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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Hardenberg

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Hardenberg (Friedr. Leopold, Freih. v.) - Hardenberg (Karl August, Fürst v.)

grafen Wilhelm VIII. von Hessen-Cassel, wurde während des Siebenjährigen Krieges der leitende Staatsmann dieses Landes und zeigte sich eifrig bemüht, das Bündnis mit England und Preußen aufrecht zu erhalten und weiter zu befestigen. 1761 verließ er Hessen, da er mit dem katholisch gewordenen Landgrafen Friedrich II., einem launischen und verschwenderischen Fürsten, in Mißhelligkeiten gekommen war. Nach zwei in Zurückgezogenheit verbrachten Jahren wurde H. in Hannover Vorsitzender der Kriegskanzlei mit dem Rang eines Ministers. Er erwarb sich hier für die Hebung des im Kriege schwer mitgenommenen Landes nicht unwesentliche Verdienste. H. starb 1768. - Vgl. Ein kleinstaatlicher Minister des 18. Jahrh. Leben und Wirken Friedrich Augusts, Freiherrn von H. (Lpz. 1877).

Hardenberg, Friedr. Leopold, Freiherr von, als Schriftsteller unter dem Namen Novalis bekannt (in lat. Urkunden des 13. Jahrh, bezeichnen sich einige seines Geschlechts nach ihrem Sitze [Großen]-Rode de Novali), geb. 2. Mai 1772 auf seinem Familiengute Wiederstädt in der Grafschaft Mansfeld, besuchte seit 1789 das Gymnasium in Eisleben. In Jena, wo er als Verehrer Schillers freundliche Aufnahme in dessen Familienkreise fand, studierte er (Herbst 1790 bis Herbst 1791) Philosophie, in Leipzig (bis 1793) und Wittenberg die Rechte und wendete sich im Sommer 1791 nach Tennstädt, um sich als praktischer Jurist auszubilden. Hier lernte er auf einem benachbarten Gute die noch ganz kindliche Sophie von Kühn (geb. 1783) kennen, verlobte sich mit ihr, wurde 1795 als Auditor bei den Salinen in Weißenfels angestellt, verlor aber 1797 seine Braut durch den Tod. Um sich die zu einer Anstellung bei den Salinen nötigen Kenntnisse zu erwerben, besuchte er noch in demselben Jahre die Bergakademie zu Freiberg, wo er die stärksten geistigen Anregungen von dem Geologen Prof. Werner erhielt und die Tochter des Berghauptmanns Charpentier kennen lernte, mit der er sich 1800 verlobte. Im Sommer 1799 kehrte er nach Weißenfels zurück und wurde dem Direktorium der Salinen als Assessor beigesellt. Er war zum Amtshauptmann in Thüringen ernannt, als er, von Jugend auf kränklich, im väterlichen Hause in Weißenfels in den Armen seines Freundes F. Schlegel 25. März 1801 starb.

H., der als einer der vollkommensten Vertreter der romantischen Schule gelten kann, war ein hochbegabter und mit reicher Bildung ausgestatteter Dichter. Indessen überwog bei ihm das mystische Gefühlsleben so stark, daß sein an sich höchst scharfsinniger Verstand sich vollständig unterordnete. Daher entwickelte sich bei ihm alles lyrisch, oder er blieb, wie in den geistvollen, oft aber bizarren und dunkeln Fragmenten über Philosophie, Physik, Ästhetik und Litteratur, bei geheimnisvollen Andeutungen und orakelnden Aussprüchen stehen. Seinen originell angelegten, an den zartesten Phantasiegebilden reichen Roman "Heinrich von Ofterdingen" überlieferte er der Nachwelt als rätselhaften Torso. Den Kern seiner Dichtungen bildet mehrfach das christl. Mysterium, das H. fast in kath. Farben behandelt. Seine geistlichen Lieder, welche den Anfang eines von ihm beabsichtigten Gesangbuchs bilden sollten, gehören zu dem Schönsten, was wir von religiöser Poesie besitzen (darunter "Wenn ich ihn nur habe", "Wenn alle untreu werden"). Seine krankhafte, aber an poet. Elementen reiche Sehnsucht nach dem Tode und der Nacht beherrscht auch sein künstlerisches Schaffen, das überall wunderbare Tiefe des Gefühls und phantasievolle Anschauung offenbart. Er selbst stellte die in rhythmischer Prosa verfaßten "Hymnen an die Nacht" am höchsten. Seine "Schriften" wurden von L. Tieck und F. Schlegel gesammelt (2 Bde., 1802; Bd. 3, 1846). H.s "Gedichte" gab Beyschlag (Halle 1869) heraus, seinen "Heinrich von Ofterdingen" Julian Schmidt (in der "Bibliothek der deutschen Nationallitteratur des 18. und 19. Jahrh.", Bd. 38, Lpz. 1876), eine Auswahl seiner Werke Dohmke (Lpz. 1892). - Vgl. über ihn besonders R. Haym, Die romantische Schule (Berl. 1870); Friedrich von H. (genannt Novalis). Eine Nachlese aus den Quellen des Familienarchivs (Gotha 1873; 2. Aufl. 1883); Novalis' Briefwechsel mit Friedrich und August Wilhelm, Charlotte und Karoline Schlegel. Hg. von Raich (Mainz 1880); A. Schubart, Novalis' Leben, Dichten und Denken (Gütersloh 1887); J. ^[Just Johann] Bing, Fr. von H. (Novalis), eine biogr. Charakteristik (Hamb. und Lpz. 1893).

Auch seine beiden Brüder waren poetisch beanlagt. Der ältere, Georg Anton von H., geb. 28. Juli 1773 zu Schlöben in Sachsen-Altenburg, Oberforstmeister in Hessen, gest. 10. Juli 1825 als preuß. Kammerherr und Landrat zu Oberwiederstädt, schrieb unter dem Namen Sylvester Beiträge zu des Folgenden "Dichtergarten" und verschiedenen Musenalmanachen. Der zweite, Karl Gottlob Andreas von H., der sich Rostorf nannte, geb. 13. März 1776 zu Oberwiederstädt, wurde 1807 katholisch und starb 28. Mai 1813 als sächs. Amtshauptmann zu Weißenfels. Er schrieb "Die Pilgrimschaft nach Eleusis" (Berl. 1804) und gab den "Dichtergarten" (Würzb. 1807) heraus.

Hardenberg, Karl August, Fürst von, preuß. Staatsmann, geb. 31. Mai 1750 zu Essenrode im Hannoverschen, aus altem freiherrl. Geschlecht stammend, studierte in Leipzig und Göttingen und trat 1770 als Auditor bei der Justizkanzlei, dann bei der Kammer in Hannover ein. Nach einem mehrjährigen Aufenthalt in Wetzlar, Regensburg, Wien und Berlin besuchte er Frankreich, Holland, England, wurde 1778 in Hannover zum Geh. Kammerrat ernannt und in den Grafenstand erhoben. Als bei einem neuen Aufenthalt am engl. Hofe der Prinz von Wales mit H.s Gemahlin ein Liebesverhältnis anknüpfte, bewog dies H., 1782 den hannov. Staatsdienst zu verlassen und in den des Herzogs von Braunschweig einzutreten, woselbst er als Mitglied des Geheimratskollegiums eine ministerielle Stellung erhielt. 1790 wurde er auf Empfehlung des Königs von Preußen von dem Markgrafen von Ansbach und Bayreuth als Minister angestellt und auch nach der Vereinigung der fränk. Markgrafschaften mit Preußen 1791 in seinem Amte bestätigt, zum preuß. Staatsminister ernannt und in das Kabinettsministerium aufgenommen, mit Beibehaltung der Verwaltung seiner Provinz, um die er sich große Verdienste erwarb. Von den Tendenzen der Aufklärung erfüllt, beseitigte er die alten feudalen Zustände in den fränk. Landen, erweiterte die Machtvollkommenheit der Krone und setzte mannigfache Verbesserungen in Justiz und Unterricht, im Bergbau und im Steuerwesen durch. Während des Krieges gegen Frankreich wurde er mit mehrern diplomat. Aufträgen betraut und 1795 nach Basel gesandt, wo er 5. April den Frieden zwischen Preußen und Frankreich abschloß.