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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Hautwurm; Haüy; Haüyn; Haüynophyr; Havamal; Havana; Havanafieber; Havarie; Havariekommissionen; Havas; Havel

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Hautwurm - Havel

zündung solcher Hautflächen, die sich aneinander reiben oder durch Schweiß und andere Ausscheidungen gereizt werden, namentlich in der Achselhöhle, zwischen den Oberschenkeln und Hinterbacken (Wolf), befällt häufig Säuglinge und korpulente Leute und erfordert zu ihrer Heilung öftere Reinigung mit kaltem Wasser, Auflegen von Salicyltalg oder Glycerinsalbe und, bei starkem Nässen der entzündeten Hautstellen, öfteres Bestreuen mit einem austrocknenden Streupulver, wie Bärlappsamen, Zinkweiß mit Stärke u. dgl. (S. auch After und Erythem.)

Hautwurm, s. Rotzkrankheit.

Haüy (spr. aüih), René Just, franz. Mineralog, der Begründer der wissenschaftlichen Krystallographie, geb. 28. Febr. 1743 zu St. Just im Depart. Oise, widmete sich dem geistlichen Stande. Von Daubenton in die Mineralogie eingeführt, machte er sich bald durch eine Reihe der wichtigsten Entdeckungen bekannt. Bei der Errichtung des Instituts wurde er Mitglied desselben. Obwohl er an der Revolution gar keinen Anteil nahm, brachte man ihn in den Septembertagen in die Gefängnisse des Seminars St. Firmin, aus denen ihn indes die Fürsprache voll Geoffroy Saint-Hilaire befreite. 1793 wurde er zum Mitglied der Kommission für Maße und Gewichte, 1794 zum Konservator des Cabinet des mines, 1795 zum Lehrer der Physik an der Normalschule ernannt. Napoleon übertrug ihm 1802 die Professur der Mineralogie am Musée d'historie naturelle, bald darauf auch die an der Faculté des sciences. Er starb 3. Juni 1822. Seine ersten Arbeiten über die Struktur des Granats und der Kalkspate erschienen 1781 ("Journal de physique", 1782), seine bahnbrechende Abhandlung "Essai d'une théorie sur la structure des cristaux" folgte 1784. H. erkannte, unabhängig von dem schwed. Chemiker Torbern Bergman, die Spaltungsgestalt des Kalkspats allgemein als konstant und ermittelte deren Zusammenhang mit den äußern Formen. Ferner entdeckte er das wichtige Grundgesetz von der Rationalität der Achsenschnite, welches den gesamten Krystallbau beherrscht. Zu seinen bedeutungsvollsten Forschungen gehört das Auffinden des Gesetzes der Symmetrie, welches darin besteht, daß bei Kombination einer Krystallform mit andern alle gleichartigen Teile, Kanten, Ecken, Flächen immer zugleich und auf gleiche Weise verändert werden. Seine Hauptwerke sind: "Traité de minéralogie" (4 Bde. mit Atlas, Par. 1802; neue Aufl., ebd. 1822; deutsch von Karsten und Weiß, 4 Bde., Lpz. 1804-10), ""Traité élémentaire de physique" (2 Bde., Par. 1803: 3. Aufl. 1821; deutsch von Blumhof, 2 Bde., Weim. 1804), "'"Traité des charactères physiques des pierres précieuses" (Par. 1817; deutsch von Leonhard, Lpz. 1818), "Traité de cristallographie" (2 Bde., Par. 1822).

Haüy (spr. aüih), Valentin, Blindenlehrer, Bruder des vorigen, geb. 13. Nov. 1745, widmete sich vorzugsweise dem Studium der neuern Sprachen und erhielt eine Stellung im Ministerium des Auswärtigen. Sein System des Blindenunterrichts brachte er in der von ihm 1784 errichteten Blindenanstalt zu Paris in Anwendung und verpflanzte es später (seit 1806) auch nach Berlin und Petersburg. Er kehrte 1817 aus Rußland nach Paris zurück und starb daselbst 18. März 1822. Er schrieb "Essai sur l'éducation des aveugles" (Par. 1786).

Haüyn, reguläres, vorwiegend im Rhombendodekaeder, dem auch die Spaltung folgt, oder in dessen Kombination mit dem Oktaeder krystallisierendes Mineral, gewöhnlich in einzeln eingewachsenen krystallinischen Körnern ausgebildet, meist lasur- bis himmelblau oder bläulichgrün, auch graulich oder schwärzlich, selten farblos oder weiß, glas- bis fettglänzend, durchscheinend; Härte 5-5,5. Chemisch ist der H. bald eine Verbindung von 2 Molekülen eines Natronthonerdesilikats (Na2Al2Si2O8) mit 1 Molekül Natronsulfat (Na2SO4), bald eine Mischung dieser Substanz mit dem entsprechenden Kalksalz. Früher beschränkte man den Namen H. auf die ganz oder fast ganz kalkfreien und meistens blau gefärbten Glieder und nannte die kalkhaltigen, vorwiegend nicht blauen Rosean; da aber hier keine festen Grenzen bestehen, der Kalkgehalt gar nicht mit der Farbe zusammenhängt, wie denn die grauen sog. Roseane durch Glühen das Blau des H. erhalten, so ist in neuerer Zeit der Name Rosean in dem Namen H. aufgegangen. Die Kieselsäure schwankt in den Analysen um 36, die Schwefelsäure um 11,5. Proz. Die prächtige blaue Farbe wird wahrscheinlich durch etwas beigemischtes Schwefelnatrium (wie beim Lapis lazuli und dem künstlichen Ultramarin) bedingt. Salzsäure zersetzt das Mineral unter Abscheidung von Kieselgallerte. Der H. (und Rosean) ist auf quarzfreie und alkalireiche jüngere Eruptivgesteine vulkanischer Natur beschränkt, hier fast immer von Nephelin oder Leucit oder beiden zusammen begleitet; so ist er fast ausnahmslos zugegen in allen eigentlichen Phonolithen nnd Leucitphonolithen, in vielen Nephelin- und Leucitbasalten, in manchen Tephriten und Basaniten. In den Laven des Vulkans Vultur bei Melfi erscheinen große Krystalle so häufig, daß man das Gestein Haüynophyr genannt hat.

Haüynophyr, Gestein, s. Haüyn.

Havamal, s. Edda.

Havana, San Cristobal de la, s. Habana.

Havanafieber, s. Sumpffieber.

Havarie, s. Haverei.

Havariekommissionen der Marine sind Organe des Reichs-Marineamtes, mit der Bestimmung, die Ursachen der Unfälle, von denen in Dienst gestellte Kriegsschiffe oder -Fahrzeuge betroffen werden, festzustellen und die Schuldfrage klarzulegen. Die Mitglieder der H. setzen sich aus Seeoffizieren, Schiffs- und Maschinenbau-Ingenieuren zusammen.

Havas, s. Agence Havas.

Havel, der bedeutendste rechte Nebenfluß der Elbe, entspringt auf 63 m Meereshöhe aus einem kleinen, 13 km nordwestlich Neustrelitz gelegenen See. Sie fließt durch mecklenb.-schwerin., mecklenb.-strelitzsche und preuß. Gebietsteile, um bei Burgwall definitiv in die preuß. Provinz Brandenburg einzutreten, deren Grenze gegen die Provinz Sachsen sie von Brandenburg ab zumeist bildet. Die 186,3 km lange, bis Spandau reichende Oberhavel hat 32, die 184,7 km lange Unterhavel nur 10 m Gefälle. Bei Spandau ändert die H. ihre bisher südl. Richtung in eine südwestliche, erreicht im Schwielowsee unterhalb Potsdam den südlichsten Punkt ihres Laufs und fließt von da über Brandenburg und Rathenow in im allgemeinen nordwestl. Richtung zur Elbe, in die sie gegenüber der Stadt Werben, 14 km unterhalb Havelberg und nur 90 km von ihrem Ursprung, mündet. Ein echter Tieflandfluß, durchfließt oder bildet die H. zahlreiche Seen: die Oberhavel den Dambecker, Zotzen-, Jäthen-, Useriner, Großen Labus-, Woblitz-, Ellbogen-, Ziern-,