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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hantel - Hanwell
Komödie vom "Fall Adams" (1573) steht er und
.Hans Han neben Gott dem Vater und dem Sohne;
in einem Stücke, "Der verlorene Sohn", von
1692, prügelt er sich mit einem Heiligen und zwei
Teufeln herum. Die Gestalt des H. wurde allmählich
fixiert unter dem Einfluß des ital. Arlecchino und
des engl. Clown. Seit Anfang des 18. Jahrh,
sanden sich Schauspieler, welche diese Figur, die
ln's dahin nur dem niedern Volksdrama angehört
hatte, auch künstlerisch auszubilden beflissen waren.
Unter großem Beifall stellte Ios. Ant. Stranizky
(geb. zu Schweidnitz in Schlesien), der zu Wien 1708
als Nebenbuhler der ital. Komiker auftrat und ihre
Buffonerien nationalisierte, den H. als das Zerr-
bild Harlekins unter der Tracht und dem Charakter
eines einfältig-possierlichen Salzburger Bauern dar.
über die Art seiner Darstellungen verbreitete er sich
in seiner "011g. poti-iäa. des durchtriebenen Fuchs-
mundi" (Wien 1722; neu hg. in den "Wiener Neu-
drucken", ebd. 1885). Vgl. Der Wiener H. Stranizky
und seineNachfolger. Ausgewählte Schriften hg. von
N. M. Werner (in den "Wiener Neudrucken", Wien
1883). Nächst ihm war Gottfr. Prehauser aus Wien
als Darsteller des H. berühmt, der 1720 zuerst die
Pritsche nahm. Diese beiden besonders hatten den
H. in Wien so populär gemacht, daß der Prinzipal
.huber 1760 den Diener Mellefonts, Norton, in
Lessings "Miß Sara Sampson" in einen H. ver-
wandelte. In Norddeutschland glänzte vor allen
Franz Schuch als Hanswurstdarsteller, richtiger als
Darsteller der komischen Figur in der extemporierten
Komödie, die bald H. bald Harlekin genannt wurde.
Später erntete B. Kurz (s. d.), der den H. in Ber-
nardon umtaufte, in dieser Nolle noch Triumphe.
Doch waren, seitdem Gottsched gemeinsam mit der
Neuber die Säuberung des deutschen Theaters von
den Auswüchsen der extemporierten Komödie sich
zur Aufgabe gestellt hatte, d. h. seit der Mitte der
dreißiger Jahre des 18. Jahrh., die Tage des H.
bei den bessern Truppen wenigstens in Nord- und
Mitteldeutschland gezählt; doch fristete er auch in
ihrem Nepertoir in Nachspielen und Pantomimen
noch verhältnismäßig lange sein Dasein; der junge
Goethe läßt ihn wiederholt, vor allem in der aus-
gelassenen Farce "Hanswursts Hochzeit" auftreten,
und noch im "Faust" kommt er als lustige Person
.)U Worte. Am zähesten hielt er sich in Wien, wo es
erst Ausgangs der sechziger Jahre den Bemühungen
des Freiherrn von Vender und Ios. von Sonnen-
fels glückte, ihn ebenfalls von den vornehmsten
Bühnen der Hauptstadt zu verdrängen. Mit dem
Namen verschwand jedoch nicht die Person, vielmehr
tauchte H. als Kasperle, Larifari, Staberl, Lipperl,
Thaddädl u. s. w. immer wieder auf. Seine zähe
Lebenskraft bewährte sich noch in neuerer Zeit in
Raimunds und andern Wiener Zauberpossen, in
denen stereotype possierliche Figuren an den unter-
gegangenen H. mahnen. Auch bei Naupach findet
er sich in der Doppelgestalt des Schelle und Till.
Als gelehrte Verteidiger des H. traten besonders
Lessing und I. Möser auf, letzterer in feiner be-
rühmten Schrift "Harlekin, oder Verteidigung des
Grotesk-Komischen" (1. Ausg. 1761), ersterer beson-
ders im 18. Stück der "HamburgerDramaturgie". -
Vgl. Neuling, Die komische Figur in den wichtigsten
deutschen Dramen bis zum Ende des 17. Jahrh.
(Stuttg. 1890).
Hantel, eisernes Turngerät, bestehend aus einem
Handgriffe mit zwei angegossenen Kugeln. Für den
Gebrauch bei Freiübungen werden sie paarweise, von
1-2 kF das Stück, benutzt; man hat jedoch zur Aus-
bildung der Heb- und Stemmkraft auch H. bis zu
mehr als 50 kF schwer. Die Springgewichte der helle-
nischen Pentathlen glichen oft den jetzigen H. -
Vgl. Eifelen, Hantelübungen (3. Aufl., Verl. 1883).
Hantgemal war im Bürger- und Bauernstande
(hier auch Hausmarke) ein ähnliches Zeichen der
Familie und des Besitzes, wie das Wappen bei dem
Adel. H. bedeutet auch den Grundbesitz und war ein
Wahrzeichen der Schöffenbarfreiheit.
Hantieren (vom frz. Kanter, d. h. oft besuchen,
hin und her ziehen; die Ableitung von Hand und
die darauf beruhende Schreibweise "Handtieren",
"handieren" ist falsch), ursprünglich soviel wie Han-
del treiben, verkaufen, dann auch ein Gewerbe trei-
ben und überhaupt etwas verrichten, thun, treiben,
namentlich mit Hand- und Hausarbeit befchäftigt
fein; Hantierung, Gewerbe, Handwerk.
UanträüH, Handrada (althochdeutsch), be-
deutet eigentlich soviel als Handgerät; im frank.
Necht wird eine Freilasfung psr kkuärHäkni er-
wähnt, bei welcher der Leibeigene losgesprochen
wurde und, im Kreise herumgeführt, von jedem der
Freilassungszeugen (bei den Chamaven 11) den
Handschlag empfing. sHire.
Hants (spr. hännts), engl. Graffchaft, s. Hamp-
Hantwerpen, früherer Name von Antwerpen.
Hannman, Hulman, Name eines in Indien
göttlich verehrten Affen, der dem Näma bei seinem
Zuge nach Ceylon hilfreich beistand und im Nämä-
jana eine große Nolle spielt. Er gilt auch als Ver-
fasser eincs Schauspiels,desHÄnumanMt9,i!9.iii oder
N^äiiHtakkin, das er auf Felsen schrieb, aber auf
Bitten des Välnnki, des Verfassers des Ilämä^aua.,
ins Meer stürzte, damit es nicht den Ruhm dieses
Gedichtes verdunkele. Zur Zeit des Königs Bhöja
von Dhara (im 11. Jahrh. n. Chr.) kamen der Sage
nach Bruchstücke zu Tage, die von Dämödaramicra
oder Madhusudanamicra zu einem neuen Schau-
spiele verarbeitet wurden. Des erstem Bearbeitung
(hg. z. B. Bombay 1886) hat 14, die des zweiten
(hg. z. B. Kalkutta 1878) 9 Akte. Das Stück ist, ob-
wohl in seinen vorliegendeil Fassungen eine Kom-
pilation aus verschiedenen Quellen, für die Ge-
schichte des ind. Dramas wegen seiner Gestalt sehr
wichtig. Der wissenschaftliche Name des H. ist
86llM0pit1i6eu8 6nt6i1u8 14^ti/n. (f. Schlankaffen).
Hanusch, Ignaz Joh., deutsch-czech. Schriftsteller,
geb. 28. Nov. 1812 in Prag, studierte daselbst
Philosophie und die Rechte, war Professor der Philo-
sophie in Lemberg (1836-48), dann in Prag (1849
-52), seit 1860 Universitätsbibliothekar daselbst
und starb 19. Mai 1869. Von seinen Schriften
seien erwähnt: "Handbuch der wissenschaftlichen Er-
fahrungslehre" (Lemb. 1842 u. ö.), der Denklehre
(ebd. 1843 u. ö.), der Metaphysik, Ethik, Analyse
der Philosophie Schtitnys (czechisch), "Die Wissen-
schaft des flaw. Mythus" (Lemb. l842; nachträglich
von H. selbst als verfehlt bezeichnet), "V^LLiovu?
1<Hi6nä3.i'" ("Kalender der flaw. Mythologie", Prag
1860), sowie zahlreiche histor. und bibliogr. Arbeiten
zur slaw. Litteratur.
Hanwell (spr. hänn"), Stadt in der engl. Graf-
fchaft Middlesex, 11,5 km westlich von London, links
am Brent-River, Station der Great-Westernbahn,
bat (1891) 6139 E. und ein großes Irrenhaus
(Middlesex County LunaticAsylum) für 1800Kranke
mit fchönem Park.