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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hauslaub - Hausmannit
frei gewählten Oberhauptes ihre wirtschaftliche
Thätigkeit zu gemeinsamem Nutz und Frommen und
auf gemeinsame Gefahr entfalten. Die H. erscheint
als ein Überrest der wirtschaftlichen Kulturperiode,
in der das Sondereigentum an Grund und Boden
noch nicht entwickelt war, derselbe sich vielmehr im
Kollektivbesitz der gesamten Sippe befand. Spuren
einer solchen socialen Ordnung in der Familie lassen
sich nicht nur bei den verschiedenen Stämmen ari-
schen Ursprungs, sondern fast bei allen Völkern
nachweisen (s. Feldgemeinschaft).
Die H. hat sich bei den Kroaten, Serben und Bul-
garen, mit Ausnahme der Städte und des dalmat.
Küstenlandes, erhalten, und es sind die Rechtsver-
hältnisse derselben in einigen Ländern gesetzlich be-
stimmt, in andern, z. B. in Bulgarien und Bosnien,
nur gewohnheitsrechtlich geordnet. Als wesentlich für
die Beurteilung der Rechtsverhältnisse einer H. er-
scheinen folgende Merkmale: Der Grund und Boden
der H., das sog. Stammgut, gehört allen Mit-
gliedern des Familienverbandes an, wird durch ge-
meinsame Arbeit derselben bebaut und dient auch zu
ihrem gemeinsamen Unterhalt. Von diesem Stamm-
gut werden in einigen Gesetzgebungen einerseits
das sog. überland, nämlich diejenigen Grundstücke,
welche die H. erworben hat, aber mcht als Stamm-
gut in die Grundbücher eintragen ließ, andererseits
das in Gerätschaften, Kleidern und ähnlichem Fähr-
nis bestehende, in freiem Eigentum eines Haus-
kommunionmitgliedes befindliche Sondergut unter-
schieden, über welches demselben volle Verfügungs-
freiheit zusteht. Die Verwaltung des Stammgutes
und die Oberaufsicht über dessen Bewirtschaftung
führt der sog. Hausvater (äomHoin, 8t3^68ma),
welcher von den mündigen Mitgliedern der Verbin-
dung gewählt wird, an ihren Beirat bei jedem wich-
tigen, die ganze Familie oder das häusliche Ver-
mögen betreffenden Geschäfte gewiesen, ihnen über
seine Verwaltung Rechnung zu legen verpflichtet ist,
von ihnen auch wegen Unfähigkeit oder mangel-
hafter Führung der Geschäfte abgesetzt und durch
einen andern ersetzt werden kann. Der Hausvater
vertritt die H. auch nach außen hin und ist der
Vormund der minderjährigen Mitglieder derselben.
Besteht eine H. bloß aus Weibern, was im Falle
des Aussterbens des Mannstammes eintreten kann,
oder wenn die männlichen Verwandten sämtlich
unmündig sind, dann wird eine sog. Hausmutter
(äomaöica) gewählt. Der Ertrag der Wirtschaft
wird unter die Mitglieder der H. nicht verteilt, son-
dern vom Hausvater verwaltet und zum Besten der
ganzen Verbindung verwendet; daraus werden auch
die persönlichen Bedürfnisse der einzelnen Mitglie-
der der Verbindung bestritten. Nur das mit dem
Sondergut Erworbene gehört dem Einzelnen aus-
schließlich zu und bildet auch den Gegenstand eines
besondern Erbrechts im Kreise der Einzelfamilie,
wenn die H., wie es zumeist der Fall ist, aus mehrern
derselben besteht. Das Stammgut darf auch nicht
bei der Verheiratung der weiblichen Mitglieder in
eine andere H. angegriffen werden; die Aussteuer
besteht nur in Fährnis. Erst der letzte Sprosse einer
Hausfamilie kann über das ganze Stammgut letzt-
willig verfügen; hat er dies nicht gethan, fällt es
dem Staat anheim.
Das Institut der H. geht in der Gegenwart rasch
seinem Verfall entgegen. Die neuesten österr. Ge-
setze (von 1874 für Kroatien, von 1880 für die
Militärgrenze) verbieten geradezu die Nildung
neuer H. und gestatten jedem Mitgliede derselben,
die Teilung zu beantragen. - Vgl. Utiesenoviö,
Die H. der Südslawen (Wien 1859); VeM, 2akoni
i nareäds 0 2aaruFg.l1 u Hrva.t8k<^' i slavoiHi (Die
die H. in Kroatien und Slawonien betreffenden Ge-
setze und Verordnungen, 1880); Demeliö, 1.6 äroit
eoutuinwr ä68 8I3.V68 inLi-iäionkmx, Bd. 1 (Par.
1877); de Laveleye, Das Ureigentum (deutsch von
K. Bücher, Lpz. 1879). - In der christl. Kirche
nennt man H. die Spendung des Abendmahls an
Kranke und solche Personen, die das Gotteshaus
nicht besuchen können.
Hauslaub, Hauslauch, s. Hauswurz.
Hauslehrer, Informator, Hofmeister, ein
Lehrer, der in eine Familie aufgenommen wird, um
die Kinder zu unterrichten. In früherer Zeit, als
die Schulen noch nicht überall die für die höhern
Stände wünschenswerte Ausbildung gewährten,
manche Familien auch die Berührung mit Kindern
anderer Lebenskreise scheuten oder sich nicht in den
Gedanken finden tonnten, ihre Kinder aus dem
Hause zu geben, waren H. ein viel häusigeres Be-
dürfnis als gegenwärtig, wo H. meist nur ftr süngere
Kinder gehalten werden; ältere giebt man, teils
wegen der an den Vefuch gewisser Schulen geknüpf-
ten Berechtigungen, teils auch, weil ein einzelner-
Lehrer nicht, wie unsere heutigen Schulen, die Ge-
währ für allseitige Ausbildung der Schüler bieten
kann, meist aus dem Hause, wenn sich am Orte
keine passende höhere Schule findet. Früher, als
wesentlich nur die vornehmen Familien den Infor-
mator oder Hofmeister als ein notwendiges Glied
in ihrem Hauswesen ansahen, ihn fast ausschließ-
lich aus dem Kreise angehender Kandidaten des
Pfarramtes, dann, dem modischen Geschmacke fol-
gend, aus Frankreich oder der franz. Schweiz wähl-
ten, zwangen die gesellschaftlichen Anschauungen
und der Mangel an guten Schulen zu dieser Art
von Erziehung. Rousseau und Locke haben darum
bei ihren Darstellungen nur die Erziehung durch H.
im Auge. Die Gegenwart hat mit der alten Ge-
wohnheit gebrochen, und selbst fürstl. Familien haben
sich der modernen Auffassung gefügt. Dagegen wer-
den in wohlhabenden Familien zuweilen auch für
die Kinder, die öffentliche Schulen besuchen, geeig-
nete Personen gewonnen, um die Schularbeiten zu
überwachen und die Erziehung außer der Schule zu
leiten. H., die schulpflichtige Kinder an Stelle der
Schule unterrichten, müssen in einzelnen Staaten
durch jährliche Prüfungen zeigen, daß ihre Zög-
linge mindestens eine dem Volksschulunterricht ent-
sprechende Bildung erhalten haben.
Häusler, s. Bauer, Bauerngut, Bauernstand
(Bd. 2, S. 505d).
Hausmanlnt, ein nach dem Mineralogen Joh.
Friedr. Ludw. Hausmann (geb. 1782 zu Hannover,
gest. 1859 als Professor der Mineralogie in Göt-
tingen) genanntes tetragonal krystallisierendes
Manganerz; die Krystalle sind stets pyramidal, ge-
wöhnlich zu Drusen verwachsen, nicht selten auch
als Zwillinge ausgebildet. Das Mineral hat die
Härte 5-5,5, ein spec. Gewicht von 4,7 bis 4,9, ist
eisenschwarz mit braunem Strich und starkem Metall-
glanz, doch in ganz dünnen Schliffen durchscheinend.
Die chem. Analyse ergiebt 69 Proz. Manganoryd
und 31 Proz. Manganoxydul, woraus sich die For-
mel NnO -l- N"2 Og oder Mn Nny (^ ableitet. Vor
dem Lötrohr ist er unschmelzbar, in Salzsäure unter
Chlorentwicklung löslich. Der H. findet sich unter