeekorps kom-
mandiert, und noch in denselben Jahre in den Ge-
neralstab versetzt, wurde H. 1867 zum Major be-
fördert, 1869 zum Kriegsministerium kommandiert
und 1870 bei Beginn des Feldzuges gegen Frank-
reich dem mobilen Stäbe des Kriegsministers zu-
geteilt, bei dem er an den Schlachten von Grave-
lotte, St. Privat, Beaumont, Sedan, an der Be-
lagerung von Paris, dem Ausfallgefecht bei Mal-
maison und der Schlacht vor dem Mont-Valörien
teilnahm. Nachdem er 1871 in den Adelstand er-
hoben war, wurde er 1872 zum Commandeur des
23. (hessischen) Dragonerregiments ernannt und
zum Oberstlieutenant befördert, jedoch schon 1874
in den Generalstab zurückversetzt und zum Chef des
Stabes des 8. Armeekorps ernannt. Darauf 1881
zum Generalmajor befördert, wurde er 1882 zum
Commandeur der 28. Kavalleriebrigade ernannt.
1883 trat er als Direktor des Allgemeinen Kriegs-
departements zum Kriegsministerium zurück, wurde
Mitglied der Landesverteidigungskommifsion, Vor-
sitzender der Neichs-Rayonkommission, Bevollmäch-
tigter zum Bundesrat, Mitglied des Disciplinar-
hofs für die Reichsbeamten und 1884 Mitglied des
Staatsrates. 1885 zum Generallieutenant befördert,
erhielt er 1888 das Kommando der Kavalleriedivi-
sion des 15. Armeekorps, wurde 1889 zum komman-
dierenden General des 4. Armeekorps ernannt und
1890 zum General der Kavallerie befördert. H. war
mehrmals Mitglied von Kommissionen zur Be-
ratung kavalleristischer Fragen und wirkte seit 1883
während mehrerer Jahre als Schiedsrichter bei den
großen Manövern und Kavallerieübungen. Er
schrieb: "August von Goeben, königlich preuß.
General der Infanterie" (Berl. 1881).
Hank (engl.), strähn, schneller, s. Garn.
Hanka, Wenzeslaus, czech. Gelehrter, geb.
10. Juni 1791 zu Horineves in Böhmen, besuchte
das Gymnasium in Königgrätz, studierte in Prag
und Wien und widmete sich dann der Litteratur.
Seit 1818 war er Bibliothekar des Böhmischen
Museums und seit 1848 auch Docent der slaw.
Sprachen an der Prager Universität. Er starb
12. Jan. 1861 zu Prag. Seine ersten poet. Ver-
suche waren Lieder (gesammelt in "12 Lieder", Prag
1815; 2. vermehrte Aufl. 1861). Dann übersetzte
er serb. Volkslieder (1817), Geßners "Idyllen"
(1819), das "Igorlied" (1821) u. s. w. Hauptsäch-
lich war er aber auf dem Gebiete der czech. Philo-
logie und Altertumskunde thätig. Er war ein
Schüler Dobrowfkhs, den er 1813 in Prag kennen
gelernt hatte und der ihn zur Herausgabe alter
böhm. Litteraturdenkmäler anregte. Seine Arbeiten
regten das Interesse seiner Landsleute für die Ver-
gangenheit ihres Vaterlandes und fti desjm ältere
Litteratur bedeutend an. Der Panslawismus fand
in H., der die meisten flaw. Sprachen beherrfchte
und zahlreiche Beziehungen zu slaw. Gelehrten hatte,
einen eifrigen Förderer. Unter seinen Ausgaben
finden sich jedoch eine ganze Reihe Fälschungen, die
unstreitig von ihm herrühren und seinem Namen in
der Neuzeit eine traurige Berühmtheit verliehen.
1817-26 veröffentlichte er die "3tkrodM 8k1ü.ä3.-
nie" (5 Bdchn.), eine Sammlung von Denkmälern,
und 1819 die von ihm entdeckte Königinhofcr Hand-
schrift (s. d.). Ferner gab er 1833 eine Sammlung
alter Wörterbücher heraus, darunter die gefälschten
Glossen der "Nater Verdoruin", das "Reimser Evan-
gelium", die "Dalimilsche Chronik" und ihre deutsche
Übersetzung, das altczech. "Nikodemusevangelium",
die gefälschte "Grüneberger Handschrift" u. a., end-
lich Grammatiken mehrerer slaw. Sprachen.
Hanke, äußerer Darmbeinwinkel, der vor-
stehende Teil der Hüfte oder Kruppe bei den Haus-
tieren.
^ttn/ce, hinter lat. Pflanzennamen Bezeichnung
für den böhm. Botaniker Thad däus Hanke, der
1789 bis zu feinem Tode (1817) die Flora des
fpan. Südamerika durchforschte.
Hankel, Wilh. Gottlieb, Physiker, geb. 17. Mai
1814 zu Ermsleben, studierte in Halle und habili-
tierte sich 1840 für Physik und Chemie an der dortigen
Universitäten der er 1847 eine außerordentlichePro-
fessur erhielt. Seit 1849 wirkte er als ord. Professor
der Physik zu Leipzig und trat 1887 infolge eines
Augenleidens von der Direktion des Physikalischen
Instituts zurück. H. hat sich vorzugsweise mit der Er-
forschung der thermoelektrischen Eigenschaften der
Krystalle befchäftigt und nachgewiesen, daß alle
isolierenden Krystalle durch Temperaturänderungen
elektrisch werden, die hemimorph ausgebildeten mit
entgegengesetzten Polen an den Enden der hemi-
morphen Achsen, die symmetrischen mit gleichnami-
gen Polen an den Enden derselben Achsen, wobei
sich die beiden Polaritäten unter die verschiedenen
Achsen verteilen. Am farbigen Flußspat entdeckte
er die Eigenschaft, durch die Strahlen des Lichtes
(Photoelektricität), und am Bergkrystall die Eigen-
schaft, durch die Wärmestrahlen (Aktinoelektricität)
elektrisch zu werden. Außerdem hat er Untersuchuu-
gen angestellt über die thermoelektrischen Ströme
zwischen Metallen und leitenden Mineralien, über
das elektrische Verhalten der Flamme, über die bei
Gasentwicklungen auftretenden Elektricitäten so-
wie über die bei Einwirkung des Lichtes auf in
Wasser und Salzlösungen eintauchende Metalle ent-
stehenden elektrischen Ströme und über die magne-
tische Wirkung des Entladungssystems einer elek-
trischen Batterie. Für Messung und Zurückführung
der atmosphärischen Elektricität auf absolute Maße
hat er ferner brauchbare Verfahren und genaue
Instrumente angegeben und durch die ersten ge-
nauen Bestimmungen der Spannungen der Metalle
unter sich und gegen Wasser die Grundlagen für
das Verständnis der galvanischen Elemente geliefert.
Über das Wesen der Elektricität stellte er eine neue
Theorie auf, indem er die Elektricität als kreis-
förmige Schwingungen des Äthers unter Veteili-