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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hannover (Provinz)
wng, wobei er sich der Gemeindevorsteher als Or-
gane bedient. Mit Rücksicht hieranf ist auch den
lattdrällichen Kreisen ein geringer Umfang gegeben
nnd ihre frühere Zahl von 38 anf 78 (darunter
9 Stadtkreise) vermehrt worden. Mit der Kreis-
ordmmg ist anch das Gefetz vom 30. Inli 1883
über die allgemeine Landesverwaltung und das
Gefetz vom 1. Aug. 1883 über die Zuständigkeit der
Verwaltungs - und Verwaltungsgerichtsbehörden
in Kraft getreten. Dadnrch sind die Einrichtungen
und Zuständigkeiten der ehemaligen Landdrosteien,
der Finanzdirektion, der Konsistorien (Gefetz vom
6. Mai 1885) u. s. w. neu geregelt, refp. auf die au
deren Stelle getretenen Regierungen, die Regie-
rungspräsidenten, die Bezirksausschüsse und den
Proviuzalrat übergegangen. An die Stelle der
Landdrosteibezirke sind Regieruugsbezirke getreteu.
Die Finanzdirektion und mehrere der ehemaligen
Konsistorien sind aufgehoben.
Die höchste Gerich'tsbehörde der Provinz ist das
Oberlandesgericht zu Celle (s. d.) für die Provinz H.,
ausschließlich Kreis Ilfcld, für deu Kreis Rinteln
des Reg.-Bez. Cassel, das Fürstentum Pyrmont,
Fürstentum Lippe ohne Amt Lipperode und Stift
Cappel. Dasselbe führt für das Waldeckische Amts-
gericht Pyrmont und den genannten Teil von Lippe-
Detmold den Titel Königlich Preuß. Oberlaudes-
gericht für das Fürstentum Lippe. Ihm unterstehen
9 Land- und 117 Amtsgerichte. Zum preuß. Ab-
geordnetenhaufe entsendet die Provinz 36 Abgeord-
nete; von den Mitgliedern des Herrenhauses ge-
hören 10 der Provinz an.
Die Provinz zerfällt in folgende 19 Nei chstags -
wahlkreife: Weener-Leer-Emden (Abgeordneter:
Graf zuInn- uudKnyphaufen, deutsch-konservativer
.Vofpitant);Aurich-Wilhelmshaven(Krufe, national-
liberal); Aschcndorf-Meppen (Brandenburg, Ceu-
trnm);Osnabrück-Iburg(Wamhof, nationalliberal);
Grönenberg-Melle(W.vonArnswaldt,Welfe);Ver-
den-Hoya (H. von Arnswaldt, Welfe); Nienburg-
Stolzenau (von der Decken, Welfe); H. (Meister,
Socialdemokrat); Münden-Hamcln (Hifche, natio-
nalliberal); Hildesheim (von.Hodenberg, Welfe);
Einbeck-Northeim (Jörns, nationalliberal); Göt-
tingen-Münden (Götz von Olenhufen, Welfe);
Goslar-Herzberg (Engels, Reichspartei); Fallers-
leben-Gifhorn (^Rothbart, nationalliberal); Lüchow-
Mzen (von Bernstorff, Welfe); Lüneburg-Wiufen
(von Wangenheim, Welfe); Harburg-Vuxtehude
(Müller, Neichspartei); Stade-Bremervörde (vou
Vennigfen, nationalliberal); Otterndorf-Neuhaus
(Hahn, uationalliberaler Hofpitant).
Militärisch bildet die Provinz H. wesentlich den
Ersatz- und Garnisonsbezirk des 10. preuß. Armee-
korps, der Reg.-Bez. Stade gehört zum 9. Armee-
korps, das Generalkommando und die Kommandos
der beiden Divisionen befinden sich in der Stadt Han-
nover (s. d.). Das Oberbergamt hat seinen Sitz in
Clausthal, das Landgcstütin Celle. - DieOberpost-
dircktion hat ihren Sitz in der Stadt H. Das Wap-
p en der Provinz ist ein weißes Roß in rotem Felde,
die Proviuzialfarben sind Gelb und Weiß.
Vgl. Ringklib, Statist. Jahrbuch der Provinz H.
(5. Aufl., Hannov. 1885); I. Meyer, Die Pro-
vinz H. (2. Aufl., ebd. 1888); Gemeindelerikon für
die Provinz H. (Berl. 1887); Iänecte, Die Gewerbe-
politik des ehemaligen KönigreichsH. in ihrcnWand-
lungen1815 -66 (Marb.1892); Boysen, Statist.
Übersichten für dicProvinzH.(Hannov.-Linden 1892).
Geschichtliches. Der Grundstock des ehemaligen
Königreichs H. ist das Fürstentum Calenberg (ur-
sprünglich das durch andere Gebietsteile allmählich
vergrößerte "Land zwischen Deister und Leine"),
welches früher einen Teil des Herzogtums Braun-
schweig (s. d.) bil-
dete und erst mit
Herzog Erich 1.
(1495-1540), der
auch das Fürsten-
tum Göttingen er-
hielt, dauernd sich
von den übrigen
welsischcn Ländern
trennte. Nach dem
Tode Erichs II.
(1581) siel Calen-
berg mit Göttin-
gen an die Wolfen-
büttelerLinie,die mitHerzogFriedrichUlrich 1634 er-
lofch. Durch den Teilungsvertrag vom 14. Dez. 1635
erhieltHerzogGeorg(f.'d.,Bd.7,S.819H),derSohn
Herzog Wilhelms, des Stifters der neuern Lüne-
burger,nachnmlskurfürstl.-königl. Linie, dieFürsten-
tümer Calenberg und Göttingen, während August
der Jüngere,der Sohn Herzog Heinrichs, des ältern
Bruders des genanuten Herzogs Wilhelm, Braun-
fchweig-Wolfenbüttel erhielt und somit der Stifter
der neuern braunfchw. Linie wurde, die init Herzog
Wilhelm 1884erlosch. Dem 1641verstorbenenGeorg,
der Hannover zu feiner Residenz machte, folgte sein
ältester Sohn Christian Ludwig, der ad er 1648
nach dem Tode seines Oheims, des Herzogs Fried-
rich von Lüneburg-Celle, das Fürstentum Calen-
berg feinem Bruder Georg Wilhelm einräumte
und dafür in Lüneburg folgte. Nach feinem Tode
(1665) bekam Georg Wilhelm Lüneburg und der
dritte Bruder I o h ann Fri ed r ich (s. d.) Calenberg,
das nach dessen Tode (1679) auf den jüngsten Bru-
der Ernst August (s. d.) überging. Unter ihm be-
gann eine neue Blüte des welsischen Hauses. Er
führte durch fein 1683 vom Kaiser bestätigtes Testa-
ment die Primogenitur ein, die aber in seiner Fa-
milie auf starken Widerstand stieß. Zum Lohne für
die dem Kaifer in den Türken- und Reichskriegen
geleisteten Dienste wurde er 19. Dez. 1692 mit der
neunten Kur belehnt, aber erst sein ihm 1698 fol-
gender Sohn Georg Ludwig (s. Georg I., Bd. 7,
S. 820^) wurde in das Kurfürstenkollegium einge-
führt (17. Sept. 1708). Durch deu Tod feiues Oheims
Georg Wilhelm erwarb er 1705 dasFürstentumLüne-
burg, in demselben Jahre das Herzogtum Sachsen-
Lauendurg. Einen Wendepuukt in der Geschichte
H.s bildet die Erwerbung der engl. Krone. Nach
dem Tode der Königin Anna (1714) bestieg Kurfürst
Georg Ludwig als Georg I. den Thron Englands;
1715 erwarb er noch die feit 1648 in schwcd. Besitz
befindlichen fäkularisierten Bistümer Bremen und
Verden. Ihm folgte 1727 fein Sohn GeorgII. (s. d.),
der Stifter der Universität Göttingen (1734), welcher
als Verbündeter Maria Theresias die Franzosen
27. Juni 1743 bei Dettingen besiegte, später aber als
treuer Bundesgenosse Friedrichs d. Gr. sein Etamm-
land mit in den Siebenjährigen Krieg hineinzog
(Schlacht bei Hastenbcck 26. Juli 1757). Unter der
Regierung Georgs III. (s. d.), 1760-1820, eines
geborenen Engländers, der sich wenig um sein deut-
sches Land kümmerte, wurde für die Verwaltung
H.s die sog. "Englische Kanzlei" mit einem hannov.