Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

796
Hannover (Stadt)
Die 1. Juli 1891 einverleibten Landgemeinden
Hainholz, Herrenhausen, List undVahrenwald haben
^sannen 9389,sodaß H. seitdem 172928 E. zählt.
Rechnet man hierzu noch die Einwohnerzahlen
der mit der Stadt H. in engster Interessengemein-
schaft stehenden benachbarten Ortschaften Stadt
Linden (27 833 E.), Döbren (2601) und Wülfel
(1493), so ergiebt sich für das Weichbild von Groß-
Hannover insgesamt eine Einwohnerzahl (1890)
von 204909.
Anlage. Die Stadt besteht aus der Altstadt,
der Ugidien-Neustadt (1746 angelegt) rechts der
Leine, der Calenberger Neustadt (im 13. Jahrh,
entstanden, seit 1714 Stadt) zwischen Leine und
Ihme, Georgs- und Marienstadt (1859 einverleibt)
und der großartigen Ernst-Auguststadt. Jenseit der
Ihme liegt Linden. Im O. schließt sich halbkreis-
förmig der städtische Forst (662 lik) Eilenriede um
die Stadt. Zehn zum Teil schöne Brücken vermitteln
den Verkehr zwischen den einzelnen Stadtteilen.
Straßen, Plätze, Denkmäler. DieKnochen-
hauer- und Schmiedestraße, welche vom Markte aus
nach Norden gehen, zeichnen sich durch zahlreiche
schöne spätgot. Giebelbauten mit hohen Staffel-
giebeln (15. und 16. Jahrh.) aus (Leibnizhaus),
während die Georgsstrahe und die Friedrichstraße
mit schönen, palastartigen Gebäuden auf der einen
und prächtigen, wohlgepstegten Anlagen auf der
andern Seite besetzt sind; weitere bedeutendere
Straßen sind die Karmarsch-, Grupcn- und Stände-
hausstraßc und die Straße Am Schiffgraben. Auf
dem Marktplatze steht ein got. Brunnen in Bronze,
nach Haases Entwurf (1881); in der Schmiedestraße
ein Standbild des Pastors Bödeker von Dopmeyer
(1880); auf dem Ernst-August-Platze vor dem
Centralbahnhof die Neiterstatue des Königs Ernst
August (1861 von A. Wolfs modelliert); auf dem
Waterlooplatze die 1826 - 32 errichtete Waterloo-
säule (47 m), das Standbild (1849) des Grafen
Alten, des Führers der Hannoveraner bei Waterloo
und der Englisch-Deutschen Legion in Spanien, von
Kümmel; dabei ein kleiner Tempel mit der Büste
von Leibniz von dem Irländer Hcwetfon; auf dem
Georgsplatze die Bronzestatue Schillers von Engel-
hard (1863); auf dem Theatcrplatze das Denkmal
des Komponisten Marschner von F. Hartzer (1877),
des Technologen Karmarsch, des Begründers und
ersten Direktors des Polytechnikums (1883), und
des Chirurgen Stromeyer (1884), beide von Rassau-
Dresden; am Ende der mit schönen Villen besetzten
Königstraße erhebt sich das 1884 errichtete Krieger-
denkmal von Voltz (Grabdenkmal von schwed. Granit
mit einer trauernden Haunovera, zur Seite zwei
Löwen, oben eine gewaltige Germania, von zwei
Genien mit der Kaiserkrone geschmückt); an den An-
lagen der Friedrichstraße ein von Ebhardt gestifteter
Brunnen mit einem Standbild Gutcnbergs.
Kirchen. H. hat 16 Kirchen, davon 11 luth.,
2 kath. und je eine der Baptisten, der reform. und
engl. Gemeinde. Die älteste Kirche ist die Markt-
kirche (14. Jahrh.), eine Hallenkirche in Backstein
mit Grabdenkmälern (16. und 17. Jahrh.) an der
Außenseite, im Innern schöne Glasgemälde nach
Kartons von A. von Kreling und ein geschnitzter
Altar von Hurtzig, in der Kapelle unter dem Turm
(90 m) die Fahnen der Englisch-Deutschen Legion
(1803-15); die got. Agidienkirche (14. Jahrh.) hat
einen Renaissanceturm, die Kreuzkirche ein Altar-
bild von Gönne nach Iul. Schnorr, die Christus-
kirche (1864) von Hase, ein schöner got. Backsteinbau,
enthält schöne Glasgemälde, die Apostelkirche ist
gleichfalls von Hafe, die Dreifaltigkeitskirche von
Hehl, die neue kath. Marienkirche birgt das Grab
von Windthorst, die Nicolaikapelle dient der engl.
Gemeinde. Von der im Bau begriffenen Garnison-
kirche, zu der 5. April 1892 der Grundstein gelegt
wurde, stürzte 25. Juli 1893 einer der beiden Türme
ein. Die Synagoge im orient. Stil, von A. Oppler,
wurde 1870 vollendet.
Weltliche Gebäude. Die erste Stelle nimmt
das königl. Residenzschloh, zeitweilig Residenz des
Prinz-Regenten Albrecht von Braunschweig, ein.
Dasselbe wurde 1636-40 vom Herzog Georg er-
baut, seit 1817 aber völlig umgestaltet und mit
prachtvoller Kolonnade an der Leinstraße versehen.
Die Schloßkapelle enthält ein Altarblatt von Lukas
Cranach, die Kreuzigung, Fresken von Osterley, die
Himmelfahrt darstellend, und einen fehenswerten
Reliquien- und Antiquitätenschatz, den Heinrich der
Löwe 1172 zum Teil aus Palästina mit nach Braun-
schweig brachte; gegenüber liegt das sog. Alte Pa-
lais, früher Wohnung des Königs Ernst August,
in dem 1774-95 Herzog Karl von Mecklenburg-
Strelitz, der Vater der Königin Luise, als Gouver-
ueur von H. residierte; das alte Rathaus, ein spät-
got. Backsteinbau, 1439-55 erbaut und 1845 durch
einen Flügel vergrößert, ist 1878-79 von Hase
umgebaut und 1890-91 erweitert, der große Festsaal
enthält Wand- und Deckengemälde von Schaper-
Hannover; das königl. Schauspielhaus (82 m breit,
55 in tief) ist 1845 - 52 nach Plänen von Laves
erbaut. Ferner sind zu erwähnen: das Provinzial-
ständehaus (1880) in ital. Renaissance von Wall-
brecht, die Calenbergische Landschaft, das königl.
Militär-Reitinstitut, das Zeughaus (1846) und die
Kasernen am Waterloo- und Welfenplatze, das
frühere Palais des Königs Georg V., jetzt Neues
Rathaus, die Kriegsfchule, das Ernst-Augustpalais,
jetzt Generalkommando, das 1889-93 umgebaute
königl. Archiv-und Bibliotheksgebäude, das 3Nilitär-
krankenhaus, das städtifche Krankenhaus in Linden,
die Henriettenstiftung (Diakonissenanstalt), die Ent-
bindungsanstalt, das Provinzialmuseum (s. unten),
das Kestner-Museum, die Technische Hochschule, die
Handwerker- und Kunstgewerbeschule, der Packhof,
das neue Post- und Telegraphengebäude am Ernst-
Augustplatze, 1878 - 81 im Renaissancestil erbaut,
das Iustizgebäude, das Konzerthaus, der Schlacht-
und Viehhof und die Markthalle.
Verwaltung. Die Stadt wird verwaltet von
einem Stadtdirektor (Tramm, seit 1891,15500 M.),
Syndikus (Eyl, 8500 M.), 17 Magistratsmitglie-
dern (8 besoldet) und 24 Stadtverordneten. Die
Berufsfeuerwehr besteht aus 95 Mann und hat
2 Dampf-, 10 Handfpritzen und 1304 Hydranten;
die freiwillige Feuerwehr zählt 68 Mann. Ferner
bestehen 2 Gasanstalten, ein Elektricitätswerk, ein
Wasserwerk, defsen Reservoir in Linden liegt, sowie
eine Markthalle. Auf dem städtischen Vieh- und
Schlachthofe wurden (1891-92) aufgetrieben 13 036
Stück Rindvieh, 48 962 Schweine, 14889 Kälber und
15149 Hammel; gefchlachtet wurden 11763 Stück
Rindvieh, 45 396 Schweine, 14443 Kälber uud
14262 Hammel.
Finanzen. Der Haushaltplan (1892 - 93)
schließt ab in Einnahme mit 9 567 252 M., Aus-
gabe mit 9 682 837 M. Die Schulden betragen
28280843 M., das Vermögen 3342893 M. Für