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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hansen (Peter Andreas) - Hanslick
viel gebrauchter Schulbücher, nainentlichGrainmati-
ten der lat. Sprache und fremder Sprachen erschienen.
Hansen, Peter Andreas, Astronom, geb. 8. Dez.
1795 zu Tondern in Schleswig, erlernte die Uhr-
macherkunst, etablierte sich 1819 als Uhrmacher in
Tondern, gab diese Stellung aber bald auf und er-
dielt l 82 l'eine Anstellung als Gehilfe bei der dän.
(^radme^una. in Holstein sowie an der unter Schuh-
mackers Leitung stehenden Sternwarte zu Altona.
1825) wurde er als Direktor der Sternwarte Seeberg
nach Gotha berufen, wo 1859 auf sciuc Veranlassung
eine neue Sternwarte erbaut ward. Er starb 28. März
!874. H.s .yauptverdienst liegt auf dem Gebiete
der theoretischen Astronomie; namentlich die Theorie
der Störungen und die der Mondbewegung hat
durch ihn äußerst wertvolle Bereicherungen erfahren.
Er präsidierte mehrere Jahre der permanenten Kom-
mission der 1862 von General Baeyer ins Leben ge
rusenen Europäischen Gradmessung und war auch
Mitglied und Vorsitzender der Deutschen Reiche
kommission zur Beobachtung de-> Venu^durchgang^
1874. Von seinen Schriften sind hervorzuheben:
"Ausführliche Methode, mit dem Fraunhoferschen
Heliometer Beobachtungen anzustellen" lGotha
1827), "Untersuchungen über die gegenseitigen Stö-
rungen von Jupiter und Saturn" (Berl. 1831), "Er-
mittelung der absoluten Störungen in Ellipsen voll
beliebiger Ercentricität und Neigung" (Bd. l, Gotha
1813), "Auseinandersetzung einer zweckmäßigen
Methode zur Berechnung der absoluten Störungen
der kleinen Planeten" (Abteil. 13, Lpz. 1856-59),
"^UuäÄMKIltN. Q0V3. inV68t.iFU.twM8 s'i'liit^O V6l5L,
HUHIU lull" P6i'1u8trat" (Gotha 1838), "^lllilt;" sl^
I3.1ull6" (Lond. 1857), "Darlegung der theoretischen
Berechnung der in den Mondtaseln angewandten
Störungen" (2 Tle., Lpz. 1862-64). Mit Olufsen
in Kopenhagen bearbeitete.h. die "'IlldlL8 äc 80ioil"
^Kopenb. 1854: Nachtrag 1857). Andere Schriften
astron. Inhalts sind "Die Theorie des Äquatoreal^"
iöpz. 1855) und "Theorie der Sonnenfinsternisse und
verwandter Erscheinungen" (ebd. 1858). Nach seinem
Tode erschien noch "Störungen der großen Planeten,
besonders des Jupiter" (Lpz. 1875).
Hansen, Theophilus von, Architekt, geb. 13. Juli
1813 zu Kopenhagen, Brndcr und Schüler des Ar-
chitekten Christian.h. (geb. 1803, gest. 1883), bil-
dete sich auf der Akademie seiner Vaterstadt zum
Architekten auv und begab sich 1838 nach Italien
und Griechenland. Außer mit Studien über das
Lysikrates-Monument und den Nike-Tempel auf
der Akropolis war H. in Athen auch praktisch be-
schäftigt. Zeugnisse seiner künstlerischen Thätigkeit
sind die Sinasche Sternwarte und das Demetriussche
Haus am Schloßplatze. Infolge der Revolution von
1843 mußte ß. seine Lehrerstelle an der technischen
Schule in Athen aufgeben; 1846 ließ er sich in Wien
nieder. Hier führte er bis 1849 eine größere An-
zahl von Privatbauten aus und leitete während
der folgenden Jahre den Bau des Wasfenmuseums
im Arsenal. Seit 1869 war H. Oberbaurat und bis
1884 Professor der Architektur an der Akademie der
bildenden Künste zu Wien, wo er, in den Freiherren-
stand erhoben, 17. Febr. 1891 starb. Unter den
vielen Bauten, die H. in Wien seitdem noch aus-
führte, sind zu nennen: die griech. Kirche, die prot.
Kirche in der Vorstadt Gumpendorf (1846 - 49),
die Restauration der Facade des Palais Sina, der
.Heinrichshof (1861-63)', das Gebäude des Musik-
Vereins (1867-70), das Palais des Erzherzogs
Wilhelm (1865-67), die Akademie der bildenden
Künste, die neue Börse, die prot. Schule und der
prot. Fncdhof, das Palais Epstein (1871). Ferner
sind von H.s Bauten zu erwähnen: das Schloß Hörn-
stein, das Invalidenhaus in Lemberg, das Spital
in Brunn. Endlich fertigte er auch die Entwürfe zu
dem ParlamentsgebäudeiuWien,das 1883 vollendet
wurde. H. ist der letzte große Vertreter des helle-
nistischen Klassicismus; er hat durch seine praktische
und lehrende Thätigkeit den hervorragendsten Ein-
fluß auf das Bauwesen Österreichs bis in die acht-
zigerIabre ausgeübt. Eine eigentliche Schule hinter-
ließ er nicht. Ein Prachtwerk: "Theophilos H. und
seine Werke" gaben G. Niemann und Ferd. von
Feldegg (Wien 1893) heraus.
Hansestädte, Städte, welche der Hansa ls. d.)
angehörten; der Name hat sich für die drei Freien
Städte Hamburg, Bremen und Lübeck bis aus die
Gegenwart erhalten.
Hansgirg, Karl Victor, Ritter von, österr.
Schriftsteller, geb. 5. Aug. 1823 zu Pilsen, studierte
zu Prag und Wien die Rechte und veröffentlichte
noch als Student eine Gedichtsammlung "Heimat-
stimmen" (Prag l844). Nachdem er mehrere unter- .
geordnete Amter bekleidet hatte, wurde er 1857
Kreistommissar in Pilsen. Zur Radetzky-Feier 1858
erschienen von ihm "Lorbeer- und Eichenblätter",
denen ein "Liederbuch für Deutsche in Böhmen"
"Prag 1863) folgte. Für die Kräftigung des be-
drohten deutschnationalen Elements im westl. und
südwestl. Böhmen hat er z. B. auch 1861-64 durch
seine Zeitschrist "Westbahn" eifrig gewirkt, 1864
wurde H. Bezirksvorsteher in Bergreichenstein, 1868
Bczirkshauptmanu in Ioachimsthal bei Karlsbad,
woer23.Ian.1877starb. Von seinen übrigenSchrij-
ten sind zu nennen: "Kaiserkronen und Schwert
lilien. Patriotische Dichtungen" (Pils. 1868: 4. Aufl.
1869), das Sonettenbuch "Liebe und Leben" (Prag
1873) und die epischen Dichtungen "Orient und
Occident" (ebd. 1875; 2. Aufl. 1876).
Auch seine Gattin, Thercse von .h. (Pseudonym
Theodor Rcinwald), geb. 28. März 1833, ist
schriftstellerisch aufgetreten mit dem Roman "Dunkle
Fügungen" l2 Bde., Prag 1862) und "Gesammelten
Novellen^ (2 Bde., ebd. 1874).
Hansgraf, s. Hansegrafen.
Han-shön, s. China (Bd. 4, S. 190^).
Hänslein (abgeleitet von Hans, wie Jacke von
Jakob), kurzer Oberrock, wie er im l5. Jahrh, ge-
tragen wurde.
Hanslick, Eduard, Ästhetiker und Musikkritiker,
geb. 11. Sept. 1825 zu Prag, Sohn des Biblio-
graphen Joseph H. (geb. 1785 zu Lischau in Böh-
men, gest. 2. Febr. 1859 zu Prag), widmete sich an
der Universität seiner Vaterstadt und in Wien philos.
und jurist. Studien, lag aber zugleich eifrig der
Musik ob, insbesondere unter der Leitung Toma-
scheks. Nach Beendigung seiner Studien l849 fun-
gierte er einige Zeit als Ministerialkonzipist im
Unterrichtsministerium, verließ aber bald diese
Stellung und habilitierte sich 1856 als Docent für
Ästhetik und Geschichte der Musik an der Wiener
Universität, wo er 1861 zum auherord. und später
zum ord. Professor ernannt wurde. Mehr als durch
seine akademische Thätigkeit hat sich H. durch seine
musikalisch-kritische in der periodischen Presse (seit
1849 an der "Wiener Zeitung", seit 1855 an der
"Presse", seit 1864 an der "Neuen Freien Presse")
bekannt gemacht. Durch seine, geistreiche, wißige,
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