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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hausmarke - Hausorden
anderm zu Ohrenstock, Ilmenau, Ilfeld am Harz
und bei Pajsberg und Nordmark in Schweden.
Hausmarke (altdeutsch dumai-k), Hofmarke,
diejenigen unbildlichen Zeichen, welche als Merk-
zeichen auf Sachen gesetzt, zur Bekundung des
Zusammenhanges dieser Sachen mit einer Grund-
besitzung und mit der Person des Eigentümers
der Besitzung dienten. Der häusige Gebrauch
von Marken als Sachmerkzeichen schreibt sich aus
einer Zeit des Vildungsstandes, in welcher der
allgemeine Vertreter einer Person, ihr Name, noch
nicht durch die Schrift von und für jedermann
vor Augen gestellt zu werden vermochte. Die
Person bedürfte indessen eines einfachen sie ver-
tretenden Zeichens zu mancherlei Zweckeu. Die
Marke vertrat die Namensunterschrift, sie wies
auf die Person des Eigentümers der markierten
Sache; sie lieh ersehen, wer der Urheber oder
Verfertiger einer ^?ache gewesen sei. Als einfachste
Art der Herstellung ergab sich die unendlicher Kom-
binationen fähige Bildung geradliniger Figuren:
Das Haus trug die Marke, welche sich alsdann auf
dem zugehörigen lebenden und toten Inventar wie-
derfand. Der Fischer führte ein feiner Obrigkeit
bekannt gegebenes Zeichen an seiner Harpune, da-
mit erkennbar werde, von wem der antreibende Wal-
fisch erlegt sei. Die Steinmetzzeichen^lassen die thätig
gewesenen Bauhütten erkennen. Sowohl Privat-
personen als auch Innungen, jurist. Personen,
Beamte oder Geistliche als solche führten gewisse
Zeichen. Grenzsteine, Schilde, Wappen <s. Heraldit)
trugen die gewählten Marken. Die Funktion der
Marken als Markzeichen ist schwer zu begrenzen.
Ebenso schwierig ist, zu sagen, inwieweit das In-
stitut der Marken zu einem Rechtsinstitut geworden,
indem der Person, welche eine bestimmte Marke sich
zusammengestellt hat, ein geschütztes absolutes, viel-
leicht vererbliches und veräußerliches Recht zu-
gestanden ist. Der Gebrauch der gedachten einfachen
Merkzeichen kommt in irgend einer Richtung in ganz
Europa vor und diese Verbreitung erklärt sich aus
der einfachen praktifchen Funktion. Mit dem höhern
Bildungsstande und allgemeiner Schriftkunde wird
der Gebrauch der Schrift, Buchstaben, Zahlen all-
mählich vorgezogen. Als Rechtsinstitut kommt die
Marke gegenwärtig nur noch als Warenzeichen in
der Markenschutzgesetzgebung (Deutsches Reichsgesetz
vom 30. Nov. 1874) vor. (S. Markenschutz.) -Vgl.
Homeyer, Die Haus- und Hofmarken (Berl. 1870;
neuer Abdruck nebst Nachträgen, ebd. 1890).
Hausmaus, s. Maus.
Hausmeier, s. N^or äomuL.
Hausminifterium. In den großen monarchi-
schen Staaten bestehen in der Regel besondere Mi-
nisterien für die Angelegenheiten des regierenden
Hauses. Das H. in Preußen ist abgesondert von
den übrigen Ministerien; der Minister des königl.
Hauses ist nicht, wie sämtliche andere Minister,
Staatsministcr; ihm untersteht kein Zweig der
Staatsverwaltung. Die Errichtung erfolgte durch
Kabinettsordcr vom 11. Jan. 1819; von 1810 bis
1819 war das Amt mit dem des Staatskanzlers
verbunden gewesen. Den Geschäftskreis bilden die
persönlichen Angelegenheiten des königl. Hauses
und der königl. Familie, insbesondere Testaments-,
Ehe-, Vormundschaftssachen, überhaupt die ganze
sog. freiwillige Gerichtsbarkeit, serner die Angelegen-
heiten der Hoschargen und Erbämter (diese beiden
gemeinsam mit dcm Oberstkämmercr), die Standes-
angelegenheiten, die Verwaltung der Fideikommisse
der Krone und des königl. Hauses. Dem H. unmittel-
bar unterstellt sind: das Heroldsamt sür Standes-
und Adelssachen, das königl. Hausarchiv, die Hof-
tammer der königl. Familiengüter, das Familien-
sideikommiß der königl. Prinzen.
Hausmittel, im Gegensatz zu den vom Arzt
aus der Apotheke verschriebenen Mitteln, die man
in den Haushaltungen vorrätig hält (Hausapo-
theke) und in leichten oder in Notfällen auch ohne
Anordnung des Arztes zur Anwendung bringt.
Die H. sollen ungefährlicher Natur sein, sodaß sie,
wenn sie unter Umstünden nichts nützen, doch auch
keinen positiven Schaden bringen. Dahin gehören
Pulver, Abführmittel, Mittel gegen Durchfall, gegen
Zahnschmerz, Riechsalz, Senf, Blasenpflaster, Ver-
bandsalbe, Weine u. dgl. Nicht selten wird freilich
durch H. großes Unheil gestiftet, teils durch Anwen-
dung ungeeigneter oder selbst schädlicher Mittel, teils
dadurch, daß über dem eigenmächtigen Kurieren der
richtige Zeitpunkt zu einem erfolgreichen therapeu-
tischen Eingreifen verfehlt wird. - Vgl. Niemeyer,
Über Haus- und Volksmittel (Tüb. 1864); Nuhbaum,
Eine ileine Hausapotheke (3. Aufl., Verl. 1882);
Dyrenfurth, Hausapotheke (2. Aufl., Bielef. und
Lpz. 1884).
Hausmutter (^Frotig ümdrild ^.), ein gemei-
ner bekannter Schmetterling aus der Familie der
Eulen (s. d.) von 50 bis (50 mm Breite, mit blaß
rötlichbraungrauen Vorderflügeln, mitduntlcrn und
Hellern Linien und Nierenmatcln. Die Hinterflügel
sind gelb mit schwarzer Sanmbindc. Die dicke,
braune, glatte Raupe überwintert und lebt im Herbst
und Frühjahr an niedern Pflanzen (besonders
Schlüsselblumen und Kruciferen), hält sich am Tag
verborgen und liefert im Sommer den Schmetterling.
Hausner, Otto, österr. Politiker, geb. 1827 in
Brody in Galizien, studierte in Lemberg, Wien und
Berlin, widmete sich eine Zeit lang der Landwirt-
schaft und war gleichzeitig schriftstellerisch thätig.
Seit 1873 Mitglied des galiz. Landtags und seit
1878 auch des Abgeordnetenhauses, trat er zuerst
bedeutsam hervor durch eine Rede über die öster-
reichische orient. Politik, in der er die Occupation
von Bosnien und der Herzegowina bekämpfte. Auch
später zeigte sich H., der kleinen Fraktion der sog.
liberalen Polen im Polenklub angehörend, als ein
gewandter Redner in Finanz- und Budgetfragen,
machte sich aber, obwohl selbst deutscher Herkunft,
durch seinen Haß gegen die Deutschen bemerkbar.
Er starb 27. Febr. 1890. Von seinen Schriften sind
zu erwähnen: "Vergleichende Statistik von Europa"
(2 Bde., Lemb. 1865), "Versuch einer vergleichenden
Monographie der Karl-Ludwigsbahn" (ebd. 1875),
"Das menschliche Elend" (Wien 1879), "Deutsch-
tum und Deutsches Reich" (ebd. 1880).
Hausoffiziant, s. Gesinde (Bd. 7, S. 941 d).
Hausorden, Familienorden, die den fürstl.
Häusern am nächsten stehenden Orden, so der H.
der Treue (Baden), der Wendischen Krone (Mecklen-
burg), vom Heiligen Petar (Montenegro), vom Gol
denen Löwen (Nassau), Herzog Peter Friedrich Lud-
wigs (Oldenburg), von Hohenzollern (Preußen und
Hohenzollern), der Rautenkrone (Königreich Sach-
sen), des Falken (Großherzogtum Sachsen), Sachsen-
Ernestinische (sächs. Herzogtümer).