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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hartmann (Eduard von) - Hartmann (Emil Friedrich Gustav)
an der Redaktion des Witzblattes "Postheiri" be-
teiligt. Seine hauptsächlichsten Schriften sind:
"Kiltabendgeschichten" (2 Bde., Bern 1852 - 54),
"Meister Putsch und seine Gesellen" (2 Bde.,
Soloth. 1858), "Junker Hans Jakob vom Staal"
(ebd. 1861), "Martin Disteli. Ein Künstlerleben"
(ebd. 1861), "Galerie berühmter Schweizer der Neu-
zeit" (mit hasler, 2 Bde., Baden i. A. 1863-71),
"Erzählungen aus der Schweiz" (Soloth. 1863),
"Junker und Bürger. Histor. Roman" (2Bde., Berl.
1865), "Die Limmatschäfer"(dramat. Versuch, 1870),
"T>ie Denkwürdigkeiten des Kanzlers tzory" (Berl.
1875), "Schweizer Novellen" (ebd. 1877), "Ncue
Schweizer Novellen" (ebd. 1879), "Fortunat"
(3 Bde., ebd. 1879), "Der gerechte Branntwein-
brenner. Volksroman" (Bern 1881), "AufSckweizer-
erde. Novellen" (3Bde., ebd. 1883 -<M, "Der
Wunderdoktor" (Bas. 1892).
Hartmann, Eduard von, Philosopb, geb.
23. Febr. 1842 zu Berlin, trat 1858 in das Garde-
artillerieregiment ein, besuchte 1859-62 die Ver-
einigte Artillerie- und Ingenieurschule und wurde
1860 Offizier. Nachdem er durch ein nervöses Knie-
leiden sich genötigt gesehen hatte, 1865 seinen Ab-
schied zu nehmen, widmete er sich gänzlich den wissen-
schaftlichen Studien, promovierte 1867 und lieft zwei
Jahre darauf das Werk erscheinen, das seinen Ruf
begründete: "Die Philosophie des Unbewußten"
(Berl. 1869; 10. Aufl. in 3 Vdn., Lpz. 1890). Ans
einer Verschmelzung der Schopenhanerschen Willens-
lehre mit dem Entwicklungssystem Hegels und unter
Verwendung dermetaphysiscyenPrincipienlehre des
letzten SchellingschenStandpunkts hervorgegangen,
suchte dies Werk den Weltlauf aus dem Antagonis-
mus von Wille und Vorstellung als den beiden At-
tributen der "unbewußten" Substanz zu erklären.
Die gewandte Darstellung, die Verwendung einer
Fülle von naturwissenschaftlichen Kenntnissen und
die interessante Ausführung pessimistischer Ge-
dankengänge, die sich gleichwohl einem "evolutio-
nistischen" Optimismus einfügen sollten, brachton
dem Werke große Verbreitung. 'Ähnliches Auffehen
erregte H., als er seiner theoretischen Philosophie
die Ethik u. d. T. "Phänomenologie des sittlichen
Bewußtseins" (Berl. 1879; 2. Aufl. u. d. T. "Das
sittliche Bewußtsein", 1886) und die Religions-
philosophie in zwei Teilen: "Das religiöse Bewußt-
sein der Menschheit im Stufengange feiner Entwick-
lung" und "Die Religion des Geistes" (Berl. 188 l.
u. 1882; 2. Aufl.: "Religionsphilosophie", 2 Bde.,
Lpz. 1888) hinzufügte. Als Vorbereitung und Er-
gänzuug für die "Religionsphilosophie" können
"Die Selbstzersetzung des Christentums und die
Religion der Zukunft" (Berl. 1874) und "Die Krisis
des Christentums in der modernen Theologie" (ebd.
1880) gelten. Dazu kam die "Ästhetik", deren erster
Teil historisch-kritisch "die deutsche Ästhetik seit Kant"
bebandelt (Berl. 1886), während der zweite "die
Philosophie des Schönen" (ebd. 1887) systematisch
entwickelt. Neben diesen Hauptwerken, die in einer
Sammlung: "Ausgewählte Werke" (Berl. 1885 fg.)
den wichtigsten Inhalt bilden, sind folgende Schrif-
ten zu nennen: "über die dialektische Methode" (ebd.
1868), "Schellings positive Philosophie als Einheit
von Hegel und Schopenhauer" (ebd. 1869), "Das
Ding-an-sich und seine Beschaffenheit" (ebd. 1871;
2. Aufl. u. d. T. "Kritische Grundlegung des trans-
scendentalen Realismus", ebd. 1875; 3. Aufl. 1885), !
"Vadrdcit und Irrtum im Darwinismus" (edd. !
1875; 2. Aufl. im 3. Bande der 10. Aufl. dcr
"Philosophie des Unbewußten"), "Zur Reform des
höhern Schulwesens" (ebd. 1875), "Studien und
Aussätze gemeinverständlichen Inhalts" (ebd. 1876),
"Das Judentum in Gegenwart und Zukunft" (Lpz.
1884; 2. Aufl. 1885), "Philos. Fragen der Gegen-
wart" (ebd. 1885), "Der Spiritismus" (ebd. 1885),
"Moderne Probleme" (ebd. 1886; 2. Aufl. 1838)^
"Lotzes Philosophie" (ebd. 1888), "Zwei Jahrzehnte
deutscher Politik und die gegenwärtige Weltlage"
(ebd. 1889), "Das Grundproblem der Erkenntnis-
theorie" (ebd. 1889), "Kritische Wanderungen durch
die Philosophie der Gegenwart" (ebd. 1890), "Die
Gcisterhypothese des Spiritismus und seine Pban-
tome" (ebd. 1891), "Kants Erkenntnistheorie und
Metaphysik in den vier Perioden ihrer Entwicklung"
(ebd. 1893). Auch veröffentlichte er zahlreiche Auf-
sätze über Tagesfragen in der "Gegenwart" und
andern Zeitschriften und unter dem Pfeudonym
Karl Robert "Dramat. Dichtungen" (Berl. 1870).
Diefer Fruchtbarkeit von H.s schriftstellerischer
Thätigkeit entspricht die Breite der Anreguna. im
Publikum. Ein Verzeichnis der auf H. bezüglichen
Litteratur hat Plümacher in seiner Schrift "Der
Kampf ums Unbewußte" (Berl. 1881; 2. Aufl., Lpz.
1890) gegeben. H. selbst hat zu den verschiedenen
Kritiken in mehrern Schriften Stellung genommen:
"Neukantianismus, Schopenhauerianismus und
.Hegelianismus" (2. Aufl., Berl. 1877), "Kirchmanns
erkenntnistheorctischer Realismus" (ebd. 1875),
"Das Unbewußte vom Standpunkt der Physiologie
und Dcscendenzlheorie" (ebd. 1877; 3. Aufl. im
3. Bande der I<>. Aufl. der "Philosophie des Un-
bewußten"), "Zur Geschichte und Begründung des
Pessimismus" (ebd. 1880; 2. Aufl., Lpz. 1892). -
E. von ,y.s Philosophie und der Materialismus der
modernen Kultur (Lpz. 1890); (^chneidewin, Offener
Brief an E. von H. lebd. 1892); Lichtstrahlen aus
H.s Werken, hg. von Schneidewin (Berl. 1882).
Hartmaml, Emil, dä'n. Komponist, Sohn von
Johan Peter Emilius H., geb. 21. Febr. 1836 in
Kopenhagen,war 1861-73ÖrganistinKopenhagcn
und wurde 189l Nachfolger seines Schwiegervaters
Gade als Direktor des Musikvereius. Er kompo-
niert im Charakter Gades vorwiegend Instrumental-
musik und hat sich in Deutschland bei wiederholtem
längevn Aufenthalt namentlich durch die Ouvertüre
"Eine nord. Heerfahrt", eine Sinfonie in Vs-äui-,
ein Klavierkonzert in I^moli und daneben kleinere
Charakterstücke ("Nord. Volkstänze", "Nord. Volks-
weisen") bekannt gemacht. Von seiuen Vokalkompo-
sitionen ist die Kantate "Winter und Lenz" als tüch-
tige und einfach erfundene Arbeit hervorzuheben.
Hartmann, Emil Friedrich Gustav, pharmaceu-
tischer Schriftsteller, geb. 29. Okt. 1835 zu Magde-
burg, studierte in Bonn, Berlin und Vreslau und
übernahm 15>62 von seinem Vater die Hofapothckc
in Magdeburg. Als Schriftführer der Magdebur-
ger Apothekerkonferenz, fpäter auch des Deutschen
Äpothekervereins, verteidigte er die idealen Bestre-
bungen der Pharmacie gegenüber der von der Ge-
werbcfreiheit ins Leben gerufenen materialistischen
Richtung, ^eine hierauf bezüglichen Arbeiten ver-
öffentlichte er in der "Pharmaceutischen Zeitung";
seine litterar. Thätigkeit auf diefem Gebiete gipfelte
in der Denkschrift "Reform oder Umsturz des Kon-
zessionssystems im Apothekenwesen?" (Magdcb.
1873). 1868 in dcn Ausschuß des damaligen Nord-