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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hardwick – Häresie

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Hardwar'

namentlich an geweihten, durch Astrologen bestimmten Tagen das Wasser zu erreichen sucht. In H. selbst finden nur die Reichen Unterkunft, die übrigen Pilger nächtigen in Zelten oder im Freien. Jährlich beim Beginn des Hindu-Sonnenjahres (März oder April) findet eine große Mela oder Messe, alle 11 Jahre eine besonders feierliche, Kumbh-(ka-)Mela genannte Messe, statt, die ein buntes Gewirr von Nationen und Trachten darbietet. Pferde aus Kabul, Persien und Arabien bilden den Hauptgegenstand des Handels.

Hardwick, Elisabeth, s. Cavendish (engl. Familie).

Hardy (spr. ardih), Alexandre, franz. Dramendichter, geb. um 1570 zu Paris, gest. 1631 oder 1632, war seit 1593 Theaterdichter einer Provinzialtruppe, die seit 1600 unter Balleran Lecomte in Paris (im Hôtel de Bourgogne) spielte und für die er bis zu seinem Tode gegen 600 Stücke lieferte. Eine Auswahl Tragödien, Tragikomödien, Pastoralen veröffentlichte H. u. d. T. «Théâtre de Hardy» (6 Bde., Par. 1624–28; neu hg. von Stengel, 5 Bde., Marb. 1883). Es sind naturalistische, von dem Klassicismus der Renaissance stofflich und auch in der Form einigermaßen berührte Dichtungen von grober Wirkung und ohne künstlerische Durchbildung, die das Verdienst beanspruchen können, dem klassischen franz. Drama, das bisher Schultragödie und Buchdrama gewesen war, durch Anpassung an die Forderungen und Bedürfnisse einer für die Öffentlichkeit bestimmten Bühne von Berufsschauspielern den Weg geebnet zu haben. – Vgl. Ebert, Entwicklungsgeschichte der franz. Tragödie (Gotha 1856); Rigal, A. H. et le théâtre français à la fin du XVIe et au commencement du XVIIe siècle (Par. 1889).

Hardy, Gathorne, engl. Staatsmann, s. Cranbrook.

Hardy, Thomas, engl. Romanschriftsteller, geb. 2. Juni 1840 in einem Dorfe in Dorsetshire, trat 1857 bei einem Architekten in die Lehre und bildete sich dann in London weiter aus und erhielt 1863 für einen «Essay on coloured brick and terra cotta architecture» einen Preis. Später widmete er sich der Romanschriftstellerei und schilderte in vortrefflicher Weise die engl. ländliche Bevölkerung, besonders die seiner heimischen Grafschaft Dorsetshire. Von seinen Romanen seien genannt: «Desperate remedies» (1871), «Under the Greenwood tree» (1872), «A pair of blue eyes» (1873), «Far from the madding crowd» (1874), «The hand of Ethelbertha» (1876), «The return of the native» (1878), «The trumpet-major» (1880), «Two on the tower» (1882; neue Aufl. 1891), «The major of Casterbridge» (1886), «The Woodlanders» (1886–87), «Wessex tales» (1888) und «Tess of the D’Urbervilles, a pure woman» (1891).

Hare (spr. hähr), Augustus John Cuthbert, engl. Schriftsteller, geb. 13. März 1834 zu Rom, wurde auf der Universität Oxford vorgebildet. K. verfaßte eine große Anzahl Schriften, namentlich Reisebilder, von denen genannt seien «A winter at Mentone» (1861), «Walks in Rome» (1870), «Wanderings in Spain» (1872 u. ö.) «Cities of Northern and Central Italy» (1875), «Walks in London» (1877 u. ö.), «Sketches of Holland and Scandinavia» (1885), «Studies in Russia» (1885), «Paris» (1887), «Days near Paris» (1887) und «North-Eastern France» (1890), «South-Eastern France» (1890) und «South-Western France» (1890). H. lebt in Holmhurst bei Hastings. ↔

Harelda, s. Eisenten.

Harem (seiner arab. Ableitung zufolge das «Heilige» oder «Unverletzliche»), bei den Mohammedanern die abgesonderte Frauenabteilung der Wohnhäuser, zu der keinem fremden Mann der Zutritt gestattet ist. Das großherrliche H. hat insofern eine staatsrechtliche Bedeutung, als sämtliche in ihm geborenen männlichen Kinder, und zwar nur diese, unter den bei einer Thronerledigung vorhandenen aber jedesmal das älteste, zur Thronfolge berufen sind, gleichviel, ob der letztverstorbene oder ein früherer Herrscher der Vater gewesen. Der Grundsatz der Ebenbürtigkeit der im H. geborenen Kinder, ob nun die Mutter eine Freie, rechtmäßig Vermählte oder eine Sklavin ist, gilt nicht nur für das großherrliche H., sondern auch in Privatverhältnissen im Islam. Der Apparat der Abschließung, womit der Orient das H. umgiebt, Vergitterung der Fenster, Verschleierung, Eunuchenwache, ist eine Übertragung sassanidisch-byzant. Gebräuche und beruht auf der allgemeinen Stellung des Weibes im Orient.

Haren, Willem van, niederländ. Dichter, geb. 21. Febr. 1710 zu Leeuwarden, bekleidete mehrere hohe Staatsämter, erlitt aber große finanzielle Verluste und machte 4. Juli 1768 auf seinem Landhause Henkenshage in Nordbrabant seinem Leben ein Ende. 1742 schrieb er voll Enthusiasmus für die Freiheit das lyrische Gedicht «Leonidas», um damit die Holländer anzuspornen, sich an dem österr. Successionskriege zu beteiligen. Ausgezeichneter als dieses sind aber seine Oden, unter denen sich ganz besonders die auf das Glück sowie die auf das menschliche Leben auszeichnen. Sein großes episches Gedicht «Friso» (Amsterd. 1741: verbesserte Aufl. 1785) brachte ihm aller Unvollkommenheiten ungeachtet großen Ruhm. Eine Gesamtausgabe seiner Dichtungen hat Westermann (6 Bde., Amsterd. 1824) veranstaltet.

Sein Bruder, Onno Zwier van H., geb. 2. April 1713 zu Leeuwarden, war wie Willem van H. ein eifriger Anhänger des Prinzen von Oranien und bekleidete mehrere hohe Ämter, bis er nach dem Tode Annas, der Witwe Wilhelms IV., 1759 den Hof verließ und sich auf seine Güter begab. Er starb 2. Sept. 1779. Sein vorzügliches Gedicht «De Geuzen» (Amsterd. 1772), das den Aufschwung der niederländ. Freiheit in 24 Gesängen feiert, erschien 1769 u. d. T. «Aan het Vaderland». Die 5. Ausgabe, besorgt von Bilderdijk (1785), enthält viele Umgestaltungen des Urtextes. Auch Dramen schrieb er, von denen «Agon, Sultan van Bantam» (1769) das beste ist. Die Dichtungen beider Brüder erschienen 1854 u. d. T. «Dichterlijke werken van Willem en Onno Zwier van H.» – Vgl. van Vloten, Leven en werken van Willem en Onno Zwier van H. (Deventer 1872–74).

Haren-Rütenbrocker Kanal, s Tabelle und Karte zum Artikel Fehn- und Moorkolonien (Bd. 6, S. 629 und 630).

Härĕsie, Härĕsis (grch.), Wahl, das Erwählte, besonders eine selbsterwählte Lebens- oder Lehrart, Schule oder Sekte. Im kirchlichen Sprachgebrauch erhielt das Wort bald den Nebenbegriff willkürlicher Menschenmeinung und wurde seit Mitte des 2. Jahrh, stehende Bezeichnung für die von dem katholischen, d. h. allgemein geltenden Glauben abweichenden Lehren Einzelner oder ganzer, von der kath. Kirche ausgestoßener Parteien oder Sekten. Diejenigen, die sich zu einer solchen Lehre hielten, hießen Häretiker. Als Widerstand gegen die

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 815.