Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

806

Hap – Harakiri

Hap, ägypt. Name des Apis (s. d.).

Hapăle, s. Krallenäffchen.

Hapalĕmur, s. Halbmaki.

Haparanda, eigentlich Haaparanta, d. h. Espenstrand, gut gebaute Stadt im schwed. Län Norrbotten, am Nordende des Bottnischen Meerbusens unter 65°51’ nördl. Br., die nördlichste Stadt Schwedens, nur 3 km von der Mündung der Torneå-Elf, der russ. Grenzstadt Torneå gegenüber gelegen, hat (1892) 1302 E., lebhaften Handel und Schiffbau. Der Hafen H.s, Salmis, liegt, 8 km entfernt, westlich von der Mündung der Torneå-Elf. Wichtig ist die meteorolog. Station. H. wurde nach dem Verluste Finlands angelegt.

Hapax legomĕnon (grch.), d. h. nur einmal Gesagtes, ein nur an einer einzigen Stelle vorkommendes Wort.

Hape, der im alten Ägypten als Gott verehrte Nil. Er wird als Mannweib dargestellt, mit hängenden Brüsten, und galt als der Urheber alles Reichtums und Überflusses. In Nilopolis, Memphis und Heliopolis hatte er große Tempel.

Haphtāra, Haftara (hebr., Mehrzahl Haphtarōth), im Ritus der Synagoge der an Sabbaten, Feier- und Fasttagen an die Vorlesung aus dem Pentateuch sich anschließende Abschnitt aus den Propheten, der mit entsprechenden Benediktionen eingeleitet und beschlossen wird. Der Inhalt der H. bietet in der Regel einen Anknüpfungspunkt an denjenigen der vorher verlesenen Perikope oder der jeweiligen Bedeutung des Tags im jüd. Synagogalkalender. Die Lesestücke aus dem Pentateuch heißen Paraschen (Mehrzahl: Paraschoth, s. Sidra).

Haplocĕrus, s. Bergziege.

Haploodontīnae, s. Showtl.

Happel, Eberhard Werner, Romanschriftsteller, geb. 1647 zu Kirchhain in Hessen, studierte in Marburg anfangs Mathematik und Medizin, später Jura, ohne es zu einer gesicherten Lebensstellung zu bringen. Ein Amt, das er im Holsteinischen schließlich (1674) erhielt, war nicht von langer Dauer. Seit 1679 lebte er wieder ohne Amt, nur schriftstellerisch thätig, in Hamburg. Er starb 1690. Nicht ohne Talent, kultivierte er im Geschmack der Zeit den heroisch-galanten Roman in überseeischer Landschaft: «Der asiat. Onogambo», «Der insulanische Mandorell» u.s.w. und den histor. Roman etwa in der Art, wie ihn später Luise Mühlbach und Samarow behandelten: «Der span. Quintana», «Der franz. Comentin», «Der teutsche Carl», «Der engelländ. Eduard» u.s.w.; jeder dieser «Europ. Geschichtsromane» giebt die Ereignisse eines Jahres wieder. Höhern Wert, wenn auch nur vom kulturhistor. Standpunkt, beansprucht «Der akademische Roman» (1690), der autobiogr. Elemente enthält und über das akademische Leben jener Zeit höchst interessante Aufschlüsse giebt.

Hapsal oder Wiek. 1) Kreis im westl. Teil des russ. Gouvernements Esthland, im W. buchtenreich an die Ostsee grenzend, hat 4697,8 qkm (davon 1114,4 qkm Inseln: Dagö, Worms u.a.), 80129 E. (meist Esthen), Ackerbau, Viehzucht, Fischerei, Schifffahrt und Schiffbau. –

2) H., esthn. Haapsalalin, Kreisstadt im Kreis H., 105 km westsüdwestlich von Reval (Kolywan), an einer Bucht der Ostsee, hübsch gebaut, hat (1889) 2865 E., Post und Telegraph, 1 prot. und 1 russ. Kirche, Ruinen einer 1228 erbauten Bischofsburg und Kirche, See- und Moorbäder. Der Hafen ist seicht und nur für kleine Schiffe ↔ zugänglich. – H. wurde 1279 gegründet, 1559 an Dänemark verkauft, kam später an Schweden und 1710 an Rußland.

Haptisch (grch.), den Tastsinn betreffend; haptische Täuschung, Täuschung des Tastsinns.

Haquenées (frz., spr. ak’neh), die farbigen Decken, mit denen man im Mittelalter die Streitrosse behing.

Harafōra, Arafura oder Alfuren (bei den Niederländern Alfoers, bei den Portugiesen Alfores, Alforias oder Alfurios, d. i. außerhalb Befindliche, Freie, Wilde), ein Volksstamm auf den Inseln des Indischen Archipels, nach dem das Meer zwischen der Torresstraße, Australien und Timor den Namen Harafora- oder Arafurasee trägt. Die H. treten nur an vereinzelten Stellen auf, wie auf Celebes, den Molukken, auf Mindanao, nirgends aber auf Borneo und den eigentlichen Sunda-Inseln. Obschon sie mit ihrer rauchbraunen Farbe mancherlei Negerartiges zeigen, gehören sie doch keineswegs zu den Papua, von denen sie durch Schädelbildung und durch ihr schlichtes langes Haupthaar charakteristisch unterschieden sind. Wie vor allem ihre Sprache bekundet, bilden sie vielmehr ein in jeder Beziehung hinter ihren Verwandten zurückgebliebenes oder auch verwildertes Glied des malaiischen Völkerstammes. Auf manchen Inseln hat sich die alfurische Bevölkerung mehr oder weniger mit den Malaien gekreuzt und dadurch einen sehr gemischten Charakter angenommen. Am bekanntesten sind die echten H. auf der nordöstl. Landzunge von Celebes, wo sie in der Minahassa die vorherrschende Bevölkerung bilden und als Ureinwohner gelten. Sie treiben hier Ackerbau, unterhalten für die niederländ. Regierung Kaffeepflanzungen , legen Wege und Brücken an und führen ansehnliche Gebäude auf. Dem Heere liefern sie treffliche Soldaten. Ihre Religion ist Vielgötterei, doch haben in neuerer Zeit christl. Missionare unter ihnen Eingang gefunden. Weniger bekannt sind die H. auf den molukkischen Inseln Ternate und Amboina sowie auf Ceram, wo sie den Hauptstock der Bevölkerung ausmachen. – Vgl. Baer, Über die Papuas und Alfuren (Petersb. 1859); Finsch, Neuguinea und seine Bewohner (Brem. 1865); Niemann, Bijdragen tot de kennis der Alfoersche taal in de Minahasa (Rotterd. 1866).

Harakīri (japan.) oder Seppuku (chines.), «Bauchaufschneiden», eigentümliche Art des Selbstmordes in Japan zur Feudalzeit. Das H. wurde entweder aus eigenem Entschluß oder auf Befehl der Regierung vorgenommen und bildete eine Vergünstigung des Kriegerstandes. Der Ursprung der Sitte liegt wahrscheinlich darin, daß der Unterleib nach alter Anschauung als Sitz der Gefühle angesehen und man durch Öffnung desselben die Reinheit seiner Gesinnung beweisen wollte. Das H. ohne Beisein eines andern, aus eigenem Entschluß oder auf Beschluß der Verwandten ausgeführt, geschah oft, um sich aus einer Ehrensache herauszuziehen, sich im Kriege vor Gefangenschaft zu bewahren oder einer sicher erfolgenden Strafe zuvor zu kommen. Nachdem sich der Betreffende mit einem Messer, das er stets bei sich trug, durch einen Querschnitt von links nach rechts den Bauch geöffnet, durchstach er sich gewöhnlich die Kehle. Durch solche That war er in den Augen der Nachwelt gerechtfertigt, seine Ehre war gerettet, seine etwaige Schuld wurde als nicht erwiesen betrachtet, der Familie verblieb das Ein-

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 807.