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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hannover (Stadt)
Schulen werden aufgewendet 1224242, für Wohl-
thätigkeitsanstalten 5420, für Armen- und Kran-
kenwesen 439 940, für Straßenreinigung und -Spren-
gung 212750, für öffentliche Beleuchtung 154900
und für Sicherheitszwecke 222178 M.
Behörden. H. ist Sitz des Oberpräsidiums der
Provinz H., der königl. Bezirksregierung, des Land-
ravz^Mes ftr den Landkreis H., eines Landgerichts
(Oberlandesgericht Celle) mit einer Kammer für
Handelsfachen, 15 preuß. Amtsgerichten (Burg-
wedel, Calenberg, Hameln, H., Coppenbrügge,
Lauenstein, Münder a. D., Neustadt am Rübenderge,
Obernkirchen, Oldendorf, Polle, Ninteln, Roden-
berg, Springe, Wennigsen) und dem waldeckifchen
Amtsgericht Pyrmont, eines Amtsgerichts, des
Generalsuperintendenten für die Provinz H., eines
evang. Konsistoriums, der Provinzialsteuerdirek-
tion, einer Generalkommission für die Provinzen
H. und Schleswig-Kolstein, Oberpostdirektion für
die Provinz H., mit Ausschluß der den Oberpost-
direktionsbezirken Braunschweig, Bremen, Ham-
burg und Oldenburg zugewiesenen Gebietsteile,
mit 2611,i0i km oberirdischen Telegraphenlinien
(11622,754 km Leitungen, einschließlich 1766,24 km
Stadtfernfprechanlagen) und 279 Verkehrsanstalten,
einerköniglich preuß. Eisenbahndirektion (2309,88km
Bahnlinien) mit den 3 Betriebsämtern H.-Rheine
(452,05 km), H.-Altenbeken (272,88 km) und Bremen,
einer Reichsbankhauptstelle (s. unten, S. 798 a)
und Handelskammer, der 1. Armee-Inspektion,
des Generalkommandos des 10. Armeekorps, der
Kommandos der 19. und 20. Division, 38. und
39. Infanterie-, 20. Kavallerie-und 10. Feldartillerie-
brigade, eines Proviantamtes und Traindepots.
Unterrichts- und Bildungswefen. Die
Technische Hochschule, seit 1879 in dem umgebauten
alten Welfenschlosse, ist 1831 als höhere Gewerbe-
schule gegründet und hieß 1874-79 Polytechnische
Schule. Sie zählt (1893) 49 Docenten, 510 Stu-
dierende und 255 Hospitanten. Die Tierärztliche
Hochschule ist 1778 von dem Kurfürsten von H.,
König Georg III. von England, gegründet und
1887 zur Hochschule erhoben; sie hat 13 Docenten
und 230 Hörer. Ferner hat H. ein luth. Lyceum I,
1267 als lat. Schule erwähnt und seit 1348 städtisch
(Direktor Dr. Capelle, 19 Lehrer, 9 Klassen mit
314 Schülern, 3 Vorklassen mit 134 Schülern), ein
luth. Lyceum II, 1871 eröffuet (Direktor vi-. Radek,
20 Lehrer, 9 Klassen mit 282 Schülern, 3 Vorklassen
mit 90 Schülern), ein königl. Kaiser-Wilhclms-
Gymnasium, 1875 eröffnet (Direktor Dr. Wachs-
mut, 23 Lehrer, 12 Klassen und 3 Vorklassen, 527
Schüler), städtisches luth. Realgymnasium (Direktor
Dr. Schuster, 30 Lehrer, 15 Klassen mit 483 Schülern,
4 Vorklassen mit 115 Schülern), städtisches luth.
Leibniz - Realgymnasium (Direktor Ramdohr, 27
Lehrer, 15 Klassen mit 468 Schülern, 3 Vorklassen
mit 139 Schülern), eine höhere Realschule, zwei
Realschulen, eine höhere Handelsschule, ein Lehrer-
und Lehrerinnenseminar, israel. Lehrerseminar,
6 höhere, 5 mittlere Mädchenschulen, Militärreit-
institut, Kriegsschule, Militärlehrschmiede, Entbin-
dungslehranstalt und Blindenanstalt.
Von den Sammlungen für Wissenschaft und
Kunst sind befonders hervorzuheben: die königl.
Bibliothek (190000 Bände, 4000Handschristen, dar-
unter viele von Leibniz), die Stadtbibliothek mit sel-
tenen Handschriften, die Societätsbibliothck (32000
Bände), die Bibliothek des Senators Culemann im
Kestner-Museum; ferner das Welfenmuseum, eine
Sammlung von Landesaltertümern, die Gewerbe-
ausstellung, eine Sammlung neuer Apparate, Ma-
schinen, Fabrikate und kunstgewerblicher Muster, die
Porträtsammlung im Fürstenhaus (1691 erbaut),
das Provinzial- und das Kestner-Museum. Ersteres,
1855 nach Hases Plänen im roman. Stil vollendet,
enthält die Räume des Künstler- und des Architekten-
vereins, naturhistorische, histor. Sammlungen und
die Kunstsammlung (Gipsabgüsse, Gemälde), in
einem Anbau antike und moderne Skulpturen, kirch-
liche und kunstgewerbliche Altertümer, die Gemälde-
sammlung (Cumberlandgalerie), welche sich srühcr
in den Schlössern Georgs V. und im Welfenmufeum
befanden, fowie die Hausmannfche Sammlung.
Das Kestner-Museum, 1884 von Hermann Kestner,
dem Enkel von Charlotte Buff (s. d.), der Stadt ge-
schenkt, enthält ägypt. und rö'm. Altertümer, Hand-
schriften vom 8. Jahrh, an, Inkunabeln, darunter
die 42zeilige Bibel Gutenbergs, ferner Elfenbein-
und Holzschnitzereien, Miniaturen, Emaillen und
eine Gemäldesammlung.
Das königl. Schauspielhaus (1800Zuschauer-
plätze) steht unter einemIntendantenund erhält jähr-
lich 400000 M.Zuschuß; das Residenztheater (1500
Plätze) und das lHtadttheater sind Privateigentum.
In H. erscheinen 10 polit. Zeitungen und Ta-
gesblätter, darunter der nationalliberale "Hanno-
versche Courier" (s.d.), die welfifche"Deutfche Volks-
zeitung" und der socialdemokratische "Volkswille".
Vereinswefen und Kaffen. Von den zahl-
reichen Vereinen sind zu nennen: der Historische
Verein, die Naturhistorische Gesellschaft, der Archi-
tekten- und Ingenieurverein, der Ärzteverein, der
Künstlerverein, Gewerbeverein, Gartenbauverein,
Landwirtschaftliche Verein, sowie zahlreiche Musik-,
Gesang-, Turn- und Sportvereine. Die Stadt hat
(Ende 1890) 16 Orts-, 30 Betriebs- und 4Innuugs-
krankenkassen mit 11294, 6346 und 1930 Mit-
gliedern, (1890) 206 568, 142 624 und 72102 M.
Einnahmen, 209801, 143 893 und 59 093 M.
Ausgaben, und (Ende 1890) 99 583, 139 383 und
48 371 M. Gesamtvermögen.
Wohlth ätigkeitsanstalten. H. hat eine
große Anzahl Krankenhäuser und Hospitäler, ein
Garnisonlazarett, Waisenhaus, Institut für hilf-
lose Bürgerkinder u. s. w.
Industrie und Handel. Seitdem H. der
Mittelpunkt des nördl. deutschen Eisenbahnsystems
geworden, hat es sich zu einer Fabrikstadt von Be-
deutung entwickelt. Größere Etablissements sind:
die Reparaturwerkstätte derStaatsbahn, eineVaum-
wollspinnerei und Weberei (70776 Spindeln, 3478
Doublierspindeln, 7 Webstühle), eine mechan.
Baumwollweberei (1530 Stühle), eine Flachs- und
Hedcgarn-Maschinenspinnerei (3780 Feinspindeln);
ferner eine Wachstuchfabrik, 10 Maschinenfabriken,
6 Eisengießereien (1524 Arbeiter); außerdem be-
stehen Fabriken für Gefchosse und Kriegsmaterial,
Zündhütchen, Gold- und Silberwaren, Bronze-
und plattierte Waren (je eine), Klaviere und Klavia-
turen (9 Fabriken), Chemikalien und Farben (13),
Tapeten (3), lackierte Waren und Lampen (7), Ta-
bak und Cigarren (40); ferner 2 Fournicrschneide-
reien, 2 Kalkbrennereien, 19 Ziegeleien, 11 Braue-
reien, 26 Brennereien, 31 Vuchdruckereien und
endlich 30 Buchhandlungen. H. ist Sitz der Hanno-
verscken Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft,
der Nordwestlichen Eisen- und Stahl- und der Han-