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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hartenau - Hartford
mcssenen Grades der Glühhitze dient die Farbe des
Stahls in glühendem Zustande, und zwar liegt die
richtige Farbe zwischen Kirsch- und Rosenrot. Stahl
von hohem Kohlenstoffgehalt bedarf nur einer ver-
hältnismäßig geringen Erhitzung (dunkle Rotglut),
da der Kohlenstoff sonst verbrannt und der Stahl
dann meist unbrauchbar wird. Je reicher ein Stahl
an Kohlenstoff ist, eine desto größere Härte vermag
derselbe durch den Prozeß des H. zu erlangen. Außer
von dem Kohlenstoffreichtum des Stabls und dem
Grad der Glühhitze hängt die Härte von der Tem-
peratur der Abkühlungssubstanz und dem Wärme-
leitungsvermögen der letztern ab. Soll dem Stabl,
seiner Bestimmung entsprechend, mehr Härte und
weniger Elasticität erteilt werden, so müssen die
Temperaturunterschiede beim Glühen und Ablöschen
größer sein, als wenn weniger Härte und mehr
Elasticität verlangt wird. Die höchste Härte, die
ein Stahl seiner Natur nach erhalten kann, wird
als Glas härte bezeichnet und wird den Feilen
erteilt. Für andere Zwecke braucht man eine gerin-
gere Härte, doch macht man den Stahl bärter, als
er sein soll, und giebt ihm dann durch Erhitzen auf
eine gewisse Temperatur (Anlassen) und darauf-
folgendes Abkühlen den erforderlichen Grad der
Weichheit. Durch die dabei entstehenden Anlauf-
farben hat man ein Kennzeichen, wie hoch die Er-
hitzung vorgenommen werden darf. Das Anlassen
des gehärteten Stahls wird entweder durch direktes
Erhitzen im Feuer oder besser dadurch bewirkt, daß
man die noch kalten anzulassenden Stahlstücke auf
eine fchwachglühende Guheisenplatte legt. Die dabei
auftretenden Anlauffarben nebst den Temperaturen
und der Verwendungsart des betreffenden Härte-
grades sind dann folgende:
220", blas;gelb, für chirurg. Instrnmentc.
240°, strohgelb, für Rasiermesser, Grabstichel,
Zieheisen.
250", braun, für Scheren, härtere Meißel.
265", braunrot, für Arte, Hobeleisen, Taschen-
messer.
275", p urp urrot, für Tischmesser.
285", hellblau (Federhärte), für Uhrfedern,
Klingen.
295", kornblumenblau, für feine Sägen, Boh-
rer, Dolche.
315", graublau, für Hand- und Stichsägen.
Die Einsatzhärtung, das Einsetzen, auch
Oberflächen Härtung genannt, ist ein Verfahren,
um Gegenständen aus Schmiedeeisen eine härtere
und zugleich politursähige Oberfläche zu verleiben.
Man packt sie mit Holzkohlenpulver, besser noch mit
stickstosf- und kohlenstoffhaltigen Körpern, z. V. Lcder-
oder Hornabfällen, in eine eiferne Kiste und glübt
sie darin mehrere Stunden lang. Die Oberfläche
wird dadurch in Stahl verwandelt, während der Kern
nach wie vor aus weicherm und deshalb weniger
sprödem Eisen besteht. - über das H. des Glases
s. Glas (S.42d). - Vgl. Reiser, Das H. des Stahls
(Lpz. 1881). sBulgaricn.
Hartenau, Graf von, s. Alexander I., Fürst von
Harteneck, Joh. Sachs von, mit dem ursprüng-
lichen Familiennamen Zabanin s, Graf der sieben-
bürg.-sä'chs. Nation, geb. 1664 zu Eperie^ in Ungarn,
studierte in Hermannstadt und Weißenburg in Sie-
benbürgen, dann in Tübingen, wo er l 688 auf Grund
seiner Streitschrift "1)6 16018" das Magisterium der
Philosophie erwarb. 1689 kehrte er nach Hermann-
stadt zurück und erhielt 1. Aug. 1690 die Stelle
eines Provinzialnotarius. H. trat überall mit gro-
ßem Mute für die Rechte der Sachsen und die Frei-
heit der Religionsbekenntnisse ein; ebenso stand er
entschieden zur Partei des Habsburg. Kaiserhauses.
Im Febr. 1695 wurde er Stuhlrichter im H ermann-
städter Kreise, im März desselben Jahres Provin-
zialbürgermeister daselbst und 1697 Graf der sa'chs.
Nation und Königsrichter von Hermannstadt' 269^5
erhob Kaiser Leopold 1. H. in den Ritterstand des
Heiligen Römischen Reichs, mit dem Ehrentitel
"Sachs Edler von H.". Schließlich gelang es aber
seinen zahlreichen Feinden, seinen Sturz herbeizu-
sübren. Sein Haupt fiel unterm Henkerschwert
5. Dez. 1703. - Vgl. F. von Zieglauer, H., Graf
der sächs. Nation und die siebenbürg. Parteikämpfe
feiner Zeit 1691-1703 (Hermannstadt 1869; dazu
Ergänzungshcft, 1872).
Hartenstein, Stadt in der fächs.Kreis- und Amts-
hauptmannschaft Zwickau, 15 km westfüdwestlich
von Zwickau, in 324 in Höhe, ani Thierfelder Bache
und an der Linie Wcrdau-Schwarzenberg (Station
Stein-H) der ^ächf.Staatsbahnen, Sitz eines Amts-
gerichts (Landgericht Zwickau), hat (1890) 2535 E.,
darunter 25 Katholiken, Post, Telegraph, ein schönes
Schloß mit Part iscit 1410 im Besitz des fürstl.
Hauses ^chönburg): Weberei, Weißwaren- und
Strumpjwarenfabrikation und 2 Bierbrauereien.
H. ist Geburtsort des Dichters Paul Fleming. In
der Näbc die Prinzenhöhle (s. Prinzcnraub).
Harteilstein, l^ust., Philosoph, geb. l8. März
180^ zu Plaucn, studierte zu Leipzig Theologie und
Pbilosophic und babilitierte sich 1833 m der philos.
Fakultät, worauf er 1831 außerord., 1836 ord. Pro-
fessor wurde. H. wurde 1848 Ephorus der Univer-
sitätsbibliothek zu Leipzig und zog sich 1859 nach
Jena zurück, wo er 2. Febr. 1890 starb. H.s philos.
Richtung wurde vorzüglich durch Herbart entschie-
den, zu dessen Verständnis er in den Schriften "Die
Probleme und Grundlchren der allgemeinen Meta-
physik" (Lpz. 1836) und "Die Grundbegriffe der
ethischen Wissenschaften" (ebd. 1844) wirkte. Neben
den von ihm besorgten Gesamtausgaben der Werke
Kants und Herbarts sind von H.s Schriften noch
zu erwähnen: "Über die neuesten Darstellungen und
Beurteilungen der Herbartschen Philosophie" (Lpz.
1838), "I>(^ ct1>ic^8 i! 8< 1>1oj(;ri>i3.cli6r<) propoZitH"
i'undlnnmlto" (ebd. 1837), "Über Leibniz'Lehre von
dem Verhältnis der Monadell zur Körperwelt" (in
der Sammlung seiner "Histor.-philos. Abhand-
lungen", ebd. 1870), ferner die "Darstellung der
Rechtsphilosophie des Hugo Grotius" (l850), "Über
den wissenschaftlichen Wert der Aristotelischen Ethik"
(1859) und "über Lockes Lehre von der menschlichen
Erkenntnis in Verglcichung mit Leibniz' Kritik der-
selben" (Lpz. 1861). Letztere drei Arbeiten erschienen
zuerst in den "Abhandlungen" derSächsischenGesell-
schaft der Wissenschaften, der H. von Anbeginn an-
Härtestala, s. Härte. ^gehörte.
Hartes Wasser, f. Härte (des Wassers).
Härtfeld, Härdtfeld, Härtefeld, der nord-
östlicbstc Tcil dcs Schwäbischen Jura (s. d.), der jen-
seit der bayr. Grenze im Fränkischen Jura (s. d.)
seine Fortsetzung findet. Vom A albu ch (s. d.) durch
das Doppcltbal Kochcr-Brenz getrennt, erstreckt es
sich 30 km lang nordöstlich bis zur Wörnitz und er-
reicht im Braunenberg 726 in Höhe.
Hartflosser, s. Stachelflosser.
Hartford (spr. habrtf'rd), Hauptstadt dcs nord-
amcrik. Staates Connecticut und dcs Comtty H.,