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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hauhechel - Haupt
bei Austerlitz eintraf. Während sein offizieller Auf-
trag ein Ultimatum an Frankreich war, hatte er
noch eine geheime Instrnktwn des Königs, den Frie-
den mit Frankreich anf jeden Fall zu bewahren;
c^ Gefolge schloh er nach der Sä)lacht bei Ansterlitz
den Vertrag von Schönbrunn 15. Dez., in dem
Prenßen Ansbach, Cleve und Nenchätel au Frank-
reich abtrat und dagegen Hannover erhielt. Aber
H., der kurz darauf wieder die Leitung der auswär-
tigen Angelegenheiten übernahm, lud damit deu
Unwillen der öffentlichen Meinuug auf sich. (S. Har-
denberg, S. 8l1a.) Während die Besitznahme Han-
novers Preußen mit England entzweite, dem sich
Frankreich näherte, verwickelten sich die Verhältnisse
Preußens zu Frankreich mehr als je. H. ging vergeb-
lich als Vermittler nach Paris, war dann Zeuge der
Schlacht bei Jena und folgte dem König nach Ost-
preußen. Seitdem lebte er zurückgezogen auf seinen
Gütern iu Oberfchlesien und Poleu. 1811 wurde er
Kurator der ueuerrichteten Universität zu Vreslan,
ging 1820 nach Italien und starb in Venedig 1831.
- Vgl. ^rHFM0Nt 668 IN6Nwii'68 1N6äit8 (W 00Mt6
ä6 II. (Jena 1837); Minntoli, Der Graf von H. und
Job von Witzleben (Berl. 1844); Vailleu, Preußen
und Frankreich von 1795 bis 1807 (in den "Publi-
kationen aus den königl. Preußischen Staatsarchi-
ven", Bd. 8 u. 29, Lpz. 1881 u. 87).
Hauhechel, Pflanzengattung, s. 0noni8.
Hauk, Minnie, Operusängerin, geb. 16. Nov.
1852 zu Neuyork, bildete sich zu einer hervorragen-
den Vühncnsängerin ans. Sie sang 1868 in Neuyork
und London, wirkte 1870-74 an der Wiener Hof-
oper und trat dann 1874-78 anf den Bühnen zn
Berlin, Brüssel, Paris, Moskan, Petersburg u. s. w.
mit großem Erfolg auf. Seitdem war sie hauptsäch-
lich auf den großen Opernbühnen in London und
Neuyork thätig. Ihre besten Leistungen sind Car-
men, Mignon, Katharina ("Der Widerspenstigen
Zähmung") und Angela ("Der schwarze Domino").
Seit 1881 mit dem Schriftsteller E. von Hesse-Wart-
egg (s. d.) verheiratet, wohnt sie jetzt in der früher
R. Wagner gehörigen Villa Triebschen bei Luzern.
Haukoin (Vergdamara), ein kleiner afrik.
Volksstamm in den Gebirgen von Deutsch-Südwest-
afrika (s. d.).
Haukrankheit, volkstümliche Bezeichnung für
die-Bleivergiftung der Rinder. Die H. hat ihren
Namen von den krampfhaften Kopfbewegungen, von
denen sie begleitet ist. Außerdem zeigen die Tiere Er-
brechen, Darmschmerzcn, Ausblähuug, Verstopfung,
Zittern, Krämpfe am ganzen Körper und Läh-
muugen. Da Bleisulfat nnlöslich und deshalb un-
schädlich ist, giebt man bei akuter Bleivergiftung
Schwefelsäure in schleimigen Abkochungen, ferner
Sulfate, wie Glaubersalz und Bittersalz. Gelegen-
heit zu Bleivergiftung haben die Rinder durch zu-
fällige Aufnahme von Vleipräparaten (z.B. Schrot-
körnern), ferner bei Verwertung bleihaltiger An-
striche an den Autterbottichen und Krippen, haupt-
sächlich aber m der Nähe von Vleiweiftfabriken.
Seuchenartig tritt die H. auf, wenn bleiführende
Flüsse, z. B. die Innerste in Hannover, der Vleibach
in der Nheinprovinz, über ihre Ufer treten und die
benachbarten Wiesen überschwemmen.
HauländerWirtschaften,Hauländereien,
fälschlich auch Holländereien, Güter in Posen,
welche früher, als das Land noch wenig bevölkert
war, gegen einen jährlichen geringen Zins ohne
Kaufgeld als Eigentum verliehen wurden.
Haulik de Varalja, Georg, Kardinal und Erz-
bischof von Agram, geb. 28. April 1787 zu Tyrnau
in Ungarn, trat ins erzbischöfl. Seminar zu Gran,
kam 1800 nach Wien, wurde 1812 erzbischöfl. Ar-
chivar in Ofen, 1814Konsistorialnotar, 1816 Sekre-
tär, 1825 Domherr, 1830 Titularbischof und Statt-
haltereirat, 1832Grohpropst von Agram, 1837 Bi-
schof daselbst und Wirkl. Geheimrat. Zweimal (1838
und 1843) bekleidete er die Würde eines Vanus-
Stellvertreters; 1843 wurde er mit seinen beiden
Brüdern in den Adelsstand erhoben, und als das
bisherige Bistum Agram zur Metropole erhoben
wurde, wurde H. erster Erzbischof von Agram. Die
Kardinalswürde erhielt er 1856. Er starb 11. Mai
1869. H. zeichnete sich durch eine fast schrankenlose
Wohlthätigkeit aus. Außerdem war er ein uner-
schrockener Verteidiger der Einheit Österreichs und
der Habsburg. Dynastie, demnach ein entschiedener
Gegner L. Kossuths, der ihn 1849 als Hochverräter
proskribieren ließ. Auch als theol. Schriftsteller
ist H. bekannt; seine Hirtenbriefe ("36i6ction63 I5n-
c^c1ic^6 literas 6t äicti0N63 85lcra6 " , Tl. 1 - 3,
Wien 1850-53) haben histor. Wert.
Haulleville(spr.ol'wil),ProsperCharlesAlexan-
dre, Baron de, belg. Publizist, geb. 28. Mai 1830
zu Luxemburg, widmete sich der Rechtswissenschaft
in Lüttich, Brüssel und Bonn. Das kath. Ministe-
rium De Decker-VilainXIIII. übertrug ihm 1856 den
Lehrstuhl des Naturrechts in Gent; als ihm dieser
ein Jahr darauf durch den Sturz feiuer Gönner
wieder abgenommen wurde, grüudete er als Organ
der kath. Opposition den "IIuiv6r86l". 1865 über-
nahm er die Leitung der Monatsschrift "I^svns
F6H6i-Hi6" und wurde 1878 gleichzeitig Hauptredac-
teur des "^ournal äo Vi-ux6U68", des vorzüglichsten
Organs der konstitutionell-kath. Partei in Belgien,
und später Konservator am Altertumsmuseum in
Brüssel. Unter seinen selbständigen Schriften steht
obenan die gekrönte Preisschrift "Histoire äe8 ooin-
niun68 I0mdarä68 ä6pui8 leur oriFiue.jn8cin'3,1a
tw äu 13° 8iöci6" (2 Bde., Par. 1858); ferner "1)0
I'6Q86i8II6II16Qtl)I-imail'6 6nI^0iFi(1U6"(BrÜss.i870),
"1^3. Qkti0U9.1it6 1)6iZ6 0U ^lainanäZ t)t ^VaU0U3"
(Gent 1870), "1.H äeünition du äroit" (Vrüss.1875),
"1)6 1'av6llir ä68 P6UPI68 CHt1ioIi(1U68" (1876), "?l0-
^6t ä6 moäiücation ä6 1a loi än 1 ^juillet 1879 8nr
I'6N86i^n6in6Qt ^rimilirev (1884).
Haun, s. Uhu.
Haupt (anatom.), s. Kopf. M> ^).
Haupt, in der Baukunst, s. Bogen (Bd. 3, S.
Haupt, Erich, evang. Theolog, geb. 8. Juli 1841
zu Stralsund, studierte in Berlin, ward 1864 Gym-
nasiallehrer zu Kolberg, 1866 in Treptow a. d. Ncga,
1878 ord. Professor der neutestamentlichen Exegese
in Kiel, 1883 in Greifswald, 1888 in Halle. Er
schrieb: "Der erste Brief des Johannes" (Kolberg
1869), "Die alttestamentlichen Citate in den vier
Evangelien" (ebd. 1871), "Die Kirche und die
theol/Lehrfreiheit" (Kiel 1881), "Pilgerschaft und
Vaterhaus, Predigten" (ebd. 1880; 2. Aufl., Halle
1890), "?1u3 ultra., zur Universitätsfrage" (Halle
1887; 2. Aufl. 1890), "Die Bedeutung der Hei-
ligen Schrift sür den evang. Christen" (1. u. 2. Aufl.,
Bietes. 1891).
Haupt, Moritz, Germanist und klassischer Philo-
log, geb. 27. Juli 1808 in Zittau, wo sein Vater
Ernst Friedrich H. (geb. 31. Mai 1774, gest.
1. Mai 1843), der sich durch die Herausgabe der
"Jahrbücher des zittauischen Stadtschreibers Io-