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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hausch - Hauser (Kaspar)
Hausch (arab.), Landgut, Pachthof in Algerien.
Haus der Gemeinen, Bezeichnung für das
cngl. Unterhaus, s. OominonZ, IIon86 ot'.
Haus der Lords, Bezeichnung für das engl.
Oberhaus, s. I.oräs, H01186 ol.
Hausdiebftahl war gemeinrechtlich der Dieb-
stahl von Hausgenossen, welche nicht zur Familie
gehören; er winde von Amts wegen verfolgt und mit
Nücksicht auf den bewiesenen Vertrauensbruch oft-
mals strenger bestraft als der gemeine Diebstahl.
Nach dem Neichsstrafgesetzbuch ß. 247 ist dagegen
als H. zu betrachten der Diebstahl gegen Angehörige,
Vormünder oder Erzieher oder gegen eine Person,
zu der der Dieb im Lehrlingsverhältnis steht oder
in deren häuslicher Gemeinschaft er sich als Gesinde
befindet. Bei Diebstahl gegen Angehörige, Vor-
münder und Erzieher tritt die Verfolgung ohne
Rücksicht auf den Wert der entwendeten Sache nur
auf Antrag ein. In den übrigen Fällen liegt ein
Antragsdelikt vor, wenn die entwendete Sache von
unbedeutendem Werte ist; sonst tritt Verfolgung
von Amts wegen ein. Die Zurücknahme des An-
trags ist zulässig.
Hausen (im Russischen Beluga, Bjelüga),
^cip6u8or Iiugsi /^., der größte der zum Störge-
schlecht gehörigen Fische, hält sich im Schwarten
und Kaspischen, selten auch im Mittelländischen
Meere auf, kommt aber zur Laichzeit in die Donau,
Wolga und andere große Flüsse und erreicht bis
9 in Länge und W Ctr. Schwere. Sein Rogen liefert
Kaviar (s. d.); es giebt Fische, die bis zu 8 Ctr. Kaviar
liefern. Aus der innern pulposen und vasculösen
Haut der Schwimmblase wird der sog. Fischleim,
die Hausenblase (s. d.), bereitet.
Hausen, Friedrich von, s. Friedrich von Hausen.
Haufenblase (Fischblase, Fischleim, ('olla.
pi8eium oder Icdtii^ocoliä.), die innere Haut der
Schwimmblase des Hausen und anderer Störarten.
Die Blasen werden in schwacherKalkmilch gewaschen,
dann aufgeschnitten und zum Trocknen an der Lnft
ausgebreitet, aber so, daß die innere, silberweiße
Membran, die den Fischleim giebt, nach oben kommt.
Sie wird dann von der äußern gröbern Haut abge-
sondert. Darauf trocknet man sie an der Sonne in
mancherlei Formen, wonach man Bänder-, Blät-
ter-, Bücher-, Faden-, Klammer-, Ringel-,
Zungenhausenblase unterscheidet' geringere, ge-
färbte Sorten bleicht man mittels schwefliger
Säure. Die H. quillt in kaltem Wasser stark auf.
In heißem Wasser löst sie sich mit Hinterlassung
einiger Fasern. Beim Erkalten erstarrt die Lösung
zu einer fast farblosen durchsichtigen Gallerte. Selbst
in schwachem Weingeist ist sie in der Wärme völlig
löslich. Man benutzt sie häusig zum Klären von
Wein, Bier u. s. w., indem man sie in viel kaltem
Wasser aufgequollen einrührt. Die Faserteilchen
Hilden gewissermaßen ein zusammenhängendes Netz,
in das sich die niedergeschlagenen und schwimmen-
den Teile festsetzen. Die H. dient zur Darstellung
von Gallerte in der Kochkunst, indem sie selbst noch
mit ihrem 25fachen Gewicht Wasser gekocht eine beim
Erkalten konsistente Gallerte giebt: doch ist sie hier
durch die Gelatine und die neuerdings vielfach an-
gewandte Agar-Agar (s. d.), auch chinesische H.
genannt, so gut wie ganz verdrängt. Auch dient H.
zur Herstellung des Englischen Pflasters (s. d.) und
von Kitten für Glas und Porzellan.
Die besten Sorten der H. sind die russischen, die
außer vom Hausen auch vom Osseter, Stör und
Sterlet stammen, deren Fang am Kaspischen und
Schwarzen Meere, an der Wolga, demDon,Dnjepr,
Ural und an einigen sibir. Flüssen getrieben wird.
Als beste Sorte gilt die Soliansky-Hausen-
blase in Blättern, eine geringere Sorte ist die Sa-
movy-Hansenblase, vom Wels stammend. Der
große Bedarf Englands, wo die H. viel zum Klären
des Biers dient, wird auch durch minderwertige Pro-
dukte, die von den verschiedensten Fischen stammen,
zum Teil auch nicht Schwimmblasen, sondern ge-
walzte Fischhäute sind, gedeckt. An den nordamerik.,
engl. und deutschen Küsten verwertet man besonders
die Blasen des Störs, des Kabeljaus und des ge-
meinen Seehechts. Während^die russ. Sorten rein
weiß sind, haben alle diese borten, sowie die ost-
indische, die Hudsonsbay-Hausenblase, die
brasilianische H. eine gelbliche bis bräunliche 1
Färbung und zeigen mehr unlöslichen Rückstand.
Die Para-Hausenblase besteht aus den ge- /
trockneten Eierstöcken des Gelbfisches. Beste So-
liansky-Hausenblase kostet im Großhandel (1893)
etwa 22 M. das Kilogramm.
Sog. künstliche H. wird aus den Knochen des
Walfisches, des Delphins und anderer großer See-
sische gewonnen. Die Knochen werden zur Entfer-
nung des Fettes mit Wasser gekocht, durch Salz-
säure von dem Kalk befreit, mit Wasser ausgezogen,
getrocknet, nochmals gekocht und endlich mit Kalt-
milch oder Kreide geklärt. Die beim Erkalten gallert-
artige Masse wird in Tafeln geschnitten und auf
Gittern von Schnüren getrocknet.
Hausente, s. Enten Wo. 6, S. 168 k).
Hausepidemien. Im Verlaufe epidemischer
Krantheitsausbrüche ereignet es sich nicht selten,
daß einzelne mehr oder weniger heftige Ausvrüche
auf einige wenige oder ein einziges Haus beschränkt
bleiben. Man spricht dann von H. Solche H. sind
für da^ Studium der Entstehung und Verbreitung
epidemischer Krankheiten sehr wertvoll, da sich hier
gewissermaßen die Epidemie im kleinen, wo ihre
^igentümlichkeiten leichter zu verfolgen sind, ab-
spielt. In dicht bevölkerten Häusern, wie Spi-
tälern, Gefängnissen, Kasernen, nehmen solche H. oft
große Dimensionen an. Bekannt sind als schwere
H. die Choleraepidenne in der Gefangenanstalt Lau-
fen (187'y und der Choleraau^bruch in der Irren-
anstalt Nietleden bei Halle l 1 8^).
Hauser, Franz, Sänger, geb. 12. Jan. 1794
zu Krasowitz bei Prag, studierte die Rechte, dann
Medizin, war 1817-37 Opernsänger (Bariton) an
verfchiedenen deutschen Bühnen, später Gesang-
lehrer in Wien und leitete 1.840-64 das Konser-
vatorium zu München. Er wurde 18(55 pensioniert
und ließ sich in Freiburg i. Br. nieder, wo er
14. Aug. 1870 starb. H. schrieb eine "Gesanglehre
für Lehrende und Lernende" (Lpz. 1866), die sich
durch Gründlichkeit und durch die Gesundheit der
Grundgedanken auszeichuet. Auf dem Gebiete der
Bach-Kenntnis war H. eine der ersten Autoritäten;
sein Katalog von Werken Bachs und seine Samm-
lung Bachscher Autographen sind viel benutzt wor-
den! Seine ungewöhnliche Bildung brachte ihn in
freundschaftlichen Verkehr mit einer Neihe bedeu-
tender Männer, unter ihnen F. Mendelssohn und
M. Hauptmann. Der bekannteste seiner Gesang-
schüler ist der Varitonift E. Gura. - Vgl. M. Haupt-
mann, Briefe an Franz H. (2 Bde., Lpz. 1871).
Hauser, Kaspar, ist der Name eines durch seine
dunkle Herkunft und seine merkwürdigen Schicksale